Kana'anäer vs Israeliten? Israeliten = Kana'anäer? - ethnische vs soziale Deutungen

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Altertum" wurde erstellt von Dieter, 2. August 2017.



  1. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    @Dieter: Niemand bestreitet die Existenz von Nomaden in Kanaan.

    Bestritten wir die Gleichsetzung [H]Apiru = Hebräer = Nomaden.
     
  2. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    So ist es falsch. Richtig wäre: "Davon erhob jede den Anspruch..."

    Wenn wir uns über den aktuellen Forschungsstand unterhalten wollen, müssen wir den aktuellen Forschungsstand zur Kenntnis nehmen. Hypothesen, die vor Jahrzehnten diskutiert und mittlerweile ad acta gelegt wurden, repräsentieren eben nicht den heute aktuellen Forschungsstand.

    Über Hypothesen haben wir uns jetzt genug ausgetauscht. Wann kommen wir mal zu den Fakten?


    Im letzten Beitrag schrieb ich:

    Was mich interessiert, sind jedenfalls nicht Meinungen, sondern Fakten. Im letzten Beitrag hatte ich Dich nach dem vorliegenden urkundlichen und archäologischen Material zu den Hebräern gefragt.


    Darf ich noch einmal danach fragen oder hat das bei Dir keinen Sinn?

    Clauss darf gerne bei seiner Meinung bleiben, er beansprucht ja auch nicht, den Forschungskonsens zu vertreten. Das geht schon aus seiner "Hebräer"-Definition im Vorwort hervor:
    Die Quellen aus der Zeit vor 1000 v. Chr. nennen die nomadischen Gruppen als solche jedenfalls weder "Hapiru" noch "Hebräer", und somit gibt es auch für uns keinen Grund, sie als "Hapiru" oder "Hebräer" zu bezeichnen.

    Und Nomaden gibt es auch heute noch auf der Halbinsel Sinai und im Negev, und es gibt auch heute noch keinen Grund, diese als "Hebräer" zu bezeichnen.


    Alle Wissenschaftler stimmen darin überein, dass es ein nomadisches Element gegeben haben muss.

    Und alle Wissenschaftler, die von den archäologischen Befunden ausgehen, stimmen darin überein, dass die Entstehung Israels in erster Linie auf dem Hintergrund der früheisenzeitlichen sesshaften dörflichen Bevölkerung des palästinischen Berglands zu sehen ist.

    "Innerhalb der Palästina-Wissenschaft besteht mittlerweile weitgehend Einigkeit darüber, dass die archäologischen Befunde der Eisenzeit-I in dieser Übergangsperiode keinen umfangreichen Austausch der Bevölkerung bezeugen.
    Die Vorfahren der früheisenzeitlichen Dorfbewohner sind demnach mehrheitlich nicht von außen nach Palästina eingedrungen, sondern stammen aus dem Kulturland selbst. Vereinzelt sind kleinere Gruppen während der Eisenzeit-I ins Land eingewandert, haben sich jedoch rasch an die Landeskultur angepasst..." (Jens Kamlah)


    Soweit würde ich nicht gehen.

    Aber wie sieht es denn mit dem urkundlichen und archäologischen Material aus?

    "Der Exodus – so wie die Bibel ihn schildert – ist nicht historisch. Die wichtigsten Gründe für diese aus historischer Perspektive eindeutige Aussage sind: (a) Die biblische Chronologie, die den Exodus 480 Jahre vor den Tempelbau datiert und damit um 1440 v. Chr. unter Pharao Thutmosis III. (1479 − 1425 v. Chr.) datiert, ist konstruiert und widerspricht gleichzeitig der Beteiligung der Israeliten am Bau der Ramsesstadt unter Ramses II. (1279 − 1213 v. Chr.). (b) Die in der Exoduserzählung berichteten Routen des Auszugs widersprechen sich. (c) Die Bibel geht in Ex 12,37; Num 11,21 von 600.000 Personen aus, in Num 1,46; 2,32 sogar von 603.550 wehrfähigen erwachsenen Männern. Eine solche Gruppe kann unmöglich in der Wüste überleben, dazu reichen die Wasservorkommen der natürlichen Quellen nicht aus. Abgesehen davon finden sich auf der Sinaihalbinsel keine archäologischen Spuren einer 40-jährigen Massenbewegung in der SB-Zeit [= Spätbronzezeit, B.S.]. (d) Die Oase Kadesch (‘Ēn el-Quudērat), in der sich Israel mehrfach und längere Zeit aufgehalten haben soll (Num 13,26; 20,1; Dtn 1,46 u.ö.), ist in der SB- bis zur EisenIIB-Zeit im 8. Jh. v. Chr. nachweislich nicht besiedelt. Vergleichbares gilt für Arad (Num 21,1), das ostjordanische Heschbon (Num 21,25f.) oder die Hafenstadt Ezjon-Geber (Num 33,35f.). (e) Für die Zeit der 19. − 21. Dynastie sind in Ägypten weder eine Massenflucht noch eine Massenvertreibung von Semiten nachweisbar. Ägyptische Quellen schweigen sich über den Exodus vollständig aus. Da auch keiner der biblischen Belege zeitgenössisch ist und deren Quellenwert zudem begrenzt bleibt, ist der historische Nachweis eines Exodus aussichtslos."
    (Christian Frevel, Grundriss der Geschichte Israels, zit. nach Barbara Schmitz)
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. August 2017
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