Katholisch oder Protestantisch???

Dieses Thema im Forum "Hexenverfolgung (1450-1750)" wurde erstellt von _SI_1, 29. Dezember 2011.



  1. _SI_1

    _SI_1 Neues Mitglied

    Hey ich stell euch jetzt eine Frage die mich schon sehr lange interessiert und zwar: Ob es simmt das Frauen die der Hexerei angeklagten wurden bei der evangelischen Kirche "fairer"(mit ganz vielen Anführungszeichen) Prozesse bekommen haben.
     
  2. Der Korinther

    Der Korinther Aktives Mitglied

    Hexenprozesse wurden nur in wenigen Fällen von der evangelischen bzw. katholischen Kirche betrieben. Die Prozesse fanden zumeist vor weltlichen Gerichten statt und auch die Ankläger rekrutierten sich häufig aus der nichtgeistlichen Bevölkerung.
    Die "Fairness" der Prozesse hing nicht von der Konfession der Gemeinden ab in der sie geführt wurden.
     
  3. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    die ersten modernen Gerichtsverfahren

    Hoi zäme

    Die „Hexenprozesse“ waren weltliche Verfahren, die Kirche spielte oft keine eine Nebenrolle. Man kann sogar sagen, die „Hexenprozesse“ waren die ersten modernen Gerichtsverfahren; Anklage, Verteidigung, Protokoll, Richtergremium und so weiter.

    Gruss Pelzer

    .
     
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  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Da vertust du dich mit den Inquisitionsverfahren, worunter die Hexenprozesse häufig fälschlicherweise subsumiert werden.
     
  5. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Meiner Meinung nach gibt es wohl auch keinen mehr oder minder fairen Prozess, in dem die Tortur als Beweisbeschaffungsmaßnahme angewendet wird. Da fällt die Konfession ohnehin hinten über.
     
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  6. Der Korinther

    Der Korinther Aktives Mitglied

    Da liegst du absolut richtig. Allerdings glaube ich mich erinnern zu können, dass in "Überwachen und Strafen" von Foucault das mittelalterliche bzw. frühneuzeitliche - von unserem sehr verschiedene Verständnis von Schuld und Unschuld - ganz gut beschrieben wurde. Kurz gesagt, wenn du denunziert oder verdächtigt wurdest warst du schon ein ganz kleines Bischen schuldig, was wiederum einen ersten juristischen Schritt, wie z. B. ein Verhör, rechtfertigte. Machte sich der Angeklagte hier noch verdächtiger rechtfertigte dies weitere Schritte etc. Das Ganze führte bis zu verschiedenen Stufen der Folter, die aber nur in - auf die Gesamtzahl der Prozesse betrachtet - geringem Ausmaß und dann auch zumeist sehr kontrolliert eingesetzt wurde. Der relativ geringe Anteil an Folter wie wir sie uns zumeist vorstellen erklärt sich aber aus der zumeist langen und unmenschlichen Haft während der Prozessdauer, die etliche Angeklagte "weichkochte".
    Dieses - uns nicht mehr vertraute - Verständnis von der "ansteigenden" Schuld führte natürlich zwangsläufig in die Richtung physischer oder psychischer Gewaltanwendung. Prozesse für Vergehen wie Diebstahl, Raub, Ehebruch, Gotteslästerung etc. gingen meist schneller und endeten mit Urteilen wie "Hand ab", "Kopf ab", "Bart ab". ;)
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Dezember 2011
  7. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Das Gerümpel in den Folterkammern z.B. alter Burgen hat mit der damaligen Wirklichkeit tatsächlich wenig zu tun.
    Es genügte schon oft allein die Drohung mit der Folter oder das bloße Anlegen der Daumenschrauben, um den Angeklagten zusammenbrechen zu lassen. Irgendwann war man durch die von Dir schon beschriebene Zermürbung derart demoralisiert, dass man ohnehin keine Zukunft mehr sah und dann alles zugab und mitmachte was von einem verlangt wurde. Der eine oder die andere gab sich dann vielleicht tatsächlich auch selbst die Schuld.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Dezember 2011
  8. Der Korinther

    Der Korinther Aktives Mitglied

    Es gab sogar Fälle in denen sich Personen freiwillig selbst anklagten ohne dass i irgendeiner Weise in diese Richtung Druck ausgeübt wurde. Im salzburger Raum kam es um 1680 zu massiven Hexenverfolgungen gegen Minderjährige (was eher eine Ausnahme ist). Von 140 Angeklagten waren etwa zwei Drittel unter 21 und das verbleibende Drittel hatte das 15. Lebensjahr noch nicht vollendet. Von diesen Prozessen wurden viele aufgrund von Selbstanklagen geführt. Dabei waren die Richter auch hier nicht gerade zimperlich und sprachen auch gegen die Selbstankläger Todesurteile aus.

    Das Beispiel zeigt, wie an anderer Stelle schon richtig angemerkt wurde, dass es keinen wirklichen Standard bei den Prozessen gab. Dementsprechend sind vergleichende Fragestellungen zumeist nur an Einzelbeispielen sinnvoll. Eine brauchbare Fragestellung die Hexenprozesse und Konfessionen zusammenbringt ist deshalb - zumindest nach meiner Meinung - eher schwer zu finden.
     
  9. Kassia

    Kassia Neues Mitglied

    Ein bißchen mehr Dynamik kam in das Verfahren, als die Hexenprozeßordnung der römischen Inquisition in der zweiten Hälfte des 17. Jh. die Runde machte. Vor der Inquisition wurde man tatsächlich besser behandelt. Allerdings hatte die Inquisition im Alten Reich nicht mehr viel zu melden. Südlich der Alpen wurde um 1620 ein Gesetz erlassen, daß verlangte, zauberische Personen, die anderen Schaden zugefügt hatten, direkt an die weltliche Justiz auszuliefern (die dann wenig zimperlich war). Deshalb wurde ein Verfahren entwickelt, möglichst wasserdicht zu beweisen, ob ein Schadenszauber vorlag oder nicht.
    Mehr dazu bei Rainer Decker "Die Päpste und die Hexen" und in einigen anderen seiner Aufsätze, die ich aber erst raussuchen müßte.
    Wenn du dich hier: HEXENWAHN - Ängste der Neuzeit
    mal durch die Aufsätze wühlen willst, dort wurde ein konfessioneller Zusammenhang insofern erwähnt, als es in protestantischen gebieten zu mehr Anklagen von Frauen kam, weil man sich den Hexensabbat als ein Geschehen ausschließlich von Frauen mit dem Teufel vorstellte, getreu der korrekten Überstzung Luthers von Ex 22,17: Die Hexe sollst du nicht leben lassen. In der Vulgata heißt es "Maleficos" also sind männliche Zauberer gemeint.
    Inwieweit das wirklich nachweisbar ist, daß es einen Zusammenhang mit dieser Übersetzung gibt, weiß ich nicht.

    Gruß
    Kassia
     
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