Frauen als Heilerinnen-Eine Bedrohung der Kirche?

Dieses Thema im Forum "Hexenverfolgung (1450-1750)" wurde erstellt von babsi, 22. Februar 2012.



  1. babsi

    babsi Neues Mitglied

    Meine Freundin hat dieses Thema als 5Pk und kommt nicht so ganz damit klar und bräuchte hilfe...zb ob die Heilerinnen eine Bedrohung waren (ja/nein)und warum...
    währ echt nett wenn ihr ihr helfen könntent^^:scheinheilig:
     
  2. Wilfried

    Wilfried Neues Mitglied

    Warum sollten sie irgendeine Kirche bedrohen?

    Ich vermute mal, es geht um "Heilerinnen" im Mittelalter. Die allermeisten Handschriften über mittelalterliches Heilwissen stammen aus Klöstern, davon wieder das meiste von Nonnen. Die berühmteste ist Hildegard von Bingen.
    Und wer das Wissen von Frauen sammeln läßt und auch noch aufschreiben, fühlt sich wohl kaum davon bedroht.
    Ich nehme mal an, es geht insgesamt um das Thema, die böse Kirche läßt Frauen im Mittelalter verbrennen.

    Hexenprozesse gabs erst in der Neuzeit, zu der Zeit gab es dann schon mehr als eine Kirche in Mittel und Westeuropa (die katholische, die anglikanische und verschiedene protestantische Glaubensrichtungen,- Luther, Calvin, usw-). Und egal welche Glaubensrichtung wurden Hexen verfolgt.
     
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  3. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Vielleicht sollte man differenzieren.
    Frauen mit Wissen über Heilkunde, oder jene Frauen, zu denen man gegangen ist, wenn man Warzen, Gürtelrosen oder ähnliches besprechen ließ (gibt es auch noch heute)?
    Die Frau an sich war ja schon die Heilerin. Ich meine das in diese Richtung; Kind fällt hin und schreit: "Mama!" Die Mutter musste jetzt handeln. Sicher waren die Töchter dann dabei und schauten sich an, was Mama dort tat und lernten für später. So vererbte sich das Wissen, auch über Heilkräuter.
    Eigentlich hätte die Kirche dann gegen alle Frauen vorgehen müssen.

    Dann noch die weisen Frauen, also die Alte, die im Wald wohnt und ... Ich denke, das ist eher eine Legende. Die prädestinierte Hexe an sich gab es nicht.
     
  4. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    So aus dem Stegreif ist das nicht zu beantworten. Wenn deine Freundin damit nicht klar kommt, sollte sie selbst schreiben.

    Über welche Zeit sprechen wir da? Rein theoretisch wäre eine Heilerin eine ebenolche Bedrohung wie ein Heiler, Bader etcpp. Oder geht es um die Rolle der Frau, oder vielmehr die Rolle, die die Kirche ihr zudachte?
    Geht es auch um Hebammen, deren Berufsbild sich im Laufe der Jahrhunderte stark verändrte und um die Tatsache dass Frauen ein Medizinstudium lange Zeit verwehrt blieb? Aber kann man das der Kirche anlasten?

    Bitte diese Äußerungen und Fragen nur als Denkanstösse zu verstehen.
     
  5. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Angesichts des hysterischen Hexen- und Dämonenglaubens im späten Mittelalter waren Frauen der Kirche nicht ganz geheuer, die in Töpfen und Tiegeln "geheimnisvolle" Tränke und Salben zusammenbrauten, Warzen besprachen oder andere überlieferte abergläubische Bräuche praktizierten.

    Solche Frauen gerieten rasch in Verdacht, mit dem Satan zu paktieren, und wenn einem abergläubischen Bauern plötzlich eine Viehseuche seine Kühe dahinraffte, fiel der Verdacht oft auf die "Kräuterhexe", die natürlich auch Heilerin war. Mit scheelen Augen blickten besonders die studierten Ärzte auf die weibliche Konkurrenz und nicht selten waren sie es, die eine Heilerin als Hexe denunzierten und auf den Scheiterhaufen brachten.

    Heilerinnen lebten in jenen Zeiten gefährlich.
     
  6. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Im Mittelalter war Abtreibung=Mord, somit waren Frauen die solche Tränke brauten und verkauften Verbrecher.

    Wenn es um die Hexen geht die waren bei weitem nicht alle Frauen und Heilerinnen schon gar nicht.
     
  7. Wilfried

    Wilfried Neues Mitglied

    tja, Dieter, hat aber nun nichts mit den Kirchen zu tun. Das was Du beschreibst, ist nun mal frühe Neuzeit.
    Abgesehen davon, das "Schadzauber" auch von "Heilerinnen" erfolgreich eingesetzt wurden, was wiederum schon seit KdG mit mit Strafe belegt war. Aber alles im weltlichen Bereich.
    Wer mit Mutterkorn u.ä. hantiert, dem wird auch die Verbreitung auffallen. Naja, und von da bis zum "Schadzauber" ist der Weg nicht weit. Das gleiche gilt für die Behandlung und Verbreitung von Viehseuchen (Maul und Klauenseuche bietet sich geradezu an)

    Die katholische Kirche hat sich sogar teilweise gegen die "Hexenverfolgung" ausgesprochen. Es gibt hier nen Thread dazu
     
  8. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Ich sagte, dass die Kirche heil- und kräuterkundige Frauen mit Misstrauen beobachtete, egal ob nun spätes MA oder frühe Neuzeit. Entsprechende Denunziationen wegen Hexerei und Teufelsbuhlschaft fielen daher bei den Vertretern der Kirche auf fruchtbaren Boden. In diesem Zusammenhang von einer "Bedrohung" der Kirche zu sprechen, wäre allerdings übertrieben.

    Allerdings gibt es Historiker, die die von solchen Frauen durchgeführten Abtreibungen als eine "Bedrohung" bezeichnen, wie das Zoki55 oben schon ausgeführt hat.
     
  9. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Wobei das daran lag, dass Abtreibung generell verboten war.
    Im Übrigen würde ich diese Frauen nicht als Heilerinnen bezeichnen, denn mit Krankheit und Heilung hat das nichts zu tun. Nannte man sie nicht sogar "Engelsmacherinnen", was der Kirche erst recht ein Dorn im Auge sein musste? :grübel:
     
  10. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Man sollte schon zwischen Frauen unterscheiden welche diese Getränke machten und Frauen welche Abtreibungtränke herstellten.

    Ich glaube gegen das erste hatte ja niemand etwas, wie die Nonnen besonders deutlich zeigen.

    Ob Heilerin wirklich angebracht ist, ist ja die Frage, Schwangerschaft ist ja keine Krankheit.
     
  11. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Ich vermute mal, dass die Heilung von Krankheiten und der Abbruch von Schwangerschaften im MA und der frühen Neuzeit von den gleichen heilkundigen Frauen vorgenommen wurden.
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Leute, mit den Abtreibungen sitzt ihr einem modernen Mythos auf. Nennt eine frühneuzeitliche Quelle[!], die von Abtreibungen spricht bzw. diese theamtisiert und nennt nur einen Hexenprozess, indem dies ein Grund für die Anklage ist. Überflüssig der Hinweis, dass der Vorwurf der Hexerei nicht nur Frauen gemacht wurde, sondern auch Männern, in einigen wenigen Regionen sogar eher Männern als Frauen.
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

  14. Wilfried

    Wilfried Neues Mitglied

    Also, man kann es drehen und wenden wie man will, Hexenverfolgungen kann man der mittelalterlichen Kirche nicht anhängen. Teufelsbuhlschaft u.ä. ist, wenn sehr spätes Mittelalter.

    Die Meinung der Kirche im allgemeinen drückt wohl der Wikipedia-Artikel aus:
    Hexenhammer ? Wikipedia
     
  15. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Babsi hat ja nicht nur von den Hexen sondern von Heilkundlichen Frauen gesprochen.
     
  16. ketzer97

    ketzer97 Neues Mitglied

    Ja. Und die als Feinde der Kirche zu deklarieren ist falsch, da die Klerikerinnen selber zuweilen die besten Medizinerinnen waren.
     
  17. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Auf die zu differenzierende Rolle der Kirch wurde hingewiesen.

    Hexenverfolgung ? Wikipedia


    Inquisition ? Wikipedia

    Dass der Aberglaube und die Verankerung im Rechtsystem der frühen Neuzeit relevant für die Hexenverfolgung ist, erklärt ihr Vorhandensein, aber duchaus noch nicht, warum das Rehctsystem in dieser Form modifiziert wurde.

    Aberglaube ? Wikipedia

    Allenfalls können die extremen Glaubensgegensätze des 30jährigen Krieges und eine damit einhergehende Entwurzelung traditioneller Moral- und Rechtsvorstellungen, in Kombination mit einer weitgehenden sozialen Unempfindlichkeit gegenüber körperlicher Gewalt / Folter (auch als Folge des Krieges) das Klima erklären, in dem der Hexenwahn, die Denunziation und die Verfolgung angesiedelt waren.

    Diese Form der Stigmatisierung entsprach dem noch unaufgeklärten Weltbild des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit.

    Stigmatisierung ? Wikipedia

    Und in ihren exzessiven Auswüchsen ist sie vermutlich auch eine Quelle, aus der sich im kollektiven historischen Gedächtnis das rationalistische Weltbild der Aufklärung speist. Sowohl das naturwissenschaftliche als auch das philosophische und Aberglaube durch rationale Weltbilder versucht zu ersetzen. Die sich auch im wandelnden Rechtsverständnis niederschlagen und im Verlauf zu einer zunehmenden Infragestellung der Hexenverfolgung führten.
     
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  18. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Die Meinung der Kirche war keineswegs einhellig, und die Idee einer hexenverschwörung wurde lange Zeit als Aberglauben abgelehnt. Es stieß der Hexenhammer und mehr noch sein Verfasser viele Zeitgenossen ab, und der Bischof von Brixen hielt Institoris schlicht für einen Verrückten.

    Um sich und seine Thesen aufzuwerten und zu legitimieren schmückte sich Institoris mit der Hexenbulle des Papstes, und viele Historiker halten auch die Koautorschaft des angesehenen Kölner Theologen und Dominikaners Jakob Sprenger für unwahrscheinlich.
     
  19. Fulcher

    Fulcher Aktives Mitglied

    Ja nicht einmal Martin Luther, ein entschiedener Befürworter der Hexenverfolgung, erwähnt Dinge wie Empfängnisverhütung oder Abtreibung in seinem Wortschwall gegen die "Zauberinnen":
    „Es ist ein überaus gerechtes Gesetz, dass die Zauberinnen getötet werden, denn sie richten viel Schaden an, was bisweilen ignoriert wird, sie können nämlich Milch, Butter und alles aus einem Haus stehlen… Sie können ein Kind verzaubern… Auch können sie geheimnisvolle Krankheiten im menschlichen Knie erzeugen, dass der Körper verzehrt wird… Schaden fügen sie nämlich an Körpern und Seelen zu, sie verabreichen Tränke und Beschwörungen, um Hass hervorzurufen, Liebe, Unwetter, alle Verwüstungen im Haus, auf dem Acker, über eine Entfernung von einer Meile und mehr machen sie mit ihren Zauberpfeilen Hinkende, dass niemand heilen kann … Die Zauberinnen sollen getötet werden, weil sie Diebe sind, Ehebrecher, Räuber, Mörder … Sie schaden mannigfaltig. Also sollen sie getötet werden, nicht allein weil sie schaden, sondern auch, weil sie Umgang mit dem Satan haben.“
    – Predigt vom 6. Mai 1526, WA 16, 551f.
     
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  20. Kassia

    Kassia Neues Mitglied

    Die "weisen Frauen" sind eine Erfindung der Romantik, zumindest insofern, als "die" Kirche sie als Konkurrenz gesehen und gejagt haben soll. Bei Grimm und einem frnazösischen Märchensammler (dessen Namen ich mir leider partout nicht merken kann) kommt das auf. Wie mehrfach erwähnt, wird man für diese These in historischen Quellen keinen Anhalt finden.
    Schadenszauber wird nicht erst seit Karl d. Großen (das sollte KdG doch heißen?) gahndet, sondern schon viel früher, im Römischen Recht, im Kodex Hammurabbi, selbst in der Bibel, die viel strapazierte Stelle Ex. 22,17 "Die Zauberin sollst du nicht leben lassen". Das meint allerdings nciht das gleiche wie in der frühen Neuzeit nördlich der Alpen, sondern jemanden, der Schadenszauber betreibt. Und ein vorliegender Schaden ist häufig objektiv feststellbar, das Problem lag in der Ursachenforschung.
    Es gab zwei Arten von Mafgie: Gelehrte Magie und volkstümliche Magie. Erstere wurde eher von Männern betrieben (Astrologie, Mantik etc.) letztere von Frauen im häuslichen Rahmen. Beides wird aber miteinander vermischt, als sich im 15. Jh. das "Hexenbild" ausbildet. An Einzelfällen nachgezeichnet hat das z.B. K. Utz-Tremp: Von der Häresie zur Hexerei. MGH-Schriften 59. Ferner liegt ein Problem in der Wahrnehmung: Für die, die das praktizierten war das häufig einfach nur überliefertes Wissen, praktische Tradition, ohne daß man sich Gedanken über Aberglauben etc. machte. Sie hatten also nichts Böses im Sinn (außer bei gezieltem Schadenszauber). Erst als man ein "Täterprofil" der Hexe erstellte, fielen diese Praktiken unter Teufelsbündnerei und wurden verurteilt. Bei den Auseinandersetzungen in Bayern sieht man das recht deutlich, wo um 1610 um ein Aberglauben- und Hexenmandat gerungen wurde. Die Gruppe der Verfolgungsbefürworter witterte den Teufel in den abergläubischen Praktiken der Bauern und sah sie alle mit dem selbigen im Bunde. Die Gegenpartei hatte kein Problem damit, das waren alteingesessene Bayern, die kannten "ihre" Bauern und wußten, daß die nicht besessen, sondern höchstens etwas einfältig waren (mal etwas salopp ausgedrückt).

    Viel Geschwafel kurzer Sinn: Man muß zwischen schwarzer und weißer Magie unterscheiden, zwischen gelehrter und volkstümlicher und dann geht es immernoch um Einzelpersonen und regionale Differenzierungen. Pauschalurteile wie "die Heilerinnen" und "die" Kirche greifen hier nicht.

    Gruß
    Kassia
    Die gezielte Verfolgung von Heilerinnen und Weisen Frauen sind somit sog. Heb-Ammen-Märchen.
     
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