Schwarzrotgoldene Landesflaggen

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Nationalstaaten" wurde erstellt von Simplicius, 28. November 2008.



  1. Simplicius

    Simplicius Neues Mitglied

    Ich hoffe, dass mir hier jemand weiterhelfen kann: Warum nutzen die Staaten Waldeck, Reuß ältere Linie und Reuß jüngere Linie die schwarzrotgoldene Trikolore als Landesflagge?

    Hatte das historische Gründe, oder lag es tatsächlich am Symbolgehalt als Flagge der zu schaffenden deutschen Einheit?

    Vor allem: Weshalb wurden die Flaggen nie durch das jeweilige Landeswappen ergänzt? Wenn jemand S-R-G sah, dachte er doch unweigerlich an Deutschland, und nicht an Waldeck oder Reuß.
     
  2. Artorius

    Artorius Aktives Mitglied

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  3. Simplicius

    Simplicius Neues Mitglied

    Wikipedia mag interessant sein, gibt aber nicht annähernd genug Informationen her. Ich weiß nach wie vor nicht, ob Reuß und Waldeck die Flagge als deutsche Flagge ansahen und sie deshalb, aus alldeutschem Patriotismus sozusagen, zugleich zur Landesflagge machten, oder ob die Flaggen nur zufällig gleich aussehen.

    Im zweiten Fall bliebe aber die Frage, weshalb die beiden reußischen Staaten und Waldeck nicht wenigstens ihr Staatswappen in die Landesflaggen setzten, denn schließlich war Schwarz-Rot-Gold ganz klar mit der gesamtdeutschen Nation verbunden und ab 1848 ja auch Flagge des Deutschen Bundes. Und eigentlich müsste es den Waldeckern und Reußen aufgefallen sein, dass die Flagge des Ganzen (des Bundes) und die Flagge ihrer Länder identisch sind.
     
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  4. Tekker

    Tekker Gast

    Ohne nun nachzuschauen, die Flagge müßte noch zusätzlich einen schwarzen Doppeladler auf Gold im linken Obereck aufweisen. :)

    Mal ganz praktisch gedacht: Du hast ne Flagge, irgendwann hat jemand anders ne Flagge, die genauso aussieht. Warum solltest jetzt du deine Flagge ändern?!? (Abgesehen davon findest du auch heute noch Flaggengleichheit.) ;)
     
  5. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Die Farben der Fürstentümer Waldeck und Reuß leiten sich direkt von den Wappen ab.
    Hierzu Meyer's Lexikon von 1909
    Das eigentliche Waldecker Wappen besteht aus einem schwarzen Stern auf goldenem Grund. Rot sind die meisten anderen Figuren im großen Staatswappen.
    Die Verwendung von Wappen auf Flaggen war damals noch nicht üblich. Erst in den relativ neuen Landesdienstflaggen wird auch das Landeswappen auf der Flagge abgebildet.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Dezember 2008
  6. Tekker

    Tekker Gast

    Das ist grundsätzlich so. Gemeinhin weist die Hausflagge (welche über den Fürsten "zur Staatsflagge mutierte") Hauptfarbe und -metall des Stammwappens auf.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 16. Dezember 2008
  7. Simplicius

    Simplicius Neues Mitglied

    Aber gab es da niemals eine Diskussion in Waldeck und Reuß darüber, dass es unsinnig sei, wenn ein und dieselbe Flagge das Land und die Gesamtnation symbolisiert?

    Und gab es weiterhin vonseiten der deutschen Nationalisten keine Vorbehalte gegen Schwarz-Rot-Gold als gesamtdeutsche Flagge, weil die Farben doch vor allem für die drei Teilstaaten standen?
     
  8. MacX

    MacX Neues Mitglied

    Hm, der Bundesadler symbolisiert heute ja idR. Deutschland bzw. Bundesinstitutionen. Außerdem führen eine Vielzahl deutscher Städte (früherer Reichsstädte) den Reichsadler im Wappen, der ursprünglich ihre Stellung im HRR aufzeigte, nun aber Ähnlichkeit mit dem Bundesadler hat.
    Sollten die Städte daher ihr Wappen ändern?
     
  9. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Mit meiner Erklärung von damals (siehe oben #5) bin ich nicht mehr zufrieden.

    Der Fürst von Waldeck wählte die Farben Schwarz-Rot-Gold 1814, also zur Zeit der Befreiungskriege. Zur gleichen Zeit trug das später mythenbeladene Lützower Freikorps Schwarz-Rot-Gold.
    Besonders herzuheben ist jedoch, dass die Waldecker noch vor den Deutschen die horizontale Trikolore wählten. Im 19. Jahrhundert existierten noch zahlreiche andere Anordnungen der deutschen Farben, z.B. die Flagge der Jenaer Urburschenschaft. Selbst beim Hambacher Fest wurden die Farben teilweise in umgekehrter Reihe angeordnet. Deutsche Nationalisten hatten also die Wahl zwischen verschiedenen Anordnungen der deutschen Farben und wählten ausgerechnet die Version, die genau wie die Flagge Waldecks aussieht.

    Entscheidendes Argument für meine These einer gemeinsamen Entwicklung und Bedeutung von deutschem und waldeckischen Schwarz-Rot-Gold ist jedoch eine Strophe aus dem Waldeck-Lied.

    Die Farben Waldecks sind hier zugleich mit den Befreiungskriegen und der nationalen Einigung verknüpft. Die Farbsymbolik erinnert stark an Lieder aus dem Vormärz und 1848 Revolution.

    Zum Vergleich einige Lieder zur Thematik:

    Hambacher Fest Lied
    Schwarz sei der Trauer ew’ge Nacht,
    Die rings ihn soll umgeben,
    Solang’ er unter Fürstenmacht
    Fortführt sein Sklavenleben.
    Rot sei der Farben dunkle Glut,
    Die rings er will entzünden.
    Auf Thrones Schutt mit edlem Mut
    Der Freiheit Reich zu gründen
    Gold sei der heil’gen Wahrheit Licht,
    Die rings er will verbreiten,
    Dass finstrer Mächte Lüge nicht
    Mehr hemmt den Gang der Zeiten​


    Hoffmann von Fallersleben: Deutsche Farbelehre

    Über unserem Vaterland ruhet eine schwarze Nacht,
    und die eigene Schmach und Schande hat uns diese Nacht gebracht.
    Ach wann erglänzt aus dem Dunkel der Nacht
    unsere Hoffnung in funkelnder Pracht? ​


    Freilgath: Schwarz-Rot-Gold

    In Kümmernis und Dunkelheit,
    Da mußten wir sie bergen!
    Nun haben wir sie doch befreit,
    Befreit aus ihren Särgen!
    Ha, wie das blitzt und rauscht und rollt!
    Hurra, du Schwarz, du Rot, du Gold!
    Pulver ist schwarz,
    Blut ist rot,
    Golden flackert die Flamme!​


    Was hat die revolutionäre und teils republikanische Farbenlehre im Waldeck-Lied von 1890 verloren?
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. September 2016
  10. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

  11. querdenker SZ

    querdenker SZ Aktives Mitglied

  12. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Ich kenne die einschlägigen Wikipedia-Artikel und sie klären meine Frage nicht.
    Ich frage insbesondere aufgrund des Waldeck-Liedes nach einem Sinnzusammenhang zwischen den Waldecker Farben und denen "Alldeutschlands".

    Mit "Alldeutschland" ist eben nicht das Deutsche Reich von 1871 gemeint, sondern ein anderes, schwarz-rot-goldenes(?) Deutschland. Es handelt sich um ein Schlagwort der völkischen Bewegung (insbesondere Alldeutscher Verband) bezog sich Ende des 19. Jahrhunderts auf eine maximale Großdeutsche Lösung. Alldeutschland solle auch Österreich, die deutschsprachige Schweize, die Niederlande usw. umfassen. Der Text des Waldeckliedes entstand 1890.
     

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