Mord an Caesar bei Plutarch und Sueton

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Lexius, 18. November 2017.

  1. Lexius

    Lexius Mitglied


    Hallo an alle

    Ich habe eine Frage zum Mord an Caesar. Und zwar schreiben sowohl Sueton, als auch sinngemäß Plutarch:


    Sueton: "Die Beratungen, welche bisher zerstreut und oft nur von zwei bis drei Verschwornen abgehalten waren, wurden jetzt in einer allgemeinen Versammlung vorgenommen, da auch das Volk nicht einmal mehr mit dem gegenwärtigen Stande der Dinge zufrieden war, sondern heimlich und öffentlich seinen Widerwillen gegen die Form der absoluten Herrschaft zu erkennen gab und nach Befreiern verlangte."

    Ist das denn wahr? Wir wissen ja von Caesar, dass er von Beginn an das Volk auf seiner Seite hatte, wie stand es denn nun unmittelbar vor dem Mordanschlag? Schließlich schreibt Sueton ja auch später, dass der Mord eher eine Befreiung der Aristokratie, denn der Republik sei.
     
  2. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Meinungsumfragen gab es leider noch nicht, und was "das Volk" wirklich denkt, ist nicht immer das, was der lautstärkere Teil desselben äußert. Um die Frage sinnvoll beantworten zu können, wird man sich fragen müssen, welche Teile der Bevölkerung pro/contra Caesar eingestellt waren und warum.

    Caesar hatte sich durch Großzügigkeit sehr populär gemacht. Er hatte seine Truppen großzügig mit Donativen beschenkt, den Sold verdoppelt und "zuweilen Mann für Mann einen Sklaven aus der Kriegsbeute geschenkt." (Sueton, Caesar 27). Er hatte ein Forum gebaut und mehrfach sehr aufwändige Spiele veranstaltet. Anlässlich der Trauerfeierlichkeiten zu Ehren seiner Tochter hatte er Gladiatorenkämpfe veranstaltet und das römische Volk zu einem Festmahl eingeladen. Außerdem hatte er den Römern für ein Jahr die Miete gezahlt. Sueton schreibt in seinen Caesarenviten (Caesar 85) dass das Volk nach seinem Begräbnis nur mit Mühe dran gehindert wurde, die Häuser von Brutus und Cassius zu verwüsten.

    Innerhalb der "Plebs" war Caesar sicher populär, und wenn der "Ordo equester" auch erst im Prinzipat zu einem eigenen Stand wurde, dürfte er unter Rittern, denen er Ämter und den Zugang zum Senatorenstand ermöglichte über Rückhalt verfügt haben. Er vergrößerte ja auch den Senat und gewährte der gallischen Nobilität den Zutritt. Mit diesem Pairsschub und anderen Affronts machte er sich aber unter den Senatoren viele Feinde.
     
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  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied


    Wie Scorpio schon schrieb, gab es keine Meinungsumfragen - ich ergänze: auch keine Wahlen, die geeignet waren, die - bezogen auf die ganze Bürgerschaft - wahren Mehrheitsverhältnisse abzubilden. "Das Volk" ist auch kein Einheitsbrei mit nur einer Meinung und Stimme. (Genausowenig wie es heutzutage "den" vielzitierten "Wähler" gibt, der angeblich etwas will oder nicht will, sondern Millionen wählende Individuen.) Höchstwahrscheinlich stimmt also beides: Bürger, die Anhänger Caesars waren, und solche, die ihn ablehnten. Schließlich hat jede Regierung ihre Anhänger und ihre Gegner, was aber noch nichts darüber aussagt, wie die zahlenmäßige Gewichtung zueinander aussieht. Die einen äußerten sich unzufrieden über seine Herrschaft, vor den anderen mussten seine Mörder aufs Kapitol fliehen. Wer wann die Mehrheit bildete oder wann die Mehrheit wie wechselte, können wir unmöglich nachvollziehen und konnten sicherlich auch die antiken Historiker nicht. (Gern wird heutzutage auf die "schweigende Mehrheit" verwiesen, die - angeblich - anderer Meinung sei als diejenigen, die ihre Meinung laut äußern, wenn es darum geht, Proteste oder sonstige unerwünschte Äußerungen kleinzureden.) Was wir haben, sind Momentaufnahmen von Pro- und Contra-Äußerungen, von denen wir nicht wissen, wie repräsentativ sie waren, von denen aber vorschnell auf "das Volk" geschlossen wird.

    Rein gefühlsmäßig vermute ich aber schon, dass die Mehrheit des Volkes (mehr oder weniger) hinter Caesar stand. Vielleicht muss man auch unterscheiden, wie die Menschen seine Politik inhaltlich fanden und wie die äußere Form seines Regierungsstils.
     
  4. Lexius

    Lexius Mitglied

    Dann dürfte sich diese "Mehrheit" wohl auch im Senat wiedergespiegelt haben, nehme ich an. Anders kann ich mir die zunächst zehnjährige und später lebenslängliche Diktatur Caesars nicht wirklich erklären. Glaubten die Senatoren damals denn tatsächlich, Caesar würde mittels der Diktatur die Republik wieder erwecken oder ist dieser Käse ab 46 schon gegessen?
     
  5. Udo Grebe

    Udo Grebe Mitglied

    Zunächst einmal gab es im März 44 BC so etwas wie "die Senatoren" gar nicht mehr. Caesar hat den Senat auf 900 Mitglieder erweitert. Darunter waren viele Subjekte Caesars, die belohnt wurden. Es hat auch seit einiger Zeit fast alle Magistrate selber für Jahre im voraus ernannt. Die Volksversammlung durfte Caesars Liste dann nur noch zustimmen. Einen Zusammenhang zwischen Stimmung im Volk und Zusammensetzung des Senats hat es deshalb in Caesars letzten Jahre kaum noch gegeben.
     
  6. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Wenn ich der einzige mit Truppen um Rom wäre und auch sonst kein Gegner in Aussicht, dann wäre ich auch heute noch ganz schnell rechtmäßiger Diktator von Italien.

    Ob Caesar einen Plan für Rom hatte, wird bezweifelt. Der Feldzug, den er plante, hätte ihn wohl solange von Rom fern gehalten, bis er tot war.
     
  7. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Hatte auch nicht gerade vorher Sulla gezeigt, dass eine Diktatur nicht zwingend mit der Einführung der Monarchie enden muss ? Ist überliefert, ob Cäsar damals an Sulla gemessen wurde (egal ob im positiven oder negativen Sinne) ?
     
  8. Lexius

    Lexius Mitglied

    Sueton legt Caesar die Worte in den Mund, Sulla sei töricht und habe das politische ABC nicht verstanden, als er die Diktatur niederlegte. Also: ja, zumindest Caesars Nachwelt zog den Vergleich zu Sulla
     
  9. balkanese

    balkanese Aktives Mitglied

    Aber wie der Caesar das gemeint hat steht nicht dabei, vielleicht nimmt er darauf Bezug wie der Sulla gewütet hat, da machts ja Sinn nicht zurückzutreten.
     
  10. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Dieses Zitat entnahm Sueton Titus Ampius, der offenbar mehrere (angebliche) Äußerungen Caesars, die diesen nicht im besten Licht erscheinen ließen, gesammelt hatte. Dieser Titus Ampius war vermutlich Titus Ampius Balbus, der zwar einerseits ein Zeitgenosse Caesars war, aber andererseits auch dessen Gegner im Bürgerkrieg.
     
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  11. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ich denke schon, dass die Zeitgenossen Caesars Sullas Beispiel im Hinterkopf hatten. Caesar war wie dieser mit einer Armee nach Italien und in die Stadt gezogen, und beide hätten damit rechnen müssen, wegen eigenmächtiger Bereicherung in den Provinzen angeklagt zu werden. Wie Sulla hatte Caesar eigenmächtig die Größe des Senats und die Zahl der Senatoren verändert, und beide hatten gegen die üblichen Gepflogenheiten eine zeitlich unbefristete Alleinherrschaft als dictator perpetuus angetreten. Das Amt eines Dictators war sozusagen als Notstandsamt in Zeiten der höchsten Gefahr von außen für den Staat vorgesehen. Eine unbefristete Diktatur anzunehmen, war sozusagen ein Verfassungsbruch und hatte ein Geschmäckle. Sulla und Caesar unterschieden sich aber deutlich in ihrer politischen Ausrichtung, Sulla war eher der Partei der Optimates zuzuordnen, während Caesar eher Politik im Sinne der Populares machte.
    Natürlich waren das keine Parteien im modernen Sinne mit einem Bad Godesberger Parteiprogramm. Sulla ging es um eine restaurative Politik mit dauerhafter Stärkung des Senats und der alten Adelsgeschlechter unter Zurückdrängung demokratischer Institutionen wie dem Volkstribunat. Als er seine restaurative Politik und Neuordnung des Staates im Sinne der Optimaten glaubte durchgesetzt zu haben, trat er zurück.
     
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