genetische oder kulturelle Gründe für ein Anti-Inzest-Verhalten?

Dieses Thema im Forum "Frühzeit des Menschen" wurde erstellt von annelise, 11. Februar 2014.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter


    Aber eine Normierung wird doch eigentlich erst dann notwendig, wenn etwas, was aus gesellschaftlicher Sicht nicht wünschenswert ist, nicht eingehalten wird.
    Wir können an Mensch und Tier beobachten, dass Nachkommen aus inzestiösen Verbindungen die Neigung zu Krankheitsanfälligkeit, geistiger und körperlicher Behinderung haben. Durch die Genetik wissen wir, dass bestimmte Erbkrankheiten, die nicht notwendigerweise eingeschaltet werden müssen, durch inzestiöse Verbindungen wahrscheinlicher gemacht werden (ich kann es mangels fachwissenschaftlichen biologischen Vokabulars leider nicht besser erklären). Die Symptome haben aber auch die Menschen schon vor Jahrtausenden beobachtet. So gibt es etwa in der Bibel (und sicherlich auch in deren mesopotamischen Quellen), genauer im Pentateuch, eine ganze Reihe an Verboten sexueller bzw. sexualhygienischer Natur, u.a. eben auch das Inzestverbot.
    Dieses wird man nicht erlassen haben, weil einem gerade danach war, sondern weil man eine "statistische"* Häufung von Krankheiten oder Behinderungen bei inzestiösem Nachwuchs beobachten konnte.


    *Statistisch in Anführungszeichen, weil sicher niemand tatsächlich eine Aufstellung darüber gemacht hat.
     
  2. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Wenn wir gerade bei der Bibel sind:
    Bei einigen Verboten liegt Blutsverwandtschaft vor, und die Verbote werden ausdrücklich mit Blutsverwandtschaft begründet. Bei anderen Verboten liegt keine Blutsverwandtschaft vor. Zum Beispiel:


    Andererseits sind Ehen zwischen Blutsverwandten (Cousin und Cousine) nicht nur erlaubt, sondern in manchen Fällen sogar geboten:

     
  3. beorna

    beorna Neues Mitglied


    Das ist wie gesagt, nur die halbe Wahrheit. Inzest erhöht nicht nur die Wahrscheinlichkeit das genetische Fehler häufiger auftreten, es sorgt ebenfalls dafür, daß sich genetische vorteilhafte Besonderheiten mit größerer Wahrscheinlichkeit vermehren.
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Und was sagt das für (Kleinst)Populationen mit entsprechend hohem "inbreeding coefficient" aus?
     
  5. beorna

    beorna Neues Mitglied

    (Kleinst)Populationen ist relativ. IdR werden sich bestimmte Merkmale verstärken, negative, wie positive. Je stärker der "inbreeding coeffizient" umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß diese Populationen anfällig werden für Krankheiten, sei es genetisch oder durch externe Einflüsse (Viren,Bakterien) und letztlich verschwinden. Dieses inbreeding führt uU, vor allem, wenn es über längere Zeiträume besteht, zum Entstehen neuer Unterarten oder dann auch Arten.
     
  6. Hans forscht

    Hans forscht Aktives Mitglied

    Bei euren Überlegungen zu kulturellen oder instinktiven Hintergründen überseht ihr die psychologische Wirkung einer instinktiven Hemmung: Wenn ich instinktiv eine übermächtige Hemmung dagegen habe etwas zu tun, was eigentlich meinem Trieb entspräche, muss ich mir dieses Paradoxon verständlich machen. Was läge näher, als daraus ein Tabu zu machen und dieses in die Religion aufzunehmen? Wenn nun ein Tabu entstanden und tradiert ist, und niemand mehr weiß, wie das Tabu einmal entstanden ist, ist es nur logisch das Inzestverbot leiblichen Geschwistern gegenüber ebenso auf die viel selteneren Adoptivgeschwister zu übertragen.

    Das andere auch schon angesprochene Szenario ist eine ererbte Inzestsperre gegen Sandkastenfreunde. Der Unterschied könnte daran deutlich werden, ob eine Inzestsperre gegen leibliche Geschwister auch dann besteht, wenn man von der Verwandtschaft nicht weiß. Andererseits, wie auch schon gesagt, kenne ich kein tradiertes Tabu gegen sexuelle Beziehungen zu Sandkastenfreunden. Wenn da signifikant zu wenig läuft, weist das mE auf eine angeborene Sperre gegen Sandkastenfreunde hin.

    Ein Verbot sich mit den Partnern der eigenen Kinder, Eltern und Geschwister einzulassen, ist klar der Vermeidung heftiger innerfamiliärer Konflikte geschuldet. Mitunter dreht sich dass im Falle des Todes solcher Personen: Die Witwe des Bruders soll mit seinen Kindern in der engsten Familie bleiben.
     
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

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