Oberschlesien

Dieses Thema im Forum "Russland | Sowjetunion | Osteuropa" wurde erstellt von Rafael, 30. Mai 2005.



  1. Martas

    Martas Neues Mitglied

    :D Entrée oder Angtree wird heute/wurde früher auch im Oberschlesischen benutzt. So erzählt z.B. meine Mutter, dass ihre Oma dass die ganze Zeit benutzte. Mit der Brille weiß ich das jetzt nicht.

    Nungut, aber die Ähnlichkeit zwischen "butelka" und "bouteille" ist doch größer als die mit "Buddel". Klar, dass es im Deutschen auch viele ähnliche Wörter gibt, mir ist eben nur aufgefallen, dass die Polnischen dem Französischen in Aussprache und Schrift viel ähnlicher sind.
     
  2. Martas

    Martas Neues Mitglied

    Zu den Wasserpolaken:

    Das kann ich bestätigen, denn ich habe im Brockhaus Konversations Lexikon 14. Auflage 16. Band aus 1895 folgenden Eintrag gefunden

    Wasserpolaken, ursprünglich Bezeichnung der Flößer auf der Oder, die meist oberschles. Polen waren. Der Name ging dann überhaupt auf die Polen in Oberschlesien und Österreich-Oberschlesien über.

    :winke:
     
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  3. Jana337

    Jana337 Neues Mitglied

    Ich habe etwas gefunden:
    Also aus dem Italienischen. Schwer zu sagen, woher genau der unmittelbare Einfluss auf den schlesichen Dialekt gekommen ist.

    Jetzt weiß ich endlich, wieso das Wort kalhoty im Plural ist, auch wenn es um eine Hose geht: Caligotte waren zwei getrennte Teile. :)
     
  4. askan

    askan Neues Mitglied

    Da fallen mir die alten Walen-geschichten ein. Die Walen waren italienische Händler bzw Kundschafter die den deutschen Länder nach verwertbaren Rohstoffen erkundeten. Im Harzland hiessen sie Venediger.
     
  5. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Hier möchte ich anfügen, dass 1945 die Deutschen aus Oberschlesien von den Russen vertrieben wurden und die von den Russen vertriebenen Polen aus Ostpolen (heute Weissrussland und Ukraine) angesiedelt wurden.
     
  6. Martas

    Martas Neues Mitglied

    Stimmt, das war wohl größtenteils so. Ich hatte mal ein Gespräch mit einer Vertrieben in der Zeitung gelesen, da sagte sie, sie wäre speziell von Polen vertrieben worden und zitierte dann deren Befehle. Das war russich...tja, erst muss man ein bisschen nachdenken...:pfeif:
     
  7. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Ein Bekannter, der aus Oberschlesien stammt, hat mal gesagt (schlesischer Humor?): "1945 haben uns die Polen befreit ... von allem, was wir hatten."
     
  8. Martas

    Martas Neues Mitglied

    Hab ich ja nix gegen...Oberschlesien...da hört man viel, nur darf ich meine persönlichen Kenntnisse mit einbauen:

    Meine Oma+Familie kommt aus Oberschlesien. Sie ist nach dem Krieg dort geblieben. Sie ist nicht angegriffen worden. Sie hat keinen Besitz verloren. Daher kann ich manche Zeitzeugenberichte nicht verstehen.

    Das war auch kein Versuch polnische Verbrechen zu rechtfertigen
     
  9. Arne

    Arne Premiummitglied

    Dann solltest du deine Oma mal fragen, wie das abgelaufen ist damals und dich tiefer informieren.

    Wer a) für die Polen interessant war, b) nicht besonders "NS-belastet" war und schließlich c) Pole wurde, also seine deutsche Staatsangehörigkeit gegen die polnische austauschte, konnte bleiben.

    Einer meiner Großväter wurde gefragt, ob er Pole werden wollte. Er lehnte es ab sein Vaterland zu verleugnen und durfte mit seiner Familie packen. Einen Tag später mußte er den Hausschlüssel beim örtlichen Kommandanten abgeben und mit Handgepäck losgehen. Das Handgepäck wurde natürlich nochmal nach Wertsachen durchgesehen...
    Den weiteren Verlauf der Geschichte erspare ich dem Forum - ich bin ja nicht Heinz. Nur so viel: Die Familie kam nie komplett in Trizonesien an. :mad:
     
  10. Martas

    Martas Neues Mitglied

    Komisch, nach Erzählungen einiger Bekannter ist es aber nicht so abgelaufen, oder wenigstens zum großen Teil nicht. Also sag ich damit nur, dass ich das nicht bestätigen kann. Meine Oma wurde nicht gefragt, sie blieb da, ging auf eine polnische Schule und wurde letztendlich eingebürgert.
    Vertreibung ja, aber gerade in Oberschlesien durften viele bleiben.
     
  11. askan

    askan Neues Mitglied

    Meine Grossmutter wurde auch gefragt, ob sie bleiben wollten da meine Familie die österreichische Staatsbürgerschaft besaßen, als sie ablehnten als einzige Einheimische im Dorf zu bleiben wurdn sie auch einige Tage später morgens aus ihrem Haus geprügelt und zum Bahnhof geschafft.
     
  12. Martas

    Martas Neues Mitglied

    Da scheint es aber sehr unterschiedliche Methoden gegeben zu haben. Ich kenne da auch Leute, die man rausgeschmissen hat und viele, die friedlich bleiben durften. Vielleicht, oder besser sicher, kam das auf die Leute an, auf die man gestoßen ist, ein systematisches Vorgehen kann man in der Vertreibung ja nicht erkennen.
    Viellicht hängt es auch mit den genauen Wohnorten zusammen. Wo wohnte deine Großmutter?
     
  13. Arne

    Arne Premiummitglied

    Spätaussiedler oder Vertriebene?

    Sie war also minderjährig. Ihr Vater dürfte für sie entschieden haben.
    In Oberschlesien sind tatsächlich viele nicht vertrieben worden, weil sie für die Polen als Grubenarbeiter für den Kohlenabbau wichtig waren - zumindest wurde mir das so erzählt. Andere Berufsgruppen (mein Großvater hatte ein Transportunternnehmen und Getreidemühlen) waren verzichtbar.
     
  14. Martas

    Martas Neues Mitglied

    Vertriebene, Spätaussiedler kenn ich auch, aber das zählt hier ja nicht.
    Naja, aber mein Urgroßvater war Chemielaborant, also, sagen wir, durchaus verzichtbar (so angesehen, oder wichtig war es ja nicht von seiner Position her). In meiner Familie erfüllte keiner einen nötigen Job.
    Außerdem relativieren wir hier leider wieder.

    *Nachtrag:
    Grubenarbeiter hatte man in Polen doch genug, da bin ich mir eigentlich recht sicher, dass dort kein Mangel herrschte.
     
  15. Arne

    Arne Premiummitglied

    Ja? Die Polen aus Ostpolen, die ja selbst aus ihrer Heimat wegen Stalin vertrieben und in Schlesien angesiedelt wurden, waren meines Wissens vorwiegend landwirtschaftlich geprägt...:grübel:
     
  16. Martas

    Martas Neues Mitglied

    Das ist Oberschlesien! Seit je her ein Mischmasch der Völker und Kulturen. Da war es 100% nicht so.
    Man kann ja nicht sagen, dass man alle vertrieben hat und dann die Polen aus dem Osten angesiedelt hat. In den neuen Gebieten lebten mit Sicherheit nicht nur die Ostpolen, vor allem in Oberschlesien nicht, da gab es auch im deutschen Teil polnische Grubenarbeiter, oder wenigstens welche mit polnischer Herkunft. Außerdem war der deutsche Teil des heutigen GOP relativ klein.
     
  17. Arne

    Arne Premiummitglied

    Klar, Oberschlesien war schon immer recht gemischt bevölkert. War ja auch während der Abstimmungszeit in den 20er Jahren recht zersplittert. Trotzdem hätten die deutschen Kohlenleute gefehlt - soweit ich weiß...

    Was ist GOP?
     
  18. Martas

    Martas Neues Mitglied

  19. Solidarnosc

    Solidarnosc Neues Mitglied

    Meine Großeltenr wurden auch nicht groß gefragt, die halt "polonisiert". Sie sind nicht geflüchtet, da meine Urgroßmutter zu der Zeit zwei kleine Kinder hatte-meine Oma und meinen Großonkel. Die Zügen standen, waren verstopft und es war bitter kalt.
    Besitz hatten wir nicht. Also alle bekamen automatisch die polnische Staatsbürgerschaft, in der Schule wurde dann polnisch gesprochen, also mussten sie zwangsweise polnisch sprechen.
    Die Deutschstämmigen blieben eh unter sich, teils weil man einfach nichts mit den "Gorole" zu tun haben wollte, anderesseits weil die Polen auch nichts mit "Hanesse" zu tun haben wollten.
    Ja, das mit dem Grubenarbeitern kann ich bestättigen, meinen Onkel haben sie auch nicht rausgelassen, weil er Steiger war. Also Steiger ist wohl auch ein Beruf, den nicht jeder machen kann bzw. will.

    Ja, also Oberschlesien war wohl schon immer ziemlich durchmischt.
     
  20. askan

    askan Neues Mitglied

    Zitat:"Also Steiger ist wohl auch ein Beruf"

    Naja, Steiger ist ein Experte in seinem Beruf, eine unentbehrliche Fachkraft.

    Zitat:"Sie sind nicht geflüchtet, da meine Urgroßmutter zu der Zeit zwei kleine Kinder hatte-meine Oma und meinen Großonkel. Die Zügen standen, waren verstopft und es war bitter kalt"

    Ich denke das war damals kein Grund für Schonung. Während der Deportation sind in meiner Famlie mehr Leute umgekommen als in den Kriegsjahren zuvor.
     

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