Hinrichtungsarten

Dieses Thema im Forum "Sonstiges in der Neuzeit" wurde erstellt von Lisa96, 15. Dezember 2012.



  1. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Das funktionierte auch nicht immer. Ex-Außenminister Ribbentrop wurde trotz Falltüt langsam erdrosselt. Man hatte nicht bedacht, dass er während der Haft an Gewicht verloren hatte und die Falltiefe zu gering berechnet. Er lebte noch 15 Minuten am Strang.
    Das andere Extrem war eine zu tiefe Fallhöhe. Diese konnte zur Enthauptung ,wie bei Saddam Husseins Halbbruder, Barzan führen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Dezember 2013
  2. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Das ist erst im vergangenem Oktober im Iran passiert. Der Mann war nach 12 min hängens für Tod erklärt und am nächsten Tag im Leichenhaus lebend aufgefunden worden.
    Hinrichtung überlebt: Iraner soll nicht erneut gehängt werden - SPIEGEL ONLINE
     
  3. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    bzgl. fiktionaler Literatur des 19. Jh.: in Hoffmanns "Schwester Monica" wird ein solcher Fall humoristisch dargestellt.

    irgendwie gruselig ist ein Fall aus dem 19. Jh., worin ein Delinquent den Henker nasführen wollte: wohlweislich ließ sich dieser einen Luftröhrenschnitt applizieren und trug ein Halstuch (um diesen zu verbergen), weil er glaubte, dass dadurch das zuschnüren des Halses wettgemacht werden könne - trotzdem verstarb der gewitzte Delinquent am Strang. In der ersten Hälfte des 19. Jh. wusste man noch nicht, dass beim hängen die Verlegung des Atemwegs nicht die einzige Todesursache ist: das abschnüren der Halsadern führt schnell zu irreversiblen Schäden und ist nach einer Weile tödlich. (aus einem interessanten Buch eines Mediziners über die physiologischen Angelegenheiten der verschiedenen Hinrichtungstechniken)

    dennoch ist es gelegentlich, wenn auch selten, vorgekommen, dass beim erhängen weder das Genick ausgerenkt oder gebrochen wurde, noch dass die anwesenden Ärzte nach 20 Minuten (!) hängen weiterhin Herzschlag und halbwegs passablen Blutdruck beim Gehängten feststellten - in solchen seltenen Fällen hat man den Verurteilten abgehängt und medizinisch versorgt (und später erneut aufgeknüpft) Ist im 20. Jh. 2-3 mal vorgekommen (womöglich war die Schlinge nicht fest genug zugezogen, dazu der Verurteilte von sehr robuster Konstitution)

    ...was geradezu pervers wirkt: tatsächlich sind Mediziner bei solchen Hinrichtungen anwesend gewesen, ihre Aufgabe war, zweifelsfrei den Tod des Verurteilten festzustellen. In diesem gruseligen Kontext wurde oft genug Buch geführt über die körperlichen Reaktionen des Verurteilten: man sah auf die Uhr, prüfte Krämpfe, Schnappatmung, Blutdruck, Herzschlag - an einem zuckenden Sterbenden, dem trotz hippokratischem Eid nicht geholfen wird... In manchen Regionen gab es Vorschriften, wie lange der Verurteilte zu hängen habe, um sicher zu gehen, dass er tot ist - dort wurde dann, wenn nach dieser Zeit immer noch Lebenszeichen vorhanden waren, gegebenenfalls medizinische Versorgung geleistet.

    übrigens gab es solche Fälle auch auf dem elektrischen Stuhl und in der Gaskammer, d.h. einige wenige mussten zwei- gar dreimal hingerichtet werden...
     
  4. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Gab es nicht auch irgendwo eine Tradition der Begnadigung, wenn jemand seine Hinrichtung überlebte ? Ich meine von solchen Fällen gelesen zu haben, und es entspricht ja auch einem menschlichen Affekt gegenüber dem glücklichen Delinquenten.
    Da hat dann sozusagen Fortuna gezeigt dass sie mit dem Urteil nicht einverstanden ist, und wer will schon Fortunas Missfallen erregen :)
     
  5. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Gerichtliche Medizin, Wolfgang Dürwald (Lehrbuch für Studenten in der DDR) unter der Rubrik Strangulation: "Andererseits zeigen aber Beobachtungen an Justifizierten, daß die Herztätigkeit den Atemstillstand noch 10 bis 15 Minuten überdauern kann."
     
  6. Poncirus

    Poncirus Neues Mitglied

    Ich denke, dass ist eine frage der definition von überleben.
    überlebt man den sturz, ist es vermutlich doch nur eine frage der schwerkraft wenn man nicht gerade mit den füßen auf dem boden landet.
    bei ribbentrop soll die hinrichtung durch den strick insgesamt 15 minuten gedauert haben.
    amon göth, seines zeichen ss-hauptsturmführerund kz-kommandant hat man wohl insgesamt drei anläufe gebraucht, bis er endlich starb.
     
  7. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Bei Göths Hinrichtung lag es daran, dass der Strick über eine Rolle lief und am Ende von einem der Henker festgehalten wurde. Er rutscht ihm zweimal durch die Hände so dass der Delinquent auf dem Boden zu stehen kam.
    Die Exekution wurde gefilmt.
     
  8. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Den Amys flutscht wohl immer mal wieder was aus den Händen. Da hätte man den in Göths Heimat Österreich bis 1950 verwendeten Würgegalgen benutzen sollen. Man kann es aber auch auf den münchener Scharfrichter Reichart schieben, der den amerikanishen Henker, John C. Woods, im Hengen schulte. Reichart selbst vollstreckte 876 Todesurteile unter den Nazis. Pro Hinrichtung gab es 300,-M.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Dezember 2013
  9. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    @Rurik, Göth wurde von Polen hingerichtet. Offenbar hatten diese das vorher noch nie gemacht .
     
  10. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Eine ganz grauenhafte Art der Pfählung stammt aus Asien . Man ließ einen Bambusspross durch den Körper hindurchwachsen. Bambusfolter ? Wikipedia
     
  11. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Oh... danke. Da hätte ich wohl besser recherchieren und es nicht gleich auf Nürnberg fokussieren sollen.
     
  12. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    In Nürnberg hatten die Amerikaner bei einigen Delinquenten wie Ribbentrop nicht bedacht, dass die Delinquenten während der Haft abgenommen hatten und leichter geworden waren, so dass das Fallgewicht nicht ausreichte, dem Todeskandidaten das Genick zu brechen.
     
  13. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Richard van Dülmen, Das Theater des Schreckens

    beschäftigt sich eingehend mit mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Strafritualen.
    Steinigung war keine übliche art der Exekution in Europa. an varianten Delinquenten vom Leben zum Tode zu befördern waren folgende:

    1. Erhängen am Galgen übliche Hinrichtungsart für Räuber und Diebe

    2. Enthauptung durch Schwert oder Beil war meist Personen von Stand vorbehalten, zuweilen auch prominentere Räuber

    3. Rad Rädern für Räuber und Brandstifter bevor der delinquent erdrosselt oder erstochen wurde, brach ihm der scharfrichter mit einem Rad die Gliedmaßen, der exekutierte wurde anschließend aufs Rad gebunsden und ausgestellt.

    4. Scheiterhaufen hinrichtung für Brandstifter und Hexen das Opfer wurde meist vorherheimlich erdrosselt oder starb an Rauchvergiftung

    5. Vierteilen- Strafe für Königsmord, Hochverrat
    Delinquent wurde mit 4 Pferden in Stücke gerissen

    6. Ertränken- übliche Exekution für Kindstötung, der Nürnberger Scharfrichter Franz schmidt setzte die Exekution mit dem Schwert durch

    Regional gab es weitere Exekutionsmethoden oder Kombination von verschiedenen methoden. In England wurden Verräter, Räuber etc. gehängt und ausgeweidet und mit Teer übergossen. In Spanien und Italien wurden Delinquenten mit der garotte erdrosselt wie Atahualpa der letzte Inka.

    Zuweilen griff man auf Maschinen zurück, so bei der Exekution des Wilderers Mathias Klostermayer, der mit einem Radbruchmaschine exekutiert wurde. Um 1800 wurden auf deutschem Boden Räuber wie Johann Bückler alias Schinderhannes, Mathias Weber genannt fetzer und Carl Heckmann mit der Guilliotine hingerichtet.

    Eine relativ humane Methode, verglichen mit der Exekution von Friderike Louise Delitz und Johann Peter Horst, die 1813 als Mitglieder einer berüchtigten Brandstifterbande 1813 in Berlin auf dem Scheiterhaufen starben.

    Dülmen hatte ich schon genannt, lesenswert ist auch heute noch dieser Klassiker: Gustav Radbruch/Heinrich Gwinner, Geschichte des Verbrechens

    Michel Foucault, Überwachen und Strafen- die Geburt des Gefängnisses (ein Klassiker und muss für jeden, der sich tiefer mit Rechtsgeschichte beschäftigt)
    Vom Kriminalmuseum in Rothenburg ist eine Sammlung "Justiz in alter Zeit" online als PDF datei verfügbar.

    Auf dieser Seite werden nicht nur Schüler fündig:
    http://www.kriminalmuseum.rothenburg
     
  14. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    @ Scorpio

    Wobei der Flammentod doch noch einige andere Personen theoretisch treffen sollte. Nicht auch wegen Vergehen wegen Sodomie?

    Was auf jeden Fall fehlt, ist das Einmauern oder kann man das nicht als eine Art von Hinrichtung werten?:grübel:
     
  15. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    ad Flammentod) Theoretisch schon, ob das dann aber wirklich mit drakonischer Konsequenz vollzogen wurde, ist eine andere Frage. Friedrich II. von Preußen, dem ein Todesurteil vorgelegt wurde, gegen einen Kavalleristen, der sein Pferd mehr als platonisch verehrte entschied lapidar:
    "Zur Infanterie versetzen, den Kerl".

    An Fällen, in denen Delinquent(innen) lebendig begraben wurden, fallen mir spontan nur die altrömischen Vestalinnen ein und die blutrünstige Gräfin Elisabeth Bathory, wobei es sich in ihrem Fall eher um verschärften lebenslänglichen Hausarrest, als um eine Exekution handelte, die Dame war immerhin eine Angehörige des ungarischen Hochadels.
     
  16. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    1. Klingt aber auch nach einer Eigenwilligkeit, die mit dem Regierungsstil des Preußenkönigs zusammenhängen mag. Mir sind schon mehrere Fälle von Sodomie untergekommen, wo die Verdächtigen wie Schwerverbrecher verfolgt wurden. Leider hätte ich mich durch die gesamten Akten durchkämpfen müssen, um zu schauen zu welchem Urteilsspruch man gelangte. Zeitraum war so erste Hälfte 18.Jh..
    Inwiefern normalerweise ein Herrscher in die Rechtssprechung eingriff, wie das Friedrich II. tat, wäre allerdings ein interessantes Thema. Natürlich wurde der Landesherr nach altem Verständnis oft als oberster Richter angesehen. Dies mag auch bei Friedrich II. mitschwingen.

    2.
    Einmauern ist mir bis jetzt nach dem 17.Jh. auch nicht mehr als Strafe begegnet. Passt es überhaupt in die Strafkataloge der FNZ oder ist das ein willkürliches Strafmaß?
     
  17. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied


    Als Sodomie wurde in der Vergangenheit meist nicht Sex mit Tieren sondern Homosexualität bezeichnet. Der Renaissance-Maler Giovanni Antonio Bazzi wurde unter dem Beinamen "Sodoma" bekannt, wegen seiner Vorliebe für junge Männer und nicht für animalische Sexualpraktiken.
     
  18. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Die Wortwahl hielt auch noch Proust so.
     
  19. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    in der Regel wurden Todesurteile dem Landesfürsten vorgelegt, der sie bestätigte oder u.U. milderte oder verschärfte. gegen Friedrichs Jugendfreund Hermann von Katte wollte das kriegsgericht nur lebenslängliche Festungshaft verhängen. Interessant fand ich ein Beispiel aus Hessen. 1780 wurde ein Komplott in der hessischen Festung Ziegenhain entdeckt, die seit 1777 als Rekrutendepot für Soldaten, die im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg eingesetzt wurden. Seume, der sich zu dieser Zeit dort aufhielt, behauptete später, ihm habe man das Kommando übertragen wollen, was er abgelehnt habe. Was aber war passiert?
    Die Soldaten wollten die Unteroffiziere betäuben und mit der gesamten Garnison ausbrechen und sich über die Grenze absetzen. Der Plan wurde verraten, und als die Rädelsführer ein Sachse und ein Brandenburger einen Kassiber ins Schloss schmuggeln wollten, kannte man die Anführer. es wurde kurzer Prozess gemacht, aus Kassel war das Todesurteil bestätigt und der 2. reformierte Pfarrer erhielt den Auftrag, die Delinquenten auf den Tod vorzubereiten. vor der hauptwache wurde ein galgen aufgebaut. Landgraf Friedrich II. entschloss sich allerdings, eine Scheinhinrichtung zu inszenieren. Nur der festungskommandant war eingeweiht, der im letzten augenblick, bevor der Henker Hand an die Delinquenten legen konnte mit seinem Taschentuch das Zeichen gab.

    Dazu der Pfarrer:
    "War nummehro der Aufenthalt für das Publico ein sehr aufregender gewesen, so bot sich ein ergreifendes Schauspiel. K (der 1. Delinquent), der eine feine Seele besitzt, das er leicht hätte überspannen können,und der auch eine gute Erziehung hatte, sank zur Erde nieder und lautes Dankgebet zu Gott strömte von seynen Lippen, das alle Herzen ergriff. D (2. Delinquent) der etwas langsam von Gedanken ist war bei Anhörung der Gnade wie betäubt. er sank nieder, dankte Gott und versprach Gott sein weiteres Leben zu widmen."

    Nach dieser ebenso makabren wie psychologisch wirkungsvollen Inszenierung war jeder Widerstand gebrochen, und die Truppen wurden bald darauf nach Kassel verlegt und von dort ging die reise die Fulda und Weser abwärts und dann über den Atlantik in die Neue Welt.
     
  20. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich meinte damit beides. Es war auch oftmals angegeben, es sei ein Knecht angeklagt, weil er sich mit einer Kuh vergangen habe. Fälle von verfolgter Homosexualität sind mir noch nicht vorgekommen. Ich denke, dass das mit den Tieren halt leicht jemanden anzuhängen war. Da hat halt wer jemanden mit einer Kuh irgendwie im Stall gesehen und der "Täter" stand in Wahrheit nur ganz normal hinter der Kuh. Das scheint ein beliebtes Mittel der üblen Nachrede gewesen zu sein. Es begegnete mir auch schon, dass jemand Sodomie anzeigte, weil ein Hund auf dem Schoß von Frauchen saß (1750er) und der "Zeuge" etwas gesehen haben wollte, was sich dann nach schärferer Nachfrage doch als Einbildung oder "verguckt" erwiesen hat.
     

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