Hannibals Raffinesse

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Altertum" wurde erstellt von Cornelius Nepos, 12. Dezember 2010.

  1. Cornelius Nepos

    Cornelius Nepos Neues Mitglied


    Hannibal soll nicht nur als Stratege glänzend gewesen sein. Unter anderem hat er feindliche Triremen nicht nur mit Steinen, sondern auch mit Giftschlangen beworfen haben.
    Wer kennt Literatur oder aus dem Gedächtnis was zu diesem Thema?
     
  2. Secundus

    Secundus Aktives Mitglied

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  3. Amalaswintha

    Amalaswintha Aktives Mitglied


    Ich würde das auch als eine Form der Strategie bewerten. Aber unabhängig davon, hast Du Dir schon das Buch von Pedro Barceló: Hannibal. Stratege und Staatsmann, einmal angesehen?
     
  4. Ogrim

    Ogrim Neues Mitglied

    Also, was mir an Hannibal besonders gefiel, war folgende Idee:
    Da er wusste, dass Pferde Angst vor so ziemlich allem haben, hat er seine Elefanten in der vordersten Schlachtreihe plaziert. Als die ohnehin nicht zahlreiche römische Kavallerie angreifen wollte, trompeteten die Elefanten und jagten damit die römischen Schlachtpferde in die Flucht.
    Wenn man weiss, dass die Ausbildung eines Polizeipferdes heute über fünf Jahre dauert, kann man sich das folgende Gemetzel gut vorstellen.
    Das gehört zu den kleinen Tricks und Kniffen, die ich bei Hannibal so besonders erwähnenswert finde.
     
  5. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Das Elefanten wegen dem genannten Effekt v.a. gegen Kavallerie wirksam sind war aber schon lange vorher allgemein bekannt.
     
  6. Ogrim

    Ogrim Neues Mitglied

    Danke für den Hinweis, daran hatte ich nicht gedacht. Pfiffig war es trotzdem.
     
  7. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Der Einsatz von Elefanten gehörte eher zu den Schwächen Hannibals. In der Schlacht von Zama blieben die karthagischen Elefanten weitgehend wirkungslos. Elefanten vor der eigenen Schlachtreihe aufzustellen, ist ohnehin ein höchst riskantes Unterfangen, denn wenn sie erst einmal in Panik geraten, machen sie kehrt und trampeln die eigenen Leute nieder.
     
  8. tejason

    tejason Neues Mitglied

    Elefanten als bewaffnete Diplomatie?

    Elefanten wirken mehr durch den Schrecken den sie verbreiten als durch ihre direkte "Waffenwirkung". Die Römer hatten Kriegselefanten bereits bei ihren Kämpfen gegen Pyrrhus (Tot 272 BC) kennen gelernt, also Generationen vorher. Gegen disziplinierte, kampfgewohnte Truppen sind solche "Schockwirkungen" aber geringer als gegen frische Truppen.

    In Karthago übernahm man den Kriegselefanten erst während des Hellenismus durch griechische Söldner im Ersten Punischen Krieg. Vorher hatte man Streitwagen verwendet, deren Wirkung teils ebenfalls psychologischer Art war. Bei dieser Gelegenheit bleibt noch zu erwähnen, dass etwa auch Kamele durch ihren strengen Geruch ungewohnte Pferde (als Fluchttier) ebenfalls scheu machen können. Allerdings gab es zu dieser Zeit diese Tiere noch nicht in Nordafrika. Durch diese Söldner fanden auch weitere Veränderungen im karthagischen Kriegswesen statt. Anstelle der asiatischen Elefanten gelang es den Karthagern in Nordafrika einheimische, heute ausgestorbene Waldelefanten für diesen Zweck abzurichten und einzusetzen.

    Als Hannibal die Schlacht von Zama schlagen musste, hatte er zu großen Teilen auf die regionalen Truppen in Africa zurückgreifen müssen. Seine italischen Veteranen machten nur einen Teil seiner Armee aus. Da die Elefanten in Africa abgerichtet wurden, konnte er auf zahlreiche Tiere zurückgreifen.

    In seinen vorherigen Unternehmungen hatten Elefanten nur eine sehr kleine Rolle gespielt. Beim Marsch auf Italien in seinem Eröffnungszug bei Kriegsausbruch hatte er einige Exemplare bei sich. Bis Hannibal allerdings in Italien ankam, hatte er fast keinen Elefanten mehr übrig, so dass ich Ogrims Episode oben nicht einordnen kann. Allerdings verfehlten diese Tiere gewiss nicht ihre Wirkung auf die gallischen und iberischen Stämme durch dessen Gebiete Hannibal bei seinem Marsch auf Italien ziehen musste. Sie unterstützten dabei vielleicht eher seine „Diplomatie“? Neben Überfällen der Einheimischen ist allerdings auch eine Schlacht gegen die Südgallier bei Überquerung der Rhone überliefert. Wenn J. Seibert Recht hat mit seiner Vermutung, dass Hannibal während seines Aufenthaltes in Italien ein Versorgungssystem nach Spanien hin aufrecht erhalten habe (oder es zumindest zeitweilig bestand), dann muss sein diplomatischer Erfolg mehr als beeindruckend gewesen sein. Die Existenz einer solchen, dauerhaften Route hätte aber nicht nur gewaltige Mittel gebunden, sondern wäre auch leicht zu stören gewesen…
     
  9. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Die Existenz einer solchen Route halte ich für unwahrscheinlich. Über das Meer kann sie nicht gelaufen sein, denn da hatten die Römer die absolute Seeherrschaft. Bleibt also nur der Landweg über die Pyrenäen, Südgallien und die Alpen. Doch wie soll das funktioniert haben? In Spanien waren bereits 218 die Römer gelandet; die dortigen karthagischen Feldherrn hatten genug mit den beiden Scipio-Brüdern zu tun und konnten wohl kaum noch Nachschub nach Italien aufrechterhalten. Und dass die Stämme, die Hannibal schon während seines Marsches durch Südgallien und die Alpen gestört hatten, von ihm so nachhaltig beeindruckt waren, dass sie Versorgungskonvois unangefochten durch ließen, bezweifle ich einmal. Außerdem: Inwieweit machte sich der Nachschub denn bemerkbar? Nach dem Verlust seiner letzten Elefanten in Norditalien hatte Hannibal jedenfalls jahrelang keine mehr. Nachschub an Elefanten bekam er erst wieder, als er in Süditalien war und den Karthagern eine Seelandung glückte.
     
  10. tejason

    tejason Neues Mitglied

    Sehe ich genauso. Bekanntlich basierte die karthagische Kriegsmaschinerie stark auf Söldnern und dafür braucht es keine Nachschubrouten. Dass Hannibal sehr viel Geld mit nach Italien brachte ist bekannt. Das ganze (noch wenig entwickelte) Währungssystem kam mit seinem Eindringen in Schwierigkeiten und konsolidierte sich erst mit einer "Währungsreform" ab 211 BC, als der Denar eingrführt wurde. Interessanterweise im gleichen Jahr, in dem Rom den wichtigsten Verbündeten Hannibals in Italien gelangr: Capua!

    Wenn "Nachschub" nach Italien kam, dann wohl eher als leicht zu transportierendes Geld oder ähnliches. Es gab in und um Italien einige Völkerschaften, bei denen sich Rekruten hätten werben können... Gegen die Existenz einer solchen Landroute spricht wohl auch, dass Hanibal seine Operationen in Süditalien fortführte. Was immer direkt über die Alpen kam hätte damit gefährlich nahe an römischen Stützpunkten vorbei marschieren müssen. Mit dem Abzug aus Norditalien dürften "gesicherte Verbindungen", (wenn sie denn noch bestanden hätten), endgültig abgebrochen sein... Dass die Elefanten Verhandlungen mit Stämmen Galliens und Iberiens erleichtert haben könnten ist dagegen eher vorstellbar.
     
  11. Tashunka

    Tashunka Gesperrt

    Hallo zusammen

    Deine Aussage, Tejason, macht mich etwas stutzig. Wenn, wie oben erwähnt, fast 5 Jahre für die Ausbildung von Polizeipferden nötig ist, wie könnte sich die Reiterei der Verbündeten so schnell an die Elefanten gewöhnen ?
    Das Kelten bzw. Gallier vor Erfurcht vor den Elefanten umgefallen sind =) ist leicht vorstellbar. Sie kannten diese Tiere ja nicht. Weiterhin musste Hannibal nach den Schlachten gegen die römischen Heere auch seine Reiterei wieder aufstocken, womit wir wieder zum obigen Problem kommen.
    Oder ist die Furcht der Pferde vor Elefanten nur römische Propaganda um ihre Niederlagen gegen Hannibal zu erklären ?
    Übrigens, ich bin nur interessierter Laie. Also fresst mich nicht gleich auf wenn meine Beiträge auch dem entsprechend ankommen:red:
     
  12. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Sicher nicht, da in den Schlachten, die die Römer gegen Hannibal verloren haben, Elefanten gar keine Rolle spielten.
     
  13. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    @Tashunka, es ging hier um feindliche Barbarenstämme in Gallien und den Alpen. Wenn sie Elefanten sahen, ließen sie alles fallen und nahmen die Beine in die Hand. Ich denke mal, dafür, und nur dafür waren die Rüsseltiere gedacht.
     
  14. Tashunka

    Tashunka Gesperrt

    Upps. Mein Fehler:red:
     
  15. Tashunka

    Tashunka Gesperrt

    Liebe Balticbirdy
    Dafür haben diese Babarenstämme Hannibals Heer in den Alpen ganz schön zugesetzt.
     
  16. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

  17. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Kannst ja mal selbst nachrechnen, die lang der Heereszug Hannibals im Gebirge gewesen sein muss, wenn man zum Teil nur einzeln oder zu zweit Engstellen passieren konnte. Selbst der Brenner war bis in die römische Kaiserzeit hinein für Fuhrwerke unpassierbar.
    Um die heutigen Zustände von Paßstraßen herzustellen, brauchte man seitdem viele fleißige Leute und eine Masse Sprengstoff. Deshalb konnte man früher die Übergänge mit wenig Aufwand, notfalls reichten ein paar Felsen und Baumstämme, einfach sperren.
     
  18. tejason

    tejason Neues Mitglied

    Ein letztes Mal zu den Ottifanten, da ich direkt angesprochen wurde^^

    Erst recht Pferde, die im Krieg bei der Kavallerie eingesetzt wurden sind darauf abgerichtet worden, dem Reiter auch in gefährlichen Situationen zu gehorchen, statt dem natürlichen Fluchtinstinkt zu folgen. Ein Galopp von feindlichen Reitern aufeinander zu oder auf Infanterie entspricht nicht ihrer Natur. Eines der wichtigsten Eigenschaften für ein abgerichtetes Pferd ist daher Gehorsam – sogar unbedingter Gehorsam bei der Kriegsreiterei!

    In besonderen Stressfällen kann dennoch der angeborene Instinkt Überhand über die Ausbildung bekommen: Ein Sprungpferd verweigert ein Hindernis, ein Kriegspferd bricht aus, statt ins Handgemenge zu reiten – oder eben ein Pferd flieht vor dem Unbekannten! Unbekannt sind etwa mitteleuropäischen Pferden sowohl Dromedare, als auch Elefanten. Ein Dromedar sollte in keiner Weise irgendwie gefährlich für ein Pferd sein. Das Pferd kann dennoch fliehen, erschreckt und verunsichert durch den ungewohnten strengen Geruch (man sagt ja auch Raubtieren einen Eigengeruch nach…) und merkwürdige Aussehen des Tieres. Ein normaler Fluchtreflex. Ich habe schon einmal Pferde auf der Koppel einen „Blitzstart“ machen sehen, nur weil einem Eichhörnchen einige Meter weit weg etwas aus der Pfote gefallen war. Ähnlich ist es prinzipiell mit den Elefanten, die in der Natur gewiss keinen Konflikt mit Pferden ausfechten müssten. Pferde, die an Geruch und Anblick von Exoten wie Dromedaren oder Elefanten gewöhnt sind, werden daher nicht vor ihnen instinktiv Scheu werden und fliehen. Dann wirkt ohne Störung durch Fluchtinstinkte wieder der vom Menschen anerzogene, unbedingte Gehorsam des Pferdes…

    Ergo brauchte es außer etwas Gewöhnung keine aufwändige „Zusatzausbildung“ für die Pferde der Armeen.
     
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  19. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Diese Geschichte wurde auch von Iustinus überliefert (32,4).
     
  20. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    In Zama stand Hannibal auch ein überaus gelehriger Schüler gegenüber. Und für Hannibal äußerst nachteilhaft: Masinissa hatte sein Fähnchen mit dem Wind gehängt und die Seiten gewechselt.
     

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