Schädeltürme bei den Azteken?

Dieses Thema im Forum "Lateinamerika | Altamerikanische Kulturen" wurde erstellt von silesia, 2. Juli 2017.



  1. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  2. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Danke für den Hinweis. Die deutsche Presse hat die Meldung anscheinend noch nicht aufgegriffen. Aber das eigentlich interessante besteht weniger in dem Fund der Schädel als solcher, sondern dass entgegen der Erwartungen auch Schädel von Frauen und Kindern dabei waren:

    "We were expecting just men, obviously young men, as warriors would be, and the thing about the women and children is that you'd think they wouldn't be going to war," said Rodrigo Bolanos, a biological anthropologist investigating the find.

    "Something is happening that we have no record of, and this is really new, a first in the Huey Tzompantli," he added.


    Laut dem Artikel wird der Fund des Schädelturms mit einem Bericht eines spanischen Soldaten, Andres de Tapia, der Cortez bei der Eroberung des Aztekenreiches begeleitete, in Verbindung gebracht. Es wäre interessant noch zu recherchieren, was in dem Bericht von de Tapia steht.

    Ich müßte noch ein wenig suchen, ob ich in der spanischsprachigen Presse von Mexiko noch weitere Informationen finden kann.
     
  3. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Hier ist noch etwas: Mexicas también sacrificaban a mujeres y niños - Grupo Milenio (span.)

    La jefa en campo, Lorena Vázquez, detalla que a partir de la muestra total que consiste en aproximadamente 221 individuos, sólo se ha podido asignar sexo a 3 por ciento de la misma, dos terceras partes corresponden a individuos masculinos, y el tercio restante a individuos femeninos.

    Von den bisher gefundenen 221 Individuen hat man nur bei 3 % das Geschlecht feststellen können, davon waren zwei Drittel Männer und ein Drittel Frauen.
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Vielen Dank für die Ergänzungen, auch spanische Quellen.

    Die schnelle Veröffentlichung, dann mit rasender Verbreitung, scheint wieder der sorgfältigen Auswertung etwas zu enteilen :scheinheilig: :devil:
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es ist halt überall so: Die Kulturwissenschaften müssen, da sie selten für sich allein stehend ökonomisch interessant sind, ein ständiges Fund Raising betreiben. In der Archäologie ist es dann häufig so, dass Ausgrabung und Dokumentation bezahlt werden, die Auswertung aber auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben (oder auf Belegarbeiten Studierender abgewalzt) wird. In Mexiko mit seinem teilweise bürgerkriegsartige Züge annehmenden Kampf zwischen Drogenkartellen, korrupter Polizei und Staat dürfte das noch mal ganz andere Züge annehmen. Klar, in Mexico D.F. dürfte das anders aussehen, als in irgendeiner Landgemeinde (prestigeträchtige Tourismusziele mal ausgenommen).
     
  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ich hatte das gar nicht als Kritik an der Archäologie (oder speziell der in Mexiko) gemeint.

    Es war auf die Geschwindigkeit bezogen, mit der die Meldungen um den Globus gejagt werden (und sich dabei offenbar auch "verformen").
     
  7. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Der mexikanische Artikel ist vom 08.06.2017, spricht aber im Gegensatz zum Reuters-Artikel, der 650 Schädel erwähnt, nur von ungefähr 221 Individuen, die in 10.500 Fragmenten vorliegen. Allerdings sind 70 Schädel vollständig. Vermutlich hat der Reuters-Artikel einen aktuelleren Stand. Die Schädel von Kindern werden im mexikanischen Artikel auch genannt, ohne dass deren Anzahl oder Anteil präzisiert wird.

    Vielleicht sollte man direkt an die Primärquellen heran: im Artikel werden hier das INAH (Instituto Nacional de Antropología e Historia -https://de.wikipedia.org/wiki/Instituto_Nacional_de_Antropolog%C3%ADa_e_Historia ) und das PAU (Programa de Arqueología Urbana) genannt (ob das PAU zum INAH gehört weiß ich nicht).

    Gerade noch ein wenig auf der INAH-Seite herumgesucht: so richtig brandaktuell ist die Nachricht wohl nicht...zumindest wird bereits im August 2015 der Fund von Schädeln von Frauen und Kindern erwähnt:

    Descubren el gran Tzompantli de México-Tenochtitlan

    Um Licht ins Dunkle zu bringen, schlage ich vor, dass wir eine Delegation des Geschichtsforums nach Mexiko-Stadt schicken (incl. Akklimation in Acapulco bei der An- und Abreise). Ich hoffe, es stehen im Exkursionsbudget des GeFo entsprechende Mittel zur Verfügung.:D
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Juli 2017
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Offenbar verbreitet sich die Reuters-Meldung schnell über die allgemeine Presse, sogar "The Sun" ist aufgesprungen.

    Dagegen sind die Fachblätter bisher (?) nicht sehr aktiv.

    Reuters scheibt einen mexikanischen Archäologen interviewt zu haben.
     
  9. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    In der Tat: Aztec tower of human skulls uncovered in Mexico City - BBC News und https://www.thesun.co.uk/news/3928951/aztec-shrine-skulls-women-and-children-mexico-city/
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Das hat sich nun geändert:
    Skulls of Aztec Women and Children Identified - Archaeology Magazine

    ... aber mit Verweis auf die 2014er Berichterstattung über das Ausgrabungsprojekt.

    Scheint pressetechnisch sehr geschickt gewesen zu sein, die Story über BBC und Reuters neu zu lancieren und über die Teilauswertungen im Interview zu plaudern.
     
  11. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    In den letzten Tagen sind auch Artikel in der deutschen und deutschsprachigen Presse erschienen:

    vorweg aus einer Zeitung des Rheinlandes :)yes:):

    Mexiko-Stadt: Forscher finden gruseligen Azteken-Tempel

    und die Schweizer auch:

    https://www.nzz.ch/panorama/weitere...el-mitten-in-mexiko-stadt-entdeckt-ld.1302470

    Bei der freigelegten Stätte in Mexiko-Stadt handelt es sich um den Huey Tzompantli von Tenochtitlán, eine Konstruktion, an der die Schädel der Geopferten befestigt worden sind. Spanische Abbildung aus der Zeit der Conquista erinnern an einen Abakus. Allerdings ist dieser Turm nicht aus Holz, sondern die Schädel wurden in einer Art Gipswand eingemauert.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Tzompantli
     

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