Heimlich Geld drucken

Dieses Thema im Forum "Sonstiges in der Neuzeit" wurde erstellt von algarius, 12. Oktober 2017.

  1. algarius

    algarius Neues Mitglied


    Liebe Community

    Ich habe da eine Frage welche ich mir einfach nicht logisch erklären kann:

    Wenn ein Land nennen wir es A, heimlich Geld produziert, dann könnte dieses Land A ja bsp. in Land B Materialen gratis einkaufen ? Oder nicht ? Wie würde dies den anderen Ländern auffallen dass dieses Land A heimlich Geld gedruckt hat. Es ist mir schon klar dass Geld allein kein Wert hat es muss immer ein Gegenwert bestehen. Dennoch könnte man doch in Land B Materialien einkaufen, ohne dass Land B davon weiss dass zu diesem Papiergeld kein Gegenwert besteht.

    Wo entsteht also das Problem? Hat es villeicht damit zu tun dass in Land B Geld der Währung von Land A dann ist und man mit diesem nichts kaufen kann? Land B könnte doch dann mit der Währung von Land A in Land C einkaufen?

    Ich weiss bsp. dass nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland Geldgedruckt wurde. Am Schluss hatte dieses Geld überhaupt keinen Wert mehr und man dieses nutze um es zu verbrennen um Wärme zu erzeugen. Warum haben Sie aber mit diesem Geld nicht in einem anderen Land Güter eingekauft ? Hat dies mit einem Wechselkurs zu tun ?

    Kann mir dies bitte jemand genau erklären ?
     
  2. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Ganz einfach: Käme das heraus, würde es als kriegerischer Akt gewertet. Jedenfalls wurde das bisher so eingeordnet. Aber in den letzten Jahren kam es zu einigen Vorfällen, die in der Vergangenheit ebenfalls einen Krieg bedeutet hätten, ohne das es dazu kam. Aber heute kommt hinzu, dass sich längst nicht jeder Staat eine eigene Münze leistet und z.B. bei der Bundesbank drucken lassen. Die größeren Staaten wiederum haben das nicht nötig. Ein größeres Problem sind von Staaten gehortete echte Divisen. Würde China seine Dollar- und Euro-Bestände auf den Markt werfen, käme es zu massiven wirtschaftlichen Problemen. Doch wie bei den Atombomben keiner die Welt in die Luft sprengen will, will heute niemand das System sprengen.

    Und natürlich käme es zu einer Inflation im Zielland. In der Regel hat Geld heute keinen Gegenwert. Das ist eher eine Fiktion aufgrund der Menge der zur Verfügung stehenden Waren. (Sehr vereinfacht.) Bei mehr Geld und gleichbleibendem Warenbestand sänke demnach der Geldwert und es käme zur Inflation.

    Aber das ist nur eine schnelle Antwort. Und mag, wenn es zu aktuell ist, gelöscht werden.

    Das während des, nicht nach dem Krieg -auch wenn es da erst wirksam wurde- vom Deutschen Reich hergestellte Falschgeld war ein Flop. Großbritannien, wo damit eine Inflationsspirale in Gang gebracht werden sollte, führte zudem einfach neue Geldscheine ein. Angesichts der kriegsbedingten Depression war es auch nicht das größte Problem, was die Bedeutung relativiert.

    Während des Kalten Kriegs soll von der Sowjetunion Falschgeld hergestellt worden sein. Allerdings wohl nicht in sehr großem Umfang, sondern nur, um einige geheime Geldausgaben geheim zu halten. Das würde uns zumindest in den 80ern in der Schule erzählt. Hier bin ich dann auch neugierig, was da bezüglich der UdsSR und der DDR (die durchaus auf anderen Wegen an Divisen kam) heute bekannt ist.
     
  3. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied


    Ich glaube er meinte nicht die falschen Pfundnoten die im Dritten Reich gedruckt wurden sondern die Inflation in der Weimarer Republik.

    Geld hatte früher einen konkreten Wert. Zum Beispiel: Ein Pfund war ursprünglich eine Goldmünze die soviel Wert war wie ein Pfund Silber. Ähnliches galt für die Mark, den Taler, der Florin etc. Deswegen konnten diese Münzen auch international zirkulieren, weil sie überall ihren eigenen Wert hatten. Einige Münzen hatten dabei einen besseren Ruf als andere weil sie einen konstanteren Feingold- oder Silbergehalt hatten und/oder schwieriger zu fälschen waren. So waren z.B. die Maria-Theresien-Thaler in Afrika bis vor wenigen Jahren noch im Umlauf und sehr beliebt, also viele Jahrzehnte nach dem Untergang des Staates der sie herausgegeben hatte.

    Später gab es Papiergeld, dass einen entsprechenden (theoretischen) Gegenwert in Gold hatte. man konnte noch mit einer Pfundnote zur Bank gehen und sich den Gegenwert in Gold oder Silber auszahlen lassen. Dazu musste es jedoch einen Staat geben der dieses garantierte. Sinnlos also, der Versuch, nach 1923 einen Geldschein über zehn osmanische Akçes in Silber einzutauschen.

    Wenn ein Staat mehr Geld druckte, als er eigentlich Gold hatte, und dieses auffiel, führte dieses zu einer Entwertung, also zur Inflation. Das passierte z.B. als nach 1914 die Deutsche Reichsbank die Noteneinlösungspflicht in Gold aufhob, also die Pflicht auf Anforderung einen Geldschein gegen seinen Gegenwert in Gold einzutauschen und in der Folge immer mehr Papiergeld druckte, das dadurch zunehmend an Wert verlor. Das endete mit der Hyperinflation von 1923.

    1944 gab es in den USA die Konferenz von Bretton Woods wo die Wirtschafts und Finanzminister von vielen Ländern zusammensaßen und ein System vereinbarten, bei dem es eine feste Bindung des Dollars an das Gold gab (35 $ je Feinunze) und die anderen Währungen sich nach dem Dollar richteten.

    Dies hielt bis zu Beginn der 70.er jahre als die USA einseitig diese Bindung aufhob und die anderen Länder sich dieser Maßnahme anschliessen mussten.

    Heute hat Geld, wie Riothamus bereits schrieb, nur noch einen theoretischen Wert der den vorhandenen Gütern bzw. der Wirtschaftskraft eines Staates entspricht. Ist der wirtschftliche Ruf einen Landes geschädigt, ist seine Währung auch nicht mehr viel Wert.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Oktober 2017
    Armer Konrad gefällt das.
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Das Thema lässt sich nicht simplifizieren, aber es gibt gute Einführungen, nur als Beispiel

    Geldtheorie und Geldpolitik/WiPo Seminar Uni Köln

    @Rio: was verstehst Du zB unter gehorteten Dollar- und Eurobeständen? Was würdest Du -
    zB BRD 1980, GB 1928, USA 1901 ... - wertmäßig höher einschätzen: Bestände an Gütern oder "Geldbestände"? Warum kippt das in historischen Fällen der Hyperinflation?

    @Bdaian: wieso zB stieg die USA aus Bretton Woods aus? Warum soll nur Zentralbankgeld Wertaufbewahrungsfunktion haben? Welche Bedeutung hatten Staatsschulden 1914/23?
     
  5. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    Zum »Goldstandard« siehe auch die dt. Wikipedia.
     
  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ein schönes Beispiel, der Goldstandard.

    Notengeldbestände (also ohne "selbstdeckende" Goldmünzen) 1913: ca. 2,8 Mrd.
    Goldreserven der Reichsbank 1913: rd 1,2 Mrd. Plus sonstige Metalle: Deckung rd. 50%.

    Quelle: DtBbk, Währung und Wirtschaft in Deutschland 1876-1975
     
  7. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Grob vereinfacht, als Antwort auf die Krise die aus der Kombination folgender Gründe entstand:

    1-Verursacht durch ein Leistungsbilanzdefizit der USA, häuften sich im Ausland immer größere Dollarreserven an, die durch die vorhandenen Goldreserven nicht mehr zu decken ware.

    2-Der Goldpreis auf den internationalen Märkten fing an zu steigen und entfernte sich von den in Bretton-Woods festgesetzten Verhältnis zum Dollar.

    3-Die Wirtschaft in den USA wurde durch den Vietnam-Krieg stark belastet. Es entwickelte sich eine zunehmende Inflation des Dollars im Inland, wodurch das Verhältnis zu den anderen Währungen belastet wurde und diese zum Teil stark unterbewertet waren, was sich wiederum als nachteilig für die amerikanische Wirtschaft erwies und als Vorteil für Länder wie Deutschland und Japan. Diese erzielten dadurch hohe Exportüberschüsse gegenüber den USA, was wieder Punkt 1 verstärkte.

    Ein politisches Schlüsselereignis in diesem Zeitraum war die Forderung Frankreichs die eigenen Dollarreserven in Gold gewechselt und dieses nach Frankreich geliefert zu bekommen. Dem folgte einige Zeit später die Schweiz. dadurch war ersichtlich dass das System nicht mehr zu halten war. Noch vor den USA verliessen die BRD und die Schweiz das Bretton-Woods abkommen um nicht gegenüber des Dollars ihre Währungen abwerten zu müssen.

    Die USA sahen sich gezwungen zu reagieren, angeblich um den Dollar vor Spekulanten zu retten. Im August meldete Nixon die Aussetzung der Konvertibilität.

    Ich verstehe diese Frage nicht. Es gibt es auch ausserhalb der Zentralbanken wertbeständige Anlagemöglichkeiten, angefangen bei Edelmetallen.


    Die Finanzierung des Krieges und später der Reparationen. Der Krieg wurde im Deutschen Reich überwiegend über Staatsanleihen finanziert, im Gegensatz zu den Alliierten die dieses hauptsächlich über Steuern machten. D.H. der Deutsche Staat verschuldete sich im Inland wie im Ausland und reagierte darauf in dem er verstärkt ungedecktes Papiergeld druckte, was zur Inflation führte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Oktober 2017
  8. AndreasMeyer

    AndreasMeyer Mitglied

    Heute schoepfen lizenzierte Banken Buchgeld durch die Vergabe von Krediten. Der Prozess ist allerdings an gewisse Bedingungen geknuepft (Reserven, Zinssaetze, Sicherheiten usw. ). Was wiederum die Geldmenge reguliert. Der Prozess ist allerdings auch nicht ganz unumstritten, da er eigene Probleme mit sich bringt.
    Der Trend zur Geldentwertung ("Inflation"), ist Folge der Ausweitung der Geldmenge.

    Das Problem kuenstlich Geld zu schaffen und damit reale Gueter anzukaufen ist durchaus real, aber auch der Prozess ist mit Risiken verbunden von denen der "heimliche Geldschoepfer" betroffen ist.
     
  9. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Alles kann einfach gesagt werden. Zumindest für den ersten Zugang.
     
  10. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Frei nach Wittgenstein.
     
  11. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Das passt aus ganz aktuellen Anlass: ein Thaler würde grinsen.

    Aus dem einfachen Grund, dass seine Spielwiese misbehaving nicht nur entscheidungstheoretisch, sondern auch quasi als Konklusion->Entscheidung in Bezug auf vorlaufendes Verständnis und Entscheidungsgrundlagen verstanden werden kann.

    So auch oben. Bzgl. der "Wertaufbewahrungsfunktion" wird das quantitativ ursprünglich entscheidende Aggregat M3 und seine Aufweichung in "effizienter" werdenden Märkten (1955/1975/1990) durch ("effizient", oder überhaupt: breit) zugängliche financial investments - auch eine Ursache für die inzwischen markanten spreads zwischen Kerninflation und Inflation in anderen, weiteren Marktsegmenten - überhaupt nicht erkannt und benannt.
     
  12. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Einfach gesagt: Nö. Das hast Du Dir ausgedacht, dazu steht da nix.

    Wenn ein offensichtlich jüngerer Schüler etwas fragt, pflege ich nicht auf Oberstufen- oder Uniniveau zu antworten.
     
  13. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Und was willst Du damit dem geneigtem Leser mitteilen?
     
  14. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Das kommt auf den Leser an, und seine "Neigungen".:D

    Im grundlegenden Fall: über die Plausibilität von Antworten nachzudenken.
    Etwas erweitert: über Schein, Sein, Sinn einfacher Antworten bei höchst schwierigen Fragestellungen nachzudenken.
    für's Fach: selbstverständlich, und der Bezug ein jump.
     
  15. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Ehrlich gesagt finde ich deine Einstellung sehr irritierend. Hier wurde eine Frage gestellt. Anstatt zu antworten schickst Du einen (vermutlich jungen) Fragesteller zu einer Seite mit einer komplexen Vorlesung über Geldtheorie. Werden wir in Zukunft, Fragen über Geschichte damit beantworten, dass wir den Fragesteller ersteinmal Hobsbawm lesen lassen?
    Dann deine Fragen und flapsige Antworten an die restlichen Teilnehmer aus der ich eine doch klare Herablassung herauslese. Wenn an meiner Antwort etwas grundlegend falsch war, würde ich Dich bitten dieses zu berichtigen. Möglichst in einfachen Worten damit wir gemeines Volk ohne einen Doktortitel in Volkswirtschaft dieses auch verstehen können.
     
  16. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Vielleicht schaltest Du mal einen Gang herunter, es gibt keinen Grund, patzig zu werden oder Unterstellungen abzulassen. Thaler war ein joke, das ist bereits klargestellt.

    Für die Komplexität von Einführungen kann ich nichts. Wenn ich außerdem vor Simplifizierungen warne, und darauf mit einfachen Fragestellungen hinzuweisen versuche, ist das völlig wert- und kritikfrei.

    Es wäre also nett, das persönliche Anrempeln einzustellen. Wenn Du die Fragen in der Sache anders siehst, ist das Dein Ding. Wenn weiterer Bedarf an persönlichen Diskussionen besteht, kannst Du die PN nutzen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Oktober 2017 um 16:06 Uhr
  17. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Da kommt man um einen Hinweis auf Heinrich VIII fast nicht mehr herum. Der hat aus Geldnot den Kupferanteil der Münzen erhöht.
    Könige Heinrich VII. und Heinrich VIII. auf Münzen
     
  18. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Gleiches las ich soeben über den Alten Fritz - bei ihm war es der Silberanteil der Münzen.

    Gruss, muheijo
     

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