Literatur Balkankonflikt

Dieses Thema im Forum "Russland | Sowjetunion | Osteuropa" wurde erstellt von leveller73, 3. Oktober 2016.

  1. leveller73

    leveller73 Neues Mitglied


    Hallo zusammen,

    kann mir jemand die wichtigsten Standardwerke zum Thema "Balkan-Konflikt", "Jugoslawienkrieg" nennen?
     
  2. andreassolar

    andreassolar Mitglied

  3. Dieter

    Dieter Premiummitglied


    Begleitend zur ereignisgeschichtlichen Situation kannn ich dir ein Buch empfehlen, das die ethnische Dimension anhand von 10 Konfliktherden zeigt, und Gegenwart und Vergangenheit beleuchtet. Dabei geht die Autorin folgenden Fragen nach: 1. Welche Identitätsmuster und welche Formen von Identitätspolitik sind bei den aktuellen Konflikten in Südosteuropa wirksam? 2. Wie ist der Faktor Identität als Teil der Politik in die Debatte um Grundwerte von Gesellschaften, Staaten und internatonalen Konflikten einzuordnen? 3. Welches Konzept bietet sich an, um die mit dentitätspolitik verknüpften innerstaatlichen und internationalen Konflikte friedlich zu lösen? (

    Sabine Riedel, Die Erfindung der Balkanvölker. Identitätspolitik zwischen Konflikt und Integration, Wiesbaden 2005

    Das Buch ist im Verlag für Sozialwissenschaften erschienen und hat 386 Seiten.
     
  4. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Dieser Empfehlung kann man sich bei einem schnellen Durchsehen absolut anschließen und noch kurz ergänzen durch die Beschreibung bei gesis.

    Riedel, Sabine - Die Erfindung der Balkanvölker - Sowiport

    Die Verfasserin analysiert aktuelle Identitätskonflikte in Südosteuropa aus konstruktionstheoretischer Perspektive. Hierzu werden zehn Fallbeispiele herangezogen: (1) der serbisch-kroatisch-muslimisch/bosnjakische Identitätskonflikt in Bosnien-Herzegowina, (2) der albanisch-serbische Identitätskonflikt im Kosovo, (3) der gegisch-toskische Identitätskonflikt in Albanien, (4) der albanisch-mazedonische Identitätskonflikt in Mazedonien, (5) der bulgarisch-mazedonische Identitätskonflikt, (6) der griechisch-mazedonische Identitätskonflikt, (7) der türkisch-griechisch-pomakische Identitätskonflikt in Griechenland, (8) der türkisch-bulgarisch-pomakische Identitätskonflikt in Bulgarien, (9) der rumänisch-moldauisch-russische Identitätskonflikt in der Republik Moldau und (10) der ungarisch-rumänische Identitätskonflikt in Siebenbürgen. Die Untersuchung zeigt, dass Identitätspolitiken durch interessierte politische Akteure konstruiert werden, der Machtgewinnung und Machterhaltung von Eliten dienen und aufgrund der Konkurrenzsituation häufig zu politischer Instabilität und gewaltsam ausgetragenen Konflikten führen.

    Der letzte, zusätzlich markierte Punkt ist besonders relevant und verweist einmal mehr auf die verheerende Funktion eines militanten Nationalismus.

    Eine nationalistisch inspirierte und ethnisch und religiös begründete "Identitätspolitik" verschärfte vor allem die innen- und außenpolitische Situation auf dem Balkan seit dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts und war eine der Gründe für den WW1.

    Und es wird deutlich, wie kritisch diese neue Form von extremen Nationalismus nach dem Zusammenbruch von "Jugoslawien" die Balkanregion destabilisiert hat. Nicht zuletzt, weil diese neue Form des extremen und teilweise auch militanten Nationalismus zunehmend in der politischen Arena mit "Identitätspolitik" umschrieben wird.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Oktober 2016

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