Seeadler auf Kaperkurs

Dieses Thema im Forum "Der Erste Weltkrieg" wurde erstellt von Köbis17, 11. Juni 2010.



  1. querdenker SZ

    querdenker SZ Aktives Mitglied

    Naja,
    so ein Seebeben kann man ja nicht ahnen , ausserdem klingt das deutlich besser als "Unachtsamkeit " der Besatzung .
    Grosssegler wurden noch bis weit in die 30ziger Jahre massenhaft eingesetzt .
    Die deutsche Flying P-Linie setzte ihre 4-Master bis Ausbruch des WW II noch ein und 2 ihrer berühmten Schiffe wurden noch als Frachter und Schulschiffe in den 50zigern eingesetzt (Pamir 1957 gesunken ) .
    Ein Segler wie die Seeadler hatte den Vorteil lange Strecken ganz unter Segeln , also ohne Treibstoffverbrauch , fahren zu können .
    Als einzelfahrender Segler war er absolut unauffällig ( auch die alliierten und neutralen Segler fuhren allein und nicht im Geleit ).
    Die meisten Handelsdampfer erreichten nur bis zu 14 Knoten , viele waren sogar noch "Dreibeinige Neunknoten "-Schiffe .
    Die 9 Knoten schaffte die maschine der Seeadler auch und hatte sich ein unvorsichtiger Dampfer zu stark genähert hätte er selbst bei Höchstfahrt mindesten 1 Stunde gebraucht um wieder aus der Schussweite der 10,5 cm Geschütze zu kommen .
    Der Einsatz weiterer Segler als Hilfskreuzer hätten keinen Sinn gemacht , die Allierten hätten sich schnell darauf eingestellt und die Erfolgschanzen wären gegen Null gegangen .
     
  2. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Das weiss ich, ich meinte damit die Aussage Repos, die Japaner hätten danach keine Beteiligung mehr. "Wolf" war noch nach Seeadler im Pazifischen raum aktiv.

    Das ist z.T. eine Definitionsfrage. Wenn man nur von Hilfskreuzer spricht, trifft dies zu, wenn auch einige davon extrem Erfolgreich waren. Einige von deren Aktivitäten, z.B. die Zerstörung der norwegischen Walfängerflotten in der Antarktis im 2. WK (Waltran war der Grundstoff für Nitroglyzerin), konnten von U-Booten kaum oder nicht erbracht werden und waren für die Briten ein wirtschaftlich harter Schlag.

    Die im Kaperkrieg aktiven "echten" Kriegschiffe waren aber auch für Konvoys gefährlich, und konnten nur durch die Begleitung mit eigenen Großkampfschiffen gekontert werden, was wiederum ein Teilerfolg durch Zersplitterung der Feindkräfte war.
     
  3. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    So weit ich in Erinnerung habe, hat er nur Segler versenkt, was ihm jedes mal leid tat, da er wusste das praktisch keine mehr gebaut wurden.

    Im 2. WK wurden übrigens noch einige Segler für militärische Zwecke herangezogen. Ich habe mal über die Versenkung eines italienischen Seglers durch ein britisches U-Boot gelesen. Der Italiener diente als Horchpostenboot für die Fliegerabwehr und war m.W. sogar bewaffnet. Die amerikanische Küstenwache hat glaube ich auch noch den einen oder anderen Segler als Vorpostenboot verwendet.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Juni 2010
  4. querdenker SZ

    querdenker SZ Aktives Mitglied

    Mit einem bewaffneten Dampfer hätte er sich auch nicht anlegen können .
    Mit dem Seglern im WW II hast du recht , ich glaube in Dünnkirchen waren auch welche dabei .
    Für den Nachschub nach Afrika und in der Aegäis ist auch alles verwendet worden was schwamm und die Amis setzten Jachten für Küstennahe Patroullien ein .
    Zwischen den Südseeinseln kamen Segler auch auf beiden Seiten zum Einsatz .
     
  5. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Mist, habe ich glatt überlesen. Danke Dir & Repo!

    Noch mehr Mist, hat mich zum ergebnislosen Grübeln gebracht aus folgendem Grunde. Die Szene auf Seite 209-211 muss sich doch bald nach der Gefangennahme am 27.09.17 abgespielt haben. Luckner schriebt, er sei von einem leutselig-tückischen "Admiral" auf dem Kreuzer "Izuma" empfangen worden. Der Name "Izuma" ist falsch, "Izumi" aber auch. Übrig bleibt nur "Izumo", aber auch diese Variante hat einen Haken: Den verlässlich erscheinenden Angaben in Imperial Cruisers zufolge ging die "Izumo" im Juni 1917 ab ins Mittelmeer, wo sie den schon kurz erwähnten Einsatz einer kleinen japanischen Flotte koordinierte; meines Wissens blieb das Schiff dort übers Jahresende 1917 hinaus, kann also eigentlich nicht jener "herrliche Kreuzer" sein, auf dem L. mit dem "Admiral" Smalltalk machte. - Wer kann helfen?

    Dann knüpfe ich nochmal an meine Bemerkung zum "Ritter"-Topos an:
    Zweifellos ist es für Luckners Nachruhm und Popularität nützlich gewesen, dass er sich als Mann mit einem gewissen "militärischen Sportgeist" ausweisen konnte, der zwar Sachgüter pflichtgemäß vernichtet, Menschen aber geschont hat. Andere Kreuzer-Kommandanten haben auch einen solchen "Bonus" bekommen, angefangen von Müller-Emden bis zu den sonstigen Hilfskreuzer-Leuten. Gerade Angloamerikaner sind für diese Art von "Charisma" immer sehr empfänglich gewesen.

    Beim Hinweis auf den Film "Liberty Valence" hatte ich noch dieses im Sinn [1]: Die Tatsache, dass die Legende gedruckt wird, impliziert zugleich auch den Aspekt des Abschiednehmens, denn so wie der alte "Westen" faktisch einer neuen Zeit weicht, so geht es auch mit der Art von Seekriegsführung, die von Luckner & Co. in dieser Form durchgeführt werden konnte: (a) "human" dem Feind gegenüber, d.h. auf Schonung von Menschenleben bedacht, (b) "human" den eigenen Leuten gegenüber, indem das Risiko möglichst kleingehalten wurde, und (c) "guten Gewissens", weil nicht im Dienste eines Staates kämpfend, der nicht prima vista "böse" ist.
    Auch die Hilfskreuzer im 2. WK. haben noch so zu operieren versucht, aber eben unter deutlich höherem, der Entwicklung der Kriegstechnik geschuldetem Risiko (siehe die Totalverluste von "Komet", "Michel", "Pinguin") und im Namen eines Verbrecherregimes.

    [1] Das Folgende ist vielleicht etwas weit hergeholt - bitte nicht auf die Goldwaage legen!:winke:
     
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  6. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Da gibt es einen spannenden Bericht (engl.) eines Briten, der als ziviler Passagier auf einem von SMS Wolf aufgebrachten Schiff war und sich dann einige Monate als Gefangener an Bord der SMS Wolf bzw. anderer von Deutschen aufgebrachten Schiffe aufhalten mußte.
     
  7. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    @Bdaian
    Nein, die vom "Seeadler" versenkten HMS"Gladys Royal", HMS"Lundy Island" und HMS "Horngarth" waren Dampfer

    @jschmidt....soweit hergeholt finde ich das gar nicht,da ist schon was dran.Auch wenn man die Schilderungen Luckners über Skagerak mit denen der Kaperungen vergleicht schwingt das bei aller Begeisterung über den Sieg mit.

    Das mit der "Izumo" ist allerdings ein Rätsel. Entweder hat Luckner den Namen verwechselt oder man hatte ihn damals aus Geheimhaltungsgründen bewußt falsch über den Namen des Schiffes informiert.
    Möglicherweise war es aber auch das zweite Schiff der Izumo-Klasse,die "Iwate" ,die damals im Pazifik und im Indischen Ozean Dienst tat und Luckner hat nur Name und Klasse durcheinander gebracht.
     
  8. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Der Teil der "Seeadler" Geschichte, den Luckner übergeht, der aber nicht minder abenteuerlich ist:

    von der Seite
     
  9. Repo

    Repo Neues Mitglied

    nochmal was gefunden:

    von da
    Luckners "noble" Kriegführung außerdem nochmals bestätigt.
    Aber nicht zu vergessen, die Mannschaften haben haben geschafft an was Luckner scheiterte.
     
  10. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Ja,die Fahrt mit der maroden "Lutéce" zu den Osterinseln war eine seemännische Meisterleistungv, aber die Fahrt mit der offenen "Kronprinzessin Cäcilie" nach Samoa nicht minder.
    Beide Aktionen zeugen auf jeden Fall vom hohen nautischen Niveau der "Seeadler"-Crew.
     
  11. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied

    HMS bedeutet His Majesty's Ship und war Fahrzeuge der Royal Navy vorbehalten. Bist Du sicher, dass es sich bei den genannten Schiffen um Fahrzeuge der RN handelte?
     
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  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Lt. Marinearchiv, Kreuzerkrieg III, erfolgte die Gefangennahme der Restmannschaft mit Luckner auf einem Kutter durch einen kleinen britischen Dampfer mit einem Offizier und 4 indischen Soldaten an Bord.

    Bzgl. der Verfolgung im südwestlichen Pazifik werden keine japanischen Schiffe erwähnt. Die Ostküste Südamerikas war beim Durchbruch mit 7 englischen Kreuzern (btz. Hilfskreuzern) besetzt. Im Pazifik schalteten sich dann die USA mit 4 Hilfskreuzern ein, dazu 2-3 englische Kreuzer. Marinearchiv betont die Dispersionswirkung des Seeadlers zu Wolf, ein mE übertriebener Aspekt. Falls es interessiert, kann ich die Versenkungsliste nach Schiffen einstellen.
     
  13. Repo

    Repo Neues Mitglied

    aus dem og Link

     
  14. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    @flavius-sterius
    nein,da hast Du recht,es waren alle drei Dampfer der britischen Handelsmarine, nicht der Royal Navy.

    Was mir auffällt ist,daß die versenkte Tonnage pro Schiff im Pazifik erheblich abnimmt. Lag das am geringeren Warenverkehr im Ostpazifik ,an kleineren Schiffen oder blieben die dicken Pötte aus Vorsicht vor marodierenden (Hilfs-)kreuzern in den Häfen ? Dann wäre die Wirkung ja die erhoffte gewesen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Juni 2010
  15. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ganz weit weg finden in diesen Tagen Gedenkfeiern für ein anderes Relikt aus dem deutschen Kolonialreich statt:

    Der in Guam internierte deutsche Hilfskreuzer "Cormoran" versenkte sich im April 1917 nach Kriegseintritt der USA selbst.
    Die bewegte kurze Geschichte des Schiffes, selber eine Prise des Kreuzers Emden:
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/SMS_Cormoran_(1909)

    Guam ist "nichtinkorporiertes US-Außengebiet" (und war das auch nach der japanischen Einnahme der übrigen Marianen-Inseln - zuvor deutsche, davor bis 1898 spanische Kolonie - als Folge des Ersten Weltkriegs).

    In Apra Harbor wurde das Wrack, auch wohl ein beliebtes Taucherziel, zum Denkmal erklärt. Wegen der Versenkung bei Kriegseintritt gibt es nun diverse Zeremonien bzw. "Festivities":
    SMS Cormoran II Memorial Ceremony - Guam Events

    Ich vermute, in Emden hat davon noch niemand Kenntnis. Für die Flugbuchung dürfte es auch etwas spät sein.



    (Um kein Extrathema zu eröffnen, stelle ich es hier ein)
     

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