Operation Jubilee (Dieppe Raid)

Dieses Thema im Forum "Der Zweite Weltkrieg" wurde erstellt von Legat, 27. Mai 2012.

  1. Legat

    Legat Aktives Mitglied


    Operation Jubilee ? Wikipedia

    Was war das eigentlich? Ein ernst zu nehmender Invasionsversuch des europäisches Festlandes um eine zweite Front zu eröffnen, oder nur ein Überfall um die deutsche Verteidigung der Küsten zu testen?

    Und kann es sein, dass das der einzige gescheiterte Landungsversuch der Alliierten im 2.WK war?
     
  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    In erster Linie eine strategische Beunruhigung und Verunsicherung der deutschen Westfront.

    Das hatte durchschlagenden Erfolg. Erhebliche aufgefrischte Gepanzerte Verbände und Infanteriedivisionen waren im Herbst 1942/Winter 1943 im Westen verblieben, darunter die zunächst die drei SS-Divisionen Leibstandarte, Das Reich und Totenkopf. Diese Verbände wurden mit dem Kollaps der Südfront/Stalingrad wieder in den Osten verlegt, was in der Schlacht von Charkow gipfelte.

    Britischerseits ging es

    a) um Erfahrungswerte bzgl. der deutschen Landungsabwehr
    b) um das Testen und die Verwicklung der deutschen Luftwaffe im Westen
    c) um die Bindungswirkung von Bodenstreitkräften im Westen.

    Jubiliee war der Planungsnachfolger von "Imperator", dieser Operationsgedanke wiederum ergab sich parallel zur Absage von "sledgehammer" 1942. Die Aktion bei Dieppe (Boulogne war auch im Gespräch, wie einige weitere Lokalitäten) war von vornherein als "raid" geplant, mit maximal 48 Stunden bis 7 Tagen (Testen der deutschen Reaktionen). Militärische Einrichtungen sollten dabei maximal zerstört werden, auch die Räumung des Brückenkopfes war Teil der Übung.

    Bereits bei Imperator war die Idee, die deutsche Luftwaffe im Wesen möglichst komplett in das Engagement zu verwickeln, weswegen auch das britische Fighter Command fast alle Einheiten gebündelt aufbieten sollte. Das gelang auch im Prinzip, allerdings mit extrem hohen britischen Flugzeugverlusten (JG 2 und 26 traten massiv mit der FW190 auf).

    Man sollte die Wirkung des Dieppe-Raids nicht unterschätzen: Hitler hatte sich bereits im April für wesentliche Verstärkungen im Westen festgelegt, und sah sich nun bestätigt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. September 2012
  3. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied


    Als gescheiterte Landung könnte man einige Operationen in diesem Zusammenhang betrachten:
    Dodekanes-Feldzug (1943) ? Wikipedia

    Einer der letzten vollständigen Siege der Achse gegen die Westmächte.

    Im Baltikum gab es etliche, wenig bekannte kleinere Operationen auf den dortigen Inseln. Hier gab es auch Landungsversuche der Sowjets, die scheiterten, zum Beispiel:

    Battle of Suursaari - Wikipedia, the free encyclopedia

    Battle of Someri - Wikipedia, the free encyclopedia
     
  4. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Wobei mir die Jubilee-Operation in Hinblick auf die Ziele immer noch mysteriös bleibt. Die Diskrepanz: die Streitmacht war so klein, dass auch die britischen Befehlshaber sicher nicht geglaubt haben, sie könnten wirklich einen Brückenkopf für länger halten. Andererseits ging der Angriff über ein reines Kommandounternehmen hinaus, der Hafen sollte im Prinzip ja sogar frontal genommen werden.
     
  5. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Daran anschließend: ist irgendetwas bekannt, was die Briten für Pläne hatten, falls die Eroberung von Dieppe erfolgreich gewesen wäre?
     
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  6. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Meine gelesen zu haben, dass man primär Erfahrungswerte sammeln wollte über die eigenen Konzepte einer kombinerten amphibischen Landung, auch über das vorhandene Material und der Art der Reaktion durch die deutschen Truppen.

    Und dieses konnte man nur direkt an der Atlantikküste unter realistischen Bedingungen üben.

    Möglicherweise war es auch ein notwendiger symbolischer Akt / "Opfer", um der Forderung von Stalin nach einer zweiten Front durch "ein wenig Aktionismus" begegnen zu können.

    Je länger man darüber nachdenkt, bleibt zwar der fale Geschmack eines "Bauernopfers" kanadischer Soldaten, aber eine Reihe von militärischen und politischen Begründungen, dass die Durchführung vielleicht auch notwendig war. Als Vorbereitung auf D-Day.
     
  7. YoungArkas

    YoungArkas Neues Mitglied

    Die Symbolwirkung einen französischen Hafen zu besetzen wäre wohl hoch gewesen. Darüber hinaus hätte man sicherlich im allgemeinen Durcheinander einen Haufen Kommandos und Spione nach Frankreich einschleusen können, die man einfach in der Stadt zurückgelassen hätte. Eine längerfristige Besetzung der Stadt war wohl nicht geplant. Silesias Argument ist auch nicht von der Hand zu weisen. Die Möglichkeit einer Invasion hätte wohl (und hat ja im Endeffekt auch) große Deutsche Verbände im Westen gebundne, die ansonsten im Osten benötigt worden wären.
     
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Auszüge aus dem Befehl des Combined Operations Headquarter vom 31. Juli 1942 vor Operationsbeginn, soweit die Royal Airforce betreffend, belegt die Absicht, den Brückenkopf nach Austesten der deutschen Abwehr wieder zu räumen:

    "44.
    Air Support will be provided as follows during the withdrawal:
    (i) Fighter Cover will be increased to maximum strength.
    (ii) Bomber and Fighter Squadrons will be maintained at 'Readiness' in maximum strength to engage targets to cover the withdrawal."

    Zitiert nach Franks, Air Battle Dieppe.

    Dazu daraus ergänzend:

    "In general terms the plan was to land a force of troops at Dieppe, supported by landings by Commandos on the flanks to knock-out gun positions overlooking the Dieppe beaches.

    Following much discussion it was decided not to precede the landings with either an air attack or heavy naval bombardment, nor was it agreed to use any form of airborne troops, although the landed troops would be given the support of a number of the new Churchill tanks.

    Initially the raid was code-named 'Rutter' and it was to be launched towards the end of June 1942. However, due to an unsuccessful exercise and then bad weather, the raid was abandoned on 7 July and the troops dispersed.

    Political pressure by the Russians for the Allies to open a second front in the West in order to relieve pressure on the Russian front, brought the raid back to life at the end of July. A full-scale invasion against the French coast was completely out of the question at this time, but this strong attacking raid would, it was felt sure, help to keep the Germans guessing and on their toes.
    On 27 July the Chiefs of Staff approved a new plan — which was code-named 'Jubilee'."

    Hier wird auch der "Druck der Ostfront" deutlich. Im Juni/Juli wurde erneut ein russischer Zusammenbruch befürchtet und eine deutsche Besetzung des Kaukasus. Die erneut Aufnahme der Operation unterstreicht den Aspekt, auch als strategische Ablenkung zu dienen (was erfolgreich war).
     

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