Religious knights

Dieses Thema im Forum "Religionsgeschichte" wurde erstellt von Armer Konrad, 13. Februar 2018.

  1. Armer Konrad

    Armer Konrad Aktives Mitglied


    Ein kommerzieller Foto-Anbieter verkauft das Bild eines Holzschnitt von 1880 mit dem Titel "Regligious knights" (religiöse Ritter). Abgebildet sind dabei aber Mönche in ihrem jeweiligen Ordenshabit mit folgender
    Beschreibung:

    Religious knights: A Hvid Bodsbroder, a Benedictine monk, a Cistercian, a Carthusian, a Dominican, a Franciscan, an Augustinian, a Capuchin monk, a Premonstecian, a Brother of Mercy, a Carmelite and a Jesuit, woodcut from 1880
    (da es sich um eine kommerzielle Seite handelt, habe ich hier nicht verlinkt).

    Soweit so klar, es handelt sich um einen Benediktiner, Zistzerzienser, Karthäuser, Dominikaner, Franziskaner, Augustiner, Kapuziner, Prämonstratenser, Mercedarier, Karmeliter und einen Jesuiten.

    Was aber ist ein Hvid Bodsbroder ?

    "hvid" dänisch "weiss" ? , "broder" dänisch "Bruder" ? --> "Betbruder" ? Was für ein Mönchsorden (oder geistlicher Ritterorden ?) könnte das sein ? Während die anderen Mönche ihren korrekten Habit tragen trägt dieser Hvid Bodsbroder eine weisse "Henkermaske" mit Sehschlitzen, so ähnlich wie bei spanischen Osterprozessionen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Februar 2018
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Könnte es sich um einen spanischen Penitenten handeln? (Sieht ein wenig nach dem KKK aus, ohne etwas mit diesem zu tun zu haben.)

    [​IMG]

    Die gibt es in allen möglichen Farben, je nach Hermandad/Cofradía. Die Penitentes (Büßer) sind Laien.
     
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  3. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied


    Ich vermute auch, damit sind weiße "Penitents" gemeint. Warum die auf Dänisch genannt werden, die anderen Mönchsorden jedoch auf Englisch und dann auch noch fälschlich als Ritter, verstehe ich nicht.
    In dieser dänischen Reisebeschreibung über die Provence werden jedenfalls Les Pénitens Blancs auch als hvide bodsbrødre bezeichnet.
     
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  4. Armer Konrad

    Armer Konrad Aktives Mitglied

    Merci - dieser Hinweis hat mich weitergebracht. Es scheint in Südfrankreich confréries d.h. Bruderschaften gegeben zu haben, welche verschiedene Kapellen und Kirchen gestiftet hatten. Ich habe Bruderschaften der "Weissen Büsser", der "Schwarzen Büsser" und der "Grauen Büsser" gefunden. Auch in Spanien scheint es solche Büsser-Bruderschaften gegeben zu haben.
    Warum allerdings diese Laienbrüder der Bruderschaft der "Weissen Büsser" zusammen mit den illustren Mönchsorden auf den Holzschnitt kommen, ist doch etwas kurios.

    Confrérie de pénitents — Wikipédia
     
  5. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    Könnte es sein, dass um 1880 für die Menschen, selbst Historiker, gewisse Unterschiede nicht mehr wahrgenommen wurden? Immerhin sind mir inzwischen mehrere Fälle untergekommen, wo offensichtlich Geschehnisse im Mittelalter in der Erinnerung miteinander verschmolzen sind, auch wenn sie ursprünglich keineswegs miteinander zu tun hatten oder zwischen ihnen mehrere Jahrzehnte, sogar Jahrhunderte liegen.

    Wäre es da nicht vorstellbar, dass jemand eine Laiengruppe von "Büßermönchen", die inzwischen als solche nicht mehr bekannt waren oder nicht mehr existieren, ebenfalls für einen renommierten Orden gehalten hat?
     
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  6. Chan

    Chan Aktives Mitglied

    "Bodsbroder" halte ich für falsch geschrieben. Was auf dänisch Sinn machen würde, wäre "Blodsbroder", also Blutsbruder. Dieses Wort gibt es. "Beten" heißt auf dänisch "bede" und "Gebet" "ben", weshalb "Betbruder" als Übersetzung wegfällt. Das mittelalterliche Mönchstum hat meines Wissens aber keine Assoziation mit Blutsbrüderschaft, also ist "B(l)odsbroder", egal wie gemeint, in diesem Kontext fehl am Platz, genauso wie die pauschale Titulierung der diversen Mönchstypen als "religious knights", auch wenn Ritterorden Mönche als Mitglieder hatten.

    Diese Titulierung entspricht logisch einer Abduktion: Die Straße ist nass, weil es geregnet hat (häufige Logik bei Doyles´s Sherlock Holmes). Allerdings kann die Straße auch aus anderen Gründen nass sein. Ebenso kann es sein, dass (im Mittelalter) Mönche "religious knights" sind, aber es muss nicht sein.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Februar 2018
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  7. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Ich denke, Konrads Übersetzung mit Büßer, meinetwegen auch Bußbrüder, ist ziemlich nahe dran.
     
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  8. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

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  9. Armer Konrad

    Armer Konrad Aktives Mitglied

    Merci für die Infos. Es handelt sich bei den Bussbrüdern offenbar um Bruderschaften, die vor allem in Südfrankreich und in Spanien (im Mittelater hatten sie in der Provence und im Languedoc einige Kapellen gestiftet) aktiv waren und heute - wie Teresa bemerkt - aus dem hist. Bewusstsein weitgehend verschwunden sind. Der Link, den Sepiola angegeben hat, lässt die Vermutung aufkommen, dass hier eine Verbindung zu den mittealterlichen Geissler (Flagellanten) bestehen könnte.

    Jedenfalls wurden Geisslerzüge im 14. und Anfang des 15. Jahrhundert (Konzil von Konstanz) verboten (im Spätmittelalter gab es in Thüringen eine geheime Geisslersekte die von der Inquisition entdeckt wurde), wobei sich aber - von der Kirche geduldete - "Selbstgeisselungs"-Bruderschaften bildeten (in Italien sind mir die Scopatori und Bianci --> die Weissen ! bekannt).
    Gemäss Sepiolas Links halte ich es jetzt durchaus für möglich, dass es sich bei diesen "Büsser-Bruderschaften" um "christliche Geisslergesellschaften" gehandelt hat, welche ihren Ursprung in den mittelalterlichen Flagellaten-Bewegung haben.

    Ganz unabhängig von der Thematik ist in diesem Zusammenhang interessant und mir erst jetzt so richtig zu Bewusstsein gekommen : Wenn ein geschichtliches Ereignis, eine historische Bewegung oder ähnliches aus irgendeinem Grund den Sprung zur Digitalisierung nicht schafft, gerät diese irgendwann vollständig in Vergessenheit. Wenn im vorliegenden Fall die "Bussbrüder" den Sprung ins Wikipedia nicht schaffen oder Werke/Arbeiten, die sich mit ihnen befassen als irrelevant angesehen und nicht digitalisiert werden, wird ihre Existenz noch mysteriöser.
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es gibt sie bis heute. Besonders bekannt sind die Prozessionen während der Semana Santa.
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Chans Hinweis mit den Blutsbrüdern ist ganz gut, nur müssen wir uns von der Vorstellung á la Karl May lösen. Hier sind mit Blutsbrüdern keine Borderliner gemeint, die sich ritzen und dann - in der Vorstellung, dass sich dann das Blut vermische - ihre Wunden aufeinander halten, sondern Flagellanten, also Leute, die sich geißeln.
     

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