Namen in der Artussage bei Wolfram von Eschenbach, der Pleier u.a.

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Haerangil, 24. Juli 2017.



  1. Haerangil

    Haerangil Neues Mitglied

    Dass personennamen zu ortsnamen werden und umgekehrt ist sehr typisch in der entwicklung der artustradition...

    Wie zb aus den orcades, den orkneys, norcadet und morgause wird ( unter dem einfluss von modron und morgana?)

    Oder loth von lothian :)
     
  2. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Oben habe ich die Aufzählung zitiert, die Feirefiz herunterrattert. Dazu schreibt Manuel Braun*:

    "Die Kommentare zu dieser Stelle beschäftigen sich damit, die Herkunft des Namensmaterials nachzuweisen. Sie bleiben - wer hätte es gedacht - ohne rechtes Ergebnis."

    Nach Braun besteht die Liste "vor allem aus Phantasienamen". "Auch könnte man überlegen, ob nicht der Freiheit des Versmaßes eine solche der Phantasienamen entspricht und ob der Text sich also an dieser Stelle nicht eines Verfahrens der referenzlosen Weltkonstitution bedient, das eher für Lyrik charakteristisch ist. Dazu passt es, dass man die Stelle als spielerische Verfremdung desjenigen Modus epischen Erzählens verstehen könnte, der im Aufzählen von Namen besteht und dessen Modell der Schiffskatalog der Ilias darstellt. Indem hier allerdings nur Material verwendet wird, das sich nicht auf eine bekannte Realität beziehen lässt, wird dieser seiner überkommenen Funktionen - zu umreißen durch Stichworte wie Wissen, Autorität und Memoria - entkleidet und ist so offen für eine neue Funktionalisierung, die auf der Seite des Formspiels liegt."

    Epische Lyrik, lyrische Epik. Wolframs von Eschenbach Werk in transgenerischer Perspektive
    In: Lyrische Narrationen - narrative Lyrik. Gattungsinterferenzen in der mittelalterlichen Literatur (Berlin/New York 2011)
     
  3. Haerangil

    Haerangil Neues Mitglied

    Auch eine interessante theorie...
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Kommt der Schiffskatalog denn auch in der Ilias Latina vor? Denn ansonsten wäre zu fragen, woher Wolfram den Schiffskatalog kannte.
     
  5. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Erstens: ja.
    Zweitens enthalten auch die Darstellungen des trojanischen Krieges bei "Dares Phrygius" und "Dictys Cretensis" Schiffskataloge. Diese beiden Schriften sind ebenfalls lateinisch und waren im Mittelalter auch bekannt.
    (Auch bei Hyginus Mythographus gibt es einen Schiffskatalog, allerdings weiß ich nicht, wie bekannt der im Mittelalter war.)
     
  6. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Niemand hat behauptet, dass Wolfram den Schiffskatalog kannte.

    Er kannte einen "Modus epischen Erzählens, der im Aufzählen von Namen besteht".
    Dieser Modus ist seit der Antike bekannt (https://books.google.de/books/about/Katalog_und_Erzählung.html?id=wecSAQAAIAAJ&redir_esc=y) und war auch der mittelalterlichen Epik geläufig (https://books.google.de/books/about/Namenkataloge.html?id=7-SUvEWtwekC&redir_esc=y).


    "Schiffs-, Verbündeten- und Heldenkataloge gehören weltliterarisch zu den charakteristischen Stilmitteln vor allem des Epos, von Homer bis zum 'Rolandslied'." (Elisabeth Lienert)
     

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