Schwarze Menschen im alten Rom

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Catomaior, 9. Oktober 2018.

  1. Catomaior

    Catomaior Neues Mitglied


    Dies ist mein erster Beitrag in diesem Forum. Ich hoffe, alles richtig zu machen und bitte vorsorglich um Entschuldigung, falls ich irgendetwas übersehen habe.

    Meine Frage bezieht sich auf das Spektrum der menschlichen Hautfarben und ihre Rezeption in der römischen Antike. Wie sah es mit dunkelhäutigen bzw. schwarzen Menschen in Rom aus? Wie wurde dunkle Hautfarbe überhaupt rezipiert? Gibt es literarische Belege, die auf Ressentiments schließen lassen? Vielleicht sogar Spottinschriften oder dergleichen?

    Gerade unter den Sklaven dürfte es ja einige Schwarze gegeben haben, z.B. aus Nubien. Mich wundert es allerdings, dass mir bislang nie schriftliche Quellen zu diesem Thema untergekommen sind (was ein Zufall sein kann). Auf der anderen Seite gibt es einige archäologische Hinterlassenschaften, z.B. figurale Darstellungen sogenannter "Neger" (bitte nicht falsch verstehen - m.W. ist dieser Begriff in der ikonografischen Forschung noch immer gebräuchlich) mit geradezu karikaturartigen Zügen (übergroße Lippen, breite Nasen etc.).

    Wie sah es überhaupt mit den Aufstiegsmöglichkeiten von Schwarzen auf? Unter den Hilfstruppen wird es sicherlich entsprechende Einheiten gegeben haben; von einem schwarzen Magistraten oder gar einem schwarzen Senator habe ich hingegen noch nie etwas gehört. Ist das ein Zufall? Lässt sich dergleichen überhaupt aus dem Quellenmaterial belegen? War die römische Führungselite vorwiegend hellhäutig, oder müssen wir uns das Römische Reich in dieser Hinsicht "bunter" vorstellen?

    Für entsprechende Hinweise, Quellen, CIL-Nummern oder sonstige Belege wäre ich dankbar! Vielleicht regt das Thema ja auch zur Diskussion an.
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich sehe bei der Fragestellung zwei Probleme, ein semantisches und ein perzeptives.

    Das semantische Problem besteht darin, dass erst einmal zu klären wäre, ob "die Römer" unter schwarz dasselbe verstanden, wie wir. Es gibt in den spätantiken Hagiographien den römischen Soldaten Mauritius und die thebaiische Legion. War der "schwarz"?

    Das perzeptive Problem besteht darin, dass unsere durch die FNZ geprägtes Verständnis von Sklaverei (Dreieckshandel, Baumwoll- und Zuckerplantagen...) das Verständnis von Sklaverei in der Antike überlagert. Warum sollten in der Antike Schwarze huaptsächlich als Sklaven nach Rom gekommen sein? Das ist eine Sklavereivorstellung vor dem Hintergrund des 16. - 19. Jhdts.
     
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  3. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Es gibt leider zu diesem Thema wenige inschriftliche Quellen und noch weniger literarische. Es sind einige recht aufwändige Grabsteine von Gladiatoren erhalten, die wohl Afrikaner waren, leider aber nicht der Name eines Stars der Arena. Es handelte sich um einen Retiarius, der es zu einem beachtlichen Wohlstand gebracht haben muss. Der Grabstein ist sehr aufwändig und zeigt mehr als XV Siege und nennt namentlich die Gegner, die sein Auftraggeber besiegt und getötet hat.

    Ein erhaltenes Klappmesser besteht aus einem Griff, der als Gladiatorenpaargestaltet ist, auch hier handelt es sich um eine Paarung Retiarius vs Secutor, und der Retiarius scheint ebenfalls ein Schwarzer zu sein. Kulturelle Kontakte zum subsaharischen Raum existierten jedenfalls.

    Es gab sicher auch nicht bloß schwarze Sklaven in Rom und im Imperium. Über die soziale Gliederung, eventuell existierenden Rassismus, etc. etc. existieren kaum Quellen.
    Insgesamt wird man aber nicht zu Unrecht davon ausgehen können, dass trotz
    aller zweifellos existierenden Missständen, die zu den großen Sklavenaufständen im 1. und 2. Jahrhundert vor Chr. beitrugen die antike Sklaverei keine rassistisch motivierte und durch angebliche Unterlegenheit einer Bevölkerungsgruppe begründete Sklaverei existierte.
    Bei Homer erscheint Achilleus nicht das Schicksal eines Sklaven, sondern das eines Tagelöhners als das schlimmste. Griechische und römische Autoren sprachen abschätzig von Barbaren, aristokratische Autoren wie Tacitus unterstellten Sklaven und Freigelassenen eine niedrige Gesinnung, aber prinzipiell war Tüchtigen oder auch gesinnungstüchtigen der Aufstieg möglich. Der Vater von Horatius war wohlhabender Kaufmann, der Großvater Flaccus (Das Schlappohr) war wohl noch als Sklave geboren, der Enkel dagegen schon Mitglied des Ritterstands. Marcus Tullius Tiro war nicht nur Ciceros freigelassener und Sekretär, sondern auch sein Freund. Manche Historiker schätzen, dass im 1. und 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung ein Großteil der Bevölkerung Roms von ehemaligen Sklaven abstammte, die das Imperium integrierte.

    Die drückende neuzeitliche Sklaverei in Nordamerika der Karibik und Brasilien entwickelte sich samt ihren degradierenden Slave Codes innerhalb eines verhältnismäßig kurzen Zeitraums. Noch Ende des 17. Jahrhunderts gab es auf dem Gebiet der heutigen USA weiße und schwarze Indentureds (Schuldknechte). Als in den Carolinas erstmals Reis angebaut wurde, waren schwarze Facharbeiter noch gesucht, in Westafrika gab es eine Tradition des Reisanbaus, die in Nordamerika fehlte. Ende des 17. Jahrhunderts wurden aber in den 13 Kolonien und auch in den französischen Kolonien Slave Codes und Code Noirs verschärft, die Freilassung erschwert und schwarze Sklaven der Zugang zu Bildung abgeschnitten.
    In der Unabhängigkeitserklärung vermieden die Gründerväter das Wort Sklaverei, obwohl vielen durchaus bewusst war, dass die Institution ein massiver Widerspruch war. Hätte man sie aber beschränkt, wären Georgia, die Carolinas und Virginia nicht in die Union eingetreten.

    Thomas Jefferson hielt Afrikaner für geistig weniger begabt, als Weiße oder Indianer, die er achtete, hoffte aber, dass sich die Sklaverei von selbst erledigen würde. Er war selbst Sklavenhalter und ließ nur seine Geliebte Sally Hemmings und die gemeinsamen Kinder frei.
    Dann verschärften aber zwei Ereignisse die Sklaverei in den USA. Durch den Louisiana Purchase von 1803 vergrößerten sich die USA enorm und die Erfindung der Cotton Gin, einer Baumwollentkernungsanlage trug zum Siegeszug von "King Cotton" bei. Es konnte damit die Produktivität um das 50 Fache gesteigert werden und es stieg dadurch die Nachfrage an Sklavenarbeit und Sklaven. Innerhalb eines Zeitraums von wohl nicht ganz 100 Jahren verschlechterte sich die Lage von Schwarzen und Sklaverei, rassistische Sklaverei wurde auch religiös gerechtfertigt.
    Eine vergleichbare Entwicklung gab es soweit wir wissen in der Antike nicht, und man wird daher davon ausgehen können, dass eine vergleichbare Abwertung von Schwarzen nicht existierte, da es auch noch nicht einen so lukrativen Sklavenhandel aus Afrika noch nicht gab.

    Das Los von Sklaven etwa im Bergbau oder auf plantagenartigen Latifundien war in den ersten vorchristlichen Jahrhunderten allerdings drückend.
     
  4. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Wohl wahr! Afrika war ja in der Antike bei weitem noch nicht ein Reservoir für Sklaven wie es sich in der frühen Neuzeit herausbildete. Das war vor allem auf den enormen Bedarf an billigen Arbeitskräften in der Zuckerrindustrie zurückzuführen.

    Als der Baumwollboom in den USA aufkam, in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts hatte GB, das bis in die 1780er Jahre noch der größte Exporteur war, bereits die Sklaverei verboten und übte auf andere Staaten Druck aus. Die Vorstellung, dass jeder Schwarze ein Sklave und jeder Sklave ein Schwarzer ist, entstand eigentlich verhältnismäßig spät. Code Noirs und Slave Codes benachteiligten seit dem 17. Jahrhundert Schwarze, aber während des 1. und 2. Tabakbooms in Virginia im 17. Jahrhundert bestand die überwiegende Mehrheit der Arbeitskräfte noch aus weißen Indentured Servants oder freien Kleinfarmern, die noch selbst auf den Feldern arbeiteten.

    Etwas anders verlief allerdings die Entwicklung in der Zuckerrohrwirtschaft. Der hohe Verschleiß und Bedarf an Arbeitskräften verlangte hier früher nach afrikanischen Sklaven, und mittelständische und Kleinbetriebe waren hier eher selten, bzw. sie konnten nicht lange gegen die Konkurrenz von großen Pflanzern bestehen.

    Es passt zwar thematisch nicht so recht ins Imperium Romanum, mich würde aber interessieren wie die Entwicklung in der Karibik und in Brasilien verlief. Weißt du mehr darüber?
     
  5. Catomaior

    Catomaior Neues Mitglied

    Vielen Dank schon einmal für Eure Antworten!

    Dass unsere modernen Vorstellungen von Sklaverei stark durch die Kolonialgeschichte sowie die FNZ im Allgemeinen geprägt sind, ist mir bewusst. Ich will auch gar nicht behaupten, dass es sich bei den römischen Sklaven vorwiegend um Schwarzafrikaner handelte (im Gegenteil!); vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt.

    Zum semantischen Problem, das El Quijote zu Recht angesprochen hat:
    Dass in der stadtrömischen Gesellschaft zumindest gewisse physiognomische "Normvorstellungen" existierten, ist wohl unzweifelhaft. Gerade ikonografische Belege wie bspw. Privatporträts oder (Wand-)Malereien von Privatpersonen deuten darauf hin, dass diese Normvorstellung kaukasisch (ja, ein problematischer Begriff) geprägt war. Demgegenüber lassen sich (z.b. in der Kleinkunst) karikierende Darstellungen mit betont "negroiden" Zügen finden. In solchen Darstellungen drückt sich also eine zeitgenössische Wahrnehmung von "Andersartigkeit" aus - eine Wahrnehmung, die in den schriftlichen Quellen (soweit ich das überblicken kann) jedoch weniger stark zu Tage tritt.

    Das weitgehende Fehlen solcher Belege finde ich zumindest bemerkenswert. Wie ist es etwa bei Plinius d. Ä., der sich ja über alles mögliche ausgelassen hat und tlw. kuriose biologische Herleitungen zu diesem und jenem entwarf?

    Hinsichtlich der ikonografischen Argumentation ist natürlich der Einwand berechtigt, dass gerade Porträts jeweils in bestimmten Bildtraditionen standen und dem aktuellen Zeitstil (bzw. "Zeitgesicht") unterworfen waren. Personalisierte ("echte") Züge wurden hierdurch oft eingeschränkt, wenn nicht ganz überlagert.
     
  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Zur antiken Wahrnehmung "der anderen" (perceptions of the other), bzw. von Ethnien/Ethnizitäten gibt es aus den letzten 40 Jahren einige Diskussionen und Untersuchungen, mit griechisch-römischem, frühchristlichem, jüdischem Fokus. Dazu auch einige Überblicksdarstellungen, Kompendien, oder mit inhaltlichen Schwerpunkten wie antike Literatur, Symbolik, etc.

    Vom soziologischen her mit theoretischen Ansätzen in der Spannbreite von "Proto-Rassismus" bis hin zu (nur) Stereotypen, oder eben (perzipierter) Andersartigkeit ohne Aufladung eines sozialen Kontext. Die Thematik reicht von Ägypten ("gelb-rot-schwarz") bis hin zu Londoner Grabfunden (einige mit afrikanischer Herkunft) oder der Lady of York. Bei Letzterer ist die Frage, ob die heutige zugewandte Aufmerksamkeit vor 2 Jhtsd. auch gegeben war.


    Auswahl:

    Thompson, Roman Perceptions of Blacks, Scholia 1993, S. 17-30.
    Thompson, Romans and Blacks, 1989.
    McInerny, Blackwell Companion to Ethnicity in the Ancient Mediterranean, 2014.
    Byron, Symbolic blackness and ethnic difference in early christian literature, 2002.
    Skinner, The invention of greek ethnography - from Homer to Herodotus, 2012.
    Isaac, Proto-racism in Graeco-Roman antiquity, in WArch 2006, S. 32-47.
    Ako-Adounvo, Studies in the Iconography of Blacks in Roman Art, 1999
    Samuels, The Riddle in the Dark: Re-thinking Blackness in Greco-Roman Racial Discourse, 2013
    Dee, Black Odysseus, White Caesar: When did "white people become "white"?, ClassJourn 2003, S. 157-167
    Gruen, Rethinking The Other in Antiquity, 2011
    Miller, The Mediterranean Ethiopian: Intellectual Discourse and the Fixity of Myth in Classical Antiquity, 2010

    grundlegend:
    Snowden, Blacks in Antiquity: Ethiopians in the Greco-Roman Experience, 1971.
     
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  7. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Äthiopier tauchen bereits in der griechischen Mythologie auf. Bei Homer ist ihr König Memnon ein Verwandter der trojanische Könige. Interessanterweise wird Memnon sowohl mal als Europäer, mal als Afrikaner abgebildet. (Exkurs ins Mittelalter: Snorri erklärt Memnon zum Vater des nordischen Gottes Thor.)

    Schwarz ist Ansichtssache und Rassen entstehen in den Köpfen.
    Mauritius gilt als Maure. Vom Wort Maure leitet sich auch der Mohr ab. Wahrscheinlich waren die antiken Mauren nicht dunkler als heutige Nordafrikaner, von anderen mediterranen Typen wie Griechen und Italienern nicht gerade leicht auseinanderzuhalten.

    Man muss sich allerdings klar machen, dass es im alten Rom sicherlich keine Zentralafrikaner gab - anders als in modernen Sandalenfilmen. Selbst Nubier sind noch vergleichsweise hellhäutig.
    Jedenfalls scheint es so, dass Zentralafrika für die Römer und Griechen unbekannt war. Bereits in Äthiopien lebten nach ihrer Vorstellung Fabelwesen.
     
  8. Armer Konrad

    Armer Konrad Aktives Mitglied

    Für die Spätantike gilt das wohl nicht mehr. Zum äthiopischen (nicht nubischen) Königreich Aksum bestanden offenbar spätestens um das Jahr 0 Kontakte. Eine der Inschrifts-Sprachen des Steins von Ezana (4. Jahrhundert) ist griechisch. Bereits bei Aurelian taucht eine Gesandtschaft aus Aksum auf.
     
  9. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Im Altertum ist zwischen Äthiopiern in Asien und Äthiopiern in Afrika zu unterscheiden. Daher die unterschiede der Darstellung entsprechender Sagengestalten. Äthiopische Kaufleute aus Afrika sind z.B. im Neuen Testament erwähnt.

    Unter Augustus soll es eine Expedition bis an den Viktoria-See gegeben haben. Handelswege führten auch damals schon von den Gebieten südlich der Sahara bis an das Mittelmeer und es wäre unrealistisch anzunehmen, dass irgendwelche Senatoren sich nicht Menschen mit entsprechender Hautfarbe als besondere Attraktion besorgt haben. Die dunkle Hautfarbe der Nubier ist durch Abbildungen in Ägypten zur Genüge belegt. Dies zu bezweifeln, gehört zum Repertoire der europäischen Kolonialisten, um den Kolonialismus in Schwarzafrika auch durch die angeblich fehlende Geschichte zu begründen.

    Die nach Süden dunkler werdende Hautfarbe wurde auf die höhere Intensität der Sonneneinstrahlung zurückgeführt. Das müsste sich bei Autoren aus dem Umfeld der Stoa finden. Das Gesichtsfeld Roms endete nicht am Limes, wie schon in entsprechende Einführungen zur Geschichte der Ethnographie gelesen werden kann. Erst jenseits der ersten Ethnien südlich der Sahara wurde es in dieser Zeit fantastisch, was gut zu den Reisen passt, die von den Quellen erwähnt werden. Hier darf nicht das ganze Altertum über einen Kamm geschert werden.

    (Wie Strauße und Elefanten, dürften sich Senatoren auch Menschen im Süden besorgt haben, auch wenn es Hollywood natürlich mit Schwarzen in den Filmen -auch im Zuge des neuen Rassismus, der die Menschen der Hautfarbe zwischen den Extremen in Nordafrika als Bösewichte stigmatisiert und als menschliche Charaktere vermeidet- gnadenlos übertreibt. Allerdings kommt hinzu, dass das 18. und 19. Jahrhundert im Rahmen der römischen Geschichte auch mal Araber, Libyer und Numider als "Neger" bezeichnete. Da stehen dann einem korrekten Bild auch die erzkonservativen Leselisten US-amerikanischer Bildungseinrichtungen im Weg, was wieder einmal die Verantwortung des Historikers zeigt, moderne Ideologie möglichst außen vor zu lassen.)
     
  10. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Im Sandalenfilm sind die Schauspieler meistens US-Amerikaner. Die Römer werden dann von Anglo-Amerikanern gespielt und die Mauren und Ägypter von Afro-Amerikanern. Das ist der maximale Kontrast und das ist so sicher falsch.

    Afrikaner und Araber konnten in der Kaiserzeit höchste Posten erreichen. Das bekannteste Beispiel ist der Soldatenkaiser Philippus Arabs. Die Soldatenkaiser Gordian I. bis III. stammten aus Afrika. Obi ihr Vorfahren Berber, Punier oder was auch immer waren, ist kaum zu rekonstruieren.


    Kannte man ihm Altertum wirklich den Unterschied? Es gab die Fiktion einer Landverbindung zwischen Indien und Äthiopien. Beide Gebiete endeten als Terra Incognita. Gelegentliche Besuche von Reisenden änderten da nicht wenig.
    Gut ins Bild passen auch die Expeditionen der Katharger, bei der der Seefahrer Hanno sogenannte "Gorillas" entdeckt wurden. Sie werden als wilde Frauen beschrieben. Ob das jetzt Affen, Menschen oder Fabelwesen gewesen sein sollen, ist heute völlig unklar. Zentralafrika existiert nur als Gerücht.
     
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  11. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Gordianius I. stammte aus einer alten senatorischen Familie. Africa gehörte zu stark romanisierten Provinzen. Nach dem 3. Punischen Krieg bis in die Zeit Augustus hatte man immer wieder auch Veteranen dort angesiedelt. Der erste Gordianus hatte als er 80 Jährig zum Kaiser oder Gegenkaiser ausgerufen wurde, mehrere höhere Ämter bekleidet und wurde innerhalb des Senats favorisiert gegenüber Maximinus Thrax.

    Von Septimius Severus ist bekannt, dass er punische Vorfahren hatte, worauf er stolz war, von seiner Schwester wurde überliefert, dass sie mangelhaftes Latein sprach, was ihm peinlich war. Septimius heiratete in zweiterEhe Julia Domna, die aus dem Priesterclan der Stadt Emesa (Homs) stammte.

    Philippus Arabs war in Syrien geboren, und sein Vater war arabischer Abstammung
     
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ich verstehe die Bezugnahme auf Soldatenkaiser oder "höchste Posten" im Thema ebenfalls nicht.
    Nicht rekonstruierbare Genealogien helfen auch nicht weiter.
    Auf beides wird auch in der Fachliteratur kein Bezug genommen.

    Wie oben erwähnt rekurriert die zitierte Literatur auf archäologisches, literaisches oder genetisches (siehe Knochenfunde) Material.
     
  13. Agricola

    Agricola Aktives Mitglied

    Ein Schwarzer bzw. seine Nachfahren hatten die gleichen Möglichkeiten römische Vollbürger zu werden wie jeder Andere Bewohner des Reiches. Deine Stadt bekommt das Bürgerrecht, oder deine Mutter wurde freigelassen bevor du geboren wurdest, etc ...
    Es kann also schwarze Legionäre, Ritter oder sogar Senatoren gegeben haben. Punier und Araber sind übrigens nicht schwarz. Severus und Arabs helfen hier also argumentativ nicht weiter.

    Selbst einfache Legionäre mit schwarzer Hautfarbe musste man wohl mit der Lupe suchen. Auch wüsste ich nicht, daß es eine nubische oder irgendeine andere schwarzafrikanische Auxilia gegeben hätte. Was nicht ausschliesst, daß sich Nubier in ägyptischen Einheiten bewarben. Und auch dann wären sie und ihre Söhne je nach Geburtsdatum und aktueller Entlassungsregelung Vollbürger gewesen.

    Die Anzahl der Schwarzen in den römischen Legionen Hollywoods, wie aktuell der HBO-Serie Britannia ist allerdings masslos übertrieben. Denn wie bereits erwähnt gab es in der Antike keinen massiven Sklavenhandel mit Schwarzafrika. Und das römische Afrika war weiss.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Oktober 2018 um 00:49 Uhr
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  14. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    ZB Cambridge World History of Slavery, Vol I, S. 355 IMG_2573.jpg
     
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  15. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    Das roemische Afrika war gruen! Beweis mir das Gegenteil. Spass beiseite, es ist wahrscheinlich, dass sich einige Leute in den roemischen Legionen befunden haben die nicht kreidebleich waren. Das es die Mehrzahl war ist unwahrscheinlich, aber es haette auch damals keine "schwarzafrikanische Auxilia" gegeben, weil das Konzept der Rassentrennung in die Neuzeit gehoert.
     
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  16. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied

    Ich glaube, da hast Du die Intention der anderen Schreiber falsch verstanden.
    Eine Auxiliar-Einheit, ob Ala oder Cohors, wurde bei der Aufstellung oft (nicht immer) mit einer homogenen Mannschaft aufgestellt. Da haben wir balearische Steinschleuderer, mauretanische Speerschleuderer, syrische Bogenschützen oder batavische Reiter. Die Römer benutzten die speziellen militärischen Fähigkeiten unterworfener Völker. Hätten die Römer Australien in das Imperium Romanum (IR) eingegliedert, hätten wir vielleicht bumerang-werfende Aborigines in einer Auxiliar-Einheit gehabt :D. Nach Jahren in einer anderen Provinz rekrutierte man dann auch junge Männer aus der einheimischen Bevökerung. Nach einiger Zeit blieb dann nur noch der Name über.
    Hätte es im IR viele Schwarzafrikaner gegeben, wäre mit einer Auxiliar-Einheit mit einer anfänglichen homogenen Soldatenmannschaft zu rechnen. Ob dies dann Straußenreiter oder irgend etwas anderes gewesen wären, sei mal dahingestellt. :D Aber deren Abwesenheit ist zumindest ein Indiz, dass Schwarzafrikaner eher rar gesät waren.
     
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  17. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Welche Gegend des Römischen Reichs wurde denn überhaupt nennenswert von Schwarzen bewohnt?

    In Nordafrika wohnten Berbervölker, nicht schwarz.
    In Ägypten reichte die römische Provinz bis nach Nubien, da könnten einige Schwarze für das römische Militär geworben worden sein. Aber die römische Machtausübung fand überwiegend im Bereich des Nildeltas statt. Solange Steuern und Waren ins restliche Imperium kamen wird es Rom egal gewesen sein wie.

    Ich kann mir daher einzelne Schwarze in Rom vorstellen, aber bei Kenntnis der römischen Kultur dürfte ein Römer so jemanden nicht wirklich anders als einen Barbaren aus dem Norden mit denselben Kenntnissen behandelt haben.
     
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  18. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Ab welcher Hauttönung ist man eigentlich "schwarz"?

    Hier sieht man den damaligen US-Außenminister Colin Powell (der zu den "Schwarzen" zählt) mit seinem ägyptischen Amtskollegen Ahmed Aboul Gheit:

    Pictures and Photos | Getty Images
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Oktober 2018 um 12:33 Uhr
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  19. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Die Frage dürfte in Systemen wie in Südafrika zur Zeit der Apartheid wichtig gewesen sein, da dann Gesetze eine Basis für ihre Anwendung haben müssen (unabhängig von ihrer Auslegung in der Praxis).

    Für die Römer ist es meiner Meinung nach eher unerheblich. Ob (Schwarz-)Afrikaner oder Barbar aus dem Norden, in beiden Fällen kein echter Römer und damit ggf. für die höhere Gesellschaft zweitrangig. Lokaler Adel ist in Rom nur interessant wenn er gelebt werden kann, d.h. mit etwas Geld unterfüttert werden kann.
     
  20. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Frage ist nicht auf Systeme gemünzt, sondern auf den Inhalt und Formulierung dieses Themas hier.

    Jeder Austausch darüber bedingt erstmal, dass man sich über die (damalige) Wahrnehmung von "schwarz" klar wird, und worüber man hier thematisch überhaupt redet. Das ist von Maglor früh in die Diskussion eingebracht worden, und jetzt von sepiola ebenso.

    Die Frage dieser Wahrnehmung wird genau so in der Literatur angerissen.
     

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