Schilde an den Drachenbooten

Dieses Thema im Forum "Die Wikinger" wurde erstellt von huski, 13. Juli 2012.



  1. Sir Toby

    Sir Toby Neues Mitglied

    Ah ok, ja das deckt sich mit dem, was ich in dem Buch gelesen hab, aus dem ich die obigen Informationen über das Skuldelev-Wrack habe (Titel: Ships and Boats of the North Volume 4,1; O. Crumlin-Pedersen – O. Olsen, The Skuldelv Ships I (2002)). Dort wird auch die These aufgestellt, dass die Schilde möglicherweise zum Schutz gegen feindlichen Pfeilbeschuss oder gegen die Gischt gebraucht wurden. Die Abwehr der Gischt wird dann wieder verworfen, da 1. dazu ein Holzdeckel besser geeignet wäre und 2. sich solche Holzverschlüsse auch archäologisch nachweisen lassen.

    Es wird dann weiterhin die Vermutung aufgestellt, dass besagte Schilde nur bei Feindkontakt aufgereiht wurden (möglicherweise um den Feind zu verunsichern) oder die Schilde zur Abschreckung aufgehängt wurden, wenn eine feindliche Küste angelaufen wurde. Die Theorien hatten wir ja alle in ähnlicher Weise schon, allerdings haben wir mit dem Skuldelev-Wrack zumindest ein archäologisches Indiz, dass an die Bordwand befestigte Schilde NICHT bloß eine bildliche Ausschmückung sind.

    Gruß Sir Toby
     
  2. Sir Toby

    Sir Toby Neues Mitglied

    Jetzt kann ich auch die archäologischen Funde nachreichen: Und zwar haben sich im Hafenbecken von Haithabu mehrere dieser Holzverschlüsse gefunden.

    (Entnommen aus: O. Crumlin-Pedersen, Viking-Age ships and shipbuilding in Hedeby/Haithabu and Schleswig, in: O. Crumlin-Pedersen – O. Olsen (Hrsg.), Ships and Boats of the North Volume 2 (Roskilde 1997))

    Dort gibts die Stücke im Original und in Umzeichnung.

    Schöne Grüße,
    Sir Toby
     
  3. Sailor1637

    Sailor1637 Neues Mitglied

    Auf der Seite xxx gibt es Fotos des Wikingerschiff-Nachbaus Skuldelev 5, die klar zeigen, wie die Schilde außen an die Seitenwand gehängt wurden. Allerdings wurde die Löcher für die Riemen so plaziert, dass nicht bei eingesteckten Schilden gerudert werden konnte, sondern nur gesegelt.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 4. Dezember 2014
  4. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Kann man von einem Nachbau auf alle anderen Schiffe dieser Ära schliessen?
    Sa vertraue ich lieber den Erfahrungen der Leute die mit solchen Fahrzeugen unterwegs gewesen sind. Nicht rudern zu können mit aufgesteckten Schilden klingt irgendwie unpraktisch.

    Apvar
     
  5. balkanese

    balkanese Aktives Mitglied

    Vielleicht war das Absicht, bei schwerem Seegang kann man eh nicht rudern und die Schilder haben verhindert dass Wasser durch diese Löcher eindringt, Seeschlagblenden ähnlicher Funktion gibts heute noch.
     
  6. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Zu den Durchführungen, durch welche die Riemen gesteckt wurden, gab es entsprechende Verschlüsse, so das dafür die Schilde nicht gebraucht wurde.

    Apvar
     
  7. balkanese

    balkanese Aktives Mitglied

    Die Öffnungen der Boote, die heutzutage mit solchen Blenden versehen werden, sind auch zumeist verschlossen, durch Glas, und werden zusätzlich geschützt, bei schwererem Wetter.
    Irgendwo weiter oben steht, dass Schilder an Bord vorgeschrieben gewesen sind, Seeschlagblenden verschiedener Art sind heute noch Bestandteil von Betriebsgenehmigungen für Seefahrzeuge.
     
  8. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Nur, Seeschlagblenden konnten und können fest verschraubt werden, so das sie dicht vor der Öffnung sind. Und sie sind an einer Bordwand fest, d.h. sie ragen nicht darüber hinaus. Und so fest wie Seeschlagblenden an den Rumpf angebracht werden müssen, so fest konnte man die Schilde nicht anbringen. Dadurch schlagen sie an die Bordwand. Darüber hinaus reichen sie über den Süllrand nach oben. Die Schilde der Wikinger waren meist Rundschilde, so das dadurch auch keine grosse Deckung gegen die Gischt gegeben sein kann.

    Apvar

    P.S. Pfropfen als Dichtung in Öffnungen ist eine uralte Technik.
     

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