Heinrich IV. Schenkungen - Fälschung?

Dieses Thema im Forum "Das Heilige Römische Reich" wurde erstellt von Bertiprimus, 6. November 2015.



  1. Bertiprimus

    Bertiprimus Neues Mitglied

    In vielen Geschichtsbüchern wird berichtet, wie Heinrich IV. während seiner Kämpfe gegen Rudolf v. Schwaben - als Gegenkönig - sich die Unterstüt-zung der Muttergottes erbat, indem er ihr 1080 (bzw. dem Spey'rer Stift) Güter aus seinem Besitz in Waiblingen und Umgebung schenkte. Hierzu befinden sich in der Württ. Sammlung der hist. Urkunden:
    Nr. 47 - Speyer 12.Jan.1086 " Kaiser Heinrich IV. schenkt der Kirche in Speyer ein Gut in Waiblingen".
    Nr. 48 - Würzburg 18.Juni 1086 "Kaiser Heinrich IV. schenkt der Kirche zu Speyer 26 mansus in Beinstein".

    In einem Vortrag anlässl. der Heimattage im verg. Jahr wurde berichtet, dass offenbar erst in jüngster Zeit die Schenkungsurkunde von 1086 als Fälschung vermutlich des 14. JHs erkannt worden ist. Dabei soll sich die Fachwelt nachträglich gewundert haben, dass diese Schenkungsurkunde so lange für echt gehalten wurde. Denn offenbar ist die gefälschte Urkunde so offensichtlich falsch, dass man es kaum glauben will, dass z.B. selbst Historiker wie Sönke Lorenz bis zum Schluß an die Echtheit geglaubt hätten.
    So wurde z.B. der Ort der Schenkung BEINSTEIN - und nur dieses eine Wort - in einer geradezu "modern" erscheinenden Druckschrift ausgeführt, während alles andere in der zeitgenössischen Menuskel gehalten ist. Und hinzu kommt noch: 1080 - 1086 hieß die Ortschaft (heute ein Teilort von Waiblingen) noch gar nicht Beinstein sondern Beiggestein. Niemand konnte also 1086 ahnen, wie der Ort später heißen würde. Ausserdem sollen in den Güterverzeichnissen des Stifts Speyer auch kein Besitztümer in Waiblingen und Umgebung verzeichnet sein. Erst nach der Pestzeit soll das Stift versucht haben, Rechte an wolchen Gütern geltend zu machen, jedoch wenig erfolgreich, was ebenfalls darauf schließen ließe, dass es keinen Speyrer Besitz in jener Zeit gab.

    Leider aber kann ich seit Monaten nirgendwo etwas zu diesem Thema finden. Weiß hierzu jemand im Forum etwas neues - wann hat wer diese Fälschung/en aufgedeckt ?

    Danke
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das spräche allerdings eher für eine Verunechtung, denn für eine Fälschung.
    Fälschung: eine Urkunde wird unter falschem Namen neu erstellt.
    Verunechtung: eine existierende Originalurkunde wird um den erwünschten Sachverhalt verändert.

    Wenn der Herausgeber nirgends vermerkt hat, dass der Ortsname in einer anderen Schrift als der Rest der Urkunde abgefasst ist und in der MGH ist das nicht der Fall (dMGH | Band | Diplomata [Urkunden] (DD) | | H IV,2: Heinrich IV. 2: 1077-1106 (DD H IV) | Die Urkunden Heinrichs IV. 1077-1106 dMGH | Band | Diplomata [Urkunden] (DD) | | H IV,2: Heinrich IV. 2: 1077-1106 (DD H IV) | Die Urkunden Heinrichs IV. 1077-1106), dann lässt sich das leicht übersehen, sofern man nicht mit dem Original selbst arbeitet.
     
  3. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Für diese Schreibweise gibt es m. W. aus dem 11. Jahrhundert aber auch keine Belege, und aus dem 12. Jahrhundert nur indirekte (Kopialbücher des 14. Jahrhunderts).

    "Baienstein" ist für spätestens 1230 (Burchard von Ursberg) verbürgt:
    dMGH | Band | Scriptores [Geschichtsschreiber] | Scriptores (in Folio) (SS) | 23: [Chronica aevi Suevici] | Tab. 2
     
  4. Bertiprimus

    Bertiprimus Neues Mitglied

    Die Probleme um die o.g. gefälschten Schenkungen werden offenbar bearbeitet von Prof.Dr. Quarthal, Uni Stuttgart und Prof. Dr. Grimm, GenLandesarchiv Karlsruhe. Sie sprechen wohl von "Fälschungen" - Leider sind mir noch keine Publikationen dazu bekannt geworden.
    Die Chronik des B.v. Ursberg ist zum Thema "Beinstein" als Beweismittel ungeeignet. Er schrieb mehr als 100 Jahre nach der betr. Zeit und hat hierzu vorwiegend aus anderen Quellen übernommen - dabei ist seine Chronik bekannt für viele "Schreib- und Übertragungsfehler" - wenn er also den Ort Beinstein (der damals Beigenstein) geschrieben wurde mit ai schreibt, ist dies nicht verwunderlich, denn er schreibt ja auch die Kaiser Heinrich III und IV als "hainrici".
    Verwunderlicher zu diesem Thema der nicht erkannten Fälschungen finde ich vielmehr die hübschen "Ausmalungen" (Schenkungen um das Wohlwollen Mariaes zu erlangen) usw.
     
  5. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Welche beweiskräftigen Quellen gibt es denn für diese Behauptung:

     
  6. Bertiprimus

    Bertiprimus Neues Mitglied

    Quellen zu beiden Zitaten:
    a) Wilh.v.Giesebrecht b) Georg Gronau c) Chr. v. Stälin - u.a.m. v.a.: Osswald Holder-Eggenu der sich intensiv mit der Chronik des B.c.U. befasst hat. - Allein schon, wenn man die Einleitung in MGH zur Chronik liest, wird man auf eine Fülle von "ungereimtheiten" hingewiesen.
    Sodann:
    A. - Beisteiner Heimatbuch 1986 - B. - Das Königreich Württemberg 1986 S. 238 - C.: OAB Waiblingen 1850 - Sönke Lorenz, Waiblingen, eine Stadtbeschreibung 2003,
    D. - Liber Decimationis v. 1275 im Freiburger Diöz-Arch. Bd. 1 S. 67/68 - E. - WUB - 1, 411/412 - u.v.m.
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Burchards Glaubwürdigkeit hin oder her, seine Unglaubwürdigkeit ist die eine Sache, seine Darstellung von Ortsnamen eine andere. Wenn er einen Ortsnamen im 12. Jhdt. benutzt, dann ist das ein Faktum, welches mit seiner sonstigen Glaubwürdigkeit erst mal nichts zu tun hat. Es sei denn, man müsste auch hier von redaktionellen Eingriffen späterer Bearbeiter ausgehen.
     
  8. Bertiprimus

    Bertiprimus Neues Mitglied

    Mir geht es weder um Beistein noch um die Chronik des B.v.U.: - Die eigentliche Frage ist für mich die - gab es nun dieses Schenkungen überhaupt oder gab es sie nicht ? Über Fälschungen zu Mehrung des klösterlichen/kirchlichen Besitztums weiß man ja längst mehr als genug (z.B. Ulrich v. Dapfen / Reichenau). Dass aber die Historiker (v.a. des 19. JHs wie Giesebrecht, Stälin, Heyck u.a.) die Hintergründe dieser "Schenkungen" - zur Erbittung der Gnade des Sieges durch die Patronin des Speyrer Doms Maria vor der Schlacht - als Seelgerät für die lieben Vorfahren und Verwandten u.ä. - so ausführlich schildern konnten, das erstaunt mich. Wenn es denn die Schenkungen nicht gegeben hat, wer hätte dann frühzeitig schon Interesse daran gehabt, die betr. Propaganda darüber in die Welt zu setzen und warum hatte sich diese jahrhundertelang erhalten können?
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Schon klar. Mir geht es auch nur um die Sauberkeit der Argumentation.

    Ich kann es dir nicht sagen, da ich alles, was ich über diesen Sachverhalt weiß, von dir habe. Wenn aber eine Hand des 14. Jhdts. in eine Urkunde des 11. Jhdts. eingreift und keine weiteren existierenden Quellen über den Besitz sprechen, die diesen eigentlich aufführen müssten (meinetwegen Urbare), dann spricht einiges für Betrug, ob nun einen nichtexistenten Besitzanspruch zu erheben oder um einen existenten Besitzanspruch durch Alter zu adeln, sei dahingestellt.

    Wohl in allererster Linie der Nutznießer, also das Hochstift Speyer.
     
  10. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Davon ist die älteste Quelle das Liber Decimationis von 1275, das in einer Abschrift des 14. Jahrhunderts erhalten ist.

    Dort wird der Ort "Baggenstain" bzw "Bagenstain" geschrieben, nicht "Beiggestein".

    https://www.freidok.uni-freiburg.de/fedora/objects/freidok:6281/datastreams/FILE1/content

    Die Echtheit der angeblichen Belege aus dem 12. Jahrhundert mit "Beginstein" / "Beygenstein" (Kopialbücher des 14. Jahrhunderts) wurde bereits von Carl George Dümgé 1836 unter Angabe mehrerer Gründe angezweifelt:

    "König Konrad III. bestättigt der Kirche zu Speyer unter Bischof Siegfried alle derselben von seinen Vorfahren verliehenen Besitzungen und Freyheiten..."


    Von daher frage ich mich auch, ob die Urkunden von 1180/1186 nicht schon längst hätten "verdächtig" sein müssen.

    Die Schreibweise des Ortsnamens hingegen scheint mir kein hinreichendes Verdachts-Indiz zu sein. Die früheste belegbare Schreibweise ist nach meinem jetzigen Kenntnisstand "Baienstein" von (spätestens) 1230.
     
  11. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    Seit wann hätten diese "Urkunden" verdächtig sein müssen?
     
  12. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Seit 1836.



    Wobei ich mir über das "müssen", wie gesagt, nicht sicher bin.


    Bei Dümgé geht es
    a) um eine Urkunde, datiert auf den 10. April 1101, wo Heinrich IV. dem Speyrer Domkapitel Besitzungen und Rechte bestätigt,

    b) um eine Urkunde, datiert auf den 11. März 1140, wo Konrad III. dem Speyrer Domkapitel die von seinen Vorgängern verliehenen Besitzungen und Rechte bestätigt.

    Hab jetzt auch noch in die MGH geschaut:

    a)
    dMGH | Band | Diplomata [Urkunden] (DD) | | H IV,2: Heinrich IV. 2: 1077-1106 (DD H IV) | Die Urkunden Heinrichs IV. 1077-1106 (... da heißt es übrigens "Beienstein")

    Nun sehe ich, dass dort für die Echtheit der Urkunde plädiert wird ("die früher zu Unrecht ganz oder teilweise in Zweifel gezogen wurde")

    b)
    dMGH | Band | Diplomata [Urkunden] (DD) | | K III: Konrad III. und sein Sohn Heinrich (DD K III) | Die Urkunden Konrads III. (... Beginstein / Begenstein / Beygensteyn)



     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es kommt hinzu, dass der Ausfall des -g- (und nebeneinanderstehende Formen) jetzt auch nicht besonders seltsam ist (sind). Man denke nur an vermaldeit oder gebenedeit (von maledictus/benedictus, 'verflucht'/'gesegnet') oder den Beginn des Nibelungenliedes - "Uns ist in alten Mæren wunders vil geseit" -in dem der Held wie genau heißt? Siegfried? Nein, nach mittelalterlicher Schreibung Sivrit.

    Der Unterschied zu Beigenstein/Beyenstein/Beinstein ist natürlich, dass es sich in den genannten Beispielen nie um intervokalisches -g- handelt sondern um vorkonsonantisches -g-.
     
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Eigentlich gibt es keinen Grund, Urkunde in Anführungszeichen zu setzen. Urkunde oder Diplom sind die fachwissenschaftlich korrekten Bezeichnungen für die hier besprochenen Dokumente.
     
  15. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Formen mit und ohne g haben wir in den fraglichen Urkunden auch beim Ortsnamen Nürtingen ("Nivritingen" / "Niugertingun"):

    Deutsches Ortsnamenbuch




    Die Urkunde mit "Beinstein" kann man sich hier ansehen:

    Edition der Speyrer Kaiserdiplome Heinrichs IV.: 391

    Die abweichende Schriftart ist nicht nur beim Namen "BEINSTEIN" zu beobachten, sondern auch bei den Personennamen. Auch in anderen Urkunden sind Personen- und Ortsnamen oft auf diese Weise hervorgehoben:

    http://ba.tuxomania.net/diplome/bilder/380.jpg
    http://ba.tuxomania.net/diplome/bilder/382.jpg
    http://ba.tuxomania.net/diplome/bilder/385.jpg




    Die Diplome Heinrichs IV. fr Speyer
     
  16. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Was eben auffällt, ist das Fehlen der für die Urkundenschrift so typischen Schnörkel und dass anstelle von Minuskula Maiuskula verwendet werden.
     
  17. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Nur sehe ich nicht, wo hier das Fälschungs-Indiz sein soll. Die unverschnörkelten Majuskeln finden sich auf praktisch allen Urkunden.

    Und das stimmt eben nicht:

    Es ist nicht nur dieses eine Wort BEINSTEIN in Majuskeln ausgeführt, sondern auch die Namen ADALHEIDE und MARIE...
     

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  18. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Und das stimmt eben nicht:

    Es ist nicht nur dieses eine Wort BEINSTEIN in Majuskeln ausgeführt, sondern auch die Namen ADALHEIDE und MARIE...
     
  19. Bertiprimus

    Bertiprimus Neues Mitglied

    Um der „Fehlersuche“ in meinem Beitrag abzuhelfen, und dem offensichtlichen Bedürfnis nach bestmöglicher Korrektheit nachzukommen, zitiere ich nun die Fachleute wortwörtlich wie folgt:

    …„ Deshalb bot es sich an, zunächst einmal das im Generallandesarchiv in Karlsruhe verwahrte Dokument mit Datum vom 18.6.1086 in Farbkopie, diesmal in moderner Digitaltechnik, beizuziehen. Der Text ist in gotischer Schrift abgefasst, durchweg mit ausgeprägten Ober- und Unterlängen, ausgenommen der Ortsname „Beinstein“, der eher an moderne Druckschrift erinnert. Da diese Schreibweise sonst erst ab Mitte des 15. JHs. nachweisbar ist, könnte schon das als Beleg für eine spätere Fälschung angesehen werden“.

    „Die ältesten Urkunden zur mittelalterlichen Geschichte Beinsteins in chronologischer Folge …: a) 31.3.1140 Beginstein – b) 1275 Baggenstain, Bagenstain – c) 13.3.1280 Beigenstein – d) 15.8. 1283 Baigenstain – e) vor 1310 Baygenstain, Baienstain – f) 1334 Baygenstain – g) 1344 Baygenstain, Baigenstain, Bayenstain.“

    …“Die vom 18.6.1086 datierte Schenkungsurkunde … war eine Fälschung“.

    - So weit zu den seitherigen Beiträgen. –

    Der eigentliche Ausgangspunkt ist ja eigentlich die bisher für wahr gehaltene Schenkung vom 14. Oktober 1080, dem Tag vor der Schlacht an der Grune/Elster – gegen den Gegenkönig Rudolf von Rheinfelden. Angeblich ließ Heinrich am Vorabend der Schlacht auf freiem Felde ein Diplom zu Gunsten der Kirche von Speyer ausstellen. Der Kaiser ahnte, dass diese Schlacht ein Wendepunkt in seiner königlichen Laufbahn sein könnte – es ging um das Überleben seiner Monarchie. Er stellte sich daher unter den Schutz der Gottesmutter, wie die Agenda der Urkunde in ganz persönlichen Worten formuliert. Er macht der Kirche von Speyer ein ganz besonderes Geschenk: der Maria geweihten Domkirche überließ er Waiblingen, dem Domkapitel Winterbach – als Stiftung zum Seelenheil seiner in Speyer bestattenten Großeltern Konrad II. und Giselas, seines Vaters Heinrich III. sowie für sich und seine Mutter Agnes. Die als praedia bezeichneten beiden Orte sollten mit allem Zubehör den Besitz wechseln, ausgenommen lediglich die salischen Dienstmannen mit ihren Dienstgütern. Das hierzu vorgefundene Diplom wurde bereits von Dümgé als Votivurkunde „qualifiziert“.

    „In diesem Zusammenhang gewinnt eine andere, Waiblingen betreffende Urkunde vom 12.1.1086 an Bedeutung, wonach derselbe Heinrich IV. wenige Monate vor der angeblichen Beinsteiner Schenkung der Kirche in Speyer auch ein Gut zu Waiblingen geschenkt haben soll. Vergleicht man die beiden Urkunden miteinander. So fällt auf, dass die aufgezählten Güter zu Beistein und Waiblingen stellen-weise wortwörtlich übereinstimmen. Bei Beistein kann dies schon topographisch kaum sein …“

    Im Hinblick auf die bereits vorgetragene Feststlellung, dass in den Güterbüchern von Speyer die mit vorgenannten „Dokumenten“ angeblich geschenkten Güter nicht verzeichnet sind – i.V. mit Dümgé (wie vorstehend) würde ich darauf schliessen, dass es sich am 14. 10. 1080 – also unmittelbar vor der Schlacht – um keine Schenkung sondern um ein Gelöbnis (Votiv) gehandeln haben könnte, welches dann möglicherweise nicht dinglich vollzogen wurde, da ja de Schlacht als solche nicht gewonnen worden war. Zumindest Waiblingen befand sich bereits seit 1101 wieder – viell. als entfremdetes Kirchengut – in der Hand der Salier bzw. sodann ihrer staufischen Erben.

    Sönke Lorenz (in Waiblingen, eine Stadtgeschichte 2003) sagt zu der Urkunde vom 12.1.1086: „Dem Bischof von Speyer wurde das Recht eingeräumt, über dieses Gut so zu verfügen wie über die anderen Besitzungen seiner Kirche, sei es über den Weg der Verlehnung oder der Verpachtung.“ Während frühere Historiker den Inhalt d. Urkunde von 1086 als völlig neue Schenkung werteten, haben spätere Historiker den Vorgang als Bestätigung der Überlassungen von 1080 betrachtet.

    Dieter Mertens weist darauf hin, dass der Charakter der Besitzrechte Heinrichs IV. an den Gütern im Remstal (die er angeblich an Speyer schenkte) bis heute nicht leicht zu beurteilen sind und auch Karl Stenzel (Waiblingen 1936) konnte nur gewichtige Wahrscheinlichkeitsgründe dafür nennen, dass es sich um Erbgüter von der Kaiserin Gisela gehandelt haben könnte. War also Heinrich überhaupt berechtigt, Güter zu veräussern?

    Möglicherweise handelte es sich nur um schenkweise Überlassung von zeitlich begrenzter Nutzungs-rechten? Wie sonst sollte man sich erklären, dass die Kirche von Speyer nicht um diesen Besitz gekämpft und diese Kämpfe Spuren hinterlassen hätten ? Denn immerhin – allein die Güter in Beinstein sollen 260 Hektar betragen haben – und die haben sich ja nicht in Luft aufgelöst.
     
  20. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter



    Von wem stammt dieser Text? Denn es handelt sich definitiv nicht um eine gotische Schrift (= Fraktur) sondern um eine sogenannte karolingische Minuskel. Der Text scheint mir gerade nicht von einem paläographischen Fachmann zu stammen.

    Könntest du bitte zu allen drei Zitaten die Literaturangaben geben und mal die Abhängigkeit untereinander überprüfen?
     

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