Schach im Kalten Krieg

Dieses Thema im Forum "Blockbildung und Kalter Krieg" wurde erstellt von salvus, 29. Januar 2013.

  1. salvus

    salvus Aktives Mitglied


    Als Schachspieler mußte ich dieses Thema irgendwann eröffnen.

    Entschuldigung dafür.:weinen:

    Meines Erachtens war das Schachspiel ein ideales Proppagandamittel für die ehemalige Sowjetunion.

    Schach ist ein hochgeistiges Spiel. Es hat eine lange Historie und jeder weiß, welch hohe Anforderungen dieses Spiel an Körper und Geist stellt. Nun hat wohl schon Lenin gerne Schach gespielt und wohl auch somit die große sowjetische Schachtradition mitbegründet. Es gab schon im 19. Jahrhundert bedeutende russische Schachspieler, wie z.B. Tschigorin oder auch Petroff.

    Nach dem 2. Weltkrieg hat die Sowjetunion das Weltschach allerdings dominiert.

    Die Weltmeister kamen stets aus der Sowjetunion.
    Michail Botwinnik war ein Aushängeschild, welches den WM-Titel viele Jahre lang behielt (mit Unterbrechungen). Andere große Namen sind Tigran Petrosjan, Vassily Smyslow, Michai Tal, Boris Spassky, Anatoly Karpov und natürlich Garry Kasparov.

    Aber es gibt hier interessante Geschichten.
    Inwieweit waren die Schachweltmeisterschaften, die die sowjetischen Meister unter sich ausmachten vom Kreml gesteuert?

    Einschneidend war natürlich der Kampf in Island 1972 zwischen Spassky und Bobby Fischer (USA). Ein einziger Nervenkrieg. Stand dabei Spassky für ein politisches System und Fischer für sich selbst?
    Und vorher?
    Im Kanditatenturnier zur WM unterlag der sowjetische Spieler Mark Taimanov (damals Weltklasse) Fischer mit 6:0, ein Debakel. Taimanov durfte danach mehrere Jahre nicht in den Westen (zu lukrativen Turnieren) reisen.

    Und dann 1978:
    Schach WM Karpov-Kortschnoi:
    Der systremtreue Karpov gegen den Dissidenten Kortschnoi!
    Eine WM voller Skandale.
    Karpov führt fast uneinholbar 5:2 ( es ging auf 6 Gewinnpartien).
    Kortschnoi holt auf 5:5 auf und verliert die 32. Partie. Karpov bleibt Weltmeister.
    Kortschnoi behauptet in seiner Biographie, daß wenn er denn WM Kampf 1978 gewonnen hätte, der KGB ihn ermorden wollte, da er 1976 in den Westen emigrierte.
    Die vielen psychologischen Spielchen während dieser WM (welche vielen Leuten heute absurd vorkommen) möchte ich nicht kommentieren.

    Fakt ist wohl:

    Der Titel des Schachweltmeisters war der ehemaligen Sowjetunion sehr wichtig.
    Zeigte er doch wohlmöglich die geistige Überlegenheit der Sowjetunion gegenüber dem Westen.

    Wie sehr ein Schachweltmeister wie z.B. Karpov in das System involviert war zeigt auch die Biographie von Garry Kasparov "Politische Partie". Wahrscheinlich war auch der Weltschachbund FIDE ein Teil dieses Systems.

    Schach war offensichtlich für die Sowjetunion ein wichtiger Teil des kalten Krieges.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Januar 2013
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  2. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Das glaube ich kaum, dafür hat sich nicht genug nach Gründung der Sowjetunion geändert.

    Im Bereich des Schachs hat sich sehr früh die gute Förderung durch den Staat gezeigt. Im Vergleich zu anderen Ländern wurden Talente früh gesichtet und dann auch gut gefördert. Insbesondere Tschigorin wurde als Vorbild gesehen und bereits 1924 wurde die allrussische Schachföderation mit in den Fünfjahresplan aufgenommen (natürlich nicht mehr mit dem zaristischen Namen).

    Schachmeister wurden gefördert und bezahlt und konnten sich so hoch angesehen dem Schach widmen. Ähnliches war im Westen nur relativ wenigen Spitzenspielern möglich. Dieses Reservoir an guten Schachspielern war für viele Jahrzehnte die Basis sowjetischer Erfolge. Westliche Spitzenspieler nahmen dies immer relativ monolithisch wahr, obwohl sich die einzelnen sowjetischen Schachschulen untereinander ziemlich beharkten.

    Solwac
     
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  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter


    Interessantes Thema.

    Die ideologische Komponente in der Sowjetunion geht mindestens auf die 1930er zurück, und fand einen Nährboden im dortigen Volkssport Schach.

    Erwähnen würde ich noch den späteren Dissidenten und Weltmeister, den ersten sowjetischen Landesmeister Aljechin. Aljechin ging der Sowjetunion ebenso "verloren" wie Bogoljubow und Nimzowitsch, eigentlich also die Weltspitze (wenn man von den Spielern ausserhalb der SU absieht). Die Voraussetzungen für die Politisierung des Schachsports waren überdies in den 1930er für die SU, die sich zum ausland abschottete, nicht ideal.

    Das änderte sich nach dem Zweiten Weltkrieg und im Übergang zum Kalten Krieg. Nach meinem Eindruck war diese Ideologisierung, Schachleistungen als Ergebnis des "überlegenen Systems", aber stets einsetig. Das auch deshalb, weil "im Westen" das Schachspiel nicht die vergleichbare Popularität hatte und solche Beachtung fand. Mit dem legendären Wettkampf Spasski-Fischer war das natürlich anders, auch im Widerhall der Medien im Westen. Hier kämpften monateang die Systeme, Krieg am Schachbrett: Spasski unterlag, die jahrzehntelange sowjetische Überlegenheit war gebrochen.

    Von Fischer gibt es aber auch eine weitere interessante Anekdote aus jungen Jahren, mit Fischer als Herausforderung der sowjetischen Schachschule: die "sizialianische Vesper". Hintergrund war die Najdorf-Variante in der Sizialianischen Verteidigung, gespielt in einem Interzonenturnier Argentinien-UdSSR mit je 4 Spielern (darunter Spasski, Geller, Keres). Die Argentinier gingen synchron in drei Partien mit der Göteburger Variante als überraschender Neuerung gegen die sowjetischen Großmeister unter. Drei Partien verliefen im Turnier sensationell parallel, und waren von den argentinischen Großmeistern in der "Hausarbeit" sorgfältig präpariert worden, um dann "am Brett" von drei sowjetischen Großmeistern vernichtend gekontert zu werden: ein Sieg des Sozialismus, der sowjetischen Schachschule, sozusagen Beleg der geistigen Überlegenheit.
    Efim Geller ? Wikipedia

    Zur allgemeinen Überraschung - die Variante war nach dem Auftritt der sowjetischen Großmeister tot! - spielte Fischer dann diese ("unspielbare") Göteburger Variante im Najdorf-Sizilianisch gegen den jugoslawischen Großmeister Gligoric und hielt in der angeblich unspielbaren Variante das Remis.
    Svetozar Gligoric vs Robert James Fischer (1958)
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Januar 2013
  4. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    1. Spitzensport war insgesamt der Repräsentant für die Leistungsfähigkeit der beiden Blöcke. Insofern galt das natürlich auch für das Schachspielen.

    2. Die geistige Überlegenheit mußte die UdSSR gar nicht zeigen, da sie über die deutlich überlegene Theorie des "Historischen Materialismus" verfügte, der ihr eine Prognose zukünftiger gesellschaftlicher und politischer Konstellation ermöglichte und sie die "gesicherte" Erkenntnis hatte, dass der Kapitalismus ein historisches "Auslaufmodell" sei. Dass sich - bedauerlicherweise - seiner prekären Situation, weil der Westen lediglich den Zugang zu "bürgerlichen Theorien" hatte, nicht bewußt wurde.

    3. Schach war aber sicherlich kein objektiv wichtiger Teil des "Kalten Krieges". In der medialen Aufbereitung erhielt er bestenfalls eine gewisse mediale Resonanz und erzeugte somit eine gewisse Form der subjektiven Wichtigkeit. Eine derartige "Erhöhung" des Schachs übersieht deutlich wichtigere Dimensionen der politischen, der ökonomischen, der gesellschaftlichen und nicht zuletzt militärischen Rivalität der beiden Blöcke.
     
  5. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Wieso meinst du, es hätte sich nicht genug nach Gründung der UdSSR geändert?

    Das gesamte System wurde erst durch Krylenko und Iljin-Genewskij aufgebaut. Tschigorin diente doch nur als Etikett, ich wüsste nicht, dass er größere Aktivitäten in Richtung einer Schachschule unternommen hätte.
    Überhaupt verdiente die allrussische Schachföderation kaum ihren Namen, organisiertes Schach in größerem Umfang gab es in Russland noch nicht.
    Ohne Krylenko, Iljin-Genewskij und Grigoriev wäre der Höhenflug undenkbar.
     
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  6. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Du sprichst von der grundsätzlichen Überlegenheit des Systems, die geistige Überlegenheit des Individuums, dass sich aus diesem System entwickelt, wurde schon sehr gerne unterstrichen.

    Das ist ein Blick aus rein westlicher Perspektive. Aus sowjetischer Sicht hatte Schach eine erhebliche Relevanz. Nicht umsonst wurden ganz erhebliche Mittel für die Erringung der Überlegenheit auf sportlichem Gebiet ausgegeben, wobei Schach in der Sowjetunion einen der vorderen Plätze belegte.
     
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  7. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    zu 1. Nein, ich habe lediglich von einem "Erkenntisnisprozess" gesprochen, der dem HM eigen ist. Seinem Vorgehen bei der Analyse von historischen Prozessen und der Fähigkeit der Prognose.

    Das damit zusammenhängende, prognostizierte Ende des Kapitalismus, ist die eigentlich Basis für die "Überlegenheit" des Systems, da das System der Erkenntnis überlegen ist.

    Und darauf zielte mein Einwurf ab, dass der HM nicht des Schachs bedurfte, um sich selber für überlegen zu halten.

    zu 2. Nein, das ist absolut keine westliche Perspektive. Die eigentlichen Probleme und die die auch sehr kostspielig waren, vollzogen sich im Bereich der Bündniskonstellationen und der Rolle und der Lasten der Supermacht UdSSR. Dagegen war Schach ein Posten, der aus der Portokasse finanziert wurde.
     
  8. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Irgendwelche Bündniskonstellationen spielten sich doch erst mal hinter den Kulissen ab, größere Propagandawirkung war damit nicht zu erzielen.

    Natürlich war Schach preisgünstig zu haben - das sagt aber doch nichts über den Stellenwert aus. Gerade weil es wenig kostete, war Schach wunderbar zur Demonstration der Überlegenheit geeignet.
    Ein Großteil der Nobelpreise ging in der Nachkriegszeit an angelsächsische Wissenschaftler. Um hier aufzuschließen, hätte man entweder streng geheime militärische Forschungen veröffentlichen müssen, oder erhebliche Mittel für zivile Forschung bereit stellen müssen.
    Wie viel einfacher war es, die restliche Welt auf einem Gebiet zu dominieren, dem noch jahrzehntelang der Nimbus der Krönung der geistigen Aktivität, der gelungenen Symbiose von Wissenschaft, Kunst und Sport anhing.
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich erinnere mich als schachinteressiertes Kind der achtziger Jahre (in den Siebzigern geboren), dass in den Zeitungen immer Schachprobleme aufgeführt waren (Matt in n Zügen), welche die Leser lösen sollten (etwa wie heute die Sudokus, wenn auch wohl weniger populär). Fast immer - zumindest in meiner Erinnerung als junger Zeitzeuge* - waren die Namen Kasparow und Karpow dabei, was doch zeigt, dass aus Sicht der SU da Schachspiel vielleicht als Beweis der geistigen Überlegenheit gegenüber dem kapitalistischen Westen propagandistisch verwertet wurde, wohingegen der Westen ohne größere Berührungsängste die Leistungen der sowjetischen Schachspieler anerkennen konnte. Der Westen sah das Schachspiel als das an, was es war, ein Denksport, der von individuellen Genies bestritten wurde.

    Eigentlich ist es ja sehr interessant, dass in der Sowjetunion das europäische Schachspiel (hier als europäisch tituliert wegen des Gegensatzes zum ursprünglichen indisch-persischen Schachspiel**) so gefördert wurde, da es doch eine mittelalterlich feudale Ordnung repräsentierte.


    *Zeitzeugenerinnerung ist in der Tat ein Problemfaktor, den ich hier nicht weiter skizzieren möchte.
    **Das indische Schachspiel wurde zunächst mit vier Spielern gespielt, es stellte keine Gesellschaftsordnung dar, wie sein europäischer Ableger, sondern die Teile des indischen Heeres:
    Indisch - Europäisch
    Schah > König
    Zweiter Schah > Wazir > Fahnenträger (alférez) > Dame (gewinnt wegen Marienverehrung an Möglichkeiten hinzu)
    Elefant > Läufer (Bischof < Bischofsmütze < Elefantensattel < arab. Abstrahierung des Elefanten)
    Reiterei > bleibt = Springer
    Streitwagen > Turm
    Fußsoldaten > Bauern
     
  10. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Zu Zeiten der WM-Wettkämpfe Karpow - Kortschnoj (Baguio 1978 & Meran 1981) wurden die Notationen der Partien noch auf den Titelseiten der Tageszeitungen abgedruckt - selbst wenn es sich um ein ödes, 12-zügiges Remis handelte.
    In heutigen Zeiten muss man selbst das Endergebnis eines WM-Kampfes in den Sportseiten erst mal finden.

    Vielleicht war das immer das große Missverständnis dabei. Die Sowjetunion errang grandiose Siege, und den Westen juckte es kaum. Auch wenn man im Westen durchaus die Leistungen der beteiligten Genies anerkannte.
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich halte das weniger für ein Missverständnis als für einen Gradmesser der Ideologisierung, die im Ostblock ungleich stärker war, als im Westen. Ich will dabei gar nicht westliche Militärs, Politiker und auch "Normalos", die eine Kalte-Krieger-Mentalität vertraten oder z.T. immer noch vertreten als nicht ideologisiert sehen, aber die Gesellschaft des Ostblocks war davon doch durchdrungener, als die des Westens, eben Totalitarismus vs. Pluralismus, wobei dieser ja auch im Westen bei weitem nicht uneingeschränkt war. Aber ich entferne mich gerade vom Schach.
     
  12. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Die Grundlagen für die Schachschulen und die daraus hervor gehenden Meister waren schon zu Zeiten des Zaren gelegt worden. Unter den Sowjets haben dann Spieler wie z.B. Pjotr Arsenjewitsch Romanowski mit dem Aufbau der sowjetischen Schule begonnen. Erste große Erfolge dieser Schulen waren dann ab dem zweiten Weltkrieg zu sehen, bis in die 30er hinein dominierten noch die "alten" Meister".

    @El Quijote: Schach gilt heute für viele Leute als "gelöst", in den 80ern waren Titelkämpfe hingegen noch wirklich angesehen als sportlicher Wettkampf.

    Solwac
     
  13. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Wann, wo, von wem soll das denn gewesen sein?

    Ok, den hätte ich erwähnen können.
    Entscheidend war allerdings die Förderung Krylenkos

    Naja, außer Grigori Löwenfisch war da nicht viel. Ilja Kan, Nikolai Rjumin, Sergej Belawjenez waren schon Kinder der Sowjetschule - wie natürlich Michail Botwinnik. Dazu die eingebürgerten Salo Flohr und Andor Lilienthal.
     
  14. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Va betrachtete Sowjetunion bzw Ostblock Sport im Allgemeinen und Schach im Besonderen viel weniger als Auseinandersetzung zwischen Individuen (oder Talenten oder Genies), würde ich sagen (mit ähnlichem Hintergrund. ;)).

    Wie so vieles wurde auch dies als gesellschaftliche Aufgabe (bzw eben ideologische Auseinandersetzung, wie Du ja auch sagst), und dementsprechend war die Unterstützung von Seiten des Staates. Im Leistungssport gab/gibt es die ja auch in westlichen Staaten, aber speziell im Schach erscheinen mir die Spezialschulen und die daran anschließende Förderung der entdeckten Talente, die es in vielen Ostblock-Länder gab, als Voraussetzung für die Überlegenheit des Ostens. Der Westen musste eben wirklich auf Genies wie Fisher warten, der Osten setzte alles daran, diese möglichst früh zu entdecken und zu fördern. Gut, Kinder in Leistungsmaschinen zu verwandeln kann man jetzt natürlich wieder sehr kritisch sehen, insbesonders, wenn da der Staat und nicht nur ehrgeizige Eltern hinter her sind...
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Januar 2013
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  15. salvus

    salvus Aktives Mitglied

    Wow!

    Heute morgen habe ich mich noch gefragt warum ich diesen Thread eröffnet habe. Dies schien mir viel zu speziell. Und nun entwickelt sich das so schnell. Und es fallen Namen wie Nimzowitsch, Aljechin etc.

    Noch ein paar kurze Anmerkungen:

    Wie hoch der Stellenwert des Schachs in der ehemalige SU war, zeigt natürlich die sowjetische Schachschule. Diese ist allerdings auch als sehr abstrakt anzusehen. Zunächst beruhte diese insbesondere auf die Lehren von Steinitz, dem ersten offiziellen Weltmeister und natürlich der hypermodernen Schule. Hier muß man insbesondere A. Nimzowitsch erwähnen.

    Wirkliche Maßstäbe hat allerdings Michail Botwinnik gesetzt. Er gründete die Botwinnik Schachschule, welche außerordentliche Talente, wie z.B. auch Kasparov oder Karpov hervorbrachte. Botwinnik war es auch, der Maßstäbe in der häuslichen Vorbereitung auf Turniere oder Zweikämpfe setzte.

    Nicht zuletzt hat Fischer die russische Sprache erlernt um schlicht die sowjetischen Schachbücher studieren zu können.

    Meiner Meinung nach war Schach ein ideales Medium für die Sowjetpropaganda. Schach war Thema in höchsten Regierungskreisen. Der WM Titel war für die Sowjetmachthaber enorm wichtig. So unterstützte man im Kandidatenfinale 1974 eindeutig den jungen Karpov gegen den erfahrenen Kortschnoi um den Titel von Fischer zurückzugewinnen. Karpov war sicherlich ein Günstling von Breschnew. Er war linientreu und jung genug um Fischer herauszufordern.
    Dies hielt auch lange an. Erst in den frühen 80gern reifte mit Kasparov ein ernstzunehmender Rivale heran. Im WM Kampf 1984 führte Karpov schon mit 5:0 Gewinnpartien. Beim Stande von 5:3 und ca. 6 Monaten Spielzeit baute Karpov merklich ab. Der Kampf wurde abgebrochen. Eine denkwürdige Pressekonferenz fand statt in der Kasparov seinen Standpunkt vehement vertrat. Das war seinerzeit gar der erste Aufmacher in der Tagesschau!

    Pikant ist hierbei durchaus auch eine gewisse Vorliebe von Kasparov für Bobby Fischer. Der Spielstil ist durchaus vergleichbar. Auch die Vorliebe Kasparovs für die schon erwähnte Najdorf Variante in der Sizilianischen Verteididigung ist eine erstaunliche Paralelle. Kasparov hat genau diese Variante zu einer fürchterlichen Waffe für seine Gegner gemacht. Ein Kind der Perestroika nimmt sich einen Amerikaner zum Vorbild.
     
  16. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Soll ich jetzt die russischen Meister vor der Revolution aufzählen?

    Noch nicht erwähnt wurden Bernstein, Nimzowitsch*, Rubinstein*, Janowski*, Dus-Chotimirski, Alapin, Bogoljubow um nur einige zu nennen. Nicht alle waren Russen und starteten nach dem ersten Weltkrieg für Polen und andere Nationen*.

    Die sowjetischen Schachschulen kamen nicht aus dem Nichts.

    Solwac
     
  17. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Schlägt man alte Partien vor 1914 nach, trifft man auf die Spiele der Moskauer und der Petersburger Schachgesellschaften. Einer der Besten aller Zeiten, Aljechin, ist dort groß geworden.
     
  18. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    ein paar gute Partien sind auch vorhanden von Leo Tolstoi (sic!) und von Sergej Prokovev

    herrlich parodiert wird schon früh - 1928 - die angeblich systembestätigende Bedeutung des Schachspiels im Roman "zwölf Stühle" der Autoren Ilf & Petrov: das Kapitel vom "interplanetarischen Schachkongress" (in der tiefsten Provinz) ist zum brüllen komisch.
    Zwölf Stühle ? Wikipedia
     
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  19. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  20. salvus

    salvus Aktives Mitglied

    Die Sache mit der sowjetischen oder russischen Schachschule ist nicht einfach.

    Für (u.a. auch deutsche Schachspieler) sind die literarischen Werke von Suetin oder Kotow sehr bedeutend. Die deutschen Übersetzungen waren immer sehr begehrt. Sie sind im Berliner Sportverlag der DDR erschienen. Die Vorbilder hier liegen wohl bei Steinitz, Nimzowitsch, Reti, etc.

    Auch der ehemalige Weltmeister Max Euwe (Niederlande) hat hierzu wertvolle Beiträge geleistet.

    Natürlich ist das Werk von Nimzowitsch "Mein System" absolut beispiellos und für die Entwicklung jedes Spielers sehr wichtig.

    Mittlerweile gibt es da deutliche Weiterentwicklungen bei den modernen Schachspielern. Der Amerikaner John Watson hat ein aufsehenerregendes Buch hierzu geschrieben (Fortschritte seit Nimzowitsch). Aber das ist ein anderes Thema.

    Nach wie vor interessiert mich der Zusammenhang Schach/Politik/Propaganda.
     

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