Frauen als Heilerinnen-Eine Bedrohung der Kirche?

Dieses Thema im Forum "Hexenverfolgung (1450-1750)" wurde erstellt von babsi, 22. Februar 2012.



  1. huski

    huski Gesperrt

    Ein wahres Wort und letztlich genau das, was ich ebenfalls sagen wollte.
    Es muss allerdings auch mal angemerkt werden, dass in diesem Forum des Öfteren zu oft über den Ton anstatt über die Musik selbst diskutiert wird.
    Dort wird dann völlig aus dem Zusammenhang heraus gerissen zitiert und eine Spirale gegenseitiger Beschuldigungen losgetreten die der eigentlichen Sache gar nicht mehr gerecht wird. Wo für den einen Sexismus anfängt und für den anderen aufhört ist weiß Gott sehr unterschiedlich und da ich mal davon ausgehe, dass bisher mehr Männer an dieser Diskussion teilgenommen haben ist die ganze Sache sowie so sehr theoretisch.
    Fakt ist und bleibt; Rurik hat etwas angesprochen was berechtigter Weise bedacht sein will, konnte es aber dem Inhalt nach nicht weiter präzisieren weil sofort überkritische und sensible Stimmchen laut wurden denen es all zu oft um die Form geht da sie Angst vor dem Inhalt haben und dass dieser ihr gemütliches und mit dem Establishment abgestimmtes, einstudiertes Weltbild
    in den Po kneift. ;)
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 25. August 2012
  2. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    hätte ich Angst vor solchen Inhalten wie (sinngemäß) Weibsvolk ist prädestiniert für die Gerüchteküche, dann hätte ich nichts dazu angemerkt :winke::winke:
    und so ganz allgemein: je kühner eine These, umso interessanter für die Diskussion, aber nicht zwingend notwendig wahrer ist sie
     
  3. Dog Soup

    Dog Soup Neues Mitglied

    Bei aller Liebe: Manchmal möchte man nicht gelobt werden, wenn dann im nächsten Satz sowas kommt:

    Sexismus ist also davon abhängig ob eins von diesen zartbesaiteten Frauenzimmer gerade im Raum ist und sich auf die Füße getreten fühlt? Nein: Was du meinst, sind Höflichkeit und Taktgefühl. Was ich meine, ist Sexismus. Es gibt einen Unterschied. Lies Wikipedia, es ist ein Anfang.

    Niemand hat Rurik hier zensiert, möchte ich meinen. Niemand hat etwas gegen Inhalte, die in respektvoller Weise vorgebracht werden und den Forenregeln entsprechen, also sich um Geschichte drehen. Ich verwehre mich ausdrücklich dagegen, dass du mein Posting hier in dieser Weise darstellst. Ich meine deutlich gesagt zu haben, dass ich die Kritik an Ruriks Wortmeldungen gut verstanden habe, und dass ich die Kritikpunkte grundsätzlich teile. Mein Eindruck war, dass Rurik einfach nicht ganz nachvollziehen konnte, aus welcher Ecke die Kritik kam und was er jetzt falsch gemacht hatte - denn er hatte ja wie gesagt durchaus einen Punkt zum Thema machen wollen. Das ist in Ordnung, dafür habe ich Verständnis - man muss auch manchmal genauer erklären, was man nicht in Ordnung findet, wir wollen hier ja einen Dialog haben.

    Kein Verständnis habe ich aber dafür, dass hier jemand diesen Erklärungsversuch benutzt, um einen generellen Punkt darüber zu machen, wie die bösen hysterischen faulen ekeligen humorlosen Feministinnen, die natürlich den Staat und das Forum und die Öffentlichkeit überhaupt gekapert haben, den armen kleinen Jungs den Mund verbieten und wie ätzend das doch immer ist.

    Echt ey. So nicht.
     
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  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Tja, der Ton macht eben die Musik und man müsste weniger über den Ton streiten, wenn nicht immer so viele Metadiskussionen losgetreten würden.

    Was nun den Auslöser des Sexismusvorwurfs angeht, so kann man nur sagen, dass die Behauptung sexistisch war und trotz mehrfacher Aufforderung von verschiedenen Mitgliedern immer noch nicht belegt wurde. Es wäre etwas einfaches gewesen, entweder Belege anzuführen oder offen und eben nicht verklausuliert zu offenbaren, dass man keine Belege hat. Das ist nicht geschehen, stattdessen hat der Urheber sich selbst - offenbar erfolgreich - zum Märtyrer stilisiert.

    Was nun Beschwerden über den Ton angeht, sollten sie nicht gepaart sein mit Vorwürfen an "überkritische und sensible Stimmchen" oder Vorwürfen, jemand würde "Angst vor dem Inhalt haben und dass [ein] gemütliches und mit dem Establishment abgestimmtes, einstudiertes Weltbild
    in den Po kneift."
    Denn das ist Einfordern von Beruhigung während man selbst Öl ins Feuer gießt.
     
  5. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    In die angebliche Rolle des Märthyrers, die ich übrigens nicht annehme, bin ich durch Stigmatisierung als Sexist hineingedrängt worden. Ausgrenzung durch Stigmatisierung, übrigens eine Vorgehensweise, wie z.B. die "Hexe" prozessreif gemacht wurde. Dann kommt: "Bekenne, bekenne!"

    Kein Bekennen! Dafür ein vollkommen untypischer Fall, der sich an einem Montag, den 5. August 1658 im Dorf Borlinghausen zutrug.
    Hinrich Schollen und zwei nicht näher benannte Zeugen mähten gerade die Wiese, als Vitus Jost und der Schäfer Johann hinzukamen, die sich mit Rufen wie "Kamerad" und einigen wohl Besessenen "Gesticulationes" bemerkbar machten. "Als die Mäher ihr Morgenbrot gegessen und ihre Sensen bei sich liegen gehabt, haben der Junge und der Schäfer sich umgesehen und gesagt: "Ich rieche einen Werwolf". Darauf der Junge gerufen: "Den wollen wir totschlagen." Auch allsofort die Mäher ihre Sensen liegengelassen und sind auf den Boten hinzugelaufen. Aus den Hecken trockene Stämme und Knüppel gerissen und ihn allsofort zur Erden geschlagen, daß er heftig am Haupte und Angesicht geblutet und wie Zeuge dazu, um zu retten, gelaufen kam, gerufen: "Rettet mich, rettet mich." Der Zeuge die Mäher abgezogen, aber der Schäfer gerufen: "Du Hexenverteidiger!" und etliche Streiche neben den Jungen gegeben und damit den Boten verlassen, so sehr geblutet und liegen geblieben. Der Schäfer sei darauf nach seinen Schafen zu der Herde gegangen, neben dem Jungen. Zeuge und Heinrich Schollen seien wieder nach der Wiese gegangen und haben gemäht. Als der Schäfer mit seiner Herde wieder näher kam, habe er mit seinem Schäferhaken auf den Boten geschlagen und ihn gezwungen, aufzustehen und vor ihm herzugehen. Der Junge, der sonst davon abgegangen gewesen, wieder herzugelaufen und mit dem Knüppel schlagen helfen, bis der Bote zur rden wieder gefallen. So sei auch Heinrich Schollen, wie er solches gesehen, aus der Wiese gelaufen und mit einem Knüppel schlagen helfen, und sei gleich des Meiers zu Borlingshausen Konrad Deters Tochter, so auch für besessen gehalten wird, casus dabei kommen und mit einer Harke, so sie in den Händen gehabt, auf den Boten schlagen helfen. Und wie derselbe tot zu sein vermeinet, haben sie Erdbrocken darauf geworfen und ihn damit bedeckt. Wie sie aber davon gewesen, habe sich der Bote ermuntert und sei unter den Brocken weg und zu einer Recke, so allernächst dabei, gekrochen und so tot dabei gefunden worden."

    Dieser Totschlag war einer von 10, die im Zuge einer Hexenprozesswelle in Brackel und Umgebung, geschahen. Den Prozessen fielen 32 Personen zum Opfer.
    Auslöser der Hexenprozesse waren zwei junge Mädchen, Klara Fincken und Katharina Maneken. Sie verhielten sich im Frühjahr 1656 plötzlich abnorm. Sie gestulierten wild, verdrehten die Köpfe, zogen die Schultern hoch, Finger und Arme zitterten und aus den Mündern kam ein Grunzen wie von Schweinen, die gerade die Erde nach Nahrung durchsuchen.
    Eltern, Nachbarn und dann die gesamte Bürgerschaft Brakels waren bestürzt und ratlos. Sie suchten nach einer Erklärung. iese gaben etwas später die Mädchen selbst. Sie schrien oftmals, Katharina (Trine) Meier, die Magd des Bürgermeisters, Heinrich Möhring, sei eine Teufelshure und habe ihnen die Dämonen in den Leib gehext ...
     
  6. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Mit allem Respekt, Dieter, aber mir ist kein Fall in diese Richtung bekannt. War ein Mann im Ruf der Hexerei, so kam auch er in die Folterkammer. Justizia ist und war eine Mühle, in deren Räderwerk man nicht geraten möchte. So geschehen mit dem kurfürstlichen Stadtschultheiß, Dietrich Flade, in Trier. Er selbst Richter gegen Hexerinnen (vielleicht ist dieser Begriff weniger sexistisch???) kam durch Besagung dieser in den Geruch der Hexerei und bekam so seine eigene Medizin zu schmecken.
     
  7. zoka

    zoka Neues Mitglied

    Und wo genau ist da die Intrige? Ist mir jetzt auch nicht ganz klar, was Du genau untersuchen willst, worauf Du hinaus willst. Solche Fälle, wie die der Klara Fincken und Katharina Maneken müssen v.a. soziopsychologisch betrachtet werden und können auf gar keinen Fall einfach einer natürlichen Neigung zugewiesen werden.

    Ich sehe hier eher pubertäre Hormonschübe, evtl. auch Schwachsinn (vielleicht inzestbedingt), sowie die Instrumentalisierung des pervertierten kollektiven Denkens, um sich interssant zu machen. Also nichts Angeborenes (außer dem möglichen Schwachsinn) und auch nicht unbedingt eine Intrige als Initialzündung. Dass Frauen ihre Aufgabe manchmal im Übersinnlichen suchten, könnte doch auch mit ihrem Abgedrängtsein zu tun haben. Bezeichnend hierbei der menschliche Drang, den Mitmenschen geistige Potenz vermitteln zu wollen. Die Männer ereiferten sich als Fachmänner und behaupteten ihr vermeintliches Wissen mit strenger Autorität, während die Frauen, denen die Bildung verwehrt blieb um mitzueifern, sich auf weniger greifbare Gebiete spezialisierten. Dass Einige dabei den Feuertod fanden, ist in erster Linie dem Rahmen zuzuschreiben, der solche Exzesse ermöglichte, also denen, die die Bedingungen hierfür schufen und aufrechterhielten.

    Genausowenig kann man behaupten, dass die Deutschen angesichts der vielen Denunziationen zur NS-Zeit von Natur aus Denunzianten seien. Es gab auch anderes, und vor allem war es der allgemeine Irrsinn, der manche Menschen zu Unmenschen machte. Wäre die NS-Zeit in Hakisari passiert, wäre es dort ebenso häufig zu Denunziationen gekommen. Um es auf die Hexenverfolgungen zu überstülpen: hätten die Männer zuhause sitzen müssen, während sich die Frauen bildeten und die Religion bestimmten, hätte sich wahrscheinlich manches Jüngchen von bösen Geistern geplagt im Hexerjagd hervorgetan.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. August 2012
  8. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    sind Schwachsinnige in der Lage, Geschichten mit so komplizierten Angelegenheiten wie Teufelsbuhlschaften zu erzählen oder zu erfinden? (ich weiß es nicht, deswegen frage ich)
     
  9. zoka

    zoka Neues Mitglied

    Bei inzestbedingtem Schwachsinn wahrscheinlich eher nicht. Aber sonst gibt es sogar Formen von angeborener geistiger Verwirrung, die das Ausdenken von äußerst komplexen Konstrukten sogar begünstigen (die Gedanken hierauf kanalisieren). (müsste hier nach den Begriffen suchen)
     
  10. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @dekumatland

    Ich bin weder Psychologe noch Psychiater, also ist es einfach eine Laienmeinung. Psychisch Erkrankte sind nicht "dumm" im landläufigen Sinn, vielmehr können sie sehr intelligent sein und komplexe Ideensysteme entwickeln. Exogene Faktoren w.z.B. eine "aufgeheizte Stimmung" können Symptome einer psychischen Erkrankung befördern. Insoweit wäre eine Arbeitshypothese, daß psychisch Kranke in die "Mühlen des Hexenwahns" gerieten schon erlaubt und m.E. nicht abwegig.

    M.
     
  11. zoka

    zoka Neues Mitglied

    Nicht nur “nicht abwegig”, sondern m.M.n. in vielen Fällen sogar zwingend...


    Paar Anmerkungen zu religiösen Wahnvorstellungen:

    Vor langer Zeit hatte ich mal eine Frau als Nachbarin, die geistig verwirrt war. Sie war die gütigste Person, die ich je gekannt hatte - sie sprach äußerst sanft und sehr liebevoll, meist jedoch von religiösen Dingen, von Sünden, etc.. Ab und zu hatte sie aber auch Anfälle. In diesen Phasen war sie nur aus der Wohnung zu hören, wie sie lauthals tobte als wäre sie besessen. Es war kaum vorstellbar, dass die Stimme zur gleichen Frau gehörte.

    Ein anderes Beispiel wäre ein Mann, weitbekannt in der Stadt, wo ich wohne. Er pflegt mit Vorliebe in der Straßenbahn zu predigen, wo er den Leuten lauthals mit dem Höllenfeuer droht. Unter dem Arm trägt er immer eine große Spielzeugrakete, als wollte er damit dieser Welt entfliehen.


    Hab’ jetzt über mögliche Gründe kurz nachgeschaut. Sie können recht vielfältig sein:

    Bekanntes Beispiel für die Fokussierung auf einzelne Gebiete wäre das Savant-Syndrom (meist zufolge von Autismus), das bei den beiden Mädchen jedoch weniger in Frage käme, da es zumeist bei Knaben vorkommt. Sei also nur als Bsp. für gesteigerte mentale Aktivität auf betimmten Gebieten genannt.

    Wahnvorstellungen können Zeichen einer psychotischen Schizophrenie sein, wo sich die/der Betroffene z.B. vorstellt, von Aliens entführt und missbraucht worden zu sein. Schizophrenie ist vererbbar. Bei Zwillingen ist die Wahrscheinlichkeit, dass beide die Krankheit haben gar ziemlich hoch.

    Es gibt zahlreiche juvenile Formen von geistigen Behinderungen (z.B. bei der Epilepsie {!}), die vornehmlich während der Pubertät auftreten.

    Andere Möglichkeiten für Wahnvorstellungen wären Zweckpsychosen, meist als Simulation einer Geisteskrankheit interpretiert. (Ganser-Syndrom)
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. August 2012
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  12. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    @Melchior
    das ist bei mir genauso

    ich nehme an, dass es zwischen mehr oder weniger stark oder auch phasenweise verlaufenden psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Schizophrenie und völligem Schwachsinn einen Unterschied gibt - hier wurde ja auch Schwachsinnigkeit erwähnt, und da kann ich mir nicht vorstellen, dass da Geschichten von Teufelsbuhlschaften im Denk- und Sprechrepertoire von wirklich Schwachsinnigen vorhanden sind -- das ist bei den erwähnten psych. Erkrankungen gewiß anders

    Das ist ein interessanter Gedanke!
    Hier müsste man zunächst nachschauen, wie verschiedene Kulturen zu verschiedenen Zeiten mit bestimmten Krankheitsbildern umgegangen waren. z.B. im alten Russland galten Epileptiker als Gottesnarren und wurden nicht drangsaliert; überhaupt ist auch für das Russland des 19. Jh. der "Narr in Christo" ein erstaunliches Phänomen, Dostojewskis lässt einen solchen verwirrt-schlauen Starez in seinen Dämonen auftreten.
    dass Krankheiten mit auffallenden Begleiterscheinungen (Tobsucht, epileptische Anfälle, schizophrene Schübe usw.) in Zeiten von verstärktem Aberglauben die Leute verunsicherten und dann die Zuweisung "vom teufel besessen" rasch ausgesprochen wurde, ist durchaus vorstellbar.

    Aber welche Kriterien legte die geistliche und weltliche Gerichtsbarkeit an? Wie ermittelte man die Besessenheit vom Teufel oder von Dämonen? Narrenspitäler gab es schon? (letzteres weiß ich nicht)
     
  13. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Die Besessenheit der beiden Mädchen, im Übrigen Halbschwestern, löste nicht sofort eine Hexenverfolgung aus. Im Stadtrat wurden drei Punkte diskutiert:
    1. Wurden die Seelen der Mädchen von Verstorbenen gequält, wie sie unter anderem auch angaben. Es handelte sich bei den Verstorbenen um Bürger, Johann Georg Hatteisen und Dietrich Wipperemann, die ohne (mehr ist nicht zu erfahren) Sterbesakramente ums Leben kamen.
    2. Waren die Mädchen krank? Einige führten das Verhalten der Mädchen auf eine sogenannte Mai- oder Frühlingskrankheit zurück (Malaria?).
    3. Waren die Schwestern vom Teufel besessen? Der Zustand sonst nicht erklärbarer, geistiger Verwirrtheit legte dies am nächsten und dieser Gedanke setzte sich bei den meisten dann auch durch.

    Während eines Kirchganges kam es bald darauf zu dem Vorfall, dass der ältere Bruder der beiden besessenen Mädchen, Thomas Finke, die Magd des Bürgermeisters öffentlich eine Hexe schimpft. Das konnte die Angegriffene nicht auf sich sitzen lassen und reichte eine Beleidigungsklage. Sie fand vor dem Stadtrat offene Ohren und Thomas Finke wurde zu einer Geldbuße von 5 Reichstalern verurteil.
    Es wurde nun entschieden, die beiden Mädchen auf ihre Besessenheit hin zu testen. Für die Durchführung sorgte ein Pater des Kapuziner-Klosters in Brakel. Pater Antonius nahm den Exorzismus vor. Darüber ist ein satirische Gedicht (Verfasser leider unbekannt) erhalten geblieben:
    Mit dünnem Bier besprengt er sie,
    Viel eitle Wörter spricht er hie,
    Mit Pech tut sie beräuchern.
    Viel Schafes Bein er an sie reibt,
    Als wären die von heiligen Leib,
    den Geist damit auszujagen.
    Sie schütteln ihre Füß und Händ,
    Doch Köpfe hielten sie von der Wand,
    damit die nicht zerschlagen:
    Sie wollten doch besessen sein,
    Bewegten drum ihre Bein,
    Betrug ließ sich doch merken.

    Die beiden Mädchen täuschten bei diesem simulierten Exorzismus ihre Besssenheit offensichtlich ganz bewusst vor.
    Er fragt sie in lateinischer Sprach
    Zu antworten, dem höllischen Drach.
    Kein Wort konnten sie ausgeben.
    Er befiehlt in französischer Sprach
    Zu antworten dem höllischen Drach.
    Unwissend waren sie im Leben.
    Sie sprachen: "Wir können kein Latein,
    Als was man redet insgeheim,
    Dies sollst du advertieren."
    Er schlug sie mit einem Strick
    Wohl etwas hart auf den Rück,
    Geschwind tun sie parieren:
    Beklagten sich der Schmerzen sehr,
    Weinten auch allimmer mehr.
    Der Priester merkte ihre Falschheit gar,
    Das sahen auch die Leut ganz klar,
    Die gegenwärtig waren.
    Der Priester sprach aus Gotteseifer:
    "Kein Teufel ist in euren Leibern.
    Betrug ist hier vorhanden."


    Die Mädchen schienen überführt, jedoch gaben sie deshalb nicht auf. Ihr ganzer Hass richtete sich nun auch gegen die Kapuziner und den Bürgermeister, Heinrich Möhring, der, um seine Magd zu schützen, diesen vorgetäuschten Exorzismus in die Wege geleitet hatte. Er war an der Gründung des Kapuzinerklosters 1647 maßgeblich beteiligt und hatte deshalb auch beste Beziehungen zu den Mönchen.
    Das Problem mit den Mädchen war jedoch nicht aus der Welt. Die Schwestern bekamen weiterhin krampfartige Anfälle und es begannen nun auch andere junge Frauen dieselben Symptome zu zeigen. Nicht lange und ihre Zahl war in Brakel auf sieben gestiegen.
    In Paderborn gab es an der dortigen Universität den Jesuitenpater und Professor der Theologie, Bernhard Löper. Als ihm die Ausbreitung der Besessenheitsfälle, im zum Stift Paderborn gehörenden Brakel, zu Ohren kam, entschloss er sich, diese genauer zu untersuchen. Er hatte Jahre zuvor vom apostolischen Nuntius in Köln eine Vollmacht zur Teufelsaustreibung erhalten...
     
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  14. Gandolf

    Gandolf Neues Mitglied

    Um mal zum Thema dieses Stranges zurück zu kommen:

    Die Auffassung, dass Frauen, die über Heilfähigkeiten verfügten, die ihren Zeitgenossen geheimnisvoll vorkamen, besonders häufig als Hexen verfolgt wurden, reicht m.W. auf eine bis in das 19. Jh. zurückreichende Tradition der Deutung der Hexenverfolgung zurück. 1979 knüpften Gunnar Heinsohn und Otto Steiger mit ihrem Buch "Die Vernichtung der weisen Frauen" an diese Tradition an und behaupteten sogar, die Vernichtung der "weisen Frauen" sei von Kirche und Staat ausdrücklich in bevölkerungspolitischer Absicht zur Unterbindung der Geburtenkontrolle ins Werk gesetzt worden. Unnötig zu erwähnen, dass sich das Buch zu einem Beststeller entwickelte. Die Bücher der seriösen Geschichtsforschung werden leider viel zu wenig gelesen. Hier ein paar Links mit der Kritik der Fachwelt an diesen Theorien:
    HEXENWAHN - Ängste der Neuzeit
    historicum.net: Weise Frauen als Opfer?
     
  15. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Bernhard Löper ließ nun die beiden besessenen Halbschwestern zu sich nach Paderborn bringen und begann nach den Regeln des Rituale Romanum einen professionellen Exorzismus durchzuführen. Zuerst tat er dies bei Katharina Maneken. Sein Bericht: "Endlich kam Katharina wie eine, die aus einem tiefen Schlaf erwacht ist, zu sich. Sie erhob sich von selbst, ohne fremdes Dazutun wie früher, stand daruhig, ohne sich an den Sturz zu erinnern. Sie wunderte sich wegen der Leute und des Ortes und wußte nichts von alle dem, was gesagt und getan worden war. Auch nach acht Tagen, in denen sie beobachtet wurde, spürte sie keinerlei Anfechtung eines bösen Geistes." Weiter sagt Löper, dass es sich ganz deutlich gezeigt habe, wie wirksam der Gebrauch und das Zeigen von Reliquien im Kampf gegen das höllische Heer sei.
    Der Exorzismus gegen Klara Finke verlief nicht so erfolgreich. Nach Löpers Angaben sei ein stummer Geist in ihr, der allen Austreibungsversuchen hartnäckigen Widerstand entgegensetze.
    Nach dem erfolgreichen Exorzismus an der Maneke schickte der Jesuitenpater einen Bericht nach Rom und bat seinen obersten Vorgesetzten um die Erlaubnis, eine umfangreiche Darstellung veröffentlichen zu dürfen. Die Antwort des Generals, Pater Goswin Nickel, vom 1. Juli 1656 fiel jedoch dahingehend aus, dass er sich trotz der Freude über die gelungene Teufelsaustreibung nicht für eine Veröffentlichung über den Hergang dieser entscheiden könne.
    Nicht ganz unfrustriert setzte Löper nun seine Exorzismusversuche an dem sich widersetzenden Geist in Klara Finke fort. Nun fragte er ganz gezielt nach den Verursachern der Besessenheit. Da es sich um einen stummen Geist handelte, war er auf Fragen angewiesen, die Antworten als Ja oder Nein geltende Gesten zuließen. Da Katharina Meier, die Magd des Bürgermeisters, zuvor schon als Verursacherin angegeben worden war, kam die Rede auch immer wieder auf sie. Aber auch der Bürgermeister selbst und auch der Kapuzinermönch, Pater Aegidius, welcher zuvor den vorgetäuschten Exorzismus vorgenommen hatte, kamen ins Visier.
    Nun kam es, dass Katharina, die Magd, ähnliche Anzeichen der Besessenheit zu zeigen begann, wie ihre angeblichen Opfer. Das schockierte den Jesuit. Er unterschied deutlich zwischen Besessene und Hexe. Zwar hatten beide mit dem Teufel zu tun, jedoch die einen als Opfer, die anderen als Täter. Wenn nun die Magd auch besessen wäre, hätte das Löpers Exorzismusergebnis fragwürdig dastehen lassen. Das ließ seine Eitelkeit nicht zu. So stand für ihn nun zweifellos fest, Katharina Meier simulierte und war eine Hexe. Entsprechend kritisch stellte er sie auf die Probe. In der Bartholomäus-Kapelle unterzog er sie im Beisein von Zeugen dem Sprachtest. Sie verstand natürlich kein Latein oder Griechisch und versagte. Weiter: "... Weihwasser als wäre es gemeines Wasser, gern mit aufgesperrten Maul gesoffen, gemeines Wasser aber, als sei es gesegnet, durchaus nicht wollen annehmen; vor hölzernen, in Tuch gewickelten Spänen habe sie wie vor heiligen Reliquien eine große Abscheu gehabt; als sie eine frische Rute sah, laut gerufen (obwohl sie zuvor nichts oder mit halben Worten hat geredet): 'Ich bin nicht mehr besessen, der Teufel ist fort."
    Als Löper ihr vorhielt, das sie simuliere, kam es aus ihr heraus: "Ich bin hier, meinen guten Namen wieder zu holen."
    An nächsten Tag, 23. Juni, versuchte sie, ihr verzweifeltes Spiel zu wiederholen, doch Löper führte sie immer weiter vor. Als ihr angedroht wurde, man werde sie von der Obrigkeit verhaften lassen, verließ sie fluchtartig Paderborn. Auf dem Weg in ihr Heimatdorf, Riesel, bei Brakel, ereignete sich dann folgendes. Als Katharina unterwegs auf ein Pferdefuhrwerk traf, erlaubte ihr der Besitzer dieses, ein Stück mitzufahren. Nach einer Weile wurden die Tiere unruhig und gingen letztendlich durch, wobei der Wagen zu Bruch ging. Den noch auf dem Gefährt sitzenden Personen geschah nichts, aber seitdem verbreitete sich die Erklärung für den Unfall um, der Teufel habe seit dem Erscheinen Katharina Meiers das Pferd geritten und zum Durchgehen gebracht. Dies war ein willkommenes Fressen für die Besessenen in Brakel und ihr Geschrei gegen die Magd wurde größer. Schließlich kam die Geschichte auch Dietrich Adolf von der Recke, dem Bischof und Landesherrn zu Ohren. Er nahm sich nun persönlich des Falles an, ließ Katharina Meier verhaften und auf das bischöfliche Schloss Neuhaus bringen. Allerdings zögerte er, einen tatsächlichen Hexenprozess in Gang zu bringen ...
     
  16. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Zwischenfrage

    @Rurik:
    sind das Exzerpte aus deinem belletristischen Projekt?
     
  17. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Nein, nein ...
    Ich gebe hier mit eigenen Worten einen Fall dar, der unter dem etwas reißerischem Titel "Die Hexen und ihre Henker" 1994 von Reiner Decker veröffentlicht wurde. Er selber ist mit dem Buchtitel unzufrieden, wie er im Vorwort schreibt, aber der Verlag will nun mal verkaufen und da muss man sich als Autor auch schon mal beugen...
    Respekt vor seiner akribischen Arbeit, welche die Vielschichtigkeit der zusammentreffenden Faktoren aufdeckt, die oft nötig waren, um die Lawine erst ins Rollen zu bringen.

    Ich fasse, so gut ich kann, lediglich zusammen.
     
  18. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Der Bischof, Dietrich Adolf von der Recke, hatte Katharina Meier nicht wegen Hexerei inhaftieren lassen. Was er ihr vorwerfen ließ, war versuchter Betrug in Form von vorgetäuschter Besessenheit.
    Dies genügte Löper und "seinen" besessenen Mädchen nicht. Er stellte bei seinem fortgesetzten Rituale Romanum gezielt immer wieder die Frage, ob Satan wegen magischer Künste oder Einflüsse in ihre Körper gelangt sei. Denn, so die Logik, wenn die Dämonen von Hexen in die Leiber der Mädchen praktiziert worden sind, können diese auch nur wieder durch das Aufspüren und Unschädlichmachen der Hexen entfernt werden. Bald gaben die Dämonen Auskunft über einen Pakt zwischen Teufel und Hexen. Dieser befinde sich in einem Topf, der unter einem Birnbaum vergraben sei, der sich im neben Möhrings Haus liegenden Garten befinde. Wenn dieses Schriftstück gefunden und zerstört werde, habe der Teufelsspuck ein Ende. Dazu gibt es wieder eine Art Spottverse:
    Sie fanden aber den Pott nicht.
    Beschämt ward hier Jung und Alt.
    Der Gograf schrieb nach Neuhaus,
    Daß alles wär' gegraben aus,
    Und der Pott nicht gefunden.
    Pater Löper schämt sich sehr,
    Die Blindheit schlug ihn noch mehr,
    Die ihn hat überwunden.
    Mit der Beschwörung fuhr er fort.

    Gograf war der Stellvertreter des Bischofs in Brakel.
    Um eine Erklärung nicht verlegen, beschuldigten die "Dämonen" Katharinas Schwester, die Albersche, sie habe den Topf heimlich beiseite geschafft.
    Es kam nun zur Durchsuchung der persönlichen Sachen von Katharina Meier und man fand eine kleine Kiste, in der sich neben einigen Habseligkeiten etliche Stücken Weißbrot, Nussschalen, Haare, die zu Knäul geflochten waren und besonders verdächtig, Fett von eine goldgelber Farbe und durchdringendem Geruch. Beim Öffnen der Kiste soll ein schwarzer Schmetterling aus dieser geflogen sein. Die besessenen Mädchen behaupteten, als man sie dazu befragte, der Schmetterling sei der Teufel, das Weißbrot gestohlene Hostien und das Fett eine Hexensalbe. Den ersten beiden Beschuldigungen maßen die Berater des Bischofs keine Bedeutung zu, allerdings schien das Fett suspekt. Es wurde untersucht und auch einem Hund zum Fressen gegeben. Das Ergebnis war für die beschuldigte Magd positiv, denn es wurde nichts Verdächtiges entdeckt. Eigentlich hätte Katharina jetzt freigelassen werden müssen. Man tat es jedoch nicht.
    Löpers Exorzismen erregten unterdessen immer weiteres Aufsehen. Die Leute kamen in die Bartholomäuskapelle, um bei dem Spektakel zuzuschauen. Es kam dabei vor, dass sich die Mädchen unwillkürlich jemanden aus der Menge heraussuchten und der Hexerei bezichtigten. Die Leute blieben dem Schauspiel trotzdem nicht fern, denn es kam soweit, dass jemand, der sich scheute, dort hinzugehen, schon deshalb verdächtig machte.
    Die Menschen in Paderborn wurden immer hysterischer, sodass Auswärtige die Stadt allmählich zu meiden begannen. Das machte sich sogar wirtschaftlich bemerkbar, in dem man z.B. das paderborner Bier nicht mehr verkauft bekam.
    Löper bekam die mittlerweile 7 brakeler Mädchen nicht exorziert. Auch eine zweite Suche nach dem Topf mit dem Teufelspakt blieb ergebnislos. So unterbrach der Jesuitenpater Anfang September vorerst seine Austreibungsversuch und entließ die Besessenen nach Hause.
    In Brakel waren sie dann außer Rand und Band. Sie griffen auf offener Straße Leute an und warfen Scheiben ein. Der Stadtrat ermahnte die Eltern, ihre Mädchen "in den Häusern zu verwahren".
    Im Gegenzug weiteten die besessenen Mädchen ihre Beschuldigungen aus, die jetzt auch Angehörige der Oberschicht trafen. So neben Möhring auch den Stadtkämmerer Ferdinand Duffhuß samt Frau und Verwandtschaft.
    Nun nahm Löper seine Tätigkeit wieder auf. Diesmal mit ausdrücklicher Genehmigung des Bischofs und in Brakel selbst. In der brakeler St. Michael Kirche wiederholte sich das Schauspiel aus der paderborner Bartholomäuskapelle. Die Beschuldigungen gegen die Magd des Bürgermeisters, ihn selbst und den Stadtkämmerer wurden immer wilder. Die anfängliche Stimmung in der Stadt gegen die Besessenen begann ab Mitte Oktober zu kippen. Selbst im Stadtrat wandte man sich nun gegen Möhring und Duffhuß. Letztendlich wurden sie am 10. Februar im folgenden Jahr unter tumultartigen Zuständen aus dem Amt gejagt. Eine Meute von Bürgern hatte unter anderem den Rathaussaal gestürmt und die Sitzkissen des Bürgermeisters und Stadtkämmerers aus dem Fenster geworfen.
    Nun wurde auch behauptet, dass Hexen, die einige Zeit zuvor in Höxter verurteilt und verbrannt worden sind, Möhring und seine Magd als Hexe/r besagt hätten. Die bischöflichen Räte reagierten darauf und schrieben eine Anfrage an den Rat in Höxter. Dieser antwortete am 21. Februar. Die Magd und der Bürgermeister sind dort nicht besagt worden.
    Der Bischof sah sich nun immer mehr unter Druck gestellt, etwas gegen die Besessenenplage zu unternehmen. Er und seine Räte waren aber immer noch unsicher, ob es sich um echte Besessenheit handelte. Und selbst wenn, so wollte man den durch die Mädchen sprechenden Dämonen keinen Glauben schenken. So: "Es ist nicht Brauch der Kirche, den Teufel zu zwingen, einen Mitschuldigen in einem verborgenen Verbrechen anzugeben; dies darf nicht geschehen."
    Der Bischoff ließ durch mehrere Stellen Gutachten einholen...
     
  19. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    :eek::eek::eek: was es nicht alles gibt... :D
     
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  20. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Rat holte sich der Bischof auch aus Rom. Dort bekam er als Bescheid, dass den Besessenen und den in ihnen wohnenden kein Glauben zu schenken sei. Ferner riet man: "Sowohl der Exorzist als auch der Leidende müssen den festen Willen, den Wunsch und die Zuversicht haben, daß sie frei werden; ohne dies kann der Exorzismus wenig bewirken."
    Der Bischof versuchte nun, die Besessenen und ihren Exorzisten von der Öffentlichkeit zu trennen. Löper wehrte sich dagegen. Das Angebot an die Besessenen eine Pilgerfahrt auf bischöfliche Kosten zu unternehmen würde ebenfalls abgelehnt.
    Am 28. April tagte in Paderborn der Landtag, das Ständeparlament des Hochstifts. Dabei kam es zu einem Eklat. Eine Gruppe von Besessenen drang bis zum Bischof vor und schrie ihm ins Gesicht, dass er nicht den anstehenden Eifer zeige und zu träge für eine Hexenverfolgung sei. Die öffentliche Anschuldigung stellte den Bischof als Hexenanwalt bloß. Die Mädchen, die dies äußerten, konnten nicht wegen Majestätsbeleidigung dingfest gemacht werden, denn nach Überzeugung der Anwesenden sprach der Teufel aus ihnen.
    Nach diesem Skandal wuchs innerhalb Paderborns die Zahl der Besessenen von 7 auf 30 und Anfang Juli waren es bereits 150. Nun zählten auch Vertreter beiderlei Geschlechts zu ihnen. Leute griff man tätlich auf der Straße an. Ein Kapuzinermönch wurde mit einem Stein schwer am Kopf getroffen. Daraufhin wagten sich seine Brüder nur noch mit geweihten Knüppeln auf die Straße, denn die Kapuziner waren bevorzugte Angriffsopfer.
    Um es nicht nur bildlich zu sagen, im Sommer 1657 war in Paderborn der Teufel los.
    Bischof Dietrich Adolph musste handeln. Die Dinge glitten ihm immer mehr aus den Händen, die Hälfte der Jungen des Jesuitengymnasiums waren z.B. aus der Stadt schon geflohen, und er stand als Hexenanwalt dar.
    Um nicht auf die Beschuldigungen der Besessenen eingehen zu müssen, rief er eine inquisitio generalis ins Leben. "Der General-Inquisition kann ein jede Obrigkeit sich gebrauchen, ohne einige vorangehende diffamation, denunciation, ja auch ohne einige suspicio."
    Die Ergebnisse der Ermittlungen durch die Gografen des Bischoffs mussten einer Juristenkommission vorgelegt werden, die dann zu entscheiden hatte. Aussagen von Besessenen sollten dabei nicht berücksichtigt werden.

    Damit begann dann das juristische Trauerspiel im Stift mit den üblichen Mitteln, wie der Folter. Auf die Besessenen wurde dabei wenig eingegangen. Doch ihre Beschuldigungen hatten unter den Leuten nicht ihre Wirkung verfehlt. Männer kamen als Werwölfe und Frauen als Hexen auf den Scheiterhaufen.
    Die Ereignisse sind auch auf historicum.net: Paderborn - Hexenverfolgungen angerissen.

    Diesen Fall habe ich als Beispiel gewählt, weil er weit weg von den üblichen Klischees einer machtlüsternen Kirche, geldgierigen Richtern und frauenfeindlichen Hetzjagden liegt.
     

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