Rassismus in Amerika

Dieses Thema im Forum "USA | Kanada" wurde erstellt von Persephone, 7. Juli 2014.



  1. Persephone

    Persephone Neues Mitglied

    Hallo,
    für meinen Aufsatz über Rassismus in Amerika, fehlen mir noch Beispiele für den schlechten Umgang mit den Schwarzen. Was ich schon habe: Schulen der Schwarzen Kinder waren schlechter, ihre Wohnviertel waren schlechter. Ihr könnt einzelne Beispiele nennen oder Links schicken, ist mir eig egal;)
    Danke im Vorraus!
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Das ist doch mal eine originelle und überraschende Fragestellung. Zu "loben" ist die "Offenheit" des Ansatzes, bei dem bereits feststeht, dass es einen schlechten Umgang mit Schwarzen in "Amerika" gibt.

    Fehlt eigentlich nur noch die zeitlich Eingrenzung für die Bestätigung von Vorurteilen. Also wann eigentlich? Zu Zeit des Sezessionskrieges, während der 50er Jahre oder heute? Und was ist eigentlich mit "Amerika" gemeint?

    Und was ist "schlechter Umgang" eigentlich? Und wer soll das feststellen? "Malcolm X" oder "Black Panther" werden das anders beurteilen wie der "Ku Klux Klan" oder die "WHO" oder irgend eine andere Organisation.

    Ansonsten, wenn das oben dargestellte bisher das Einzige ist, was Du gefunden hast, dann ist das sehr wenig und zeigt, dass Du wohl bisher wenig Lust auf das Thema hattest. Vor allem wenn man bedenkt, dass es sehr umfangreiche Informationen problemlos im www zu dem Thema gibt und auch im Geschichtsforum! Ein wenig Suchen hilft da sicherlich!
     
  3. beorna

    beorna Neues Mitglied

    Anteil der Schwarzen an Insassen von US Gefängnissen/Hinrichtungskandidaten, One-drop-Theorie zB
     
  4. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Ich weiß nicht, ob deine Englischkenntnisse dafür ausreichen, aber ich würde dir empfehlen, unter "Race seperation in the USA, Seperate but equal" und Jim Crow- Laws zu googlen.
    Youtube Verlinkungen sind in diesem Forum nicht gern gesehen, dennoch gibt es einige sehr gelungene Dokus online. The Rise and Fall of Jim Crow, gibt eine recht gute Übersicht der historischen Zusammenhänge vom Ende des Bürgerkrieges und der Reconstruction- Ära bis zur schwarzen Bürgerrechtsbewegung der 1950er und 60er Jahre. Wenn es um Rassismus in den USA geht, würde ich auch auf die Geschichte der Chinesen in den USA eingehen. Für den Eisenbahnbau im 19. Jahrhundert wurden zahlreiche Chinesen angeworben.

    ein fertiges Referat, Literatur- und quellenverweise wird dir kaum jemand auf dem Silbertablett präsentieren. Hilfreicher ist es, wenn du dich selbst informierst und deine eigenen Gedankengänge einstellst und sagst für welche (Alters)Klasse und welchen Schultyp dein Referat ist und welchen Umfang es hat.
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Recherchiere nach Rosa Parks.
     
  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Als einen Ausgangspunkt für das Verständnis von Rassismus könnte man den Dred Scott-Fall nehmen, der Afro-Amerikaner als "Wesen einer unteren Ordnung" beschrieb.
    Dred Scott v. Sandford ? Wikipedia

    Dieses Urteil stand in einem Kontext des Rassismus, unter dem Gesichtspunkt von politischen, ideologischen und auch konstitutionellen Entwicklungen in den USA. Es spitzte diese Entwicklung zu, war zugleich Höhepunkt und führte zur Änderungen der US-Verfassung durch Zusatzartikel. Gleichzeitig kann man diese Veränderungen an den tatsächlichen Realitäten danach messen, und Reaktionen wie "Rassentrennung", die ElQ angesprochen hat.
    Jim Crow ? Wikipedia
     
  7. Luziv

    Luziv Neues Mitglied

    Das Ganze war/ist (wie meist auf der Welt) recht kompliziert. Nach langen Debatten und einem überstimmten Veto des Präsidenten wurde jedenfalls 1868 die bürgerliche Gleichheit aller in den USA Geborenen als 14. Amendment in die US-Verfassung aufgenommen. Der Civil Rights Act von 1866, der die Diskriminierung u.a. von Schwarzen untersagte, wurde daraufhin 1870 erneut in Kraft gesetzt. Die (meist Süd-) Staaten, die die Ratifizierung des Amendments ablehnten, wurden nach und nach unter erheblichem Druck zur Annahme gezwungen.

    Das 14. Amendment liquidierte alle Wirkungen der Entscheidung Scott v. Sandford (1857) und verbot Benachteiligungen der Schwarzen. Es bezog sich allerdings nicht direkt auf Fragen des Wahlrechts und außerdem nach Ansicht des Supreme Court in Plessy v. Fergusson (1896) nicht auf gleichwertige Ungleichbehandlung aka Rassentrennung. D.h. es war möglich, einzelstaatliche und außerstaatliche Diskriminierungen in öffentlichen Einrichtungen wie Bussen, Hotels, Kinos oder Restaurants weiterhin durchzuführen. Falls die "schwarze" Alternative gleichwertig war. Ob sie das dann in der Realität war, war oft fraglich bis eindeutig nicht so, aber lange Zeit rührte man nicht daran.

    In Brown v. Court of Education urteilte der Supreme Court allerdings 1954, dass getrennte Schulen gegen das 14. Amendment verstießen. Der Civil Rights Act von 1964 beseitigte dann endgültig alle rechtlichen Regeln zur Rassentrennung.

    Es war allerdings nach dem Bürgerkrieg, zunächst auch stark von den Schwarzen selbst ausgehend, die sich am Anfang bewußt abgrenzten und absonderten, eine faktische Auseinanderentwicklung der Weißen und Schwarzen eingeleitet, bzw. ein Zueinanderkommen auch in wirtschaftlicher Hinsicht erschwert worden. Das griffen rassistische Weiße begierig auf. Viele Schwarze verblieben in ärmlichen und sozial prekären Verhältnissen, was sich bis heute in vielen Städten auch nicht grundlegend geändert hat. Daraus resultiert teilweise auch die erhöhte Kriminalität unter Schwarzen und deren höhere Rate bei den Gefängnisinsassen (wenn man mal ideologische, kriminologisch nicht nachvollziehbare Verschwörungstheorien beiseite läßt).
     
  8. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

  9. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

  10. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    An der Familie Du Bois kann man ziemlich gut erkennen, wie sich Rassismus in den USA entwickelte.
    Vor der Einführung des Jim Crow laws und der one drop rule konnten Teile der free people of color in die Mittelschicht aufsteigen. Die Verschärfung der Rassengesetze verhinderte dies jedoch bei den nachfolgenden Generationen.



    Auffällig finde ich, dass Rassentrennung in Amerika ein speziell angloamerikanischen Projekt gewesen ist.
    Mestizen und Mulatten hatten einen eigenen Platz in der lateinamerikanischen Klassengesellschaft. In Lateinamerika oder der Karibik hat es nie eine one drop rule gegeben. Anders als in den englischen Kolonien war es nicht ungewöhnlich, wenn Angehörige verschiedener "Rassen" eine Ehe führten.
    Aus der Vermischung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen entstand sogenannte creolische Bevölkerung. Einwanderer aus Lateinamerika und der Karibik werden natürlich mit dem amerikanischen Rassismus konfrontiert und werden dort plötzlich mit Identiäten fremdidentifiziert, mit denen sie sich selbst nie identifiziert haben.

    Im angloamerikanischen Raum gab es ebenfalls solche Beziehungen, nur eben ohne Trauschein und Anerkennung der Vaterschaft. Mit der one drop rule galten die Nachfahren aus solchen Verbindungen sowieso als Schwarze. Das kurioseste Beispiel stellen unehelichen Kinder von Thomas Jefferson und seiner Sklavin und seiner Sklavin Sally Hemings. Sally Hemings war ebenfalls die uneheliche Tochter und Enkelin von weißen Herren und schwarzen Sklaven. Die Kinder von ihr und Jefferson war in biologischer und optischer Hinsicht white, rechtlich jedoch black.
    Andererseits scheint dieser strenge Rassismus nicht für alle Amerikaner gegolten zu haben. Insbesondere für Schotten, Iren, Franzosen und Holländer scheint dies nicht gegolten zu haben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. April 2017
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das kann ich so nicht bestätigen. In Spanien etwa galten die Nachkommen von Amerikaauswanderern - selbst wenn sie de Pura Raza Española* waren - irgendwie als "infiziert"**, als wäre die Geburt in Amerika eine Art Krankheit.
    Wenn wir heute den Begriff Kastenwesen auf Indien projezieren, so müssen wir bedenken, dass das ein Begriff nicht etwa aus dem Hindi ist sondern aus den iberoromanischen Sprachen. Die castas waren Kategorisierungen. In Hispanoamerika galt in etwa diese Rangfolge:

    1.) Spanier in Spanien geboren
    2.) Spanier in den Kolonien geboren
    3.) Mestize, Vater Spanier, Mutter Indianerin
    4.) Mestize, Mutter Spaniern; Vater Indianer
    5.) Indio
    6.) Mulatte, Vater Spanier, Mutter Afrikanerin
    7.) Mulatte, Mutter Spanierin, Vater Afrikaner
    8.) Zambo (indianisch-afrikanische Herkunft)

    Gerade die Unterscheidung zwischen Amerika-Spaniern und Europa-Spaniern machte die Amerika-Spanier zu einer der wichtigsten Gruppierungen in den Unabhängigkeitsbewegungen des 19. Jhdts.

    Das ganze in kompliziert:

    220px-Casta_painting_all.jpg
    (vergrößerbare Variante unter https://es.wikipedia.org/wiki/Casta)

    Schön auch diese Mischung: Spanier mit Schwarzer: Kind = Mulatte, Mulatte mit Spanierin: Kind = Morisco [in Spanien hatte dieser Begriff eine andere Bedeutung), Morisco mit Spaniern = Chino, Chino mit Indianerin = Salto Atras (Sprung rückwärts!!!!), Salto atras mit Mulattin = Lobo (Wolf!)

    Ich habe noch vor 22 Jahren in Argentinien gehört, wie Mestizen verächtlich als "Negros" beschimpft wurden.

    *ich entlehne hier einen Begriff aus der Pferdezucht, das Andalusierpferd ist PRE = Pura Raza Española
    **in Ermangelung eines besseren Ausdrucks.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. April 2017
  12. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Das komplizierte Kastensystem in den spanischen Kolonien ist natürlich auch Rassismus. Das gilt bereits für Unterscheidung der Spanier nach Geburtsort. Der enge Zusammenhang zwischen dem Rassismus der Conquistadoren und der Reconquistadoren ist hoch interessant.

    Auffällig ist noch, dass die meiste im rassistische Begriff im Englischen Lehnwörter aus dem Spanischen sind: Mullato, Mestizo, Negro
    Ein paar sind auch Französisch: Quadroon, Melungeon, Metis
    Mit der one drop rule wurde jedoch in den USA diese Unterscheidungen aufgehoben. "Mullato" wurde fortan mit "Negro" gleichgessetzt. Neue Rassenvermischungen wurden verboten. Das ist ein angoamerikanischer Sonderweg.
    Auch innerhalb der Black community wurde nicht mehr weiter unterschieden. Es galt als Zeichen der Solidarität auch intern die one drop rule anzuwenden und auch die hellhäutigere Blacks als vollwertige Mitglieder der Gemeinschaft zu akzeptieren.
     
  13. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Als Ergänzung hierzu:

    Die Wahrnehmung des Plessy-Falls aufgrund der Brown-Entscheidung (logisch nachvollziehbar, weil Brown auf Plessy und speziell die Südstaaten bezogen wird) ist auch schon kritisiert worden.

    Ganz aktuell wird dieser Fokus auf das Problem einer "Sichtweise des mittleren 20. Jahrhunderts auf die Vorgänge Ende des 19. Jahrhunderts" zugespitzt. Stattdessen wird betont, dass die vorlaufenden Civil Right Cases (1883) im Kontext weiterer Fälle in den Mittelpunkt gerückt werden müssen.

    Zu den Civil Right Cases 1883 aus der Perspektive:
    Marianne L. Lado, A Question of Justice: Afro-American Legal Perspectives on the 1883 Civil Rights Cases - Freedom: Constitutional Law, 70 Chicago-Kent. Law Review 1123 (1995).
    Download: A Question of Justice: Afro-American Legal Perspectives on the 1883

    Die aktuelle Publikation dazu,
    Robinson, S. (2017), African American Citizenship, the 1883 Civil Rights Cases and the Creation of the Jim Crow South. History, 102 (March 2017): 225–241.

    Abstract:
    Brown v. Board of Education and Plessy v. Ferguson dominate discussion of the impact of the Supreme Court on matters of southern race relations, and understandably so given the significance of Brown in overturning Plessy. As a result, historians have focused heavily on the Plessy case as a way of understanding the emergence of Jim Crow segregation. Yet this is to study the late nineteenth century from the perspective of the mid-twentieth century, and overlook other Supreme Court decisions of the late nineteenth century, most notably the decision in the 1883 Civil Rights Cases. This article will explore the implications of the 1883 decision: how it reignited an existing national debate over the meaning of civil rights that was influenced by local concerns. Through a study of how African Americans in Alabama responded to the court's 1883 decision, this article will demonstrate that black political activism remained strong well into the 1880s. Race and citizenship were brought into sharp focus by this decision, which had longer-term implications over the very meaning of civil rights in America.

    African American Citizenship, the 1883 Civil Rights Cases and the Creation of the Jim Crow South
     

Diese Seite empfehlen