Primärquellen zum Thema Henker in Mittelalter und Früher Neuzeit?

Dieses Thema im Forum "Die Inquisition" wurde erstellt von aghasrtgweo, 30. September 2012.

  1. aghasrtgweo

    aghasrtgweo Neues Mitglied


    Hallo,
    ich brauch für meine Seminararbeit noch Primärquellen (= Orginaltexte oder Abschriften von Orginaltexten). Thema: Henker in Mittelalter und Früher Neuzeit
    Wenn jemand ein gutes Buch oder eine passende Bibliothek (Raum München) weiß, bitte schreiben :)
     
  2. Afkpu

    Afkpu Aktives Mitglied

    Wie hast du denn bisher nach Quellen gesucht? Was liegt dir vor? Mal bei RI geschaut? Was Bibliotheken im Raum München angeht kann ich dir zwar nicht helfen aber auch hier sollte dir das Internet weiterhelfen.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter


    KVK - Karlsruher Virtueller Katalog. Der durchsucht die OPACs aller großen Bibliotheken.
     
  4. Afkpu

    Afkpu Aktives Mitglied

    Stimmt.. auf den bin ich nichtmal gekommen, liegt ohnehin auf der Startseite meiner Unibib vor -.-
     
  5. aghasrtgweo

    aghasrtgweo Neues Mitglied

    Sekundärquellen (sprich normale Bücher) hab ich genug, ich brauch halt noch was, das in der zeit geschrieben worden ist, kann auch als zitat in einem normalen buch sein; hab schon in der staats- und stadtbib in münchen geschaut, aber nichts gefunden; danke schon mal für den Tipp
     
  6. Afkpu

    Afkpu Aktives Mitglied

    In "normalen" Bibliotheken solltest du auch Zugriff auf Quelleneditionen haben. Wenn du genügend Sekundärliteratur hast würde ich einfach im jeweiligen Quellenverzeichnis die genutzten Editionen heraussuchen und gezielt damit arbeiten. Vllt ist bei der MGH, VD16/17 oder ähnlichen bekannten Anlaufstellen für dich was dabei.
     
  7. Sheik

    Sheik Neues Mitglied

    Verstehe ich das richtig? Du hast ettliche Bücher und Literatur zu deinem Thema, aber in keinem der Texte sind Quellen angegeben? Denn wenn du die Sekundärliteratur hast, sind dort auch sicherlich Quellen aufgeführt. Darüberhinaus möchte ich, ohne genauer im Thema zu sein, bezweifeln, dass die Staatsbibliothek hier in München keine Quellen hat. Ist das eine Arbeit für die Schule oder die Universität?
     
  8. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    wichtige Primärquelle ist das Tagebuch des Nürnberger Henkers Franz Schmidt.
     
  9. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    So kompliziert ist das doch gar nicht. Nachstehend verlinke ich Dich auf eine Seite des bayerischen Staatsarchives, ich habe dort in die Suchfunktion einfach des Begriff "Henker" eingegeben, das Ergebnis siehst Du, alternative Suchbegriffe sind z.B.: "Halsgerichtsbarkeit" etc.

    Viel Erfolg im Archiv.

    Findbuch online

    M.
     
  10. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich würde auch, einfach mal ins Archiv gehen. Da findet man eigentlich gerade zu dem Thema immer sehr viel. Chroniken sind voll mit bisweilen minutiösen Beschreibungen von Hinrichtungen.

    Das Standardwerk wirst Du ja schon haben. Index:Constitutio criminalis Carolina ? Wikisource

    Das sieht doch prima aus: Ausführliche Erzählung des Verhörs und der Hinrichtung des im Jahre 1722 der ... - ... ¬von Zuber - Google Books

    Du kannst auch mal nach der "Münchner Zeitung" googeln. Ein bisschen blättern musst Du schon. Die wurde aber teilw. digitalisiert und dürfte auch was für Dich haben. Ich habe schon auf die Schnelle Ausgaben von 1771 und 1760 gefunden.
     
  11. aghasrtgweo

    aghasrtgweo Neues Mitglied

    ok, schon mal danke für eure Hilfe :)
    diese Werke beziehen sich aber glaub ich alle eher auf die Hinrichtungen, ich brauche aber Informationen über den Henker (ich konzentriere mich in meiner arbeit mehr auf sein privates Leben, also das, was nicht direkt mit seiner Arbeit zu tun hat)
    vielleicht wisst ihr ja auch darüber etwas ... denn ich glaube nicht, dass sich in Zeitungen oder eben den Beschreibungen über Hinrichtungen etwas über das Lebens des Henkers finden lässt. Da wäre das Tagebuch schon eher was, aber auch hier hat sich der Henker auf seine Arbeit konzentriert und (fast) nichts über sein Privatleben geschrieben :/

    Und Brissotin, weißt du evtl., ob in Constitution criminalis Carolina etwas über das Thema vorhanden ist?
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wenn du weißt, dass der Henker eine unehrliche Person war, dann weißt du auch schon viel über sein "Privatleben"*. Henker war eben mehr als nur "Folterknecht". In den Verantwortungsbereich fiel auch die Kontrolle der Prostitution und die städtische Hygiene. Außerdem - dies allerdings eher illegal - die Krankenversorgung (weil die Leute den Henkern mit ihren in der Praxis erworbenen anatomischen Kenntnissen eher vertrauten, als den Quacksalbern, die offiziell als Ärzte praktizierten).

    *In Anführungszeichen, weil es imho vor der Industriellen Revolution außer in Ausnahmefällen keinen Unterscheidung zwischen Berufs- und Privatleben gab.
     
  13. Hans forscht

    Hans forscht Aktives Mitglied

    Quijotes Hinweis scheint mir bedeutsam, dass Henker als unehrliche Personen, also Menschen, denen man nicht die Ehre eines anständigen Mitglieds der Gesellschaft zuerkannte, galten.

    Da Hinrichtungen für gewöhnlich ritualhaft sind, unterscheiden sie sich zwangsläufig von dem sonstigen Leben der Beteiligten. Deshalb würde ich bei einem Henker auch im Mittelalter eine eutlichere Unterscheidung zwischen Privatleben und Ausführung von Hinrichtungen vermuten. Für andere Tätigkeiten des Henkers wird das nicht gelten. Deshalb würde ich "Privatleben" mit "Leben außerhalb von Hinrichtungsritualen" übersetzen.

    Damit es Tagebücher von Henkern gäbe, müssten sie zunächst einmal des Lesens und Schreibens kundig gewesen sein, was ich bei Angehörigen der als unehrlich marginalisierten Schicht im Mittelalter für selten halten würde.
     
  14. AnDro

    AnDro Neues Mitglied

    Damit dürfte aghasrtgweo sich bereits durch die Literatur auskennen.

    Kennst du schon die Autobiographie von Sanson?:
    Projekt Gutenberg-DE - SPIEGEL ONLINE
    Ich bin mir nicht mehr sicher ob es eine Fälschung ist, aber über den Alltag der Sansons ist eigentlich relativ viel bekannt. Vielleicht findet sicher über den Namen Sanson was an Quellen.

    Ansonsten als Anlaufpunkt, falls nicht schon bekannt:
    Jutta Nowosadtko: Scharfrichter und Abdecker. Der Alltag zweier „unehrlicher Berufe“ in der Frühen Neuzeit, Paderborn 1994.
     
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  15. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Mir wäre kein Tagebuch eines Henkers aus Deutschland bekannt. Wobei ich nicht ausschließen möchte, dass es Henker gab, die Lesen und Schreiben konnten.

    In der CCC geht es primär um die verschiedenen Strafmaße. Das hat natürlich dann schon direkt mit dem Henker zu tun, aber eben nur, was sein Berufsbild anbelangt.

    Hm, ich habe jetzt nichts zur Hand, würde aber darauf tippen, dass sich was in Büchern zur Sozialgeschichte finden dürfte.

    Gerd Wunder: "Die Bürger von Hall - Sozialgeschichte einer Reichsstadt 1216-1802 " thorbecke, 1980
    Das Kapitel zu den Henkern fand ich recht interessant, ist auch übersichtlich vom Umfang her.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Oktober 2012
  16. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Doch, gibt es. "Meister Franzens Schmidt, Nachrichters zu Nürnberg, all sein Richten". Das war so quasi das Diensttagebuch des Nürnberger Henkers zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Da vermerkt er etwa die Brandmarkung von Veit Stoß und schreibt dazu "und ward noch keiner so lind geprennet"
     
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  17. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Nicht mehr ganz taufrisch und vielleicht bist du selbst schon darauf gestoßen, trotzdem aber ein guter und preislich akzeptabler Einstieg und gut lesbar geschrieben:

    Franz Irrsiegler, Arnold Lasotta: Bettler und Gaukler, Dirnen und Henker- Außenseiter in einer mittelalterlichen Stadt.
     
  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nochmal zu den Begriffen Quellen und Literatur bzw. Primär- und Sekundär-~, auch wenn ich damit als Nerd wahrgenommen werde:

    Man unterscheidet korrekterweise nicht - leider machen das auch viele Lehrer falsch - in Primärquelle und Sekundärliteratur, sondern zwischen Primärquellen und Sekundärquellen und zwischen Quellen und Literatur. Sekundärliteratur gibt es nur in der Literaturwissenschaft.
    Wenn man ganz präzise ist, dann stellt man fest, dass man, da man keine Primärliteratur sondern Quellen hat (die ja nicht zwingend literarischer Natur sind!), naturgemäß auch keine Sekundärliteratur haben kann, sondern eben nur Literatur. Der Fehler rührt daher, dass so ca. die Hälfte aller Historiker auch Germanisten sind und unter Geschichtslehrern vermutlich sogar 3/4 gleichzeitig Deutschlehrer sind (die Zahlen basieren auf der subjektiven Schätzung des Verfassers!). Da aber die Literatur des Historikers und die Sekundärliteratur des Literaturwissenschaftlers dieselbe Funktion haben (nämlich Sachtexte über das jeweilige Sujet zu sein), kommt es hier ganz leicht zu dem Fehler, in der Historik von Sekundärliteratur zu sprechen.
    Aber wie gesagt, diese begriffliche Trennung kriegen auch manche Historiker und Geschichtslehrer nicht sauber hin.

    Und noch zum Unterschied zwischen Primärquelle und Sekundärquelle:
    Eine Primärquelle ist idealerweise unmittelbar zu einem Ereignis, eine Sekundärquelle dagegen distanziert, mitunter (aber nicht unbedingt) ist eine Sekundärquelle von einer Primärquelle abhängig.
    Hier wiederum stößt sich dann allerdings die Theorie an der Praxis, denn wenn man dies zu strikt auslegte, gäbe es zu vielen historischen Ereignissen gar keine Primärquellen.
     
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  19. aghasrtgweo

    aghasrtgweo Neues Mitglied

    Das Tagebuch von Sanson wär wahrscheinlich ein gute Tipp, ist aber vermutlich eine Fälschung (Die "Memoires des Sanson" sind angeblich vom letzten männlichen Sproß der Sippe, dem Scharfrichter Henri-Clement Sanson, "geordnet, verfaßt und veröffentlicht", lassen aber durch zahlreiche stilistische Brüche, kitschig-sentimentale Ein- und Ausfälle und manche Unglaubwürdigkeit erkennen, daß es sich bei diesen Aufzeichnungen um die - vermutlich lustbetonte - Anstrengung mehrerer früher Ghostwriter handelt, denen Henri-Clement das Familienarchiv und -museum zugänglich gemacht hat. - DER SPIEGEL 32/1984 - Traurige Buchhalter des Todes)

    Brissotin und Scorpio, wisst ihr, ob in eurem jeweils vorgeschlagenen Buch direkte Zitate aus Primärqullen vorkommen? Es können auch Bilder (aus der Zeit) sein.
     

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