Julikrise - Die Ursache des ersten Weltkriegs?

Dieses Thema im Forum "Das Deutsche Kaiserreich" wurde erstellt von MrIch, 13. Juni 2013.

  1. MrIch

    MrIch Neues Mitglied


    Hallo liebes Forum,
    ich hab da ein kleines Problem beziehungsweise eine Frage, bezüglich einer wichtigen Präsentation.
    Ich halte mich also einfach mal daran, und hoffe auf ein paar gute Antworten.
    http://www.geschichtsforum.de/f82/erste-hilfe-und-einf-hrung-fragen-antworten-37263/

    Ich bin auf einem Gymnasium und es geht um eine Präsentation in der Oberstufe in Geschichte.
    Das Thema lautet: "Julikrise - Die Ursache des ersten Weltkriegs?"

    Ist im Prinzip kein schwieriges Thema, mein einziges Problem ist, dass ich mir mit der Leitfrage ein bischen selber ein Bein gestellt habe, weil je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige es immer klarer wird, dass die Julikrise selbstverständlich die Ursache war.
    Aber ein "JA!" reicht natürlich nicht als kritische Antwort auf eine Leitfrage, da ja immer beide Seiten betrachtet werden sollen. Darum verzweifle ich gerade ein bischen daran etwas zu finden was "dagegen spricht".

    Als einen Ansatz hab ich mir überlegt, dass man eventuell sowas sagen könnte, dass nicht allein die Ereignisse in der Julikrise (Attentat usw...) die Ursache waren, sondern auch, dass sich Ö-U auf den Krieg "versteift" hatte und nicht bereit war weitere Verhandlungen beispielsweise einzuleiten, nachdem Serbien das Ultimatum zu großen Teilen akzeptierte. Obwohl sebst Wilhelm II überrascht war und meinte, dass damit eigentlich kein Grund mehr zum Krieg bestünde.
    "Eine brillante Leistung für eine Frist von 48 Stunden", vermerkte Wilhelm II, "das ist mehr, als man erwarten konnte! Damit fällt jeder Kriegsgrund fort, Giesl hätte ruhig in Belgrad bleiben sollen! Darauf hätte ich niemals Mobilmachung befohlen!"

    Ich bitte natürlich nicht um extrem ausführliche Antworten, sonder eher um weitere Ansätze, die ich als "Contra" anbringen könnte, oder um weitere Ideen zu meinem Ansatz.

    Vielen Dank schon mal im Voraus und liebe Grüße,
    MrIch
     
  2. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

  3. hardy73

    hardy73 Neues Mitglied


    In meinen Augen ist die Julikrise der Anlass für den WK I aber nicht die Ursache. Die Ursachen sind die jeweiligen Hegemonialbestrebungen der Großmächte.
    Demnach würde ich die Julikrise als Ursache definitiv verneinen.
    Stell dir einmal vor das Attentat wäre nicht geschehen..... Wäre der Krieg dennoch ausgebrochen oder nicht? Die Antwort auf diese Frage bringt dich zu den Ursachen.
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Immerhin bewältigte man die diversen Krisen zuvor, zB 1905 und 1911/1913. Warum gelang das nicht 1914? Sollten etwa die Hegemonialbestrebungen der Großmächte in Europa (welcher Mächte?) zugenommen haben. War die Risikopolitik eine andere? Gab es Machtverschiebungen oder die Wahrnehmung bevorstehender Verschiebungen?

    Was also war anders? Seit (zT auch in Folge) der Fischer-Kontroverse ist da einiges in der Forschung vorgelegt worden.


    Noch einige Verweise auf Diskussionen:
    http://www.geschichtsforum.de/f58/d...sch-britische-marineabkommen-1912-14-a-32681/
    http://www.geschichtsforum.de/f58/wilhelm-ii-julikrise-1914-a-38367/
    http://www.geschichtsforum.de/f62/v...ultimatum-serbien-von-sterreich-1914-a-43649/
    http://www.geschichtsforum.de/f62/poincar-besucht-russland-im-juli-1914-a-31936/
    http://www.geschichtsforum.de/f82/blankoscheck-deutschlands-1914-a-45901/
     
  5. MrIch

    MrIch Neues Mitglied

    Danke an die Antworten. Hat mir aufjeden Fall schon sehr geholfen.

    Ich hab noch eine andere Frage! Und zwar dazu:
    "Eine brillante Leistung für eine Frist von 48 Stunden", vermerkte Wilhelm II, "das ist mehr, als man erwarten konnte! Damit fällt jeder Kriegsgrund fort, Giesl hätte ruhig in Belgrad bleiben sollen! Darauf hätte ich niemals Mobilmachung befohlen!"
    Ist das ein "echtes" Zitat von Wilhelm II, also ist "bewiesen", dass er das mal gesagt hat?
    Ich hab das gegoogled, aber bin mir nicht sicher.
    Wichtig wäre das für mich, weil wenn das ein echtes Zitat ist, könnte ich es in meine Einleitung integrieren, eventuell als eine Art Ohröffner.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Juni 2013
  6. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied


    Das Zitat ist echt. Du kannst es in "Juli 1914", herausgegeben von Imanuel Geiss, das ist eine Dokumentensammlung zur Julikrise, auf Seite 253 nachlesen.
     
  7. hardy73

    hardy73 Neues Mitglied

    @ silesia
    Danke für die Verweise

    Die kurze Abfolge der Kriesen verdeutlicht in meinen Augen die internationalen politischen Spannungen, welche vor allem in den nationalen Unabhängigkeitsbestrebungen, den Grosmachtsstreben und der Abkehr der Briten von Politik der "splended isolation" zu suchen ist und damit als die Ursachen anzusehen sind. Die Dauer vom Attentat zum östereichischen Ultimatum an Serbien verdeutlicht ein "geplantes Vorgehen" und nicht die ledigliche Reaktion auf einen ursächlichen Umstand.
    Ich versuche hier zwischen Anlass und Ursache zu unterscheiden.
    (Als Bsp.: Die "Emser Depesche" war nicht die Ursache für den 1870/71-Krieg, der "Überfall" auf den Sender Gleiwitz war nicht die Ursache für den WK II usw.)
     
  8. MrIch

    MrIch Neues Mitglied

    Noch eine Kleinigkeit zu der Reaktion der Serben auf das Ultimatum.

    Allgemein ist es ja sehr entgegenkommend wie Serbien sich verhält, aber warum mobilisieren sie dann einen Teil ihrere Truppen? Ich hab darüber unterschiedliche Meinungen gehört.
    Einerseits, dass Serbien wusste, dass sie mit ihrer Reaktion auf jeden Fall einen Krieg provozieren und sich darauf vorbereiten. Aber warum sollten sie dann nur einen Teil mobilisieren und nicht die komplette Armee, wenn ein Krieg sicher bevor steht?

    Wäre es nicht auch möglich, dass Serbien eigentlich den Krieg verhindern wollte und deßhalb auf das Ultimatum eingeht und nur "zur Sicherheit" einen Teil mobilisiert?

    Das leuchtet mir noch nicht so ganz ein.
     
  9. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Es wäre von der serbischen Regierung sträflich leichtsinnig gewesen, nicht zu mobilisieren, denn Österreich-Ungarn hatte bereits am 25.Juli 1914 mit der teilweisen Mobilmachung begonnen.
     
  10. Arne

    Arne Premiummitglied

  11. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Nicht ununteressant ist bei den Quellen zur Julikrise das Folgende:

    In Sasonows Memoiren wird die Julikrise fast übersprungen. Es fehlt der Zeitraum vom nach dem Attentat bis zum 24.Juli.

    Beim französischen Botschafter Palèologue fehlt die diplomatische Korrespondenz vom 28.06. bis zum 06.07.1914.

    Ähnliches gilt für Alexander Iswolski, russischer Botschafter in Paris, hier fehlt die Korrespondenz vom 19.06. bis zum 22.07, obwohl er ein sehr reger Berichterstatter gewesen war.

    Und ebenfalls gilt dies auch für den britischen Botschafter Buchanan. Seine Bereichterstattung setzt in den diplomatischen Archiven erst am 09.Juli ein.

    Nur die deutsche und die österreichisch-ungarische diplomatische Korrespondenz ist lückenlos.

    Das ist irgendwie eigenartig.


    Sasonow hat auch schon wenige Tage nach dem Attentat Czernin, österreichisch-ungarischer Legationsrat in Petersburg, davor gewarnt, diesen Weg weiterzugehen; er sei gefährlich. Czernin hatte gegenüber Sasonow ausgeführt, das Wien Untersuchungen auf serbischen Territorium fordern würde.

    Gegenüber den deutschen Botschafter Pourtalès, wie dieser am 13.07.14 nach Berlin berichtete, hielt Sasonow sich nicht lange mit der Verurteilung des Mordes an franz Ferdinand auf. Er kritisierte heftig die österreichischen Behörden, die zu wenig gegen die Ausschreitungen gegen die serbische Bevölkerung unternehme und bestritt glatt das die Morde das Resultat irgendeiner panserbischen Verschwörung sein könnten. Die serbische Regierung sei nicht nur unschuldig, sondern benehme sich vollkommen korrekt. Pourtalès berichtet dann noch von dem unversönlichen Hass des Ministers auf Österreich-Ungarn. Pourtalès gehört übrigens zu den deutschen Botschaftern, die sich wirklich um den erhalt des Friedens bemühten

    Bereits am 30.Juni 1914 genehmigte der russische Generalstab den Verkauf von 120.000 Dreiliniengewehren samt 120.Millionen Schuss Munition an Serbien. Außerdem wurden schon einmal Information über die Kriegsbereitschaft der russischen Schwarzmeerflotte eingeholt.

    Sean McMeekin, Juli 1914
     

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