Kalkriese als Ort der Varusschlacht zweifelhaft

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Henricus Grotus, 30. Juni 2008.

  1. salvus

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  2. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied

    Sehr gut, dass man so flexibel ist. Funde aus Kalkriese werden in Münster freigelegt. Will heißen, aus Niedersachsen gehen Funde zur Bearbeitung nach NRW. Das hätte ich mir nicht vorstellen könnnen.
    :)
     
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  3. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied


    Das Jahr 2018 geht langsam zu Ende. Aus der diesjährigen Grabungskampagne ist bisher wenig publiziert worden. Der einzige Bericht, welchen ich im Netz finden konnte, stammt von der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). Dieser ist jedoch hinter einer Bezahlschranke und daher nicht frei zugänglich. Zwei kostenfreie Links zu NOZ-Artikel stelle ich mal hier ein:

    https://www.noz.de/lokales/bramsche...ser-funde-am-fmo-roentgen#gallery&0&0&1519826

    https://www.noz.de/lokales/bramsche...-stellt-grabungsergebnisse-in-kalkriese-vor-1
     
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  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die haben dieses Jahr Teile von zwei gladii Typ Mainz gefunden und Wagenspuren, wobei aber noch unklar ist, wie diese Wagenspuren zu datieren sind. Das Material wird in einem Labor in Polen beprobt. Bei einem Vortrag vor Kurzem sprach Rappe von zwei Pottascheschichten, wobei er betonte, das „Pottasche“ nur ein Arbeitsbegriff sei und ihr Zusammenhang noch unklar. Hier hofft er, dass Grabungen nächstes Jahr Klarheit bringen. Dr. Rottmann sagte, dass bis 2029 die Finanzierung von Grabungen gesichert sei. Das ist wirklich herausragend.
     
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  5. LEG XVII

    LEG XVII Aktives Mitglied

    Gab es auch Informationen zum römischen Marschlager, dessen südlicher Wall ja der Oberesch Wall sein soll? Nach 2 Jahren sollte der Graben-Wall Verlauf ja eigentlich zu klären sein, zumindest bei Einsatz von Georadar.


    Und weiß jemand ob es hierzu schon Informationen gab?

    "Erdproben und Holzreste als Anhaltspunkte

    Ein solches Lager würde sehr gut zu den historischen Quellen passen. "Aber wenn etwas so gut passt, muss man natürlich extrem kritisch sein", sagte Ortisi. Jahrelang gingen die Forscher davon aus, dass der Wall ein von den Germanen angelegter Hinterhalt gewesen sein könnte. Nun sollen naturwissenschaftliche Untersuchungen von Erdproben und Holzresten zur Datierung der Wallanlage dienen, sagte Ortisi. Auch dafür wolle man den Winter nutzen."​

    Varusschlacht-Forscher machen keine Winterpause

    Nun ist ja bald schon der nächste Winter.



    Angesichts des Transfers von öffentlichen Mitteln in Richtung Kalkriese finde ich den Informationstransfer in Richtung Öffentlichkeit alles in allem etwas dürftig.
     
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  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Sagen wir mal so: Weil du nicht im einzelnen mitbekommst, was in Kalkriese passiert, ist das nicht die Schuld von Kalkriese. Auf der Website von Kalkriese kannst du dich über Termine informieren, du kannst die laufenden Grabungen im Sommer mehrfach besuchen (Termine werden regelmäßig angeboten) und im Winter eben auch immer den Vortrag von Rappe über die Grabung des Jahres. Ob du das Angebot nutzt oder nicht, liegt an dir, nicht am Angebot.
    Nun ist die Frage die nach den Mitteln: Kalkriese finanziert seine Grabungen zu einem großen Teil über Stiftungen. D.h., K'Riese ist in erster Linie den Stiftungen verpflichtet. Die Stiftungen schütten aber Geld nur dann aus, wenn etwas vernünftig begründet ist.
    Drittens: Bei Kalkriese liegt die wissenschaftliche Verantwortung mittlerweile nicht mehr in erster Linie bei der Kreisarchäologie Osnabrück und bei der Uni Osnabrück, sondern seitdem Ortisi dem Ruf nach München gefolgt ist, bei der Universität München. Rappe ist zwar der Archäologe vor Ort, aber er ist eben auch Ortisi als seinem Vorgesetzten verpflichtet. Wenn du weißt, dass selbst Wissenschaftliche Mitarbieter mit einer Viertel Stelle im Prinzip Vollzeit arbeiten, alleine um den Verwaltungsverpflichtungen nachzukommen und ihre Forschungen, sprich ihre wissenschaftlichen Qualifikationsarbeiten, also Dissertation oder als Postdocs Habilitationen, in ihrer Freizeit schreiben, dann kannst du dir in etwa ausrechnen, dass eine wissenschaftliche Publikation nicht eben ad hoc aus dem Ärmel geschüttelt werden kann, sondern schon mal ein paar Jahre dauert. Ortisi muss seine Lehrveranstaltungen in München planen, er muss prüfen, er muss verwalten, er muss Studierende betreuen und dann, ganz am Ende, kommen sie Obligationen, denen er in Kalkriese nachkommen muss.
     
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  7. LEG XVII

    LEG XVII Aktives Mitglied

    Ich wollte am 11. November nach Kalkriese gehen, ging stattdessen aber leider viral, und einen weiteren Termin gibt es nicht. Und ich rede ja auch nicht von einer quadratzentimergenauen Funddokumentation, sondern über eine kurze Mitteilung wo man forschungsmäßig steht. Gerade was die Wälle angeht, wo wir ja im letzten Sommer mit Spekulationen überschüttet wurden, dass der Oberesch Wall und der 2016 neu gefundene nördliche Wall zusammengehören.

    Aber du konntest den Termin ja offensichtlich wahrnehmen und kannst uns demnach berichten was Sache ist bei den Wällen.
     
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  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Bei den Wällen nix Neues, da hat Rappe auf die Grabungen von 2016 und 2017 verwiesen. Die Schnitte in diesem Jahr verliefen Parallel zu Landschaftsschnitt. Rappe hat sogar wegen einer Anomalie die Grabung an einer Stelle über die Planungen hinaus erweitert, aber es ist noch nicht klar, was dabei rausgekommen ist.
     
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  9. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Informationen nur vor Ort ist in der heutigen Zeit unverschämt.

    Ich kann ja verstehen, wenn sie den Vortrag abwarten, aber dann wäre ein kurzer Standpunkt für alle, die nicht mal eben nach Kalkriese fahren können an der Zeit. Es muss ja nicht viel mehr sein als du schreibst. Vielleicht noch ein "Besonders schön war der Fund von ..." oder so etwas. Das wäre doch auch geschäftstüchtig: Den Vortrag mit Bilder könnte es ja als PDF für ein paar Euronen zum Herunterladen geben.

    Aber sich ins 19. Jahrhundert zurückzuziehen, geht nicht. Egal wo das Geld herkommt, sind es doch öffentliche Angestellte oder Beamte und dadurch der Öffentlichkeit verpflichtet. Noch dazu in einer für Archäologen tollen Position, da ihre Forschung langfristig finanziell gesichert ist.

    Gibt es da wirklich nirgends eine öffentlich zugängliche Pressemitteilung? Und was ist mit dem Varuskurier passiert? Da bekomme ich nur Fehlermeldungen.

    Das bringt mich zu einer anderen Frage. Vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe werden jährlich kurze Ergebnisse der mittelprächtigen bis wichtigen Grabungen veröffentlicht. Gibt es so etwas eigentlich gar nicht in anderen Bundesländern?
     
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  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    :confused:
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Forderungen zu stellen, dass Leute, die du nicht bezahlst, dir freihaus Informationen liefern, das ist unverschämt. Zumal ja Daten auch erst einmal ausgewertet sein wollen, bevor du mehr sagen kannst als: Wir haben da Teile eines gladius bzw. zweier gladii 'Typ Mainz' und u.a. auch Wagenspuren gefunden.

    Die Seite auf der der Varuskurier bisher als PDF zu haben war, war die eines Studentenprojekts von der Uni Osnabrück, die im Rahmen einer Übung vor vieleicht 15 Jahren entstanden war. Sie ist seit diesem Sommer offline, warum ich mich auch schon ein paar mal geärgert habe.
    Über die disejährigen Grabungen kannst du auf der Seite des Museums nachlesen.
    Aktuelles aus Kalkriese | Forschung | Varusschlacht im Osnabrücker Land

    Doch, gibt es.
     
  12. LEG XVII

    LEG XVII Aktives Mitglied

    "Damit sei die Arbeit bis mindestens Ende 2029 gesichert, sagte Annette Schwandner, Leiterin der Abteilung Kultur im Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Das Land stelle dafür jährlich 127.000 Euro zur Verfügung. Dieses Geld garantiere die wichtige Grundfinanzierung des Gesamtprojekts, betonte der Geschäftsführer des Museums, Joseph Rottmann. Zusätzlich werbe das Museum Drittmittel ein und werde vom Landkreis Osnabrück unterstützt, so dass jährlich zwischen 300. 000 und 500. 000 Euro für die Forschungsarbeit zur Verfügung stünden."

    Varusschlacht: Forscher dürfen weitergraben

    Dem gegenübergestellt die eigentliche Ergebnisdokumentation der Grabungssaison aus dem Link des Museums:

    "Bei den diesjährigen Ausgrabungen hat das Grabungsteam um den örtlichen Grabungsleiter Marc Rappe eine Reihe von römischen Funden entdeckt, u.a. einen Schlüssel an einem römischen Fingerring oder eine schön gearbeitete Distelfibel. Wie auch bei anderen Grabungen in Kalkriese üblich, sind zudem viele Fragmente von römischen Ausrüstungsgegenständen aus dem militärischen und zivilen Bereich wie Schwertscheidenringe, Münzen, Knoten- und Kugelfibeln ans Tageslicht gekommen. Viele Funde wurden bei den diesjährigen Grabungen im Block, also zusammen mit dem umgebenden Erdreich geborgen. Auf diese Weise werden komplexe Fundzusammenhänge geschützt und eine anschließende fachgerechte Freilegung gewährleistet.

    An der Datierung des Kampfplatzes ändern die Befunde und Funde nichts. Nach wie vor geht das Kalkrieser Wissenschaftlerteam davon aus, dass es sich hier um ein Ereignis im Kontext der Varusschlacht handelt."

    Aktuelles aus Kalkriese | Forschung | Varusschlacht im Osnabrücker Land

    Angesichts der 127 000 Euro allein von Land Niedersachsen hätten die niedersächsischen Steuerzahlerinnen und - zahler da schon etwas mehr Informationen verdient finde ich. Gibt es hierzu eventuell noch weitere Veröffentlichungen außer den extrem teuren Jahrbüchern? Auswertungen brauchen natürlich ihre Zeit, werden Ergebnisse hier eventuell für das Vorjahr nachgereicht?


    Und was bedeutet 'Ereignis im Kontext der Varusschlacht'? Germanicus' dilettantische Rachefeldzüge als Reaktion auf die Varusschlacht könnten ja auch ein Ereignis im Kontext der Varusschlacht sein.
     
  13. Hermundure

    Hermundure Aktives Mitglied

    Guten Morgen,

    @Riothamus

    Was dieses Thema betrifft, so gibt es auf der Web-Seite des LDA Halle Informationen zu einzeln abgeschlossenen Grabungen (als PDF) und seit 2001 die Rubrik "Fund des Monats". Dort werden kleine Highlights (Funde) aus Grabungen präsentiert. Ganz nett gemacht.

    @LEG XVII

    das jetzt nur noch von einem "Ereignis im Kontext der Varusschlacht" bei Kalkriese gesprochen wird und nicht mehr vom "Schlachtfeld des Varus" ist doch ein erheblicher Fortschritt gegenüber den anderen Jahren. Sieh es positiv.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. November 2018

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