Kriegsrecht/Völkerrecht - historische Entwicklung

Dieses Thema im Forum "Kultur- und Philosophiegeschichte" wurde erstellt von silesia, 5. März 2008.

  1. Gandolf

    Gandolf Neues Mitglied


    auf "schlanke" 700 Seiten... - kaum mehr als eine "Zusammenfassung".

    Vom "Altertum" bis "1830" sind es "nur" 5.330 Jahre, wenn man das "Altertum" im Jahre 3.500 v. Chr. anfangen lässt. Das sind 7,61 Jahre pro Seite. Das ist ungefähr so, wie wenn man die Geschichte der BRD auf 8 Seiten "zusammenfassen" würde.=)
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. März 2010
  2. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Ei, da gackert das Milchmädchen...:yes:

    Ich hätte auf Anhieb nicht gewusst, wie man aus dem Altertum auch nur 10 Seiten "kommentierte Bibliographie zu Kriegs- und Friedenstheorien" zusammenbringen könnte. Denn ganze Jahrzehnte lang - z. B. 3310 bis 3230 und auch 2935 bis 2898 v.Chr. - soll ja rein gar nichts zum Thema publiziert worden sein (wegen Lieferproblemen bei den Steintafelfirmen)...

    (Ich kann die Gliederung per PN zuschicken, wenn's Dich interessiert.)
     
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  3. Gandolf

    Gandolf Neues Mitglied


    Normalerweise umschreibt man diese Zeit mit den Worten "um die Wende vom 4. zum 3. Jahrtausend v. Chr." und rettet sich schnurstracks zu den innerstaatlichen Kodifikationen Vorderasiens Ende des 3. Jahrtausends.=)
    Mach mal.
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Das kann nicht so stehen bleiben. Der Sachverhalt ist falsch, und die Kritik an Böhler ist nicht berechtigt.

    1. Hintergrund der Kritik von Böhler sind massenhafte Notgerichtsstände (später Nov.1939: Standgerichte) durch die Regiments-Kommandeure, die lediglich (Fassung August 1939) bei mangelnder "sofortiger Erreichbarkeit" des zuständigen Gerichtsherrn hätten handeln dürfen. Diese mangelnde Erreichbarkeit "nicht sofort" ist beim Verlauf des Polenfeldzugs nur in Ausnahmefällen anzunehmen, nämlich in den Fällen des mangelnden Kontakts des Regiments zum Divisionsgefechtsstand, was im Verlauf des Feldzugs kaum gegeben war. Bei den in Rede stehenden Aburteilungen war das nicht der Fall. Hier wären Ausnahme-Situationen wie an der Bzura oder Lemberg angesprochen, die sind aber nicht Gegenstand der Kritik. Bei den "Notgerichtsständen" handelt es sich somit übereilte Fälle, ganz abgesehen von den materiellen Verfahrensmängeln, Erklärung siehe unten.

    Im August 1939 geltende Fassung der KStVO:
    NB-ANNO+/Deutsches Reichsgesetzblatt Teil I 1867-1945


    Auch damit ist noch nicht die Tiefe der Darstellung von Böhler erreicht. Ausgangspunkt der Freischärler-Phobie der Wehrmachtseinheiten und der Notgerichtsstände nebst Exekutionen ist ua. die Dienstanweisung des OKH vom August 1939 über die vermutete "Kriegsführung der Polen", angelehnt an Freischärler-Phobien aus Belgien 1914. U.a. diese Schrift, die Vorkriegshetze der Propagandapresse und die mangelnde Gefechtserfahrung der Einheiten, führte zu den Reaktionen, wie Böhler herleitet.

    Zu den Begrifflichkeiten:
    2. Das "Standgericht" wurde mit dieser Bezeichnung am 14.11.1939 eingeführt, nach dem Polenfeldzug.
    NB-ANNO+/Deutsches Reichsgesetzblatt Teil I 1867-1945
    Der § 13a KStVO ergänzte die Neufassung des § 13 KStVO, alte Fassung:
    NB-ANNO+/Deutsches Reichsgesetzblatt Teil I 1867-1945

    Es handelt sich in der alten Fassung um den "Notgerichtsstand". Selbstverständlich behält das Kriegsgericht der Division seine Zuständigkeit auch für die einzelnen Regimenter, Allgemeiner Gerichtsstand: § 12.

    Der Einwurf liegt daher neben der Sache. Das Kriegsgericht der Division ist für behauptete Freischärlerfälle unverändert zuständig, "und kann das Verfahren jederzeit übernehmen" (§ 13a Abs. 3, § 13 Abs. 2 KStVO idF November 1939, ebenso die Vorfassung vom August 1939, siehe oben).

    Nun kann man sich mal fragen, warum die Kriegsgerichte der Divisionen, in denen u.a. im Zivilleben hauptamtliche Richter tätig waren, die Fälle nicht an sich gezogen haben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Juli 2010
  5. Dog Soup

    Dog Soup Neues Mitglied

    Danke für den Link! Aber der § 1 klingt für mich weder besonders kühn noch besonders neu. Das ist doch bloß ein Verweis darauf, dass das deutsche Völkerstrafrecht sich auf den Grundsatz universeller Gerichtsbarkeit bezieht, ohne den ein Strafrecht auf internationaler Ebene ja gar nicht möglich ist. Es beschränkt sich ja auch nur auf ganz bestimmte Formen von Verbrechen (Piraterie, Sklaverei, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen den Frieden, Völkermord, Folter - manchmal schließt die Liste auch Apartheid u.ä. ein). Für Piraterie beispielsweise hat dieser "kühne" Grundsatz quasi schon immer gegolten.

    In den Princeton Principles, die neulich (2001) vorgestellt wurden um das Prinzip universaler Gerichtsbarkeit besser zu erklären und besser anwendbar zu machen, wird die Idee dahinter nochmal schön zusammengefasst:

     
  6. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Den Link fand ich sehr informativ, auch als Verlängerung der bisherigen Darstellungen. Die bpb hat sich Mühe gemacht, dieses komplexe Thema sehr übersichtlich und interaktiv aufzuarbeiten.

    Informationsportal Krieg und Frieden - Krieg und Gewaltkonflikte

    Es wird ersichtlich, dass trotz des allgemeinen Rückgang an Gewalt und Kriegen, es weiterhin genügend Brennpunkte gibt.

    Einfach als Info, trotz gewisser Aktualität, und ohne weiteren Kommentar.
     
  7. Wuga

    Wuga Neues Mitglied

    Umsetzung

    Also, als Ex-Soldat mit entsprechender Einsatzerfahrung, möchte ich mal soviel dazu sagen:

    Der Grundsatz der Genfer Konvention, entstanden aus den Erfahrungen vergangener Kriege und der Fortschreibung des Völkerrechts, ist auf jeden Fall lobenswert und ehrenvoll. Allerdings ist es für den normalen Soldaten im Einsatz viel zu Umfangreich und sicher ohne juristische Vorbildung auch nicht jedem in allen Passagen verständlich.
    Um diesen Umstand abzufangen, werden zu jedem Einsatz (je nach Art, Umfang und Auftrag) entsprechende rules of engagement ausgegeben.
    Dabei handelt es sich um eine Zusammenfassung besonderer Rechte und Pflichten (z.b. Regelung des Schusswffengebrauchs auch gegen Zivilisten bzw. nicht rechtmäßiger Kombatanten). Bei der Betrachtung eines Kriegsverbrechens muss aber eine deutliche Unterscheidung zwischen vorsätzlich begangenen Verbrechen (z.b. geplante Erschießung von Zivilisten oder gefangenen Kombatanten, Geiselnahme etc.) und Situationsabhängigen Verbrechen gemacht werden.
    Unter Situationsabhängigen Verbrechen versteh ich in diesem Zusammenhang entsprechende Fehlverhalten die in Stresssituationen entstehen (in einem Gefecht liegt die Entscheidungszeit oft nur im Sekundenbereich und ein Staatsanwalt ermittelt Monate in diesem Vorfall...), unklare Befehlslagen (Vietnam: My Lai-Massaker) und die Verrohung durch erlebtes. Es darf nicht vergessen werden, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist und entsprechend in "Ur-Muster" der Evolution zurück verfällt.
     
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