Hexen in Russland, Irland, Portugal?

Dieses Thema im Forum "Hexenverfolgung (1450-1750)" wurde erstellt von pitbull, 25. Oktober 2009.



  1. pitbull

    pitbull Gesperrt

    Hallo, habt ihr vielleicht Links zum Thema " Hexenverfolgung ", wo man nachlesen kann, warum z.B. in Russland, Irland und Portugal kaum solche stattgefunden hat ?
     
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  2. Mercy

    Mercy unvergessen

  3. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Hexenverfolgung in Deutschland ist auch sehr stark regional. Zum Beispiel gab es in Schleswig-Holstein wenige Prozesse. Dänemark hat da einen starken Einfluss.
    Als z.B. die Schweden im Dreißigjährigen Krieg durch deutsche Landen marschierten, hörten die Prozesse in den betroffenen Gebieten schlagartig auf... Bamberg, Würzburg...
     
  4. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    Meines Wissens nach- wobei mir die Quelle gerade fehlt- hatte der Mangel an Hexenprozessen in Irland vielfach mit dem Glauben an Fee, Kobolde, etc zu tun. Will heißen, daß man zu solchen Anlässen wie z.B. Viehseuchen eher die Elfen verantwortlich gemacht hat, als Hexen. So weit ich mich erinnere habe ich etwas dergleichen in J. Goodare (2002) "The Scottish Witchunt in Context" gelesen.
     
  5. Der Korinther

    Der Korinther Aktives Mitglied

    Die Hexenverfolgung hielt sich in Russland und auch in den osteuropäischen Gebieten, aufgrund des großen Schismas von 1054, in Grenzen. Die Trennung der östlich-orthodoxen Kirche von der römisch-katholischen fand einige Zeit vor der Formulierung der Hexentheorie statt.
    Die dämonologische Hexenlehre des Spätmittelalters, welche die Verfolgung theoretisch rechtfertigte und den Hexenglauben intellektuell respektabel erscheinen ließ, war ein gemeinsame Erbe der Katholiken und Protestanten war, gehörte aber nicht zur Theologie der Orthodoxen.

    Die meisten Prozesse fanden vor weltlichen Gerichten statt. Spanien bildet dabei allerdings eine Ausnahme, was sich aber als Glücksfall erweisen sollte. Bei der Untersuchung der Rechtmäßigkeit der Hexenprozesse kam der Inquisitor Alonso de salazar Frias zu einem vernichtenden Urteil, woraufhin die Kirche die Prozesse faktisch einstellte.
    Weiterhin waren die Mittelmeerregionen zumeist weit weniger von den Auswirkungen der kleinen Eiszeit betroffen als z. B. der nördliche Alpenraum, wo es zu wesentlich massiveren Verfolgungen kam. (Durch die Veränderung des Klimas wurden verschiedene Regionen Europas wirtschaftlichen und sozialen Druck ausgesetzt. Dieser Druck konnte sich sehr unterschiedlich äußern.)

    Begünstigt wurden die Hexenprozesse auch durch juristische Systeme mit „geringer Distanz“. In England (und ich nehme jetzt mal an auch in Irland) lag die Pflege des Staatsrechts weitgehend in der Hand von vom König ernannter gelehrter Juristen, die als Reiserichter arbeiteten. Die zweimal jährlich tagenden königlichen Kriminalgerichte traten zumeist in größeren Ortschaften zusammen. Als Ortsfremde standen die Richter außerhalb der lokalen Netzwerke und waren Verdächtigungen und Gerüchten gegenüber wesentlich skeptischer. da sie hohe Ansprüche an Beweisverfahren hatten und ihren Urteilen objektive Kriterien zugrunde legten endeten Hexenprozesse meist mit einem Freispruch. Folterungen wurden vom englischen Recht auch nur im Falle politischer Kriminalität zugelassen, was das erpressen von Geständnissen erschwerte.
     
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  6. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    Ganz Unrecht hast du damit meines Erachtens nach nicht, aber man sollte vorsichtig sein England und Irland hier in einen Topf zu werfen. In England waren Hexenprozesse sehr viel weiter verbreitet als in Irland, und endeten auch öfter mit dem Tod. Vor allem im 17. Jahrhundert scheint es in England so gewesen zu sein, daß lokal immer mal wieder Hexenprozesse begannen, die dann eine ganze Reihe von Opfern hatten. In der Mitte des 17. Jahrhunderts kam dann noch dazu, daß der "Witchfinder General" Matthew Hopkins in verschiedenen Teilen Südenglands "Jagd" auf Hexen machte.

    Und auch wenn du Recht hast, daß Folterung im englischen Recht unzulässig war, hat Matthew Hopkins trotzdem gefoltert, wenn auch auf andere Art. Statt seine Opfer so zu foltern wie es aus dem kontinental-europäischen Raum eher bekannt ist, hat er mit Schlafentzug gearbeitet, wobei das Opfer anscheinend bis zum Punkt der totalen Erschöpfung/Geständnis Treppen auf und ab geführt wurde. Es sollte vielleicht noch hinzugefügt werden, daß es den Posten des "Witchfinder General" offiziell nicht gab, aber seine Aktivitäten und die seiner Kollegen lange Zeit vom Parlament geduldet wurden.

    Irland zeichnet sich dadurch aus, daß es im Vergleich zu England und Schottland eine geringe Anzahl von Hexenprozessen gab. Persönlich wären mir neun Prozesse zwischen 1300 und 1800 bekannt, wobei ich freilich nicht behaupten möchte, daß ich wirklich alle kenne! :still: An die Rechtsprechung in Irland wage ich mich nicht ran, dazu weiß ich zu wenig, aber meines Erachtens nach lässt sich die irische Eigenheit bei Hexenprozessen dadurch miterklären, daß das Verständnis von Hexerei in Irland ein anderes war als in England und auf dem Kontinent. Dinge die auf dem Kontinent vielleicht sehr schnell als Hexenwerk erkannt wurden, konnten in Irland mit dem Werk von Feen, Kobolden etc erklärt werden, was dann bedauerlich/katastrophal sein konnte, aber nichtsdestotrotz höhere Gewalt. Feen oder Kobolde, oder ähnliches hatten aber nichts mit dem Teufel zu tun, und waren von grundauf auch nicht direkt böse oder schlecht, sondern bewegen sich, wenn man so will, in einem anderen System als "Hexen".

    Des Weiteren war in Irland auch das Verständnis von Magie ein anderes, so weit ich mich entsinne. Leider kriege ich gerade nicht mehr genau zusammen wie es anders war- weiß jemand was oder kann mich korrigieren? Da war irgendetwas, von wegen, daß kleine Zaubersprüche oder "charms" eigentlich nichts böses bewirken konnten, sondern nur jemanden günstig und gefällig stimmen konnten, oder so. Dafür möchte ich aber meine Hand nicht ins Feuer legen, da ich nicht mehr weiß wo ich das her habe.
     
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  7. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    Magie und Hexenprozesse in Irland

    Ich hab' mich mal ein wenig kundig gemacht, nachdem ich über das Verständnis von Magie in Irland gemutmaßt habe, und ich hatte Unrecht. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit gab es zwei Arten von Magie, von denen die eine schlecht und strafbar war, und die andere gut und christlich war.

    Irisches Recht aus der Zeit vor der englischen Eroberung erkennt die schlechte Magie an und betrachtet diese als kriminell. Sachen wie jemanden mit dem bösen Blick zu bedenken waren strafbar. Im Gegensatz dazu steht die gute Magie, die teilweise in christlichen Manuskripten überliefert wurde, und in erster Linie zum heilen, schützen oder vorhersehen benutzt wurden. Mit anderen Worten, so lange Magie nichts böses tat, war sie nicht strafbar und konnte durchaus in einen christlichen Kontext* eingebunden werden. (Quelle: S. Duffy (2005) "Medieval Ireland: An Encyclopedia", Routledge: New York Seite 519)

    Während des Mittelalters und nach der Eroberung durch England gab es in Irland anscheinend schlichtweg kein Gesetz gegen Hexerei. Trotzdem gab es bis 1586 als ein Gesetz gegen Hexerei erlassen wurde, zumindest zwei Hexenprozesse. Einer im Jahr 1324 und einer im Jahr 1578. Wenn ich das richtig verstanden habe, wurden die Angeklagten jedoch nicht aufgrund von Hexerei verurteilt, sondern weil sie gegen die "Gesetze der Natur" verstossen hatten, was auch immer das bedeuten mag. Der letzte bekannte Prozess fand 1711 in Carrickfergus statt und wurde durch die dortige schottisch-protestantische Bevölkerung betrieben. (Quelle: William Lecky (1913) "A history of Ireland in the eighteenth century" Vol 1)

    Erwähnenswert wären vielleicht die Umstände des ersten Hexenprozesses in Irland, 1324/25 als Dame Alyce Kyteler mit einigen anderen der Hexerei angeklagt wurde. Die Anklage kam nicht aus irischen Reihen, sondern von Bischof Ledred, der aus England kam und versuchte sich in seinem neuen Sitz Kilkenny zu etablieren, was von den lokalen Würdenträgern mit Mißtrauen und Widerstand bedacht wurde. Anscheinend wurde zeitweise auch Kyteler von königlichen Beamten aus Irland geschützt, die den Bischof als unwissenden Ausländer auf der Insel der Heiligen betrachteten, der mit noch nie dagewesenen Methoden versuchte sich durchzusetzen. (Quelle: Robert Dudley Edwards (1977) "Ireland in the age of the Tudors: The destruction of Hiberno-Norman civilisation, Harper& Row Publishers, Seite 21)

    Anscheinend hat sich die Vorstellung von Hexerei, die strafrechtlich verfolgt werden sollte, in Irland nie richtig durchgesetzt, sondern blieb "ausländisch" und fremd. Ähnlich verhielt es sich im verwandten Kulturkreis des schottischen Hochlandes, jedoch nicht im schottischen Tiefland, weswegen ich mutmaße, daß die sowohl auf dem Festland als auch in England verbreitete Vorstellung von Hexen sich nicht auf das Verständnis der Iren übertragen ließ.



    * Nachtrag: Mit diesem "christlichen Kontext" meine ich, daß vieles was als "Zauberspruch" dargestellt wird, ebensogut ein Gebet sein könnte. Zum Beispiel gibt es einen angeblichen Zauberspruch der vor Ertrinken schützen soll, der aber Jesus, all seine Heiligen, die Muttergottes und Gott selbst anruft. Meines Ermessens nach lässt sich das mit Stoßgebeten an, zum Beispiel den Heiligen Antonius (?) auf der Suche nach Verlorenem vergleichen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Juli 2010
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  8. Der Korinther

    Der Korinther Aktives Mitglied

    Um Gotteswillen, natürlich liegt es mir fern Irland und England in einen Topf zu werfen. :D

    Was die Gegenüberstellung von England und Irland angeht, liegst du vollkommen richtig.
    Im Vergleich mit Kontinentaleuropa war die Intensität der englischen Hexenprozesse aber wesendlich geringer. Es wurden aber nicht nur weniger Gerichtsverfahren geführt, sonder auch die Anzahl der Todesurteile in den geführten Prozessen war deutlich niedriger.

    Die Periode der intensiveren Hexenverfolgung, die vor allem durch Hopkins ausgelöst wurde, blieb aber zeitlich und räumlich sehr scharf begrenzt. Nur in der Grafschaft Essex und deren Umland, und auch nur während eines Zeitraums von weniger als fünf Jahren, intensivierte sich die Hexenverfolgung in England dermaßen.

    Ohne Zweifel kann man sagen, dass Hopkins gefoltert hat. Worauf ich aber hinaus wollte war, dass prinzipiell nur der König die Folter anordnen konnte und zumeist auch davon Abstand genommen wurde. Da in England aber gerade Bürgerkrieg herrschte, wurde Hopkins wahrscheinlich eher als nebensächliches Problem betrachtet und man hatte bestimmt Wichtigeres zu tun als sich um ihn zu kümmern.
    Das ganze Phänomen der Hexenverfolgung wie sie Hopkins betrieb, stellt nach meiner Meinung eine Ausnahme dar.

    Da hast du schon mal neun mehr als ich auf die Schnelle finden konnte. :weinen:
     
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  9. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    Ich hatte das auch eher im Bezug auf Rechtsprechung und Gesetze gemeint. :friends:


    Da stimme ich dir voll und ganz zu, vor allem, daß Hopkins eigentlich eine Ausnahme darstellt, die im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg gesehen werden muß. In anderen Umständen wäre es ihm vermutlich nicht so leicht gefallen den Mantel eines Witchfinder Generals anzunehmen, und mit schweigender Billigung des Parlaments sein Unwesen zu treiben. Ich frage mich gerade in wie weit die Hexenprozesse im 30 Jährigen Krieg mit dem Treiben Matthew Hopkins' vergleichbar sind, da es sich in beiden Situationen um extreme Umstände handelte. Wie du ja schon gesagt hast, handelte es sich um einen kurzen Zeitraum und eingeschränkten Handlungsraum der intensiven Verfolgung, wohingegen vorher und nacher die Zahlen vergleichsweise niedrig waren. Hexenprozesse sind eigentlich nicht gerade mein Gebiet, und nun frage ich mich ob und in wie weit die relative politische Stabilität Englands eine Auswirkung auf Hexenprozesse oder den relativen Mangel daran hatte.
     
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  10. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    Abwesenheit von Hexenprozessen in Wales

    Nachdem ich mich etwas gewundert habe, daß in Irland die Hexenprozesse großenteils fehlen, habe ich mich noch etwas weiter kundig gemacht und nach Wales geschaut.

    Wales glänzt dadurch, daß es im Zeitalter der Hexenprozesse auf dem Kontinent nur fünf Hinrichtungen unter walisischer Mitwirkung gab. Dazu muß man sagen, daß drei davon in England stattfanden, wobei die walisische Mitwirkung, äh, eher in Richtung der Hingerichteten geht. Die erste Hinrichtung in Wales- durch Hängen- fand 1594 statt. Gwen ferch Ellis wurde hingerichtet, nachdem sie für schuldig befunden wurde einige ihrer Nachbarn verhext zu haben.

    Einer der Gründe für den Mangel an Hexenprozessen in Wales, findet sich laut John (2001) darin, daß Hexen und Zauberer in Wales mit Respekt bedacht wurden. Das heißt, daß Magie eine alltägliche Gegebenheit war, die zwar sowohl als gut als auch als böse wirken konnte, aber eher in Verbindung mit alten keltischen Traditionen gebracht wurde, als mit dem Teufel. Magie hatte in diesem Sinne nichts mit dem "Bösen" zu tun, und die einfachste Art und Weise sich eines Fluches zu entledigen war anscheinend sich direkt an den Hexer/die Hexe zu wenden und darum zu bitten. Des weiteren gab es jedoch auch eine Menge Mittel und Mittelchen um sich eines Zaubers zu erwehren, oder diesen rückgängig zu machen, wie zum Beispiel ein Segensspruch durch einen Priester, eine Nadel in einen bestimmten Pilz stecken, oder eine andere Hexe aufsuchen um einen Gegenzauber zu erwirken (Owen, 2008).

    Anders als in Irland oder auch in Teilen Schottlands, wurden Feen, Elfen und Kobolde in Wales anscheinend jedoch weniger für kleinere und größere Unglücksfälle verantwortlich gemacht. Manch ein Autor macht den Kult um Merlin dafür verantwortlich, der dafür sorgte, daß Hexen eher als "weise Leute" angesehen wurden, als von Grund auf schlecht, was indiziert, daß der/die Behexte etwas getan haben muß um verhext zu werden. (Kenyon, 1929)

    Interessanterweise jedoch fanden zu den Zeiten des Hexenwahns anderswo in Wales eine Menge Fälle statt, in denen wegen Rufmordes geklagt wurde (1570- 1670). Die walisischen Gerichte der Zeit beurkunden ein hohes Aufkommen von Fällen, in denen Nachbarn sich gegenseitig aufs bunteste beschimpfen, aber nicht der Hexerei anklagen. "Der Glaube an Hexerei verblasste nie, aber Vernunft und die nachbarschaftliche Menschlichkeit bedeuteten, daß es verwerflicher war unschuldige Menschen zu töten, als wegen Verleumdung vor Gericht zu ziehen" (Jenkins, 2007:156).



    Quellen:

    Geraint H. Jenkins (2007) "A Concise History of Wales", Cambridge University Press

    Brian John (2001) "Witches and Wizards in Pembrookeshire", Greencroft Books

    Theda Kenyon (1929) "Witches still live", Vail-Dallou Press, Birmingham US

    Elias Owen (2008) "Welsh Folk-Lore", BiblioBazaar
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Juli 2010
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  11. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Magie und Hexenprozesse in Irland

    Ja, das anfängliche Fehlen eines Gesetzes ist ganz erstaunlich! Genauso erstaunlich, dass das Gesetz dann bis 1983 in Kraft geblieben sein soll! [1]

    Der Kyteler-Prozess wird auch bei Soldan/Heppe geschildert [2]. Hiernach konnte diese Angeklagte entkommen, stattdessen wurde eine ihrer Zofen verbrannt. [3] Von einem weiteren Verdachtsfall vor 1578 berichtet Montague Summers. [4]

    Ich finde, das diese Hinweise gut zusammen passen und mindestens eine partielle Erklärung für die abweichende Entwicklung in Irland darstellen.

    Mangels Gesetzes gab es keine schriftlich fixierte Anweisung, im Verdachtsfall tätig zu werden, zu verhaften, zu foltern usw., wie sie z.B. die Carolina enthielt.

    Für diese These spricht einiges.

    Zum einen gilt das Satz: "The Irish are wonderfully addicted to give credence to the prognostications of Soothsayers and Witches." [5] Zum andere wurden "natürliche" Phänomene bevorzugt auf eine "harmlose" Weise ausgedeutet. Dazu passt auch der Hinweis von Nancy Arrowsmith, dass es in Irland "im Verhältnis zur Bevölkerung mehr aufgeschriebene Volkserzählungen (gibt) als in jedem anderen Land Europas" [6], was auf eine gewisse Unbefangenheit diesen Phänomenen gegenüber hindeuten könnte.

    Auf irgendeine Art und Weise, so hat Lapoint es zusammengefasst, entwickelten die Iren eine "Immunität" gegen Hexenjagden. [7]

    Gegen individuelles Versagen ist natürlich kein Land gefeit: "In Ballyvadlea bei Clonmel in Irland wurde am 15. März 1895 [sic] eine 26jährige bildhübsche und unbescholtene Frau als Hexe verbrannt", und zwar durch ihren Ehemann (und dessen Sippe), der "von der Überzeugung durchdrungen (war), daß ihm Hexen seine Frau entführt und and deren Stelle einen Dämon zurückgelassen hatten, der nur die Gestalt seines Weibes aufwies". [8]


    [1] Witchcraft Acts - Wikipedia, the free encyclopedia
    Behringer meint allerdings, es sei schon 1821 aufgehoben worden Hexen: Glaube, Verfolgung, Vermarktung - Google Bücher
    [2] Soldan/Heppe: Geschichte der Hexenprozesse. Band I der Neuausgabe. Darmstadt 1976, S. 206-208.
    [3] Nach Behringer ist Alice auch verbrannt worden: Witches and witch-hunts: a global ... - Google Bücher (siehe auch S. 57), der andererseits angibt, es habe insgesamt nur 4 Hinrichtungen in Irland gegeben (S. 150).
    [4] Geography of Witchcraft. Neudruck der Ausgabe von 1927. Whitefish 2003, S. 91 (zu Irland insgesamt S. 85-101)
    [5] zitiert in Irish Witchcraft and Demonology: Chapter III: A.D. 1223-1583 S. 69
    [6] Die Welt der Naturgeister. Frankfurt 1984, S. 12
    [7] Irish Immunity to Witch-Hunting 1534-1711. In: Eire/Ireland 27 (1992), S. 76-92 - ich habe diesen Aufsatz leider nicht zur Hand
    [8] Soldan/Heppe, aaO. Band II, S. 358; sozusagen ein makabrer Vorbote einer Invasion of the Body Snatchers.
     
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  12. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    Über diesen Fall bin ich auch mal gestolpert, da es sich dabei um ein tragisches Kuriosum handelt. Die englischsprachige Quelle die ich gelesen habe, hat sich jedoch eher auf die Verteidigung des Mannes bezogen, der behauptet hat, daß Elfen/Feen seine Frau entführt hatten und sie gegen ein Wechselbalg ausgetauscht haben. Meine Quelle widerspricht deiner da etwas insofern als die Verbrennung der Frau nicht als "Hexenverbrennung" gewertet wird, sondern als Beispiel dafür genommen wird wie weit der Glaube an mystische Wesen verbreitet war, da es sich nicht im strikten Sinne um eine verbrannte Hexe handelt, sondern- um der Logik zu folgen- um verbranntes "Hexenwerk", obwohl es im eigentlichen Sinne das Werk von mytischen Kreaturen war. :rotwerd:

    Über die genaue Anzahl der Verbrennungen kann ich im Moment nichts sagen. Ich hab' neun in Erinnerung, und müsste noch mal nachschauen.

    Quelle:
    J. Goodare (2002) "The Scottish Witchhunt in Context"
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Juli 2010
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  13. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Für Russland fällt mir ein, dass dort die Hexe der Hexen, Baba-Jaga, zwar mit Vorliebe Kinder verspeiste und auch gerne Unwetter machte, jedoch auch hier und dort hilfreich unter den Menschen agierte. Sie konnte auch Weisheit und sogar die Urmutter verkörpern.
    In Russland war die Rolle der Hexe nicht nur negativ behaftet, daran änderte auch die Kirche nicht viel. Vielleicht kam es dashalb nicht zu einer Massenverfolgung.
    In Russland hatte man vielmehr Angst vor Wehrwölfen. Dort musste die Kirche im 16. Jahrhundert sogar verbieten, Neugeborene umzubringen, die mit verdächtigen Merkmalen (Haarbüschel am Körper, Eihaut über dem Kopf) geboren wurden.
     
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  14. Maulwurf2013

    Maulwurf2013 Gesperrt

    Während der Hexenverfolgung wurden in Westeuropa die schönsten Frauen umgebracht. Deswegen sehen osteuropäische Frauen auch besser aus.
     
  15. Xander

    Xander Aktives Mitglied

    Grundlage deiner Expertise ist vermutlich die russische Ausgabe des Playboy oder!? :autsch:
     
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  16. Stephan2

    Stephan2 Gesperrt

    Auf Grund derartiger herausragender Beiträge werden Dir die erweiterten Schreibrechte vermutlich honoris causa und rückwirkend verliehen! :ironie:
     
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  17. Ingeborg

    Ingeborg Premiummitglied

    Du mußt dein Latein mal dringend aufpolieren - korrekt heißt es doch: humoris causa.
     
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  18. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Ich habe mich schon immer gewundert:grübel:, wieso das so ist. Aber dazu schreibe nichts:still:, sonst werde ich noch rot bebommelt und werde gesperrt.

    Allerdings habe ich so gewisse Zweifel, was den Kausalzusammenhang betrifft.

    (Teile dieses Beitrags sind im Ironie-Modus geschrieben:winke:.)
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Dezember 2012
  19. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Ich weis nicht ob man es auf andere orthodoxe Länder ausdehnen kann, aber in Serbien gab es Hexenverfolgungen wenn auch keine Prozesse (so das die Quellenlage sich auf ein paar Schriften beschränkt). Die Kirchenfürsten hielten dies scheinbar seit jeher für einen großen Humbug.

    Gesetz zur Zeit des 1. serbischen Aufstandes. 1810 Paragraf 31

    „Ko bi se usudio veštice tražiti i ubijati žene i mučiti kako što su bivale ovakove budalaštine ili u vodu baciti, ko bi ovo učinio ovakovu ludost, za koje se Srbima belji svet smeje, za ovakovu budalaštinu odsuđujemo mu: ono što bi on učinio bilo više rečenim vešticama, njemu da se učini".

    "Wer es wagt Hexen zu suchen und Frauen zu ermorden, zu quellen. Diese Idiotin wie werfen ins Wasser, wer das noch einmal Macht diesen Wahnsinn, warum die ganze Welt die Serben auslacht. Für diese Idioti bestrafen wir ihn: " Er soll das erleiden was er den Hexen antun wollte".

    Vasojevic (Clan im heutigen Norden Montenegro Urspung) Gesetz Punkt 7. Paragraf 16

    „Bog je stvorio ženu, a ne Satana, i to tako da ostane navijeki amin. Ko protivno govorio, da je proklet: na ovome svijetu ne imao anđelačuvara, a na onome ne vidio raja, već mu duša vječito u paklu bila i ispaštala njegove muke."

    Gott hat das Weib erschaffen, nicht der Teufel und das ist so für immer Amen. Wer etwas anderes behauptet, der sei verflucht: auf dieser Welt habe er keinen Schutzengel und in der anderen Welt sehe er nicht das Paradis, sondern seine Seele sei ewig in der Hölle (was in der orthodoxen Lehr nicht das gleiche ist wie in der katholischen" und möge er seine Quallen erleben".

    Paragraf 20

    Als Strafe 15 Tage hängen und öffentlich bespuckt werden, wenn man behauptet irgendwer sei eine Hexe.

    Quelle :Vasojevi?ki zakon i VE?TICE | Facebook

    "Knez Sredoje iz Solutuše takođe je obavestio kneza Miloša da je 1824. godine jedan čovek ubio neku babu koja se bila oglasila za vešticu. Naredio je takođe godine 1822. godine da baba Hristu iz Božurnje, u Kragujevačkoj nahiji, za koju seljani govore da je veštica (a nameravali su da je ubiju) da niko ne sme da se usudi "da je i najmanje dodirne a kamoli da je i dalje naziva vešticom, jer ona to nije".

    Fürst Sredoje aus Solutuse berichtet im Jahr 1824 Milos Obrenovic das ein Mann eine Frau ermordet hatte welche er für eine Hexe hielt. Auch 1822 wurde eine Frau von ihren Mitbürgern gequellt weil man dachte sie sei eine Hexe. Oma Hrsta aus aus Bozurnje in der Kragujevac Nahija, sollte von den Bauern erschossen werden. Milos Obrenovic drohte allerdings das jeder der ihr etwas antut oder falsch über sie aussagt seinen Zorn zu spüren bekommen würde.

    1844 wurde ein Gesetz vom Fürsten Milos Obrenovic erlassen welches jede Form von Gewalt an Frauen verbietet. Dieses Gesetz welches für alle christlichen Ansiedlungen galt, sah auch sehr harte Strafen für die Verleumdung von Frauen vor.

    Quelle: Vesti online / Riznica / Rustika / Batine za mu?a siled?iju u vreme kneza Milo?a
     
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  20. wano

    wano Neues Mitglied

    Hallo Leute :winke:
    Grunsäzlich zu Ortodoxe Kirche in Russland :
    bei unsittlichen verhalten oder verdacht Hexerei zu betreiben landete die Frau
    in Frauenkloster, unter strenge Aufsicht und auf lebenszeit.
    Auserhalb des Ainflussbereich von Kirche und Justiz wurde eine in Fluss geworfen.

    Die Klostern diente darüber hinaus auch für politische Haft, für beide Geschlechter, diese Tradizion stammt noch aus Ostrom.

    Hoffe die Info war Hilfreich:winke:
     

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