Revolutionen in Frankreich

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Nationalstaaten" wurde erstellt von Bildungskind, 5. August 2015.

  1. Bildungskind

    Bildungskind Neues Mitglied


    Hallo,

    ich habe mich schon länger gefragt, warum die Fürsten anderer Staaten die Revolutionen in Frankreich tolerierten und nicht eingriffen. Bei der Julirevolution 1830 hatte ich noch die Erklärung, dass Großbritannien eine konstitutionelle Monarchie billigte und die anderen Fürsten (außer Metternich) keinen Krieg (ohne Großbritannien) wollten und die Stabilität als vorhanden sah.

    Doch warum haben sie den Aufstieg Napoleon III. nicht gehindert? Sein Aufstieg ähnelt schließlich einen kleinen Teil dem von Napoleon I. Warum haben die anderen Staaten nicht interveniert, als ein Bonaparte auf dem französischen Thron kam? Er hat sich, soweit ich weiß, erst ab dem Krimkrieg die außenpolitische Isolation überwunden und konnte seine Herrschaft somit endgültig festigen.
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wer hätte denn deiner Meinung nach intervenieren sollen?
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied


    Vielleicht vergleichst Du mal, was in der Zeit evtl. in anderen Ländern los war. Wohlmöglich findest Du da eine Erklärung, warum einige andere Staaten nicht so arg viel Muße dazu hatten, um sich in die innerfranzösischen Verhältnisse einzumischen.
     
  4. Bildungskind

    Bildungskind Neues Mitglied

    Naja, das Kaisertum wurde 1852 wiederbelebt. Das war eigentlich auch dieser Moment, wo die Revolution 1848/49 wieder etwas in den Stillstand gekommen ist. Bei der antifranzösischen Stimmung der Deutschen verwundert mich dies jedoch trotzdem. Sie haben schließlich zugelassen, dass unter Napoleon III. Gebiete in Europa annektiert wurden und Frankreich wieder so zu einer sehr mächtigen Macht wurde.
     
  5. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Welche Deutschen??? Meinst Du die Preußen oder die Österreicher, vielleicht auch die Bayern oder doch die Badener?

    Generell scheint im Hintergrund die Vorstellung vorhanden zu sein, dass Konflikte schnell mit einer militärischen Intervention "zu Recht gebogen" werden können. Dem ist nicht so, auch wenn man wieder "zurück" zur Zeit der "Kabinettskriege" hat gehen wollen! Aber das war nicht mehr möglich.

    Interventionen gegen Nationalstaaten kosten immense Haushaltsmittel, die sich eigentlich kein monarchischer Staat zu dem Zeitpunkt leisten konnte, zumal diese den Weg zurück zu den "stehenden Heeren" beschreiben wollten und somit "die Zeit zurückdrehen wollten". Zumal die Intervention gegen eine nationalistisch mobilisierte Nation - also Frankreich - hätte stattfinden müssen. Gleichzeitig hatten vor allem die monarchistischen Staaten, die gegen Napoleon gekämpft hatten, alle revolutionären Ideen in Richtung Nation und Volkssouveränität massiv in ihrem eigenen Staat bekämpft und die entsprechenden Reformen von oben teilweise auch wieder rückgängig gemacht.

    Und das war eigentlich das letzte, was das metternich`sche Restaurationsdenken wirklich wollte, sich erneut mit den revolutionären französischen Ideen zu beschäftigen und sei es auch "nur" in Form der Kriegsführung. Man wollte das "austarierte" Gleichgewicht der Kontinentalmächte so belassen und beließ es auch so im Prinzip bis ca. 1914, nach der "klein-deutschen Lösung".

    Deine Ideen zur "Eindämmung" der Franzosen im neunzehnten Jahrhundert beschreiben ein Europa, das es so nicht gab.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. August 2015
  6. Bildungskind

    Bildungskind Neues Mitglied

    Das erklärt einiges. Jedoch wollte Metternich 1830 schon eine Militärintervention, worauf niemand wirklich Lust darauf hatte. Ich habe wohl schlichtweg übersehen, dass sich Kriege in diesem Jahrhundert weiterentwickelt haben, mehr Menschen brauchen und die Fronten immer starrer und blutiger wurden, was man ja beim Krimkrieg oder beim Ersten Weltkrieg sah. Sowas hätte ein gigantisches Blutbad erzeugt.

    Danke für die Antwort.
     
  7. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    So ganz richtig ist das nicht:

    Der preuss-østerreich. Krieg, die Intervention Frankreichs in Italien gegen Østerreich, der Krieg gegen Dænemark, und der preuss./(dt.) - frz. Krieg 70/71 waren alles Bewegungskriege nach mehr oder weniger gewohnter Art und mit -im Vergleich zum 1. Weltkrieg- vergleichsweise geringen Truppenzahlen.

    (Beim Krimkrieg gab's sogar noch Kavallerie-Attacken, aber der passt hier wegen der Besonderheit einer Belagerung auch nicht ganz rein)

    Gruss, muheijo
     
  8. romanus00I

    romanus00I Neues Mitglied

    Weil es keinen Grund dazu gab - Revolutionen gab es 48' (als Napoleon III. gewählt wurde) in ganz Europa, da hätte also (außer Russland) niemand intervenieren können. Außerdem kandidierte Napoleon für eine konservative Bauernpartei (die aufgrund der arbeiterfeindlichen Haltung der Republik aber durchaus auch Teile der Arbeiterschaft für sich gewinnen konnte). Warum sollten die konservativen Monarchen Europas gegen ihren zwar gewählten, aber trotzdem konservativem/reaktionären Amtskollegen Krieg führen?

    Als Napoleon dann im Dezember 1851 den Staatsstreich gegen die Fr. Republik führte und ein autoritäres Regime einrichtete, kam der Widerstand vor allem aus der Reihe der Liberalen und Republikaner. Du meinst doch nicht, dass Franz-Joseph I. mit seinen Truppen die Demokratie gegen die Diktatur unterstützt hätte, während er im eigenen Land gerade die Verfassung aufgehoben hatte? Mit seinem Coup d'état ging Napoleon III. nämlich nicht gegen den Strom, sondern handelte wie alle anderen Herrscher Europas, die die 48er-Revolution niederschlagen ließen und ihre Errungenschaften beseitigen wollten. Und als er sich zum Kaiser ausrief, beschwor er die zwar Angst vor dem Gespenst Napoleon I., aber für die Monarchen Europas war er keine Gefahr mehr.

    Warum auch? Für Österreich war zwar das Selbstbestimmungsrecht der Völker durchaus eine Bedrohung, und es gab dann ja auch einen Krieg zwischen Frankreich und Habsburg. Dennoch hatte Napoleon III. gar nicht den Wunsch, als Revolutionär und Fürstenmörder aufzutreten (das hatte er seit seiner Jugendzeit überwunden). Er wollte als gemäßigter Anhänger des Mächtegleichgewichts in Europa auftreten, als Modernisierer Frankreichs und als Vertreter des Gedanken des Nationalstaats. Invasionen und Revolutionen in ganz Europa lagen ihm fern.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. August 2015

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