Genetische Untersuchungen der Phönizier und deren Nachfahren

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Altertum" wurde erstellt von lynxxx, 20. März 2007.

  1. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter


    Zu möglichen „Verwandtschaften“ eine neue genetische Studie (bei der wohl wieder die Mobilität von Frauen - vergleichbares gab es wohl zuletzt für die Bronzezeit in Mitteleuropa, Baltikum und Skandinavien - eine Rolle spielt):


    Ancient mitogenomes of Phoenicians from Sardinia and Lebanon: A story of settlement, integration, and female mobility


    Artikel im open access, es geht um Migrationen zwischen Sardinien und der Levante.

    Abstract:
    The Phoenicians emerged in the Northern Levant around 1800 BCE and by the 9th century BCE had spread their culture across the Mediterranean Basin, establishing trading posts, and settlements in various European Mediterranean and North African locations. Despite their widespread influence, what is known of the Phoenicians comes from what was written about them by the Greeks and Egyptians. In this study, we investigate the extent of Phoenician integration with the Sardinian communities they settled. We present 14 new ancient mitogenome sequences from pre-Phoenician (~1800 BCE) and Phoenician (~700–400 BCE) samples from Lebanon (n = 4) and Sardinia (n = 10) and compare these with 87 new complete mitogenomes from modern Lebanese and 21 recently published pre-Phoenician ancient mitogenomes from Sardinia to investigate the population dynamics of the Phoenician (Punic) site of Monte Sirai, in southern Sardinia. Our results indicate evidence of continuity of some lineages from pre-Phoenician populations suggesting integration of indigenous Sardinians in the Monte Sirai Phoenician community. We also find evidence of the arrival of new, unique mitochondrial lineages, indicating the movement of women from sites in the Near East or North Africa to Sardinia, but also possibly from non-Mediterranean populations and the likely movement of women from Europe to Phoenician sites in Lebanon. Combined, this evidence suggests female mobility and genetic diversity in Phoenician communities, reflecting the inclusive and multicultural nature of Phoenician society.

    Übersetzung ~ DeepL:
    Die Phönizier tauchten in der nördlichen Levante um 1800 v. Chr. auf und hatten im 9. Jahrhundert v. Chr. ihre Kultur im gesamten Mittelmeerraum verbreitet, errichteten Handelsposten und Siedlungen in verschiedenen europäischen Mittelmeer- und nordafrikanischen Gebieten. Trotz ihres weit verbreiteten Einflusses stammen die Kenntnisse über die Phöniziern von dem, was die Griechen und Ägypter über sie geschrieben haben. In dieser Studie untersuchen wir das Ausmaß der phönizischen Integration in sardische Populationen, in deren Gebiet sie angesiedelt waren. Wir präsentieren 14 neue antike Mitogenomsequenzen aus präphönizischen (~1800 v. Chr.) und phönizischen (~700-400 v. Chr.) Proben aus dem Libanon (n = 4) und Sardinien (n = 10) und vergleichen diese mit 87 neuen vollständigen Mitogenomen aus dem modernen Libanon und 21 kürzlich veröffentlichten präphönizischen antiken Mitogenomen aus Sardinien, um die Populationsdynamik des Phönizischen/Punischen Siedlungsgebiete um Monte Sirai zu bestimmen. Unsere Ergebnisse deuten auf die Kontinuität einiger Linien aus der vorphönizischen Bevölkerung hin, die auf eine Integration der einheimischen Sarden in die phönizische Gemeinschaft des Monte Sirai hindeuten. Wir finden auch Beweise für die Ankunft neuer, einzigartiger mitochondrialer Linien, die auf die Umsiedlung von Frauen von Standorten im Nahen Osten oder Nordafrika nach Sardinien, aber auch möglicherweise von nicht-mediterranen Bevölkerungsgruppen und die wahrscheinliche Migration von Frauen aus Europa zu phönizischen Standorten im Libanon hinweisen. Zusammengenommen deuten diese Daten auf weibliche Mobilität und genetische Vielfalt in phönizischen Gemeinschaften hin, was die integrative und multikulturelle Natur der phönizischen Gesellschaft widerspiegelt.
     
  2. balkanese

    balkanese Aktives Mitglied

    wie die Mobilität der Frauen ausgeschaut haben mag, Sklavenhandel?
     
  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter


    Die neutralen Formulierungen haben schon so etwas an sich :D

    Mobilität also: von A nach B, egal „wie“.
    Thomas Cook wird nicht gebucht worden sein. Für populationsgenetische „Teile“ könnte man sich auch „Wanderwege“ entlang der Handelsketten vorstellen, also sprungweise Einträge über Generationen. Die Zwischenstationen wird man kaum nachweisen können. Aber an den dänischen Skelettuntersuchungen sieht man auch, dass offenbar eine Generation erhebliche Entfernungen übersprungen hat/überspringen konnte.
     

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