Schlacht von Salamis, Thesen

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von HisFajo, 9. Januar 2018.

Schlagworte:
  1. HisFajo

    HisFajo Neues Mitglied


    Hallo zusammen,

    ich darf (nicht muss - das Thema interessiert mich sehr) nächste Woche die Schlacht von Salamis vorstellen.
    30 Minuten, normale Sache.
    Ich konzipiere gerade mein Thesenpapier, allerdings bin ich hier noch etwas unsicher.

    Wie viele Thesen würdet ihr maximal auf eine Seite packen?

    Meine Thesen zu der Schlacht sehen aktuell so aus:

    - Die griechische Seite hatte viel Glück: Windverhältnisse (durch Götter), Meerenge --> Orakel (oder ist das zu faktisch?)
    - Trotz, oder gerade wegen der numerischen Überzahl, waren die Perser chancenlos

    - Die Angaben des persischen Kontingents von 1207 Flotten ist deutlich übertrieben --> es soll zum einen den Mut und die Tapferkeit hervorheben; des Weiteren soll es die Intelligenz der Griechen darlegen (auf offener See hätten sie auf alle Fälle verloren - wieder zu faktisch?)

    Der Hellenenbund verfolgte nur pragmatische Ziele
    - Die Rede vom heroischen Schulterschluss - lanciert vom europäischen Panhellenismus - trifft durchaus zu; allerdings geschah jener Schulterschluss aus eher primitiven Gründen, egoistischen Motiven --> zum Schutz der eigenen Polis.

    - Die Schlacht ist höher zu bewerten als die anderen Perserkriege --> stärkster Demokratisierungsschub - noch mehr als Marathon (wegen den Theten; bekamen politischen Bedeutung).

    - Der Sieg legitimierte die offensive Flottenpolitik des Themistokles, ließ Athen zur Seemacht avancieren und forcierte den Athen-Sparta-Dualismus
    --> Athen wurde der Landmacht Sparta gefährlich
    --> Am meisten von dem Sieg profitierte Athen

    Quellenkritik, Thesen:

    Herodots Athenerpassus:
    - Trotz des Plädoyers, dass nur dank Athen die Schlacht gewonnen wurde, handelt es sich bei Herodots Historien nicht um eine pro-athenische Darstellung. Er berichtet durchaus objektiv --> denn er hat zweifelsohne recht
    --> Ohne Athen wäre jeglicher Widerstand zwecklos gewesen

    "Die Perser" des Aischylos:
    - Es kombiniert eine starke Kritik an der Hybris und der Eroberungspolitik des Xerxes (480 v. Chr.) und der von Athen (472 v. Chr.)
    --> Poleis wurden zum Eintritt in den delisch-attischen Seebundes gezwungen
    --> starke Imperialipolitik

    - Aischylos beschreibt die Tagespolitik der Athener; erstmals wird von nichts Mythischem gesprochen --> daraus erhält später der Alexanderzug gegen das Perserreich auch seine Legitimation

    - Aischylos anonymisiert die Griechen (nennt keinen beim Namen), während er Xerxes direkt erwähnt
    --> soll Identifikation mit Griechenland schüren und suggeriert den Kampf: Gemeinschaft, Freiheit gegen Despotie. Dient zugleich als Kontrastierung zwischen West und Ost.

    Plutarchs Themistokles-Vita:
    - Er erhöht Themistokles zum alleinigen Retter; der "Scharfsicht mit Klugheit" paare
    --> trotz seiner zweifelsfrei exponierten und sehr wichtigen Stellung, enthält die Vita tendenziell hagiographische Merkmale.

    Was würdet ihr streichen; was würdet ihr ergänzen? Oder würdet ihr es gar so lassen?
    Lasst und diskutieren :)

    Gruß und Danke :)
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Januar 2018
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich verstehe nicht, was du mit "zu faktisch" meinst. Eine Diskepanz besteht zwischen möglichen antiken Erklärungen für den Sieg ("Götter") - die du anhand von Quellenstellen nachweisen können solltest - und den tatsächlichen Bedingungen. Neben der Topographie (Meerenge) und dem Wetter (Wind [wird davon tatsächlich in den Quellen beerichtet?]) solltest du auch auf die Rolle des einzelnen Soldaten bei den Persern und Bürgers bei den Athenern eingehen.
    Auch bei Orakel von Delphi solltest du kritisch sein. Uns ist der Orakelspruch ja ex post überliefert. Wir wissen nicht, ob es ihn tatsächlich gegeben hat und wenn so wissen wir, dass er relativ offen formuliert war. Themistokles hat ihn interpretiert: Kämpft mit der Flotte. Er hätte den Spruch genauso gut so interpretieren können (und wenn er tatsächlich in Delphi ausgegeben wurde, vielleicht war er sogar so gemeint), dass er eine improvisierte Holzmauer um Athen zöge, um die Stadt zu schützen. Ich weiß tatsächlich nicht, wie der Zusatnd der eigentlichen Stadtmauer überhaupt war zum damaligen Zeitpunkt.
    Das wichtigste an der Schlacht von Salamis - das hast du auch angesprochen - ist aber die Rolle der Theten und der entsprechende Demokratisierungsschub in Athen. Aus antiker Sicht ist natürlich die Gründung des attisch-delischen Seebundes mindestens geauso wichtig, aus moderner Sicht eher, wie Athen seine Verbündeten behandelte.
     
  3. HisFajo

    HisFajo Neues Mitglied


    Danke für deine Antwort, hat mir weitergeholfen.

    Meinst du mit den Rollen der persischen Soldaten, dass viele darunter Griechen gewesen sein sollen und somit gegen "ihr Land" kämpfen mussten?
    Was meinst du genau mit der Rolle der griechischen Bürger?

    Dass mit den Windverhältnissen steht tatsächlich in einer Quelle; bei Plutarchs Themistokles-Vita.

    Mit "zu faktisch" meine ich, dass zu meinen Thesen keine Gegenthesen formuliert werden können --> Thesen sollen ja kontrovers sein.

    Nochmals Danke :)
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nein. Es geht um den sozialen Status.

    Du hattest es selbst schon angesprochen und das steht dann auch unten bei mir genauer. Die Rolle der Theten.

    Fast 600 Jahre später!
     
  5. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Hei,

    ich bin darüber gestolpert:

    Das ist für mich ein Widerspruch. Wenn die Perser chancenlos waren, brauchte die griechische Seite kein Glück dazu. Oder umgekehrt, wenn die Griechen viel Glück hatten, waren die Perser ja eigentlich nicht chancenlos.

    Gruss, muheijo
     
    Solwac und balkanese gefällt das.

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