Indianer: demographische und gebietsmäßige Entwicklung

Dieses Thema im Forum "USA | Kanada" wurde erstellt von jschmidt, 17. Oktober 2008.

  1. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter


    Nach einem kurzen Blick bei Google kann ich mit ein paar Zahlen aufwarten, jedoch nicht für "den Westen" (die Zahlen basieren im wesentlichen auf David Stannard):

    Für Hispaniola wird von folgender demographischer Entwicklung ausgegangen:

    pre-contact 8 Millionen Einwohner
    1496: 4-5 Millionen indigene Einwohner
    1508: unter 100.000 indigene Einwohner
    1518: unter 20.000 indigene Einwohner
    1535: keine indigenen Einwohner


    Zentral-Mexiko:
    1519: über 25 Millionen, die bis 1595 auf 1,3 Millionen sinken

    California:
    "By 1845, the Indian population of California was down to no more than a quarter of what it had been when the Franciscan missions were established in 1769."

    1852: 85.000
    1860: 35.000
    1890: unter 18.000

    Bei den Zahlen ist zu beachten, daß die für das Jahr 1769 einen bereits dezimierten Stand erfassen (in der Hauptsache durch Krankheiten, weniger durch die Tätigkeit der Conquistadores). Leider war die für 1845 ermittelte Zahl nicht angegeben... Je nach Berechnung (~ Dezimierungsrate 1852-90: 1.700 p.a., 1852-60: 6.250 p.a.) kommt man für die indigene Bevölkerung in California 1769 auf zwischen 384.000 und 512.000 Menschen.


    Für die USA habe ich noch eine Angabe gefunden, nach der 1900 insgesamt etwas über 297.000 Indianer lebten.
     
  2. So klar ist das m.E. nicht.
    Nehmen wir das Beispiel Karibik, auch da gibt es noch Ureinwohner (viele denken, dass sie ausgerottet wurden). Irrtum, es gibt noch welche, auch auf Kuba.
     
  3. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied


    Die Zahlen für Mexiko und Hispaniola kommen mir doch sehr, sehr hoch vor. War es beim damaligen Stand der Landwirtschaft überhaupt möglich, so viele Einwohner zu ernähren?
    Zum Vergleich: Haiti + Dom. Rep. z.Z. zusammen ca. 18 Mio., Mexiko (ganzes Land) 103 Mio.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Oktober 2008
  4. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Stannard, von dem diese Zahlen stammen, ist ein sogen High Counter. Die Zahlen sind als Auszug aus einer seiner Veröffentlichungen online publiziert, jedoch ohne weitere Erwähnung, wie er die anfänglichen 8 bzw 25 Millionen errechnet.

    Die angenommenen Bevölkerungszahlen pre-contact divergieren beträchtlich; die niedrigste angenommene Bevölkerungszahl für Nord- und Südamerika zusammen geht von nicht mehr als 8 Millionen Einwohnern aus; die höchste liegt bei 150 Millionen (Stannard bewegt sich im oberen Bereich).

    Die Ernährungslage dürfte weniger problematisch sein, da viele indianischen Völker gerade auf dem Gebiet Pflanzenzucht/anbau sehr gute Ergebnisse erzielt hatten. Auf Hispaniola kam noch Fischfang als wichtige Ernährungsquelle dazu; ebenso Sammeln. In Zentralmexiko gab es florierenden Handel, der ua Lebensmittel importierte (zb Kakaobohnen, die aber damals eher als Luxusgut anzusehen sind und nicht nur konsumiert wurden, sondern auch als Zahlungsmittel Verwendung fanden).


    Was ist nicht so klar?
    Die Angabe, daß 1535 keine indigenen Bewohner mehr auf Hispaniola vorhanden waren, geht auf damalige spanische Quellen zurück.

    Es trifft zu, daß kleine Gruppen in Rückzugsgebieten überlebten, von denen es auch einige schafften, bis heute als Gemeinschaft erhalten zu bleiben.
     
  5. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Das ist freilich viel komplizierter. Die heutigen Bewohner der Karibik-Inseln, sofern sie nicht "schwarz" wie Haitianer sind, stammen zu einem großen Teil aus indianischer Wurzel. Hier mal zu Puerto-Rico:

    Heißt also in weiblicher Linie fast 2/3 indianisch, in männlicher Linie 70% europäisch. Überrascht mich nicht, wenn ich mir Jennifer Lopez so anschaue. Dass sie ihre ethnische Identität schon vor Jahrhunderten verloren haben, ist eine andere Sache. Die wenigen kleinen indigenen Gruppen auf Kuba gelten übrigens als Nachfahren von Plantagenarbeitern, die man im 19. Jahrhundert von Yukatan holte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Oktober 2008
  6. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Diese Untersuchung war mir nicht bekannt, danke.
    Angrivarier sprach ja von noch vorhandenen Ureinwohnern - und das gibt dieses Ergebnis auf keinen Fall her, lediglich die Abstammung von.
    Es wird sich außerdem nicht nur um authochtone Vorfahren handeln, da vom Festland aus indianische Gefangene in die Sklaverei auf die West Indies verkauft wurden.

    Kannst du mir bitte erklären, wie die Differenzen zur zuerst genannten Studie von 2002 zustandekommen? Ich bin in der Genetik so gar nicht zuhause.

    Ich habe auch gelesen (habe dafür im Moment aber keine Quelle parat), daß es noch kleine Gruppen von Taino/Arawak geben soll (wobei man da Trittbrettfahrer abziehen muß).
     
  7. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Aber gern. 2002 wurden mt-DNA bzw. Y- Chromosom untersucht. Da gibt es auf Grund des Erbganges nur entweder oder bei der Zuordnung.
    Ausführlich hier: http://www.kacike.org/MartinezEnglish.pdf

    2004 war die Kern-DNA dran, die in jedem Menschen neu kombiniert wird. Dadurch kann eine Person dann Merkmale aller möglichen Gruppen in seinem Genom vereinen. Das geht ja auch aus dem letzten Satz des Zitats hervor, wo man deshalb auf weit mehr als 100 % kommt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Oktober 2008
  8. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Wahlrecht für Indianer

    Da die Thematik Staatsbürgerrechte/Wahlrecht für Indianer weiter oben angeschnitten wurde, habe ich mich mal durch einige Seiten 'gefressen':


    American Civil Liberties Union : Voting Rights Act Timeline

    [ACLU: American Civil Liberties Union]

    "1887:
    Der Kongreß erläßt das Dawes General Allotment Gesetz, das nur denjenigen Indianern Bürgerrechte einräumt, die ihre Stammeszugehörigkeit aufgeben. Das Dawes-Gesetz zielt darauf ab, indianisches Land der weißen Besiedelung zu eröffnen und die Indianer zur Assimilation in die weiße Gesellschaft zu zwingen.

    1890
    Das Indian Naturalization Act gewährt Indianern Bürgerrechte, sie müssen dafür jedoch Anträge stellen.

    20. Juli 1917
    Das Oberste Gerichte von Minnesota urteilt im Verfahren Opsahl gg. Johnson, daß die Mitglieder des Red Lake Chippewa-Stammes kein Wahlrecht haben und nicht an County-Wahlen teilnehmen können, da die Stammesmitglieder sich nicht „zu Gehorsam und Unterordnung unter die Gesetze [von Minnesota verpflichtet“ haben.

    26. Mai 1920
    Im Verfahren Swift gg. Leach erhalten Indianer in North Dakota, die ihre Stammeszugehörigkeit aufgegeben haben, das Wahlrecht. Der Oberste Gerichtshof von North Dakota urteilt, daß 273 Indianer des Standing Rock Sioux-Stammes gemäß der Verfassung von North Dakota wählen dürfen, da sie „die Sitten und Lebenweise zivilisierter Menschen angenommen und eingehalten haben“.

    2. Juni 1924
    Das Indian Citizenship-Gesetz erklärt alle Indianer ohne Staatsbürgerschaft, die innerhalb der Grenzen der USA geboren sind, zu Staatsbürgern, wodurch sie auch das Wahlrecht erhalten. Trotz dieses Gesetzes werden Wahlrechte noch von Gesetzen der einzelnen Bundesstaaten geregelt, so daß viele Indianer bis 1948 von Wahlen ausgeschlossen sind.

    6. August 1965
    Präsident Lyndon B. Johnson unterzeichnet das Wahlrechtsgesetz, mit dem direkte Hindernisse für die Wahlbeteiligung von rassischen und ethnischen Minoritäten verboten werden; hiermit werden auch alle Praktiken verboten, die Personen das Wahlrecht aufgrund von Rasse vorenthalten. Außerdem müssen Wahlbezirke, in denen Diskriminierungen bekannt geworden sind, die Genehmigung des Bundes für ihre Wahlgesetze erhalten, bevor diese in Kraft treten können. [...] Das Gesetz verbietet Lesetests und andere Hindernisse bei der Aufnahme in Wahlregister. [...]


    The Voting Rights Act Of 1965
    (Seite des Justizministeriums)

    "Die Zusätze [zum Wahlgesetz) von 1970 und 1975 [Auszug]

    Der Kongreß hörte ebenfalls zahlreiche Aussagen über Wahlrechtsdiskriminierungen gegenüber hispanischen, asiatischen und indianischen Bürgern und der Zusatz von 1975 ergänzte das Gesetz um Schutz vor der Diskiriminierung von Bürgern, die sprachlichen Minderheiten angehören."

    The American Indian Vote: Celebrating 80 Years of U.S. Citizenship
    (Seite der Demokratischen Fraktion im Senat)

    Das Wahlrecht der Indianer: 80 Jahre US-Bürgerrechte
    7. Oktober 2004
    [...]
    Historische Hindernisse beim Wahlrecht für Indianer

    Vor 80 Jahren erhielten Indianer mit dem Indian Citizenship-Gesetz von 1924 erstmals die US-Bürgerrechte und damit auch das Wahlrecht – 54 Jahre, nachdem afro-amerikanische Männer diese Rechte formal mit dem 15. Verfassungszusatz erhielten (1870) und vier Jahre, nachdem Frauen durch den 19. Verfasungszusatz diese Rechte erhielten (1920).

    Jedoch oblag es den einzelnen Bundesstaaten, Gesetze zur Durchführung von Wahlen zu erlassen, so daß noch weit nach 1924 einzelne Staaten ihre Macht dazu mißbrauchten, Indianern das Wahlrecht vorzuenthalten. Zum Beispiel durften Indianer in New Mexico bis 1962 nicht wählen.

    Juristische Hindernisse. Historisch gesehen wurden hauptsächlich vier Argumente von einzelnen Bundesstaaten herangezogen, um ihre Praxis zu rechtfertigen, Indianer von Wahlen auszuschließen:

    1) Indianer ständen unter Aufsicht des Bundes bzw seien „Mündel“ des Bundes, daher seien sie nicht unabhängig und nicht kompetent zum Wählen

    2) Auf Reservationsland lebende Indianer seien Bürger ihrer Reservation und nicht des betreffenden Bundesstaates (obgleich der Supreme Court bereits 1881 geurteilt hatte, daß alle Reservationsindianer Bürger ihres Bundesstaates sind)

    3) Indianer bezahlten keine Steuern an den Bundesstaat und sollten daher nicht die Möglichkeit erhalten, sich an Entscheidungen über die Verwendung von Steuern zu beteiligen, und

    4) Indianer seien nicht „zivilisiert“ und ihre fortdauerndeBeteiligung an ihren Stammesgemeinschaften schließe die Teilnahme an anderen Wahlen von vorneherein aus.

    Kulturelle Hindernisse. Insbesondere dieses letztgenannte Argument – daß sich Indianer „zivilisieren“ müßten, um das Wahlrecht zu erhalten – verkomplizierte das ohnehin schon komplexe und schwierige Thema der Bürgerrechte der Indianer und deren Teilnahme. Viele Indianer hatten kein Interesse an der US-Staatsbürgerschaft und wollten diese sogar ablehnen. Manche waren der Meinung, die Staatsbürgerschaft von eben der Regierung anzunehmen, die die eigene Gemeinschaft unterdrückt hatte, käme einem Verrat gleich oder sei bestenfalls Dummheit.

    Vergangene Bemühungen der Regierung, Mitglieder der Gemeinschaften zu erfassen oder zu identifizieren, zielten auf Vorhaben ab, entweder deren Land zu nehmen, eine Gemeinschaft umzusiedeln oder Kinder mit Gewalt in Schulinternate zu verbringen. Diese Erfahrungen hatten sich in die kollektive Erinnerung der indianischen Gemeinschaft eingegraben und werden deutlich im anhaltenden Widerstand gegen die „Registrierung“ für einen Paß, für die Teilnahme an Wahlen oder sich überhaupt für etwas registrieren zu lassen, das mit einer Regierungsbehörde verbunden war.

    Diese Bedenken wurden durch die Bestimmungen vieler Staaten (darunter Idaho, Minnesota, North und South Dakota) noch erhöht, daß Indianer ihre Stammeszugehörigkeit aufgeben und sich gemäß dem Mehrheitsstandard „zivilisieren“ mußten, um Wahlrecht zu erhalten. Die negative Assoziation zwischen Verrat an der eigenen Gemeinschaft und dem Wahlrecht hatte lang anhaltende Auswirkungen auch auf heutige Einstellungen zur Wahlbeteiligung in den indianischen Gemeinschaften.
    [...]

    Anhaltende Hindernisse bei der indianischen Wahlbeteiligung
    Aufteilung der Stimmen. Wahlbezirke werden immer noch so zugeschnitten, daß die indianischen Stimmen nicht in ihrer vollen Stärke repräsentiert werden. Willkürliche Zuordnung, diskriminierende Neuzuordnungspläne etc. können sich alle negativ auf die Fähigkeit der indianischen Gemeinschaften auswirken, mit ihren Stimmen ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen.

    Taktiken der Wählerunterdrückung. Mit dem Ansteigen des Anteils indianischer Wähler, kann die Aufmerksamit für den Einfluß ihrer Stimmen leider auch Bemühungen auslösen, sie am Wahltag von der Abgabe ihrer Stimmen abzuhalten. Eine der am häufigsten eingesetzten Taktiken, die auch in der jüngsten Vergangenheit noch zum Einsatz kam, besteht darin, daß Wahlbeobachter am Wahltag den registrierten Status indianischer Wähler bestreiten.

    Restriktive Identifizierungserfordernisse. Es gab noch kürzliche in einer Reihe von Staaten restriktive Identifizierungserfordernisse für Wähler. Viele Indianer verfügen nicht über vom Bund oder einem Einzelstaat ausgestellte Papiere, was auf die gerade angesprochenen historischen Gegebenheiten sowie auf kulturelle Gegebenheiten zurückzuführen ist; andere brauchten entsprechende Papiere bisher nicht. Diejenigen, die über Papiere verfügen, haben häufig einen vom Stamm ausgestellten Ausweis (tribal ID card), die in manchen Staaten immer noch nicht zur Identifizierung des Wählers anerkannt wird.

    Sprachliche Hindernisse. Absatz 2 des Wahlrechtsgesetzes sieht für viele indianische Gemeinschaften „Sprachenschutz“ vor. Es werden bei jedem Wahlgang Anstrengungen unternommen sicherzustellen, daß den indianischen Wählern sprachliche Assistenz zur Verfügung steht.

    Entfernung zum Wahllokal. Große Teile von „Indian County“ sind sehr ländlich und abgelegen. Begrenzte Möglichkeiten des einzelnen Staates führen oft dazu, daß Wahllokale über 60 Meilen von den Wählern entfernt sind. Da es auf den meisten Reservationen keinen Öffentlichen Transport gibt, das Geld für Benzin nicht zur Verfügung steht und häufig im November auch widrige Wetterbedingungen herrschen, bedeuten weit entfernte Wahllokale, daß Indianer von der Wahl ausgeschlossen sind.

    Der kürzliche Anstieg indianischen Engagements und indianischer Wähler im Vorfeld des 80. Jahrestages der Staatsbürgerschaft ist das Ergebnis eines langen juristischen Kampfes und kultureller Diskussionen. Obwohl viele Hindernisse beseitigt wurden, sind noch einige vorhanden.[...]"


    Report: Significant Barriers to Native American Voting Rights in South Dakota Persist - Leadership Conference on Civil Rights

    "Bericht: Immer noch erhebliche Hindernisse beim Wahlrecht für Indianer in South Dakota
    18. Mai 2006

    Seit 1966 wurden 66 Klagen von Indianern wegen des Wahlrechts eingereicht, 17 davon in South Dakota, wo nur 8,3% der Bürger Indianer sind. Ein Bericht von RenewtheVRA.org zeigt, daß diese hohe Rate von Klagen auf die schlechte Umsetzung der durch das Wahlrechtsgesetz (VRA) von 1965 gegebenen Rahmenbedingungen zurückgeht.
    [...]
    Bis in die 1940er Jahre waren Indianer offizielle vom aktiven und passiven Wahlrecht ausgeschlossen. Die neun bundesstaatlich anerkannten indianischen Stämme in South Dakota sind immer noch entscheidenen sozio-ökonomischen Nachteilen unterworfen und sehen sich bei der Teilnahme an Wahlen Hindernissen gegenüber.

    Zudem schloß der Staat [South Dakota] Indianer noch bis 1975 in drei als „unorganisiert“ eingestuften Counties – Todd, Shannon und Washabaugh – von der Wahl aus. Die entsprechende Zuordnung wurde aufgrund des hohen indianischen Bevölkerungsanteils getroffen."
     
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  9. Tekker

    Tekker Gast

    Vertrag von Fort Laramie

    Noch einmal zurück zur Gebietsentwicklung, hier insbesondere der nördlichen Plains und Prärie. Dazu hatte ich nach einer Karte der den Indianern im (ersten) Vertrag von Fort Laramie (1851) zugesicherten Gebiete gesucht, konnte aber im Netz nichts finden. Zur Visualisierung habe ich mir nun selbst eine Karte gebastelt, die ich euch nicht vorenthalten wollte (s. Anhang). :)

    Hierbei bitte ich noch ein paar Anmerkungen/Erläuterungen zu beachten:

    - Die roten Linien weisen die Gebiete des Vertrages von 1851 aus, die gelbe zeigt die Veränderung, welche durch den (zweiten) Vertrag von Fort Laramie im Jahre 1868 vorgenommen wurde. Letztere bezieht sich allerdings nur auf die Sioux. Die Schreibweise der Nations sind die des Vertragstextes aus o.g. Link.

    - Die Vorlage der o.g. Grenzlinien habe ich auf Grundlage einer Karte der Wasserscheiden angefertigt und hernach auf den zu sehenden Kartenausschnitt projiziert, welcher aus einem der Links in Posting #17 stammt. Durch die Übertragung kommt es leider zu kleineren "Diskrepanzen", wenn man z.B. den Verlauf des Missouri mit der Grenzlinie abgleicht. Diese Karte schien mir als "Untergrund" allerdings sinnvoller, da ihr hier den direkten Vergleich zwischen originären und "zugewiesenen" Siedlungsgebieten habt.

    - Die im Vertrag bezeichneten Grenzen des "Twenty-five Yard Creek", sowie des "Big Dry Creek" und der "Black Hills" konnte ich nicht einwandfrei lokalisieren; der eingezeichnete "Näherungswert" darf an dieser Stelle genügen.

    - Das rot schraffierte Terrain konnte ich anhand des Vertragstextes keiner Nation zuordnen. Merkwürdigerweise wird es auf dieser Karte aber als Sioux-Gebiet ausgewiesen. Eine Erklärung habe ich dafür allerdings nicht... :confused:

    - Zum gelb markierten Gebiet ist zu sagen, daß dem die Karte aus dem Link zum Vertrag von 1851 widerspricht. Dabei habe ich mich streng an den Text aus "Article 2" des Vertrages von 1868 gehalten. Allerdings hatte ich den Vertrag noch nicht weiter durcharbeiten können, möglicherweise liegt da der Hund begraben... :rotwerd:


    So, ich glaub, ich hab nix vergessen. Hoff ich jedenfalls. Interessant wär sicher noch der Vergleich mit den innerterritorialen Grenzen der USA jener Zeit (1851), den auf die "Verträge" folgenden Reservationsgrenzen (welche über die Jahre auch immer wieder "geändert" wurden, Karte habe ich gerade nicht zur Hand) oder auch der seinerzeitigen "Frontier", bzw. die Einbindung des "territorialen Schicksals" anderer Nations.

    Diesbezüglich seht diese Karte nun bitte als groben "Entwurf", ich wünsche euch viel Spaß damit und freue mich auf eure Kritik. Gute Nacht! :winke:
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 15. März 2009
  10. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Toll gemacht! Mir fällt bei der Karte auf, dass die Mandan eingetragen sind. Die wurden als eigener Stamm m.W. bereits in den 1830/40er Jahren von einer Pockenepidemie ausgelöscht. Was sagt @Ingeborg?

    Was das schraffierte Gebiet betrifft - vielleicht wollte man Sioux und Crows voneinander trennen, um Ruhe zu haben. Die waren ja traditionell verfeindet.
     
  11. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Schreibstu besser 'weitgehend ausgelöscht' oder 'drastisch reduziert'. Die Mandan gibt es heute noch in einer Dreierreservation zusammen mit Hidatsa und Arikara. Bevölkerungszahlenmäßig hat aber nach der Epidemie kein wirklicher Aufschwung stattgefunden; ich schau die Zahlen nachher genauer nach (im Moment aus der Erinnerung heraus kann ich nur sagen, die Zahl liegt im vierstelligen Bereich). Es gibt heute nur noch vier Sprecher, die Mandan als Muttersprache beherrschen.

    Zumindest seit die Dakota von weiter östlichen Wohnsitzen in Richtung Westen verdrängt wurden durch Cree und Ojibway.
     
  12. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Maximilian Prinz zu Wied
    "Reise in der Innere Nordamerikas"

    mit jeder Menge Bildern des Malers Bodmer.

    Ich denke mal insbesondere auf dieses Werk geht der Ruhm der Mandan zurück.
    Bis zur Vermutung in ihnen Wikingernachkommen zu finden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. November 2008
  13. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    @ Tekker:
    Erstmal vielen Dank für die Mühe, die Du Dir gemacht hat!

    @Repo:
    Ebenfalls Danke! Ich hatte vergessen, dass die Neuausgabe (1977) der "Reise" noch hier liegt. Im umfangreichen Mandan-Kapitel (Bd. 2, S. 57-137) ist die Rede davon, dass der Stamm "nicht mehr als 233 bis 240 Krieger und etwa im Ganzen kaum 900 bis 1000 Seelen" besaß (S. 58)!?
    Den Wikinger-Passus habe ich noch nicht gefunden; Wied zufolge behaupteten die Mandan, "ursprünglich von den mehr östlichen Nationen aus der Nähe der Seeküste abzustammen" (ebd.).

    @ Ingeborg:
    Wied schreibt in der "Schlußnachricht" (S. 355), ihm sei zugetragen worden, eine "ansteckende Krankheit" habe "später den größten Teil der Mandans, Mönnitarrris, Assiniboins und Blackfeet hinweggerafft" - das bestätigt Deine Angaben.
     
  14. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Die Geschichte um die Abstammung der Mandan von Wikingern oder Walisern ist offenbar eine romantische Legende des 18./19. Jahrhunderts. Eine Abstammung aus dem Osten ist durchaus wahrscheinlich, viele Stämme der Plains kamen ursprünglich aus dem Gebiet der Großen Seen und waren ursprünglich teilweise sogar Ackerbauern. Zu büffeljagenden Nomaden wurden sie erst durch das Pferd, also nicht vor 1650-1700. Deshalb auch meine o.g. Zweifel, ob diiese Wirtschaftsform dauerhaft überlebensfähig gewesen wäre.
    Madoc ? Wikipedia
     
  15. Tekker

    Tekker Gast

    Vielen Dank, bb! :) :friends:

    Zu den Mandan, ich hab hier grad die Bildenzyklopädie "Indianerstämme" von Bill Yenne vorliegen. Da ist auf Seite 96 zu lesen:
    Mich wunderte bei der Kartenerstellung vielmehr, daß zwar Mandan und Arikara für das entsprechende Gebiet "vorgesehen" waren, von den mit diesen verbündeten Hidatsa allerdings nicht die Rede ist.
     
  16. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Über eine etwaige Wikinger-Abstammung wirst du nichts finden können, da es sich bei dieser Legende nicht um Wikinger, sondern um *Waliser* handelt. Das ist aber Unfug (wir hatten hier auch mal bereits einen Thread darüber).

    Die "Nähe der Seeküste" in der Abstammungslegende der Mandan ist vage genug und könnte nicht nur die Atlantikküste bedeuten, sondern auch die Küsten einer der Großen Seen. Allerdings zeigt die Verbreitung der Sprachfamilie Siouan, der die Mandan zuzurechnen sind, einen Siedlungscluster an der Südostküste des Atlantik; zwischen diesem Gebiet und dem der restlichen Siouan-Gruppen liegen die Gebiete mehrere Völker, die irokesische Sprachen sprechen. Es wird vermutet, daß die irokesisch sprechenden Ethnien nach Norden vorgedrungen sind und dabei ein Teil der Siouan-Gruppen verdrängt wurde.

    Die Mutmaßungen bezüglich der Abstammung der Mandan scheinen zurückzugehen auf den Umstand, daß es bei den Mandan Personen mit relativ heller Hautfarbe und/oder eher dunkelbraunen Haaren gab. Wie dies zustandekommt ist mW nicht geklärt. Jedenfalls hat dies in der Weltsicht und Wahrnehmung früherer Zeiten (je heller, desto besser/intelligenter/tüchtiger; je dunkler, desto minderwertiger) zu den entsprechenden Spekulationen geführt, es müsse da eine europäische 'Beimischung' oder 'Aufforstung' sowie auch eine kulturelle 'Injektion' gegeben haben. Dies ist aber nicht zu belegen. Die materielle Kultur der Mandan fügt sich in den Rahmen des Kulturareals Prärie ein. Auch linguistisch ist nichts Dementsprechendes nachzuweisen; die Mandan sprechen eine der Siouan-Familie zugeordnete Sprache, in der nichts Walisisches zu finden ist. Zum Teil scheint die Nähe zum Dakota/Lakota recht ausgeprägt; ich verweise auf Catlins Gemälde des Mandan Mathotopa, dessen Name in Dakota/Lakota "Mahto taupa" heißen würde.

    Diese Epidemie war jedoch vermutlich nicht die erste, die die Mandan traf. Aufgrund der hohen Sterblichkeitsraten bei den Epidemien, die durch Handel (nicht nur mittels durchreisender weißer Händler oder Trapper, sondern auch durch Handel zwischen den indigenen Ethnien) verbreitet wurden, geben bereits die Zahlenangaben sogen Erstberichte in der Regel einen bereits verminderten Bevölkerungsstand wieder. Da die Mandan überwiegend seßhaft in Dörfern mit Erdhäusern lebten (in jedem Haus eine Großfamilie), konnten sich Infektionskrankheiten zusätzlich rasch ausbreiten. Zusätzlich wurden auch schwer erkrankte Personen in indigenen Ethnien nicht sich selbst überlassen, sondern von der gesamten Familie gepflegt, was ebenfalls zur Infizierung weiterer Personen führte.


    @bb:
    Die Mandan gehören nicht zum Kulturareal Plains und wiesen auch nicht die dortige nomadische Büffeljägerkultur auf; sie waren seßhafte Bauern, die zur Nahrungsergänzung jagten und sammelten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. November 2008
  17. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Das klingt mir aber sehr widersprüchlich. Beides kann ja so nicht stimmen. :confused: Meines Wissens hatten sie die typische Büffeljägerkultur (noch?) nicht übernommen.
     
  18. Tekker

    Tekker Gast

    Nein, nein, ist es nicht:
    ;)
     
  19. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Hier mal was von Tante Wiki:

    Hervorhebungen von mir


    Die erste genannte Zahl von 1738 ist also eine Erstkontaktschätzung, die (siehe obiger Beitrag) vermutlich bereits nicht mehr die ursprüngliche Bevölkerungszahl wiederspiegelt.
     
  20. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Zitat:
    balticbirdy
    Das klingt mir aber sehr widersprüchlich. Beides kann ja so nicht stimmen. :confused: Meines Wissens hatten sie die typische Büffeljägerkultur (noch?) nicht übernommen.

    Es handelt sich bei Plains und Prärie um *zwei* unterschiedliche Kulturareale. In der Prärie gab es bereits pre-contact Besiedelung; die ansässigen Ethnien waren halbseßhaft bzw überwiegend seßhaft und bauten Pflanzen an. Diese Nahrungsgrundlage wurde duch Jagen und Sammeln ergänzt. Dabei wurden häufig in den Sommermonaten Kollektivjagden durchgeführt, zu denen der überwiegende Teil der Dorfbevölkerung aufbrach. In den Dörfern blieben Alte und Kranke zurück sowie Personen, die diese versorgten. Im Sommer fiel wenig Arbeit auf den Feldern ein, bis diese erntereif waren. Diese Kollektivjagden galten überwiegend den Büffeln. Während der Sommerjagden verwendeten die dem Kulturareal Prärie zugerechneten Ethnien Zelte aus Büffelleder (Transport mit Hundetravois). Auch die festen Dörfer wurden innerhalb der Gebiete turnusmäßig verlegt, wenn der Ertrag der Felder zurückging.

    Das Kulturareal Plains war pre-contact nicht ganzjährig besiedelt. Dies wurde erst durch den Erwerb von Pferden in ausreichender Zahl möglich. Die auf die Plains hinausgehenden Ethnien nahmen eine eher nomadische Lebensweise auf und betrieben vom Frühjahr bis Herbst Büffeljagd, dabei wurde in den Sommermonaten auch kollektiv gejagt. Den Winter verbrachten diese Ethnien jedoch auch nicht mitten in den Plains, sondern eher in Randgebieten, in denen es Waldbestand gab. Die Winterdörfer umfaßten kleinere Gruppen, da auch in dieser Zeit nicht nur das im Sommer/Herbst getrocknete Büffelfleisch verzehrt, sondern zusätzlich gejagt wurde. Das Büffellederzelt wurde weiterhin eingesetzt, jedoch vergrößert, da der Transport durch Pferde den Einsatz größerer tipi-Stangen ermöglichte. Damit wurde auch der Häutebedarf für ein einzelnes Zelt größer, jedoch war das tipi nunmehr auch ganzjährige Wohnung. Die Gebiete der einzelnen Ethnien auf den Plains waren beträchtlich größer als die der Präriebewohner.
     
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