Luftkrieg: Atombombenabwurf auf Hiroshima - warum dort?

Dieses Thema im Forum "Der Zweite Weltkrieg" wurde erstellt von naty, 6. Juni 2010.



  1. hatl

    hatl Premiummitglied

    Das war eigentlich keine Frage August 1945.
    Churchill (Der Zweite Weltkrieg) erinnert sich, dass sich eine solche gar nicht stellte, nachdem die Möglichkeit bestand das Grauen des Krieges zu beenden.
    Kurz vorher war zudem ein konventioneller Luftangriff auf Tokyo erfolgt, mit der Folge von mindestens vergleichbaren Opferzahlen zu Hiroshima und Nagasaki.
    Zu diesem Zeitpunkt hatte die US-Airforce ohnehin demonstriert, dass sie japanische Städte in Grund und Boden bomben konnte und auch würde.
    Die USA hatten, wie andere auch, riesige militärische Komplexe eben zu solchem Zweck aufgebaut.
    Was sie von allen anderen Mächten jedoch unterschied: ein sehr beträchtlicher Teil dieser Anstrengungen richtete sich auf die Atombombe (da noch Spaltungsbombe).
    Es wurden Hanford und Oak Rich als gewaltige Industriekomplexe aus dem Boden gestampft, nur um (1945) den Stoff für drei Bomben erzeugen. Der Energieverbrauch, aus dem Stromnetz, dieser Anlagen, wenn ich es recht erinnere, übertraf nach Rhodes, die der gesamten drei führenden Unternehmen der USA zusammen. Ca. 6,5% des Gesamtverbrauchs.
    Es wäre ja nach wirtschaftlich-militärischer Logik geradezu widersinnig die Frucht solcher großen Bemühungen nicht ernten zu wollen.
     
  2. querdenker SZ

    querdenker SZ Aktives Mitglied

    Die Japaner wolten doch garnicht kapitulieren..die hatten ihren irren Ketsu-Go Plan den auch der Tenno abgesegnet hatte...und selbst nach den beiden Atombomben wollten noch Hardliner die Radioansprache des Tenno verhindern und weiter kämpfen....

    Den Japanern war völlig klar dass sie den Krieg nicht gewinnen konnten aber sie setzten darauf den Alliierten so schwere Verluste bei zu bringen dass diese zu einem Frieden bereit waren ......

    Dabei waren sie wirklich bis zum Äußersten bereit :
    Am 23. März verfügte das Kabinett zudem die Mobilisierung der gesamten Bevölkerung, das japanische Gegenstück zum „Volkssturm“. Alle Männer im Alter von 15 bis 60 Jahren und alle Frauen von 17 bis 40 Jahren waren betroffen. Allein für Kyushu betrug die Zahl dieser Kämpfer mehr als eine Million.

    Da es weder ausreichend Waffen noch Uniformen gab, wurden primitive Stoßwaffen wie Holz- und Bambusstangen verteilt. Dem Schulmädchen Yukiko Kasai wurde eine Ahle ausgehändigt mit den Worten [1]:

    Even killing just one American soldier will do. […] You must aim at the enemy’s abdomen.

    Der letzte japanische Ministerpräsident sagte nach dem Krieg zu diesem Plan und den Atombomben :

    Wenn die Amerikaner in der Lage waren, Japan einfach Stück für Stück zu vernichten, würde es keine Invasion geben. Ohne Invasion war Ketsu-Go sinnlos. Eine Kapitulation war der am wenigsten schlechte Schritt. Nicht alle japanischen Militärs folgten dieser Logik – viele wollten bis zum „ehrenvollen“ Untergang weiterkämpfen. Aber genug, um den Krieg zu beenden. Auch beim Kaiser hatte ein Umdenken stattgefunden.​
    https://usaerklaert.wordpress.com/2...en-japan-teil-3-ketsu-go-japans-letzter-plan/

    Auch noch interessant :
    Am 20. Januar 1945 wurde mit dem Segen des Kaisers die entsprechende strategische Direktive erlassen.

    (Erst spät wurde bekannt, dass Hirohito mehr tat als nur formell die Entscheidung abzunicken. In seinen Memoiren, die bis zu seinem Tod 1989 zurückgehalten wurden, bestätigte er, noch bis Juni mit ganzem Herzen diese Strategie unterstützt zu haben. Das ist einer der Gründe für die bis heute auf verschiedene Arten vorgetragene Forderung, Hirohito als Kriegsverbrecher einzustufen.)




     
  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Zwei neuere Aufsätze:

    Francis Pike (2016) THE DEVELOPMENT OF A DEATH CULT IN 1930s JAPAN AND THE DECISION TO DROP THE ATOM BOMB, Asian Affairs, 47:1, 1-31
    Online:
    http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/03068374.2015.1128682?src=recsys

    Zum Medieninteresse der Okinawa-Schlacht und der amerikanischen Verluste:
    Sarantakes, Nicholas Evan. Warriors of Word and Sword. The Battle of Okinawa, Media Coverage and Truman's Reevaluation of Strategy in the Pacific
    Journal of American-East Asian Relations 23.4 (2016): 334-367.
     

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