Reformation (Frankreich, Spanien, HRRDN)

Dieses Thema im Forum "Westeuropa" wurde erstellt von xXNatsuXx, 25. Januar 2015.



  1. xXNatsuXx

    xXNatsuXx Neues Mitglied

    Hallo liebe Geschichtsexperten,

    ich habe ein paar Fragen, die sich größtenteils auf die Zeit der Reformation beziehen.
    Ihr habt mir ja bereits schon erklärt, wie sich die Situation zwischen Karl V. und Franz I. bzgl. der Kaiserkrönung im HRRDN gestalten hat.
    Ich habe eben die Doku "Die Deutschen" zu dem Thema Reformation (kennt ihr mit Sicherheit) gesehen und da wurde nochmal gesagt, dass die Kaiserwahl nicht unumstritten war und es wurde erwähnt, dass selbst die Kurie einen anderen Kandidaten bevorzugte.. ist dieser Kandidat Franz I. gewesen?

    Durch diese Wahl hatte Karl V. ja ein Reich, in dem die Sonne niemals untergeht.. gab es dies betreffend Kritik von anderen europäischen Herrscher (von Frankreich abgesehen)?

    Gerade weil sein Reich so groß war, stelle ich mir immer wieder eine Frage:
    Wie ist der Mann gereist? Mit dem Boot, zu Fuß?
    Das muss doch ewig gedauert haben, bis er von einem Teil seines Reiches zu dem anderen gelangt ist, oder?

    Martin Luther hat durch seine Reformation etwas großes ins Rollen.. hat dies lange Zeit nur das HRRDN betroffen oder wurden die Ideen auch relativ schnell in andere Staaten getragen (z.B Frankreich, Spanien)?

    Habe noch eine letzte Frage, in einem Artikel ("Erbfeindschaft" mit Frankreich: Karl V. gegen Franz I. | Die Welt der Habsburger) wird von einer französisch-spanischen Erbfeindschaft gesprochen.. war diese so ähnlich wie die deutsch-französische Erbfeindschaft in der Neuzeit?
    Es wird dazu noch erwähnt, dass diese Feindschaft unter Maximilian I. begonnen hat, könnt ihr mir vielleicht kurz erklären, wie dieser Konflikt begonnen hat?

    Vielen, lieben Dank im Voraus! :winke:
     
  2. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Frankreich hatte vor allem ein Problem damit, dass in Spanien die Habsburger herrschten - genauso wie in den Niederlanden und anderen Teilen des HRR bzw. als Kaiser offiziell über das ganze HRR. Frankreich war also geradezu eingekreist.
    Konflikte zwischen Frankreich und Spanien gab es aber schon an der Wende vom 15. zum 16. Jhdt., also teilweise noch bevor Spanien habsburgisch wurde, weil Aragon/Spanien und Frankreich um Einfluss und Territorien in Italien kämpften. Das Königreich Neapel war nämlich verwandtschaftlich mit Aragon (das später ein Teil Spaniens wurde) verbunden, wurde aber auch von Frankreich begehrt. Später (bereits zur Zeit von Karl V.) drehte sich der Konflikt dann primär um das Herzogtum Mailand.

    Mit dem Streit um Burgund. Maximilian heiratete Maria von Burgund, als einziges Kind Karls des Kühnen die Erbin des damals mächtigen Burgund. Frankreich wollte das Land aber auch.
     
  3. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    Ein Reich, in dem die Sonne nicht unterging, hätte Karl V. auch gehabt, wenn er nicht zum dt.-röm. König gewählt worden wäre, denn das verdankte er den spanischen Kolonien.

    Was die Kaiserkrönung betrifft: Maximilian I. (Karls Großvater und Vorgänger) war nie offiziell zum Kaiser gekrönt worden, sondern hatte deswegen mit dem Papst (heute würde man wohl sagen) so etwas wie eine "Sonderregelung" getroffen, die jedenfalls den Zeitgenossen die Möglichkeit ließ, ihn als Kaiser nicht offiziell anzuerkennen. Immerhin gibt es Hinweise, dass Maximilian I. noch zu Lebzeiten versucht hätte, Karl seine Nachfolge zu sichern, eine Wahl von diesem zum dt.-röm. König noch zu seinen Lebzeiten dürfte aber nicht durchführbar gewesen sein, da Maximilian eben nie zum Kaiser gekrönt worden war.

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    Bis Anfang des 15. Jahrhunderts war der französische König vor allem in Auseinandersetzungen mit England ( "Hundertjähriger Krieg" ) verwickelt, die ihm auch weniger Möglichkeiten ließen, sich in die "mitteleuropäische Politik" einzumischen.

    Hinzu kommt, dass er einerseits einen Konflikt mit Aragon hatte, wie Ravenik bereits anführt (wobei es um das Königreich Neapel ging, das nach dem "Untergang der Staufer" von einer Nebenlinie des französischen Herrscherhauses beherrscht wurde, auf das aber auch das Königreich Aragon Anspruch erhob.)

    Ein weiterer "Gegner" (wenigstens zeitweise) waren die Herzöge von Burgund, eine andere Nebenlinie des französischen Herrscherhauses, die sich innerhalb von 3 Generationen ein ganzes Konglomerat von Ländern erworben (erheiratet, erobert etc.) hatten, das teils zum HRR und teils zum damaligen Frankreich gehörte und die durchaus versuchten, aus dieser Länderkonglomerat ein eigenes Reich zu schaffen, das von beiden Nachbarn de facto unabhängig war. (Daher auch der Versuch des burgundischen Herzogs Karl der Kühne, zum König erhoben zu werden.)

    Nach dem Tod Karl des Kühnen gab es von Seiten der französischen Krone ebenfalls Versuche, nicht nur jene Grafschaften, Herzogtümer, Länder etc. wieder unter die eigene Herrschaft zu nehmen, die als "französische Lehen" (oder Gebiete) galten, sondern auch jene Gebiete zu übernehmen, die offiziell zum HRR gehörten.

    Mit einer Vereinigung von den Niederlanden / Burgund (ausgenommen dem Herzogtum Burgund / Bourgogne, das letztlich unter französischer Herrschaft blieb) und Kastilien-Aragon (Spanien) übernahm Karl V. die bereits bestehenden Konflikte mit Frankreich. Als dt.-röm. König war er zumindest de jure auch noch der Herrscher über das HRR und somit eine klare Bedrohung für Frankreich. Hinzu kamen noch Ansprüche auf italienische Gebiete.

    Wäre Franz I. tatsächlich dt.-röm. König geworden, wäre Karl V. wenigstens "pro forma" durch seine österreichischen und niederländischen Lande Untertan des französischen Königs gewesen und seine Möglichkeiten (gerade im italienischen Gebiet) wären, juristisch gesehen, wesentlich eingegrenzt gewesen. Zudem hätte für Franz I. zumindest die Möglichkeit bestanden, die Reichsfürsten und Reichsstädte offiziell gegen ihn einzusetzen.

    Nach der Abdankung von Karl V. änderte sich die Situation zunächst keineswegs, denn es entstanden in der Folge zwar zwei Habsburgerlinien (die Nachfahren von Karl V. und die von Ferdinand I.), aber in der Folge wurde weiterhin versucht, den Zusammenhalt als Familie doch zu wahren. (Politische Zusammenarbeit, Heiraten untereinander, daher auch die vielen Heiraten zwischen Cousins und Cousinen, Onkeln und Nichten, für die Familiengene ausgesprochen schlecht, aber für den politischen Zusammenhalt innerhalb der Familie höchst nützlich.)

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    Wie Karl gereist ist?
    Zu Pferd oder in der Kutsche oder per Schiff, mit den damals üblichen Transportmitteln.
    Allerdings hat er viele Teile seines Reiches gar nicht selbst besucht oder sich da nicht so oft aufgehalten. In den Kolonien ist er z. B. nie gewesen, in den Niederlanden hat er zunächst seine Tante (Margarete von Österreich, verwitwete Herzogin von Savoyen) und später eine seiner Schwester (Maria von Österreich, die verwitwete Königin von Ungarn) als Generalstatthalterinnen eingesetzt (was durchaus auch dazu beitrug, dass er sich dort eine gewisse Popularität bewahrte), die österreichischen Erblande überließ er seinem jüngerem Bruder (dem späteren König / Kaiser Ferdinand I., der über seine Ehefrau Anna später das Königreich Böhmen und Teile des Königreiches Ungarn übernehmen konnte. Mir ist nicht bekannt, ob er sie überhaupt einmal betreten hat.)

    Auf den Kriegsschauplätzen (mein Eindruck) ist er gewöhnlich auch nicht anzutreffen. Während der Schlacht von Pavia hielt er sich z. B. in Madrid auf (wo er angeblich seine Truppen durch Gebete unterstützte, wie es in einer Fernsehdokumentationsserie so schön heißt.) Aber ich habe jedenfalls den Eindruck, dass er das Kriegsführen meistens anderen überlassen hat. (Die vielleicht auch kompetenter waren als er.)

    Was Martin Luther und seine Reformationen betrifft, ursprünglich hatte dieser keineswegs die Absicht, eine Kirchenspaltung zu verwirklichen (das wurde erst für spätere Generationen sozusagen Faktum), da spielte auch eine ganze Reihe von Zufällen mit. Allerdings war Luther nicht der einzige Reformator, da gibt es noch Zwingli und Calvin, und letzter hatte vor allem seine Anhänger in Frankreich (die Hugenotten) und vermutlich auch in Schottland (Prebyterianer?).

    In italienischen und spanischen Ländern dürfte die Reformation keine wesentlichen Auswirkungen gehabt haben, wobei zumindest in Aragon, Kastilien und auch Portugal die Inquisition bereits unter den katholischen Königen (Karls Großeltern: Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon) eine ziemlich starke Position hatte und gegen Nichtchristen sehr strikt vorgegangen wurde.

    Was die Lage in Italien betrifft, habe ich keine Ahnung, ob die Reformation dort in irgendeiner Form wenigstens zu Beginn zu finden ist.

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    Ich hoffe, dass ich dir ein wenig weiterhelfen konnte, allerdings muss ich zugeben, dass es nicht gerade einfach ist, hier zu antworten, weil es einfach zu viele fragen sind.:winke:
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Januar 2015
  4. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    In der Schlacht bei Mühlberg im Schmalkaldischen Krieg war er persönlich anwesend. Aber auch den Feldzug gegen Tunis führte er persönlich.
     
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  5. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Auf dem Schlachtfeld von Mühlberg im schimmernden Kürass, die Lanze im Anschlag und auf einem feurigen Rappen sitzend ließ sich Karl von Tizian porträtieren.
     
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  6. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    War Karl V. eigentlich nur anwesend oder hat er sich auch aktiv an der Schlacht von Mühlberg beteiligt?
     
  7. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Anscheinend nur anwesend. Selbst in die Schlacht geworfen hat sich wohl nur der Herzog von Alba.
    Genau weiß ich das aber nicht.
     
  8. xXNatsuXx

    xXNatsuXx Neues Mitglied

    Teresa C., natürlich konntest du mir helfen, wie auch Ravenik vor allem!
    Ich finde das echt klasse, in was für einer Qualität man hier Antworten bekommt.. Hut ab! :)
     

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