Saladin

Dieses Thema im Forum "Der Islam und die Welt der Araber" wurde erstellt von Leopold Bloom, 18. Juli 2004.



  1. Timurçin

    Timurçin Gesperrt

    Würde das dann auch auf die Osmanen und deren Herrscher zutreffen?

    Soweit ich weiß, haben diese ja auch jeden Krieg gegen das christliche Abenland als Dschihad auf gefaßt
     
  2. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Ja, Kriege wurden als Dschihad-Kriege legitimiert (zumindest diejenigen Richtung Christentum), waren aber realpolitisch letztlich gewöhnliche Territorialkriege, wie so manch andere im Europa jener Zeit.
     
  3. alessbra

    alessbra Neues Mitglied

    Saladin aus der Sicht der Muslime bzw der Biografen abu Shama, ibn al-athir und baha' ad-DIN:

    Inwiefern hat ibn al athir Saladin kritisiert???
     
  4. Gangflow

    Gangflow Aktives Mitglied

    Wiki:
    Als die Kreuzritter 1153 Askalon eroberten, war Ägypten von Syrien isoliert. 1163 griffen die Christen Ägypten an, das durch eine Reihe von sehr jungen fatimidischen Kalifen geschwächt war. Der vormalige Wesir Schawar, der aus Ägypten geflohen war, bat Nur ad-Din ein Heer nach Ägypten zu senden, um ihn in Kairo einzusetzen. Dafür würde er die Kosten übernehmen, jährliche Tributzahlungen leisten, Nur ad-Dins Herrschaft anerkennen und die Grenzbezirke abtreten. Nur ad-Din wollte seine eigene Armee nicht für die Verteidigung Ägyptens verschwenden, doch sein Kommandeur Schirkuh überzeugte ihn 1164, eine Invasion zu wagen. Das Ergebnis dieses Unternehmens war die Vertreibung der Kreuzritter vom Nil, obwohl diese weitere Invasionen versuchten, bis Nur ad-Din 1169 die Herrschaft in Ägypten endgültig übernahm. Schirkuhs Neffe Saladin wurde Sultan des neu eroberten Landes.

    Auch die Eroberung von Jerusalem 1099 durch die Kreuzfahrer während des Ersten Kreuzzugs und die Gründung des Königreichs Jerusalem konnten die Fatimiden nicht mehr verhindern und nach erfolglosen Rückeroberungsversuchen (Schlacht von Ramla) gerieten sie 1130 zunehmend unter den Einfluss der Kreuzfahrer. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Belagerung von Askalon (1153) durch König Balduin III. von Jerusalem verloren die Fatimiden den letzten Stützpunkt in Palästina. Um einer Eroberung Ägyptens durch die Kreuzfahrer zuvorzukommen, führte Nur ad-Din, der Herrscher von Damaskus, bereits 1163 einen Feldzug nach Ägypten, bis sein Offizier Saladin 1171 die Fatimiden stürzte und die Dynastie der Ayyubiden begründete.


    Nur ad-Din Herrscher über Syrien starb 1174. Ibu al-Atir schreibt: Nur ad-Din hatte gerade begonnen sich auf einen Zug nach Ägypten vorzubereiten, um es Salah ad-Din Jusuf ibn Ajjub (Saladin) abzunehmen. Er hatte an ihm eine gewisse Lauheit bemerkt, die Franken auch seinerseits anzugreifen, und wußte, daß das einzige, was Saladin am Kampf hinderte, die Furcht vor ihm selbst (Nur ad-Din) war und vor einem Zusammentreffen mit ihm, insofern als er es vorzog, die Franken in der Mitte zu haben, um durch sie vor Nur ad-Din geschützt zu sein.
     
  5. alessbra

    alessbra Neues Mitglied

    Danke für die Info :hoch:
     
  6. nadiab

    nadiab Neues Mitglied

    Baha'ad-Din, war beispielsweise ein sehr enger Freund von Saladin und hatte ihn nie kritisiert, im gegenteil, er hat ihn nur als milden, ehrenvollen, gerechten etc. Menschen dargestellt.
    Ibn al-athir hingegen hatte Kritikpunkte gegenüber Saladin, aber welche waren diese?
    Das Saladin zu milde gegenüber Christen war? das kann es ja nicht gewesen sein oder?
     
  7. Gangflow

    Gangflow Aktives Mitglied

    Ibn al-athir hat Saladin nicht grundsätzlich kritisiert und dessen Erfolge richtig beschrieben. Aber er war auch nachtragend und sah sich dem Herrscher von Syrien Nur ad-Din mehr verpflichtet und es kam immer wieder durch, daß Saladin als Offizier und nach Ägypten entsandter Sultan des Herrschers von Syrien nicht immer die unbedingte Gefolgschaft für seinen Herrscher an den Tag legte. Um nicht in zu engen Kontakt mit Nur ad-Din zu geraten, war Saladin vielleicht dankbar für die Franken, die sich zwischen Syrien und Ägypten befanden und hielt sich mit Angriffen gegen sie auffallend zurück.

    Baha' ad-Din war Saladin sicher mehr verpflichtet als Vorsteher seiner Kanzlei und sicher auch ein Freund.
     
  8. nadiab

    nadiab Neues Mitglied

    Vielen dank, hast mir sehr geholfen :)
     
  9. KritischerBlick

    KritischerBlick Neues Mitglied

    Ich möchte auch noch etwas beisteuern zu Saladin. Ich denke er wird verklärt. Obwohl es oft so dargestellt wird, verhielt sich Saladin bei der Eroberung Jerusalems ganz und gar nicht gnädig. Er verhielt sich sogar extrem hart gegenüber der christlichen Bevölkerung. Das betont auch der Historiker Rodney Stark in seinem neuen Buch ‚Die Gotteskrieger‘ (2015).Auch bei Hattin hat er jede Mene Ordensritter abmetzeln lassen.
     
  10. Gangflow

    Gangflow Aktives Mitglied

    So schaut die eine Seite auf die andere. Im Verlauf des ersten Kreuzzuges (1095-1099) zeigten die Kreuzzügler ihre grausame Seite. Ibn-al-Atir berichtet vom Sieg gegen die Türken vor Antiochia, unter denen sie ein Blutbad angerichtet hätten. Akkon wurde erfolglos belagert und man wandte sich nach Jerusalem. Am 15. Juli 1099 gelang die Eroberung.: „Die Einwohner wurden ans Schwert geliefert, und die Franken blieben eine Woche in der Stadt, während derer sie die Einwohner mordeten.“ Bevor sie sich wieder Akkon zuwandten raubten sie den Felsendom aus. Wo sie auftauchten richteten sie ein Blutbad an.

    Saladin nahm während des dritten Kreuzzugs in der Schlacht von Hattin Rache für alle diese Gräuel und die ständigen Vertragsverletzungen der Franken. Den Fürsten Renaud von al-Karak konfrontiert er nach der Schlacht damit: „Wie oft hast du geschworen und deinen Schwur gebrochen, wie viele Verpflichtungen bist du eingegangen, ohne sie zu halten, wie viele Abkommen schließt und brichst du, wie oft stimmst du einer Vereinbarung zu und entziehst dich ihr!“ Dem christlichen Fürst fiel dazu nur ein: „So ist es eben Brauch unter den Königen, ich bin nur dem allgemein begangenen Pfad gefolgt.“

    Ibn-al-Atir berichtet weiter: Nach der erfolgreichen Belagerung Jerusalems (1187) bat eine Abordnung der Franken vergeblich Saladin um Gnade und freien Abzug: „Ich verfahre nicht anders mit euch als ihr mit der Bevölkerung Jerusalems, als ihr nach dessen Eroberung (1099) die Einwohner ermordet oder in Sklaverei geführt und ähnliche Grausamkeiten verübt habt!“. Erst auf die Drohung der Franken hin, den Felsendom, die Moschee al Aqsa und die gesamte Stadt zu zerstören und in Brand zu setzen und dabei den Märtyrertod auf sich zu nehmen, lenkte Saladin ein und versprach freien Abzug um Schlimmeres zu verhüten.
    Der große Patriarch der Franken verließ die Stadt mit den Schätzen der Kirchen: des Felsendoms, al-Aqsas, der Auferstehungskirche und anderer - Gott allein weiß, wie viele Schätze es waren - und mit ebensoviel Geld. Saladin machte ihm keine Schwierigkeiten; als ihm geraten wurde, alle diese Schätze zum Wohle der Muslime einzuziehen, antwortete er, er gedenke nicht, sein Wort zu brechen.

    Saladin: „Legen wir die Abmachungen zu ihrem Schaden aus, bezichtigen sie uns in ihrem Unwissen über den wahren Sachverhalt des Wortbruchs. Darum wollen wir sie nach dem Buchstaben des Sicherheitsvertrags behandeln und ihnen nicht erlauben, den Gläubigen Eidbrüchigkeit vorzuwerfen, vielmehr sollen sie von den Wohltaten berichten, mit denen wir sie überhäuft haben."
     
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  11. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Woraus genau zitierst Du?
     
  12. Gangflow

    Gangflow Aktives Mitglied

    Ich zitierte aus:

    Francesco Gabrieli, Die Kreuzzüge aus arabischer Sicht / Bechtermünz Verlag
     
  13. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Ich weiss zwar nicht, wo genau Gangflow die Passage gefunden hatte, sicherlich nicht in dem dubiosen Buch - des Nicht-Historikers ! - Stark. Die ideologische Einschätzung von Stark auf Wiki, eines christlich engagierten Religions-Soziologen, bestätigte mein vorheriges und davon unabhängiges negatives Urteil über ihn und seine "spezielle" Sicht zu den Kreuzzügen.

    Ansonsten: Sinngemäß läßt sich beispielsweise bei Asbridge (Die Kreuzzüge, Pos. 6438) finden: "Das Verhalten des Sultans muss in seinem Zeitkontext, also in Bezug auf die zeitgenössischen Wertvorstellungen interpretiert werden. Unter diesen Voraussetzungen agierte Saladin im Herbst des Jahres 1187 tatsächlich vergleichsweise milde".

    Das bestätigt zumindest tendenziell, dass vor allem "Kritischer Blick" zur Verklärung beitragen möchte und von "Gangflow" eine sinnvolle Differenzierung der Perspektiven auf den Konflikt eingeführt worden ist.

    Eine Sicht, die ähnlich sich auch bei Cobb (Der Kampf ums Paradies), Maalouf (The Crusades through Arab Eyes) und historisch sich auch bei Usama ibn Munqidh (The Book of Contemplation) findet.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Februar 2016
  14. Ingeborg

    Ingeborg Premiummitglied

    Thanepower hat bereits darauf hingewiesen, daß Stark kein Historiker ist. Der de-WP zufolge ist er Religionssoziologe. In der englischen WP ( https://en.wikipedia.org/wiki/Rodney_Stark ) findet sich noch der Hinweis, daß Stark die Evolutionstheorie kritisiere, er soll jedoch andererseits kein Kreationist sein.

    Bei der de-WP wird eine in der FAZ publizierte Rezension des Buches zitiert:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Rodney_Stark

    Nun ja, wenn selbst die FAZ das Urteil "revanchistische Kampfschrift" veröffentlicht....
     
  15. Luziv

    Luziv Neues Mitglied

    Wenn man nicht anders verfährt als andere, ist man wohl auch nicht edler als andere. Und wer angefangen hat, ist ja auch eine schwierige Frage. Meines Wissens war Jerusalem jedenfalls nicht seit Anbeginn aller Zeiten muslimisch beherrscht. Was sich alles so als anti-islamophob äußert, will auch immer genau geprüft sein. Apologetische Verklärung ist jedenfalls in jeder Hinsicht unsinnig, wen es auch trifft. Mal ein Post aus diesem Thread dazu, ist ja schon etwas älter:

     

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