Lager der Römer in Thüringen

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Arthur00He, 10. Mai 2014.

  1. Arthur00He

    Arthur00He Neues Mitglied

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  2. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Da hat vorhin schon Erich einen Post gesetzt: http://www.geschichtsforum.de/714897-post208.html

    es sind schon einige Pressemeldungen in Online-Medien erschienen:

    Römerlager in Thüringen: Archäologen finden Spuren am Kyffhäuser - SPIEGEL ONLINE

    Überreste von Römischem Heerlager in Thüringen entdeckt | MDR.DE

    Eine Datierung der Befunde steht allerdings noch aus.

    Sollten das augusteische oder tiberische Legionen gewesen sein, wird das die Varusschlacht-Threads wieder füllen...:grübel:

    Aber immerhin interessant, dass so weit im Osten die Römer operiert haben.
     
  3. Arthur00He

    Arthur00He Neues Mitglied


    hatte ich nicht gesehen.

    Interessant auch, daß wahrscheinlich weitere Lager der Römer im Umkreis vermutet oder evtl. schon untersucht werden. Der letzte Absatz des Artikels läßt zumindestens solches offen.

    Arthur
     
  4. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied


    Die Legion hat sich ja nicht nach Thüringen "hingebeamt". Die Römer müssen von ihren Hauptstützpunkten (am Rhein, Main oder Lippe) einen Anmarschweg zurückgelegt haben, und dann sollte man entlang ihrer Marschroute (wie immer sie aussehen mag) in Tagesmarschreichweite weitere Marschlager erwarten.
     
  5. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    Faszinierend – sieht zwar "nur" nach einem Marschlager aus, aber der alte Anspruch von der Eroberung Germaniens bis an die Elbe bekommt so einen 1a Beleg.
     
  6. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    hier noch ein etwas ausführlicher Artikel:

    ? Römische Truppen in Thüringen ? [Archäologie Online] ? ?

     
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  8. LEG XVII

    LEG XVII Aktives Mitglied

    Kommt drauf an wann die Römer in Hachelbich waren. Wenn dies nach 7 v. Chr. war, war Hedemünden wahrscheinlich schon aufgelassen, da die Römer m. E. zu dieser Zeit offensiv eingestellt waren dürfte sich das neue dieses Gebiet sichernde Kastell weiter östlich befunden haben. Ein Standort direkt im Thüriger Becken wäre vorteilhaft gewesen, Mühlhausen z. B., dort beginnt wieder landwirtschaftlich hochqualitatives Gebiet (Schwarzerde), was den Betrieb des Lagers aufgrund der besseren Möglichkeit der lokalen Versorgung mit Lebensmitteln vereinfacht hätte.
     
  9. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    möglicherweise:
    dazu hat Ashigaru schon in einem anderen Thread etwas verfasst:

    Schon merkwürdig, sonst haben die Römer überall ihre Münzen verloren, aber diesmal ist wohl (bisher zumindest) nichts dabei. Das würde doch die Datierung wesentlich vereinfachen.:yes:




    Wir wissen nicht, wann das Marschlager entstanden ist. Nach den Artikeln hat man nur wenig Material gefunden. Danach wird eine Datierung in die ersten drei Jahrhunderte n. Chr. vorgenommen. Ob das Marschlager in Zusammenhang mit der römischen Okkupation der Zeitenwende oder einem der späteren Militäroperationen steht, ist vollkommen ungeklärt.

    Wir wissen nur, dass zwischen dem Ende des 1. Jhdt. v. Chr. und dem 3. Jhdt. n. Chr. eine größere Römereinheit auf dem Weg nach irgendwo von irgendwo anders ein oder mehrere Nächte dort ihre Zelte aufgeschlagen haben.

    Ob nun östlich davon ein größeres, fest ausgebautes Kastell bestand, ist reine Spekulation. Ob sie nun wegen der guten Erde weiter in den Osten marschierten, ist auch reine Spekulation.
     
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  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Denkbar wäre also sogar ein Zusammenhang mit dem Harzhorn, etwa - reine Spekulation - ein Sommer-"Straffeldzug" gegen den Uhrzeigersinn um den Harz herum (Hinweg: Werra-Hachelbich, Rückweg nördlich des Harzes und dann Schwenk nach Süden auf Kassel zu), oder eben in Gegenrichtung?
     
  11. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    der Feldzug gen Norden von Kaiser Maximinian Thrax

    so lange das Marschlager nicht datiert ist, ist allerlei möglich vom Harzhorn über Strafexpeditionen bis Thrax

    faszinierend allerdings daran ist, dass römische Truppen archäologisch nachweisbar (!) so weit gen Osten operierten.
     
  12. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    Die Fibelreste, die ich auf den Bildern gesehen habe, deuten ziemlich ins 1. Jh.
     
  13. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Hättest du einen Link, wo es eine Abb. der Fibel gibt; ich finde keine (oder sehe sie nicht) auf den vorhergehend geposteten.
     
  14. LEG XVII

    LEG XVII Aktives Mitglied

    Stimmt, das wissen wir alles nicht. Keine Spekulation ist es aber, dass die Betriebskosten ein größeres Minimierungspotential haben als Investitionsausgaben, und dass das auch für römische Kastelle in Germanien galt. Das sollten wir bei der Suche nach dem Hedemünden Nachfolger (wie auch bei der Suche nach Aliso) im Hinterkopf behalten.
     
  15. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied

    Ich finde das wirklich einen tollen Fund. Stück für Stück erschließen sich uns die Marschwege römischer Truppen in der Germania Magna.

    Die Druckversion von "Archäologie in Deutschland"Ausgabe 3-2014 gibt mehr Details als die Online-Artikel:

    Was wurde gefunden?

    Eine römische Fibel aus der Mitte des 1. Jahrhunderts uZ. Diese ist also nach

    - den Drusus-Feldzügen
    - nach der Varus-Statthalterschaft
    - nach den Tiberius-Aufenthalten

    entstanden. Der genaue Fundort der Fibel ist in dem Artikel nicht angegeben.

    Desweiteren vier Schuhnägel der jüngeren Form ohne Noppen oder Stege (es wäre schön, wenn unsere Spezialisten die Nägel für uns zeitlich einordnen könnten. Jüngere Form sagt ja jetzt wenig)

    Die Grabenverfüllung lässt schon etwas über die Zeitstellung erahnen

    Ein großer Holzrest aus der untersten Verfüllung des Spitzgrabens wurde nach 14C-Datierung auf 50 vuZ bis 125 uZ datiert. Das wiederum lässt alles offen, von Cäsar bis nach Hadrian ist damit alles möglich. Schließlich sagt der Zeitraum ja nur, wann der Baum seinen Weg in den Hades angetreten hat. Wann er in die untere Verfüllung des Grabens gelangt ist, kann daraus nicht sicher abgeleitet werden.

    Aus der obersten Füllschicht des Spitzgrabens wiederum stammt eine römische Fibel aus dem 3. bis frühen 4. Jahrhundert

    Aus der oberen Füllschicht des Grabens stammt noch ein Kalbsschädel, welcher nach 14C-Datierung von 420 bis 550 uZ stammt.

    Fazit der Ausgräber in dem Artikel:

    Es stehen zwei Datierungsansätze in der Diskussion. Das Marschlager stammt aus den

    - Chattenkriegen (2. Hälfte 1. Jahrhundert uZ)

    - Unternehmungen der 1. Hälfte des 3. Jahrhunderts

    Die ältere Fibel unterstützt die Datierung in die Chattenkriege. Auch das gefundene Holzstück in der untersten Füllschicht des Spitzgrabens deutet eher auf Domitian.

    Die jüngere Fibel könnte ein Hinweis auf Maximinus Thrax sein. Jedoch findet man diese Fibel in der obersten Füllschicht des Grabens. Wenn die Römer nun nicht den Graben selbst wieder verfüllt haben, lag der Bau des Marschlagers wohl schon länger zurück als die jüngere Fibel verloren ging.

    Theoretisch könnte es ja auch sein, dass die Römer mehrmals diesen Ort aufgesucht haben. Jedoch ist der Zeitraum zwischen den beiden Ereignissen doch arg groß. Dann müsste man eher zwei Marschlager finden, welche sich sicherlich überschneiden müssten.

    Mein Favorit ist hier Domitian. Wobei der Fundort an einen alten Ost-West-Korridor liegt, welche das Werra-/Wesertal über das Obereichsfeld mit dem Thüringer Becken verbindet. Dann wären die Römer unter Domitian wohl von der Werra aus gen Osten marschiert oder fanden sich von Osten kommend auf den Weg dorthin.

    Es bleibt spannend hinsichtlich dieser neuen Fundstelle
     
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  16. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    Uh, ich muss mich korrigieren. War nur 'n Nagel.
     
  17. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied


    Interessant ist der Kalbsschädel und die jüngere Fibel. Möglicherweise haben einheimische Germanen in dem dann jahrhundertealten Graben (oder was davon noch übrig war) ihren Müll entsorgt.
     
  18. Divico

    Divico Aktives Mitglied

    Wenn man sich heute vom Harzhorn nach Hachelbich begibt, liegt direkt an der kürzesten Verbindung und dazu noch genau auf halber Strecke der sogenannte Römerstein südwestlich von Bad Sachsa.

    Der Römerstein ist eine natürliche Felsformation; wie er zu seinem Namen kam ist unbekannt. Hier die genauen Koordinaten: 51.575494, 10.524505
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Mai 2014
  19. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Gibt es dazu (zur Fibel) eine Abbildung?
     
  20. Divico

    Divico Aktives Mitglied

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