Mohammad Reza Pahlavi

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten in der Neuzeit" wurde erstellt von Osman61, 18. Januar 2011.

  1. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter


    Zwei neuere Dissertationen, die die außenpolitischen Konstellationen vor dem Sturz des Schahs untersuchen.


    Sheikh: Iran, Persian Gulf and relations with the United States : the myth of hegemony (1968-75), 2014
    Iran, Persian Gulf and Relations with the United States: The Myth of Hegemony (1968-75) - Durham e-Theses
    Analysing “Top-Secret” diplomatic correspondence detailing the Shah-US undertakings on these controversies, this study instead claims that the Shah wanted closer relations with all the conservative Arabs and revolutionary Iraq to protect the region from the US “bargains” with the Soviets. He actually protected his Sheikhly Arab neighbours from the Western military threat during 1968-71; extended direct security guarantees to Saudi Kingdom and Pakistan during 1972-75; and never harboured ambitions to take a security role under Nixon Doctrine thrgouh an aircraft Carrier navy well after 1971. The work discovers that the Shah had actually become resistant to President Johnson and Nixon’s advice on Iran’s security and relations with the Soviet Union, after refusals to provide necessary defensive weapons; threatening the Shah with arms embargoes and refusing any security guarantee to Iran from the Soviet, Nasserite or the Marxist threats during 1967-72. In fact, the study suggests that contrary to the stated objectives for US stationingthe MIDEASTFOR in Bahrain as security presence, Nixon intended to increase his bargaining position viz-a-viz the Soivet vulnerability along the southern borders; seek Soviet restraint against Europe and agree to Strategic Arms Limitations.

    Alvandi: Nixon, Kissinger and the Shah : US-Iran relations and the Cold War, 1969-1976, 2011
    ORA Thesis: "Nixon, Kissinger and the Shah: US-Iran relations and the Cold War, 1969-1976" - uuid:52d2d8e8-f8d1-4632-aee9-9734585ce9e9
    This thesis examines the nature and dynamics of U.S.-Iran relations during the Cold War under the leadership of U.S. President Richard Nixon, his adviser Henry Kissinger, and Shah Mohammad Reza Pahlavi of Iran. This revisionist account critically examines the popular view of Mohammad Reza Shah as a mere instrument of American strategies of containment during the Cold War. Relying on recently declassified American documents, British government papers, and the diaries, memoirs and oral histories of Iranian actors, this thesis restores agency to the shah as an autonomous Cold War actor and suggests that Iran evolved from a client to a partner of the United States under the Nixon Doctrine. This partnership was forged during Nixon’s first term in office between 1969 and 1972, as the United States embraced a policy of Iranian primacy in the Persian Gulf region. Thanks to a long-standing friendship with the president, the shah was able to exercise extraordinary influence in the Nixon White House. This partnership reached its peak during Nixon’s second term as the United States supported Iran’s regional primacy against the challenge from Iraq. The shah drew Nixon and Kissinger into Iran’s secret war against Iraq in Kurdistan in 1972, by portraying Iran’s long-standing regional conflict with Iraq as a Cold War confrontation with the Soviet-backed Ba’th regime in Baghdad. When the shah unilaterally decided to abandon the Kurds in a deal with Iraq’s Saddam Hussein in 1975, Kissinger had little choice but to acquiesce, despite the personal embarrassment and domestic recriminations that followed. The U.S.-Iran partnership declined following Watergate and Nixon’s resignation in 1974. In spite of the best efforts of the shah and Kissinger, between 1974 and 1976 the United States and Iran were unable to reach an agreement on U.S. nuclear exports to Iran. President Gerald Ford tried to impose a discriminatory nuclear agreement on Iran that was rejected by the shah because it violated Iran’s national sovereignty. Under Ford, the United States reverted to treating Iran as a client rather a partner of the United States.
     
  2. Ertosh

    Ertosh Neues Mitglied

    Ich könnte viel über den Shah schreiben, aber ich belasse es bei den Gründen für seinen Sturz.

    1. Seine Bodenreform richtete sich an erster Stelle gegen die ehemalige turkstämmige Dynastie der Qajaren. Die übrig gebliebenen Eliten dieser Dynastie waren Großgrundbesitzer (u.a. auch Mossadegh) welche iranische Bauern über Jahrhunderte ausbeuteten. So verschaffte sich der Shah Feinde unter ihnen.

    2. Seine Bodenreform richtete sich auch gegen die schiitische Geistlichkeit, welche über sehr viel Land im Iran verfügte. Diese Reichtümer der Geistlichkeit waren ein "Verdienst" der Safawiden- Dynastie. Zusammen mit den gesellschaftlichen Reformen wie der Gleichstellung der Frauen, verschaffte sich der Shah einen mächtigen Gegner.

    3. Nach der Operation Ajax, war der Shah komplett vom Westen abhängig, was natürlich einen anti- kommunistischen Weg forderte. Der Sozialismus jedoch war in den 60er und 70er Jahren im Nahen Osten sehr populär. Auch im Iran. Seine Taten waren zwar oftmals revolutionistisch und teils auch im Interesse des Irans, nichtsdestotrotz baute er um sich herum eine reiche Elite auf, welche vom Savak beschützt wurde. Dies war der Grund weshalb sich die starke Tudeh- Partei gegen den Shah richtete.

    4. Der Shah war zwar vom Westen abhängig, aber er versuchte sich auch ein wenig vom Westen zu emanzipieren. Es gibt Interviews vom Shah wo er die Vorherrschaft der "weißen Rasse" anprangert. Seine indirekte Rolle in der Ölkrise darf auch nicht vergessen werden genauso wie die Verstaatlichung der iranischen Ölgesellschaft.
     
  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter


    3. und 4. muss man wohl sehr differenziert sehen, wie die beiden oben verlinkten Arbeiten zeigen.

    1. und 2. ist interessant. Welche Teile der Gesitlichkeit waren von den Bodenreformen betroffen, wie äußerte sich der schiitische Widerstand in Sachen Bodenreform? Wie äußerte sich der Widerstand der großgrundbesitzenden Oberschicht?
     
  4. Martin Eibert

    Martin Eibert Neues Mitglied

    mit Khomeini begann die islamische Restauration,
    was mich immer wieder wundert, wieso liesen die Franzosen Khomeni in den Iran fliegen, waren die froh dass sie ihn loswurden, wieso wollten die den Schah stürzen, hatten die keine Vorstellung was die islamische Restauration bedeuten würde?
     
  5. Lafayette II.

    Lafayette II. Mitglied

    Weil bei der Konferenz von Guadeloupe die Regierungs- und Staatschefs von Frankreich, Deutschland, den USA und Großbritannien beschlossen wurde, den Shah nicht mehr zu unterstützen und stattdessen das Gespräch mit Khomeini zu suchen.
     
  6. Armer Konrad

    Armer Konrad Aktives Mitglied

    In den Gefängnissen des Schahs wurde (auch) gefoltert. Das sollte eigentlich für eine Einschätzung reichen.
     
  7. Martin Eibert

    Martin Eibert Neues Mitglied

    die haben doch Khomeni falsch eingeschätzt, allen voran die USA
    Bzw. ich verstehe generell die USA nicht: Khomenei und Taliban werden von den USA aufgebaut- kurzichtige Politik oder nicht?
     
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Vorab: es geht in diesem Thema um den Iran den Schah, und sicher im Kontext um Khomeini, nicht aber um die Taliban.

    Die - neutral formulierte - Fehleinschätzung in Guadeloupe kann man sicher diskutieren, und inwieweit diese auch in der Außenpolitik der USA vorlag.

    Wie kommst Du auf die Idee, die USA hätten Khomeini "aufgebaut"?
    https://de.wikipedia.org/wiki/Ruhollah_Chomeini#Die_Jahre_im_Exil
    https://en.wikipedia.org/wiki/Ruhollah_Khomeini#Opposition_to_the_White_Revolution

    ... bevor man zum Urteil "kurzsichtig" kommt?
     
  9. Martin Eibert

    Martin Eibert Neues Mitglied

    mit aufbauen- meinte ich die vorhin erwähnte Konferenz von Guadeloupe , und dass Frankreich Kohmeini im Exil gewähren lies und Kohmeini mit Air France in den Iran fliegen konnte. Aufgebaut ist übertrieben aber retrospektiv betrachtet hätte sich der Westen sicherlich anders verhalten, hätte er die Auswirkungen und die Bedeutung Kohmeinis für die islamische Restauration erkannt. Mit Kohmeini iranischen Gottesstaat, begann doch die ganze islamistische Misere.
    Der Flug Kohmeinis in den Iran erinnert mich an die Zugfahrt Lenins mit der deutschen Reichsbahn Richtung Russland.
    Egal ob man sagt man hätte die Entwicklung nicht aufhalten können, der Einflug Kohmeinis war der Todesstoß für die säkulare Opposition, Vielleicht hatte man Angst bei einem Sturz auf der falschen Seite zu stehen, vielleicht betrieben auch Europa und USA eine unterschiedliche Iran-Politik.
    übrigens habe ich die Politik nicht als kurzsichtig bezeichnet, sondern gefragt ob diese Politik kurzfristig war oder nicht? Interessant wären da damalige interne Dokumente in denen die Lage analysiert wurde.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. September 2015
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    "In dieser Konstellation entwickelten die Planungsstäbe der Bundesregierung eine sehr pragmatische Position zur ausbrechenden Revolution: Nicht Khomeini, „nicht der Schah, sondern das potentiell reiche Land [sei] unser Partner“, hieß es in einer Vorlage für Bundeskanzler Helmut Schmidt"*

    usw. usf.

    Vfz 2015, S. 319ff.
    Frank Bösch: Zwischen Schah und Khomeini - Die Bundesrepublik Deutschland und die islamische Revolution im Iran

    * Vorlage für Bundeskanzler Schmidt, Referat 213 vom 6.2.1979, und Referat 311 vom 5. 2. 1979, in: BArch, B 136/16651.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. September 2015
  11. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Hauptgrund für die Unterstützung Khomeinis war doch die Angst vor der Tudeh und den Volksmudschahedin. Man fürchtete, der Iran würde sich nach der Revolution der Sowjetunion zuwenden.

    Khomeini und die gesamte islamische Geistlichkeit wurden wenig ernst genommen, wurden eher als religiöse "Spinner" eingeschätzt, von denen man glaubte, sie leicht kontrollieren zu können.
     
  12. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Das ist genau der Punkt (vgl. beispielshaft Leebaert, S. 476 ff).

    https://books.google.de/books?id=nXpglgEACAAJ&dq=leebaert&hl=de&sa=X&ved=0CDsQ6AEwAzgKahUKEwjlxfXJ1ZvIAhVBVSwKHSLkA6Y

    Im August 78 stellte der CIA fest, dass es im Iran noch nicht einmal eine "pre-revolutionary situation" geben würde. "Rheza Shah was predicted to be securely enthroned for at least another ten years. He fell within months, to be replaced not by the pro-Soviet Tudeh Party (which Washington had long seen as the likely threat), but by something much stranger." (S. 476-477)

    Und bei Weiner (Legacy of Ashes. The History of the CIA") wird es auf den Punkt gebracht, "We did not understand who Khomenei was".

    Diese komplette Unfähigkeit einer angemessenen Beurteilung kann man als generelles Ergebnis in der Literatur wiederfinden. Erstaunlich und ausgesprochen erschreckend.

    Diese ganze Entwicklung steht unter dem Zeichen der Interpretation von Konflikten unter der polaren Sicht des Kalten Krieges. Und hat den Blick verstellt für die regionalen Entwicklungen und für die Notwendigkeit, die nationalstaatliche Entwicklung und die kulturelle Identität von Nationen als eigenständige Entwicklung zu betrachten.

    Es ergeben sich dabei Ähnlichkeiten zur - falschen - Einschätzung der Situation in Afghanistan und der kompletten Region des Mittleren Osten durch die USA / CIA und der Besetzung durch die UdSSR.

    Mit den Ergebnissen dieser teils post-kolonialen Anmaßung, eine Spätfolge des "Great Games" und der damit verbundenen politischen und wirtschaftlichen Interessen (vgl. M. Kent: Moguls and Mandarins. Oil, Imperialism and the Middle East in British Foreign Policy, 1900-1940) und dem Unterordnen unter die Sichtweise des Kalten Krieges muss die Region wohl offensichtlich noch lange leben bzw. zynisch formuliert, eher sterben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. September 2015
  13. Lafayette II.

    Lafayette II. Mitglied

    Wenn ich mich richtig erinnere, dann wollte man die antikommunistischen Kräfte der islamischen Bewegung als auch des Militärs nutzen, um eine neue, prowestliche Regierung einzusetzen.
     
  14. Martin Eibert

    Martin Eibert Neues Mitglied

    danke für eure letzten Beiträge
    auffallend ist doch dass das von thanepower beschriebene politische Verhalten sich immer noch wiederholt, obwohl man doch z.B. aus der Khomeini -Sache hätte lernen sollen / können.
     
  15. Lafayette II.

    Lafayette II. Mitglied

    Das ist der Mensch.
     
  16. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    So sah das aus:

    "Außenminister Hans-Dietrich Genscher verkündete schon in der Kabinettssitzung am 14. Februar 1979 „die Fortsetzung der freundschaftlichen Beziehungen“ und Schmidt vermeldete ein Glückwunschtelegramm an Bazargan, den er dem demokratischen Lager zurechnete.* Während die SPD-Führung mit anti-amerikanischem Einschlag die Anerkennung der Revolution forderte, da der „Shah ein undemokratischer Bündnispartner des Westens“ gewesen sei, betonten das Auswärtige Amt und die Botschaft in Teheran erleichtert, dass im neuen iranischen Kabinett keine „links-extremen Kräfte“ vertreten seien und Bazargan eine effektive Kontrolle über das Land erreicht habe.

    Ähnlich reagierten auch die westlichen Nachbarn. Frankreich und Großbritannien erkannten die neue Regierung ebenfalls mit antikommunistischen Argumenten an... Noch deutlicher formulierte dies Präsident Valéry Giscard d‘Estaing gegenüber Bundeskanzler Schmidt: Da bei einem Sieg der Linken keine Wirtschaftsbeziehungen möglich seien, hoffe er „auf einen Sieg Khomeinis – wenn dieser auch sehr hart und blutrünstig sei, und auf eine Niederlage von dessen Gegenspielern sowie den Kommunisten“.** Am 23. Februar resümierten schließlich auch die NATO-Außenminister:*** „Nur Khomeini verfügt über eine genügend breite Basis. Jede andere Lösung ist unter den gegebenen Umständen für den Westen schlechter.“"


    * Kurzprotokoll Kabinettssitzung, 14.2.1979, Sprechzettel Bundeskanzler, 15.2.1979, in: BArch, B 136/16651

    ** Gesprächsaufzeichnung Gistard d’Estaing-Schmidt vom 23.2.1979, in: AdSD, 1/HSAA006730

    *** Botschafter Pauls, Brüssel, an AA vom 21. 2. 1979, in: AAPD 1979, Bd. 1, Dok. 49, S. 207–213, Zitat S. 208

    Quelle VfZ 2015, S. 327/328
     
  17. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Gibt es eigentlich irgendwelche neueren Erkenntnisse zum plötzlichen Tod Ayatollah Talleghanis, womit dann auch die Idee eines sozialistischen Islam zu Grabe getragen wurde?
     
  18. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ist mir nichts bekannt.

    Vielleicht geben irgendwann mal iranische Archive etwas her.
     

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