Reiterbogen "schieß Technik" Mongolen / Hunnen

Dieses Thema im Forum "Das Mongolenreich" wurde erstellt von g19gen4, 27. Dezember 2014.

  1. g19gen4

    g19gen4 Neues Mitglied


    Hallo zusammen,

    ich bin neu hier im Forum.. und ich schieße in meiner Freizeit sehr viel Reiterbogen.
    Nach langem ergebnislosen suchen im Internet wende ich mich nun an euch und hoffe ihr könnt mir helfen!

    Mich interessiert die Genaue schieß Technik der Hunnen und Mongolischen Reiter.
    Verwendeten sie Daumenringe? Legten sie den Pfeil rechts oder links vom Bogen auf?
    Leider ist alles von diesem Kassai "überflutet" (versteht mich nicht falsch er ist ein top schütze) der seinen Daumen verloren hat und somit nun "seine" Technik publiziert. Ob diese authentisch ist oder nicht Interessiert im Wettkampf niemand.
    Mich würde es aber sehr Interessieren... vielleicht gibt es ja jemanden unter euch der sich mit dem Thema Hunnische / Mongolische Kriegsführung intensiver auseinandergesetzt hat.
    Die jeweilige Quelle würde mich auch sehr Interessieren.

    Vielen Dank
    und einen guten Rutsch
    Marvin
     
  2. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Asiatische Reflexbögen werden in der Regel mit Daumenringen geschossen: Von den Mongolen, Mandschus, Chinesen, Türken, etc. gibt es erhaltene Beispiele und Bilder. Von den Hunnen kann man es wohl ebenfalls annehmen, obwohl mir weder eine Darstellung noch ein Archäologischer Beleg bekannt ist.

    Bezüglich der Pfeilauflage, sieht man es auf alten Darstellungen wie auf modernen Fotos sowohl von links wie von rechts aufgelegt, da scheint es keine allgemeinverbindliche Regel zu geben. Ich würde annehmen, dass beim Reiten von links angelegt wird, um den Pfeil mit dem Zeigefinger festzuhalten.
     
  3. g19gen4

    g19gen4 Neues Mitglied


    Vielen dank für deine Antwort!

    villeicht weis ja nochmal jemand was zum Thema!?:scheinheilig:
     
  4. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Wir hatten hier mal einen Spezialisten zum Thema orientalischer Bögen. Der hat sich jedoch lange nicht mehr blicken lassen. Leider.

    Früher gab es hier ausführliche Diskussionen zum Thema (historisches) Bogenschiessen. Wenn Du die Suchfunktion des Forums bemühst, findest Du Einiges.
     
  5. Wilfried

    Wilfried Neues Mitglied

    Wie die Hunnen geschossen haben, weiß heute niemand mehr und für die Mongolen Dschinghis Khans gilt das selbe.Für die Ungarn sind Daumenringe nachgewiesen.
     
  6. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Die Hunnen sind vor Langem verschwunden und in anderen Völkern aufgegangen, da kann man nur spekulieren.

    Die Mongolen existieren jedoch noch und haben den Bogen bis vor relativ kurzer Zeit noch als Waffe gebraucht und benutzen ihn bis heute als Sportgerät. Da kann man m.E. schon relativ gut rekonstruieren, wie ihre Vorfahren diesen benutzt haben.
     
  7. Wilfried

    Wilfried Neues Mitglied

    nö, die haben ähnlich den Deutschen eine "alte Tradition" wieder aufleben lassen. Also irgendein westlicher Guru hat da erzählt, wies gegangen sein soll....
    Also das Bogenschießen in der Mongolei ist leider genu so modern wie in Deutschland.
     
  8. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    1812 hat die Russische Armee bei Leipzig noch Zentralasiatische Kavalleristen mit Bogen bewaffnet eingesetzt. Zu dem Zeitpunkt haben Mandschus, Mongolen und andere diese auch noch verwendet, in der Chinesischen Armee nachweislich noch zur Zeit der Boxeraufstände, zum Teil waren diese Truppen ethnische Mongolen.

    Auch wenn danach der Bogen zeitweilig komplett durch die Feuerwaffe verdrängt wurde (was ich bezweifel, denn als Jagdwaffe war es m.W. noch in Gebrauch, in der Gegend um den Baikal See z.B. bis weit ins zwanzigste Jahrhundert) ist es kein Zeitraum über dem die Technik komplett in Vergessenheit gerät.

    In Pekin hat die letzte Familie traditioneller Bogenbauer ihre Fertigkeit über die Kulturrevolution gerettet, in dem sie ihre letzten Bögen zwischen dem Brennholz versteckten.

    Anbei ein Bild aus Tibet von 1938. Man beachte den Daumenring.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Januar 2015
  9. Wilfried

    Wilfried Neues Mitglied

    Mongolen sind keine Chinesen etc...
    Während der Herrschaft der kommunistischen Partei hat das Bogenschießen in der Mongolei sein Aus erlebt.

    Ob da jetzt heimlich was überlebt hat? Jedenfalls schießen auf den Festen ein Teil über den Daumen und ein Teil über die Hand. Zum Teil im Second Release und z.T. mit Daumenauszug.
     
  10. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Dass Mongolen keine Chinesen sind weiss ich, die Innere Mongolei gehörte jedoch zu China und während der Boxeraufstände kämpften Mongolische Truppen unter Prinz Duan in Kern-China.

    Die Art des Bogenschiessens ist zudem bei Mongolen, Mandschus, Chinesen sehr ähnlich. Die Kommunistische Herrschaft war dort auch nicht so lang, dass es keine Leute mehr gäbe, die diese Techniken nicht kannten (deshalb mein Beispiel des traditionellen Pekinger Bogenmachers).
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Januar 2015
  11. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Ich habe noch ein paar alte Bilder von mongolischen Jägern um die Jahrhundertwende bzw. spätes 19. Jahrhundert gefunden:
     

    Anhänge:

  12. corto

    corto Aktives Mitglied

    Bdaian, das sind alles schon post-mandschu Schützen, also nichts eigen-mongolisches mehr - zumindest die pfeile sind definitiv eher schwer, lang und chinesisch ^^

    es ist müßig diesen Völkern die sich ständig gemischt und gegenseitig assimiliert haben "DAS ORIGINAL" nachzuweisen..

    aber genauso ist es mmn egal wer nun wie genau geschossen hat - das richtete sich (wieder meiner meinung nach) nach den Gegebenheiten.

    sonst hätte der osmane nicht leichte und kurze pfeile mit kurzen sehr stark reflexen bögen geschossen, und der chinese sehr sehr schwere und lange pfeile mit einem halben truthahn hinten dran und einen Bogen benutzt der auch als hiebwaffe schwer genug war ^^ und fast doppelt so lang wie z.b. der türkische...

    was wächst bei dir, was für tiere (mit wie langen sehnen und hörnern) gibts bei dir ?
    dann sag ich dir wie dein bogen und deine pfeile aussehen werden, und so schießt du dann auch.

    so ist mein pragmatischer Ansatz...
    wenn du direkte fragen hast schieß los, ich kann allerdings nicht behaupten "diesen" oder "jenen" stil zu beherrschen.
    ich schieße koreanisches, osmanisches und selbstgemachtes Zubehör auf einem altaegyptischen Bogen - patchworkbogenschütze oder so
     
  13. jmj-ra ssm.wt

    jmj-ra ssm.wt Neues Mitglied

    Es gibt einen Dänen, der sich mit experimentellem Bogenschießen beschäftigt hat und dazu an Ikonographien und historischen Berichten orientiert hat.

    Das hat mich jetzt zum Bogenschießen motiviert (vorher wollte ich nur ein paar Stunden nehmen um es mal ausprobiert zu haben), aber das hat so einen "Das will ich auch können!"-Reflex ausgelöst.

    Hoffentlich brauche ich keine 10 Jahre, ich will ja nicht wie er Weltrekorde brechen sondern nur die grundsätzliche Techniken lernen (mein Liebling ist bisher diejenige, in der man die Pfeile in der Schußhand zwischen die Finger klemmt - vermutlich auch die schwerste, ist ja mal wieder typisch)
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 25. Januar 2015
  14. Wilfried

    Wilfried Neues Mitglied

    Nun, der Herr Andersen ....
    Mit einem überlangen Kinderbogen und Stricknadeln zu schießen und das als "historisch" zu verkaufen , ist mutig
     
  15. jmj-ra ssm.wt

    jmj-ra ssm.wt Neues Mitglied

    Komisch, die anderen Sportschützen hatten ebenso große Bögen wie Andersen und 3 x langsamer geschossen, weil sie traditionelle Sport-Griffe benutzen. Kann dann ja nicht ganz so schlecht sein, diese Schieß-Technik.

    Auf den bildlichen Darstellungen sind Bögen, die genau so groß sind wie seiner. Grade auf nem Pferderücken ist so ein Riesen-Langbogen sicher nicht die beste Waffenwahl.
    Deswegen hielt ich die Links für passend zu der Frage des TE.
     
  16. Wilfried

    Wilfried Neues Mitglied

    Nicht nur traditionelle Griffe sondern auch höhere Zuggewichte. Wer schon mal versucht hat, 50# mit Secondrelease zu schießen, naja, der weiß, das dieses Tempo nicht drin ist.
     
  17. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Kinderbogen oder nicht, beeindruckend ist es trotzdem.

    Zugegeben: Ich würde nicht versuchen einen Bären mit so einem schwachen Bogen zu schiessen, oder auch nur einen Keiler.
     
  18. jmj-ra ssm.wt

    jmj-ra ssm.wt Neues Mitglied

    Ja, nicht wahr?

    Wenn man die Technik beherrscht, kann man Bögen mit mehr Zugkraft nehmen.
    Man steigt ja auch nicht mit 30 Kilo beim Kraftsport ein :D
     
  19. corto

    corto Aktives Mitglied

    nein, das kannst du so nicht übertragen.

    ein 20 pfund bogen ziehe ich dir auch mit dem ohrläppchen aus, oder noch weniger dazu gedachten körperteilen.
    ebenso kann ich dann meine wirbelsäule nutzen wie ich will - bei hohen zuggewichten kompressiert es dich dann zwischen den schultern.
    ein sauberes release geht so überhauptnicht, einfach weil das ohne entsprechende Spannung im Körper nicht möglich ist.

    und mal ernsthaft, ein 30# Bogen - der halb ausgezogen kettenhemden löchert - ähhhh ????
    merkste selbst oder ?
     
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  20. Wilfried

    Wilfried Neues Mitglied

    naja, 5/16" oder11/32" gehen beide als Pfeil durch eine ~10 er Kette ...
    Ein Kettenhemd ist nun mal für einen Pfeil nur eine Ansammlung von Löchern, und wenn der Ringinnendurchmesser größer 9 mm ist, geht ein handelsüblicher Pfeil da durch. Die "Fitastricknadel" sowieso.

    Beeindruckend ist diese Leistung allemale. Schon allein das Laufen und Springen sowie dabei nicht das Gerät verlieren.

    Nur eben daraus irgendwelche Rückschlüsse auf historische Schießstile zu machen, das wird nichts.

    60# + reißt man nicht eben mal so auf, abgesehen davon, das das Holz des Bogens das auf dauer nicht mitmacht
     

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