Importfahrzeuge in der DDR

Dieses Thema im Forum "BRD | DDR" wurde erstellt von YoungArkas, 21. August 2011.

  1. YoungArkas

    YoungArkas Neues Mitglied


    Der Trabant als Auto der DDR ist ja legendär, aber wie sah es mit Importen aus? Namenhafte Autohersteller aus dem ehemaligen Ostblock sind ja Skoda und Lada. Soweit ich weiß gab es auch einmal versuche einen RWG-Wagen zu bauen. Nun frage ich mich, ob es für DDR-Bürger möglich war Autos aus den "Sozialistischen Bruderstaaten" zu importieren. Ladas dürften ja für den DDR-Bürger wenig interessant gewesen sein aber Skodas hatten ja eine vergleichbare Qualität wie der Trabbi (wenn nicht sogar eine bessere). Und wie sah es mit Westimporten für die Priveligierten aus? Waren diese möglich und wenn ja wie oft kam es vor, dass sich jemand ein Westauto auch tatsächlich leisteten?

    (Selbstverständlich interessiert mich die Zeit vor dem Fall der Mauer.)
     
  2. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Es rollten so einige VW Golf (I) in der DDR herum:

    VW Golf I ? Wikipedia

    Ich selbst habe bei meinem ersten Besuch in Ost-Berlin 1988 erstaunt einen VW-Golf mit DDR-Kennzeichen gesehen.

    Hatte nicht irgendwie die ganze Prominenz von Staat und Partei Staatsfahrzeuge aus Schweden (oder war es Frankreich)?
     
  3. YoungArkas

    YoungArkas Neues Mitglied


    Als Staatskarossen wurden zunächst tschechische Tatra, dann Volvo und schließlich Citroen eingesetzt. So viel hatte ich selbst schon durch googeln herausgefunden. Es ging mir aber halt primär um Privatpersonen und weniger um die Staatsfahrzeuge.

    edit: Tatra ist natürlich tschechisch und nicht russisch...
     
  4. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Das mit den 10.000 Golfs aus dem Westen weiß ich auch noch. Umgehend kam ein Witz vom SFB zu uns herüber, der so ging:
    >Honecker hat noch einen Golf nachbestellt, damit es nicht heißt, daß nur die "obersten 10.000" einen bekommen hätten.<
    Ich selbst habe (außerhalb von Berlin) nie einen gesehen.
    Es gab duchaus auch Automarken aus anderen RGW-Ländern. So fuhren hier durchaus neben den Trabis und Wartburgs auch Autos der "Marken" Skoda, Moskwitch, Lada, Saporosch, Polski Fiat und Dacia herum - wenn wir jetzt einmal nur die PKW für den privaten Gebrauch anschauen wollen. Ich weiß auch, daß mein Onkel bis in die 80er Jahre hinein noch verschiedene F8 gefahren ist. Die waren wohl relativ leicht zu bekommen. Die meiste Zeit lag er allerdings unter dem Auto, anstatt drin zu sitzen. =)
    Ich sehe jetzt auch gerade, daß die Produktion 1955 eingestellt wurde: IFA F8 ? Wikipedia
    Wolgas waren hier dagegen nicht so gebräuchlich. Ich weiß auch nicht, ob man sie hier überhaupt bestellen konnte: GAZ 24 Wolga ? Wikipedia

    Die Lieferzeiten unterschieden sich bei der Neubestellung nicht sehr. Die "kürzeste" Lieferzeit hatte der Trabant mit 13 Jahren Wartezeit (Stand: 1986).
    Übrigens, der Lada war schon auch einer der besseren Autos damals.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. August 2011
    1 Person gefällt das.
  5. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Hoi zäme

    So spontan kommen mir noch ARO aus Rumänien, Zastava aus Jugoslawien und Zuk aus Polen in den Sinn…

    Gruss Pelzer
     
  6. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Na ja - es geht ja hier wohl mehr um Fahrzeuge für den privaten Gebrauch. Gelände- oder Lieferwagen waren hier eher nicht üblich.
     
  7. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    ja, ich kenne halt bloss die damalige Camping-Szene...

    Gruss Pelzer

    .
     
  8. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    "Moskwitch" darf nicht fehlen. Obgleich ich meinen Pickup aus Finnland in die BRD importiert hatte, weiss ich, dass es in Ostdeutschland PKW und Lieferwagen (aber leider eben keinen Pickup) dieser Marke gab. Ich hatte seinerzeit eine ausfuehrliche DDR-Bedienungsanleitung bekommen, die mir sehr hilfreich war: Sogar Bremsfluessigkeitswechsel war beschrieben, und das klappte prima!
    Ich hatte den Wagen ca. ein Jahr lang in Kiel abgestellt - als ich ihn wieder nach Hessen fahren wollte, war kein Öl und Wasser mehr im Motor, Bremsen/Ræder festgerostet, Batterie leer. Also Öl und Wasser nachgefuellt, Starthilfe gegeben, ein paar mal hin und her bewegt, dann gingen die Bremsen wieder - und ich konnte nach ein paar verhaltenen km wieder Vollgas (das waren so ca. 140 - 150 km/h) nach Hessen duesen.

    Ueberhaupt, ein robusteres, interessanteres, schøneres, spassigeres Auto wie eben dieser Pickup ist mir nie wieder untergekommen.

    Ich tæt was drum geben, wieder so einen zu fahren.

    Gruss, muheijo
     
    1 Person gefällt das.
  9. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    Ich kenne als Importfahrzeuge (PKW), einige wurden auch schon genannt:
    Private Nutzung:

    Volvo (Schweden)
    Skoda (CSSR)
    Dacia (VR Rumänien)
    Polski Fiat (VR Polen)
    Lada (SU)
    Wolga (SU)
    Saporoshez (SU)
    Moskwitsch (SU)
    VW Golf (BRD)

    Dienstfahrzeuge (Staats- und Parteiführung, hohe Wirtschaftsfunktionäre)
    Tatra (CSSR)
    Tschaika (SU)
    Citreon (F)

    Die DDR-Bürger haben keine Autos importiert, sondern der zuständige Außenhandesbetrieb (Außenhandelsmonopol).

    M.
     
  10. hjwien

    hjwien Neues Mitglied

    Unser Meister im PA-Unterricht in Frankfurt/Oder hatte einen.
     
  11. YoungArkas

    YoungArkas Neues Mitglied

    War das immer der Volkseigene Deutscher Innen- und Außenhandel? Wenn ja hat dieses Unternehmen einen Bundesdeutschen Nachfolger bei dem man im Archiv Daten abfragen kann?
     
  12. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

  13. Repo

    Repo Neues Mitglied

    die Gölfe wurden hier ja schon genannt.
    Äquivalent war die Produktion des VW-"Luft-"Boxers-Motors in der DDR.
    Die "Schrott"-Bleche wurden auch schon genannt.

    Es gab aber die verschiedensten Verbindungen hin und her, wo auch immer mal wieder, zumindest Einzelfahrzeuge, Westdeutscher Produktion in der DDR gelandet sind.
    Bei Bedarf kann ich mal auflisten, was mir in der Beziehung bekannt ist.

    Aber eines ist richtig, vor dem Golf wurde "eigentlich" nichts aus der BRD an kpl. Autos importiert.
     
  14. Treibsand

    Treibsand Neues Mitglied

    Schon der PKW - Bestand war ziemlich bunt ....

    Auch bei Kleintransportern fuhren polnische ZUK und rumänische " Balkanesel "
    (exakten Hersteller weiss ich jetzt nicht ) umher und dann wurde sogar
    einmal eine Tranche VW -T1 oder T2 importiert !

    Busse waren zumeist aus Ungarn , aber es gab auch einige polnische Typen.
     
  15. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Die spätere DDR hatte, theoretisch, eine sehr große Automobilindustrie. Die Werke in Sachsen hatten aber bei der Eroberung unter sehr umfangreichen Zerstörungen und Plünderungen gelitten.
    Was für die Werke in Thüringen nicht galt, die Anfangs durch US-Truppen besetzt wurden. Genau diese Werke produzierten bis 1952 aber als Sowjet-AGs lediglich für die Besatzungsmacht.
    Unter Sowjet-Regie wurde dann, eigentlich ein Kuriosum, bei Simson in Suhl ein Viertakt-Motorrad mit Kardanantrieb entwickelt und gebaut.
    Simson hatte lange Jahre nichts mehr mit 2-Rad-Produkten zu tun gehabt. Und entscheidendes Konstruktions-und Produktions-KnowHow kam von BMW München über Eisenach. Wo man vermutlich das eine oder andere im Gegenzug für den PKW-Bereich aus Eisenach "rettete".

    Das Hauptproblem für die DDR-Autoproduktion der frühen Jahre war aber das völlige Fehlen der Zulieferindustrie. Die fast ausschließlich in den Westzonen saß. Was natürlich manchen Spielraum für Interzonengeschäfte hin und her ließ.

    Praktisch ab Beginn wurden Tatras und Skoda PKW´s importiert.
    In der PKW-Produktion wurde mehrfach versucht technisch wieder Anschluss an den Weltmarkt zu bekommen. Bekannt dürften beispielsweise der Erwerb von Wankelpatenten oder das Jointventure mit Skoda sein. Was aber alles nicht weiter führte, wieder aufgegeben wurde.

    Bei den Nutzfahrzeugen wurde bei dem bekannten RGW-Typenbereinigungsprogramm der Bau von größeren LKW´s und Bussen aufgegeben, die dann alle importiert werden mussten. zB Ikarus Omnibusse aus Ungarn, es gab aber auch zeitweilig eine Stückzahl Gräf&Stift aus Österreich. Bei den LKW´s außer den comecon-Produkten vor allem Volvos, Scanias und niederländische Daf´s aber auch Daimler-Benz wurden in einer gewissen Stückzahl eingekauft.

    Bei den kleinen Nutzfahrzeugen war der Barkas (vormals Framo) auf der Höhe der Zeit. (außer 2Takter)
     
    1 Person gefällt das.
  16. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Eine weitere Quelle für westliche Waren inkl PKW:

    Genex ? Wikipedia

    Neben Geschenken der lieben West-Verwandten konnten hier DDR-Bürger, die Westgeld besaßen, auch selber bestellen; zumindest seit der Valuta-Besitz irgendwann in den 70ern legalisiert worden war.

    Ansonten: Meine letzte Fahrt im 20 Jahre alten Skoda meines Onkels anno 1989 werde ich mein Lebtag nicht vergessen; Abenteuer pur...
    ;)
     
  17. Rodriguez

    Rodriguez Aktives Mitglied

    Über Westverwandtschaft konnte man sich neben einen Golf auch den Mazda 323 finanzieren lassen, zumindest in den letzten Jahren der DDR.
    Priviligierte hatten natürlich gewisse Sonderrechte, wie beispielsweise Honecker's Unterhändler Wolfgang Vogel, der eine Mercedes E-Klasse fuhr ;)



    Saludos!
     
    1 Person gefällt das.
  18. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Der Genex-Komplex dürfte ja soweit bekannt sein.

    Diese Fälle gab es allem nach vom ersten Tag an.


    Ich habe nochmals nachgeschlagen.
    Zum Tatra, den vermutlich auch nur ganz besonders Privilegierte bekamen gabe es ab 55 den Skoda. Ab 1956 den Moskwitsch, eigentlich ein Wiedergänger, war der Vorkriegskadett dessen Produktionsanlagen die UdssR als Reparation bekam.
    Ab 1960 im Zuge der RGW-Vereinbarungen das ganze Spektrum der Ost-PKW-Produktion, Lada, Polski-Fiat usw. usf.

    Und 1958 als erster Westimport in gewissen Stückzahlen den Renault Dauphin, für knapp 18.000 Märker in den Preislisten.
     
  19. ERZbengel

    ERZbengel Neues Mitglied

    Es gab auch für Privatpersonen in den 80er Jahren Westimporte: Volvo und "Citronen". Zumindest erstere hatten in Berlin ("Hauptstadt der DDR") das Kennzeichen IBM abbekommen, vom Volksmund als "Ich Bin Millionär" übersetzt.
    Die Golf wurden in geringer Stückzahl auch an verdiente Persönlichkeiten (politische 1a und sozialer Bedarf) außerhalb Berlins verkauft.
     
  20. Pluto

    Pluto Neues Mitglied

    Hallo,

    es gab dann auch noch den Peugeot. Der Preis lag bei rund 38.000 Mark. Es gab dann auch noch die Möglichkeit entsprechende "West " Autos im Intershop zu kaufen. Einer dieser Intershop wo man selbst einen BMW innerhalb von 24 Stunden bekam, befand sich im Hotel "Metropol" in der Friedrichstraße in Berlin.

    Der damalige Import von VW Golf und Volvo brachte berlin ja auch den Spitznamen "Volvograd am Golfstrom" ein.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Mai 2012

Diese Seite empfehlen