Sklavenschmuggel in den Americas

Dieses Thema im Forum "USA | Kanada" wurde erstellt von Dog Soup, 12. Oktober 2012.

  1. Dog Soup

    Dog Soup Neues Mitglied


    Der Sklavenhandel wurde in den USA 1807 verboten (bzw 1808, als das Gesetz in Kraft trat), danach wurden aber weiterhin Sklaven geschmuggelt, oft über Süd- und Lateinamerika, und u.a. über Flüsse weiter ins Landesinnere der USA gebracht. Zu dieser Ausgangslage hätte ich jetzt Fragen, bei denen mir hoffentlich jemand weiterhelfen kann.

    Erstens scheint mir dieser informelle inneramerikanische Aspekt des Sklavenhandels nur schlecht erforscht zu sein. Ich finde jedenfalls spontan weder Artikel noch Bücher, die sich in erster Linie damit beschäftigen. Oder kennt da jemand etwas, was ich einfach übersehen habe? Ich wäre ja schon über ein Kapitel in einem allgemeineren Buch dankbar.

    Zweitens, weiß jemand irgendwas über die genauen Handelswege? Wo sollen sich diese informellen Ökonomien eigentlich manifestiert haben? Irgendwo muss es da ja auch Häfen und Märkte gegeben haben.

    Drittens, ich meine mich zu erinnern, dass es Piraten gab, die internationale Sklavenschiffe in amerikanischen Gewässern (Kontinent, nicht USA) überfallen haben, die Sklaven raubten und sie dann weiterverkauften. Weiß dazu eine/r was?
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Oktober 2012
  2. Dog Soup

    Dog Soup Neues Mitglied

    Anyone...?
     
  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter


    Ich habe eine recht umfangreiche Enzyklopädie zur Sklaverei, dort schaue ich mal in den Einzelaufsätzen nach. Dauert aber etwas.
     
  4. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Ich hatte es mal in einem anderen Kontext erwähnt. Es gibt eine Trilogie des wichtigen spanischen Schriftstellers Pio Baroja (Pío Baroja ? Wikipedia) die sich mit diesem Thema befasst : Las Inquietudes de Shanti Andia, Pilotos de Altura und La estrella del capitán Tximista.

    Sie handeln vom Leben einer Grupe fiktiver aber realistisch beschriebener baskischer Seeleute im 19. Jahrhundert. Dort wird der Sklavenhandel Mitte des 19. Jahrhunderts beschrieben mit Drehscheibe auf Kuba und der hauptsächlich mit kubanischem Capital betrieben wurde. Die "Ware" wurde vor Ort oder in Charleston verkauft. Die selben Sklavenhändler betätigten sich gelegentlich auch als Piraten, die Grenzen waren fliessend. Spanier, Portugiesen, Brasilianer und Franzosen haben diesen handel wieder an sich gerissen, nach dem die Briten den lange währenden Monopol des "Asiento de Negros" aufgaben und den Handel verbaten.

    Vor allem in "Los pilotos de altura" (1931 verfasst), dass in der Form der Erinnerungen eines alten Capitäns dargestellt ist und möglicherweise auf einer oder mehrern echten Tagebüchern basiert, wird das Ganze sehr detailliert beschrieben. Ich habe nicht gefunden, ob dieses Buch ins Deutsche übersetzt worden ist.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Oktober 2012
  5. Dog Soup

    Dog Soup Neues Mitglied

    Ich habe mittlerweile auch ein bisschen weiter recherchiert und habe gerade Warren S. Howards "American Slavers and the Federal Law 1837-1862" entdeckt - so erstmal als Zwischenfund.

    Das Buch ist schon etwas angestaubt (1963) und gerade auf den einleitenden Seiten haarsträubend formuliert, wenn er etwa schreibt, dass Afrika in der Mitte des 19. Jahrhunderts nun mal leider nicht aus stolzen Republiken bestand, was man ja wohl nochmal wird sagen dürfen, nicht wahr. Statt dessen gab es da ja weit und breit nur "scores of tribes and petty kingdoms, chaotic, heathen, and often at war with one another ... there were unbroken, fever-infested jungles and squalid villages, and instead of freedom, there was slavery..." Zwischenafrikanische natürlich, die Europäer sind zu dieser Infrastruktur ja bekanntlich gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. :nono:

    Interessant wird es dagegen, wenn er dann wirklich anfängt über den Sklavenhandel auf dem amerikanischen Kontinent zu sprechen. Besonders spannend fand ich zum Beispiel, wie bei Bau, Verkauf und Ausstattung der Sklavenschiffe Besitzstände systematisch hin- und hergeschachert wurden, um möglichst alle Lücken der beteiligten Rechtsräume auszuschöpfen. Man kriegt hier durchaus einen guten ersten Eindruck von den mafiösen Zuständen, die da geherrscht haben müssen.

    Da du Kuba erwähnst, Bdaian - das kommt hier gerade im Kontext des Brasilienhandels ebenfalls vor, und es gibt hier auch eine reichhaltige Sammlung guter Appendixe in dem Buch - etwa eine genaue Schätzung der Profite des kubanischen Sklavenhandels zwischen 1857 und 1861, eine Liste welche Sklavenschiffe in der Zeit aus kubanischen Häfen ausgelaufen sind, Rechtsdokumente... kurz und gut, jede Menge Listen und Verzeichnisse aller Art. Super.

    Wobei mich persönlich ja am meisten die Zeit zwischen 1815 und 1840 interessiert, von daher muss ich noch weitersuchen.
     
  6. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Der inneramerikanische Sklavenhandel, der als 2. Mittelpassage in die Geschichte einging, war sehr gut organisiert, und Sklaven aus Missouri, Kentucky oder Virgina fürchteten nichts so sehr, wie stromabwärts "down River" in den tiefsten Süden verkauft zu werden. Schwarze, die auf Farmen in den Grenzstaaten beschäftigt waren, arbeiteten in der Regel in einem Task System. Es wurde eine Aufgabe gestellt, die in einer bestimmten Zeit bewältigt werden musste. Die Arbeiter konnten daneben eigenen geschäften nachgehen, während auf Baumwoll-oder Zuckerrohrplantagen im Akkord gearbeitet wurde. In Mark Twains Huckleberry Finn, genügt das Gerücht, er solle in New Orleans verkauft werden, dass der Sklave Jim flieht.
    Arbeitskräfte wurden per Annoncen an- und verkauft. Sklavenhändler verfügten über Depots wo sie Arbeitskräfte unterbringen oder Kinder und Jugendliche aufziehen konnten. Die Spekulation mit Kindern unter 10 Jahren war absolut üblich. "Raised like Tobsy", "grow like Topsy" sind heute noch im amerikanischen Englisch gängige Redewendungen. Diese Tobsy, ein sehr lebhaftes Mädchen ist eine Figur aus Uncle Tom´s Cabin. Auf die Frage der Nordstaatlerin Ophelia, die sie erziehen soll, wie alt sie ist, wo sie geboren wurde und wer ihre Eltern waren antwortet sie: "I dun no Missis, I never was born, never had no father, nor mother nor nothing. I guess I was raised by a speculator with many others, Old Aunt Sue used take car on us." (Chapter 20). Die Haussklavin Jane klärt die Nordstaatlerin auf: "Laws Missis, there´s heaps of them, speculators buys ´em cheap as they are little and gets em raised for market.

    Ein Wesen wie Topsy war für 10 $ zu haben und konnte als 14-15 Jährige bereits einige 100 Dollar einbringen. Für die Sklavin Eliza bietet der Sklavenhändler Haley 500 $, hofft aber in New Orleans 800 $ zu bekommen. Ihr Sohn, der sechsjährige Harry ist Haley 200-300 $ wert. Dummerweise flüchten die beiden, weshalb Haley ein sonderbares Duo von Kopfgeldjägern auf sie ansetzt. Tom Loker ist der mann fürs Grobe, während der windige Marks Meineide schwört, dass dieser oder jener Schwarze sein Eigentum ist.

    Der Hintergrund der Geschichte ist der schon mehrfach zitierte Fugitive Slave Act, der solchen Typen theoretisch ermöglicht im Norden Schwarze zu kidnappen. Kidnapping war ein lukratives Geschäft. Es gab z. B. in Ohio manches County, manche Gemeinde wo alle freien Sklaven entführt und als Sklaven in den tiefen Süden verkauft wurden. Das Opfer hatte keine Chance rechtlich Gehör zu finden.
    In New York wurde ein freier Schwarzer inmitten eiuner Menschengruppe ergriffen, worauf er verweifelt darum flehte, jemand möge ihm ein Messer geben, damit er sich das Leben nehmen könne, um nicht Sklave zu werden.

    In Huckleberry Finn haben der Duke und der King eine Idee wie sie auch bei Tage reisen können. Der Duke entwirft in einem Ort einen Steckbrief der auf Jim passt. Als die beiden Halunken kein Geld mehr haben, verkauft der King den Anteil an der fingierten Belohnung an Silas Phelps, der zufälligerweise der Onkel von Tom Sawjer ist.

    Es gab regelrechte Zuchtfarmen wo Schwarze aufgepäppelt wurden.Wo Ware hinterlassen werden konnte. Sklavenhändler verfügten über eine reihe von Depots und stellten je nach Nachfrage eine Gang aus Männern und Frauen zusammen, die in den Grenzstaaten in gesundem Klima aufgepäppelt wurden und instruiert wurden wie sie sich verhalten sollten, wie sie Mängel an der Ware Mensch kaschieren sollten. meist erzwang man die Mitarbeit der ware, weil man den Sklaven sagte, sie würden bessere Master bekommen oder ihnen versprach familien ncht zu trennen.
     
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Fragen stehen doch in engem Zusammenhang mit der statistisch aufgrund der Censi relativ gut erfassten Veränderung der Sklavenzahlen in den Südstaaten. Diese stiegen von etwas über 1 Mio um 1805 auf über 4 Mio. um 1840, veränderten sich regional und in den "Branchen".

    Soweit ich das gelesen habe, wird ein nennenswerter Sklavenimport nach 1808 abgelehnt, und stattdessen wird nach Erklärungsansätzen für den gewaltigen zahlenmäßigen Anstieg und die "Verschiebungen" gesucht. Der rege Sklavenmarkt, oben schon beschrieben, der nach 1808 in der Binnenwirtschaft des Südens bestand, hatte mit drastischen Umwälzungen aus der Reis- und Tabackwirtschaft hin zur Baumwolle zu tun.

    Bleibt die Frage der absoluten Zahlen. In einer neueren Studie versucht Bergad, The Comparative History of Slavery in Brazil, Cuba and the United States, diesen Anstieg durch unterschiedliche spezifische Bedingungen zu erklären. Bergad beruft sich auch auf die übrige Literatur, nach der ein nennenswerter Zufluss von außen außer kleinerem Schwarzhandel nicht bestand, und erklärt den Anstieg sehr detailliert demografisch. Somit lieferten Schmuggel über See, zB aus Kuba, oder die offene Grenze zu Mexiko nur kleinere Beiträge zu den Sklavenzahlen.
     
  8. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    dazu eine ganz naive Frage, weil ich es mir nicht vorstellen kann: wie machte man das? Wie schmuggelte man Sklaven im frühen 19. Jh.?
     
  9. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    In dem man nicht in einem offiziellen Hafen anlegte an dem ein Zollamt und Aufseher waren, sondern eine abgelegene Bucht in der man die "Ware" diskret an Land bringen konnte.
    Bei den weitläufigen amerikanischen Küsten mit vielen kleinen Buchten und naturlichen Häfen war das nur schwer zu kontrollieren. Die geballte Marine der Union konnte nur mit viel Mühe die Blockade während des Bürgerkrieges durchführen.
    Auf den Plantagen hat man dann geschworen, dass diese Sklaven die nur Wollof oder Fula sprachen, schon auf dieser Plantage geboren worden sind.
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Den ohne Zweifel vorhanden gewesenen kleineren Schmuggel stelle ich mir auch so vor. Die Sklavenpreise schwankten auch sehr stark, in Abhängigkeit von den Agrarpreisen, differierten außerdem zu den potenziellen Versendeländern in der Karibik. Somit schwankten auch die Gewinnspannen des Seetransports.

    Bei einem größerem Umfang hätte es aber über diese Wege reichlich Berichte von allen Beteiligten gegeben, ähnlich wie zB zu den regionalen Verschiebungen.

    Deshalb die oben angesprochene Analyse, da gerade der Ländervergleich sehr interessant ist.
     
  11. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Es Ist ja fragwürdig einen Film wie "Amistad" oder einen zeitgenössischen Roman wie Uncle Tom´s Cabin" als Quellen zu verwenden. Immerhin handelte es sich beim Amistad- Prozess um ein historisches Ereignis, und Aussagen von Zeugen wie Joseph Cinque werfen ein Schlaglicht auf die Bedingungen. Die Amistad Sklaven wurden mit einem portugisischen Schiff der Tecora über den Atlantik verschifft und in Kuba als geborene Sklaven aufgelistet und auf die Amistad verfrachtet. Diese war eigentlich kein typisches Sklavendeck, da die üblichen Zwischendecks fehlten.

    Der Sklavenschmuggel wurde mit Kleineren, schnelleren seglern betrieben. Meist Schoner, Briggs, Brigantinen oder Lugger. Im Prinzip ließ sich fast jedes Schiff als Sklavenschiff nutzen. Mit relativ geringem Aufwand ließen sich Zwischndecks installieren, und die Schiffe fuhren meist mit eher geringer Besatzung. Briggs liefen besser vor dem Wind auf hoher See, während Schoner geringen Tiefgang hatten und mt ihrer Takelung viel höher am Wind segeln konnten.

    In den 1840er- 1850er Jahren ging der Anteil illegal importierter Sklaven aus Afrika in die Südstaaten der USA deutlich zurück, und der Binnnenmarkt wurde vor allem aus "Nachzuchten" gedeckt. Der Handel mit Sklaven hatte etwas Ähnlichkeit mt Gebrauchtwarenmarkt. Sklaven waren das größte Kapital der USA, wertvoller als Stahlwerke und eisengießereien in Pennsylvania oder Schiffswerften in Masachusetts. Man konnte Sklaven gegen Diebstahl versichern, konnte sie als Sicherheit anbieten und mit ihnen spekulieren. Ebenso war es nicht unüblich, Fachkräfte zu vermieten. Sie wurden in Zeitungen inseriert, und Händler verfügten ein Netzwerk ausFarmen, Landeplätzen, Depots etc. und arbeiteten nicht selten mit Kopfgeldjägern zusammen, die auf eigene Rechnung Sklaven verfolgten. Sklavenhändler kauften, tauschten und erwarben eine Gang von 1- 2 dutzend Männern und Frauen zusammen, je nach Marktlage und Nachfrage meist in Maryland, Kentucky und anderen Staaten des oberen Südens, um sie dann mit Gewinn in New Orleans oder Natchez zu verkaufen.
     
  12. Dog Soup

    Dog Soup Neues Mitglied

    Ich stelle gerade fest, dass ich meine Fragestellung etwas unsauber formuliert hatte, speziell betreffs des Wortes "inneramerikanisch."

    Hier sind tolle Informationen zum Handel innerhalb der USA zusammengekommen, aber ich meine tatsächlich eher den Handel zwischen den Ländern des amerikanischen Kontinents, also vor allem zwischen den USA und Latein- und Südamerika. Gerade Kuba und Brasilien interessieren mich da.

    Noch ein schöner Artikel ist mittlerweile aufgetaucht, den ich euch nicht vorenthalten will.

    Joan M. Exnicios: "On the Trail of Jean Lafitte." In "X Marks the Spot: The Archeology of Piracy" (2006)
     
  13. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Hmpf, ja, da habe ich Google unter falschen Voraussetzungen gequält. Ich stell trotzdem mal ein, was ich gefunden habe, denn in einigen Artikeln/Büchern wird sowohl der US-interne Markt wie auch der illegale Handel ab 1808, der offenbar vorwiegend über Kuba lief, behandelt.

    Folgendes habe ich gefunden:

    Michael Zeuske: Mongos und Negreros: Atlantische Sklavenhändler im 19. Jahrhundert und der iberische Sklavenhandel 1808 / 1820-1873 S. 57-115 In:
    Christina Hatzky (Hrsg): Sklaverei und Postemanzipationsgesellschaften in Afrika und der Karibik. Münster 2010

    S. 65
    David Eltis et al: The Atlantic Slave Trade: A Database on CD-Rom. Cambridge, New Yor 1999

    From The Archive: The Unanswered Question | History Today

    Rezension eines Artikels von Arnold Whitridge: The American Slave-Trade, 1958 (Artikel als PDF dort vorhanden)
    Auszug:

    http://www.encyclopedia.com/topic/slavery.aspx
    Texte aus mehreren Lexika sowie „Further Reading“.

    David Paterson’s Journal

    US Slave: The Domestic Slave Trade in America

    Slavery and the Internal Slave Trade in the United States of North America
    Hrsg The American Anti-Slavery Society
    facsimilie reprint 2008

    Carry Me Back: The Domestic Slave Trade in American Life
    Steven Deyle. Oxford University Press. 2005

    Slavery and the Domestic Slave Trade in the United States
    Ethan Allen Andrews
    (Es werden gerade mehrere Exemplare in der australischen Bucht angeboten - Kauf, nicht Auktion)

    The Domestic Slave Trade in the Southern States
    Winfield Collins. 1904

    New Studies in the History of American Slavery
    Ed: Edward E. Baptist, Stephanie M. H. Camp. 2006

    Soul by Soul: Life Inside the Antebellum Slave Market
    Walter Johnson. 1999
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Oktober 2012
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  14. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Datenbasis von Eltis ist auch von Ingeborg zitiert worden, siehe vorheriger Post.

    Darauf berufen sich auch Rawley/Behrendt in The Transatlantiv Slave Trade (2005, rev. Edition). Demnach sind insgesamt rd. 360.000 Sklaven in die USA transportiert worden. Gemessen an den Statistiken für 1807/1810, liegt da bereits eine Verdreifachung der Zahl in der Binnenwirtschaft vor (Anstieg auf über 1Mio.). Diese Entwicklung ist dann im Trend bis 1861 weiter festzustellen.

    Rawley/Behrendt behandeln leider nicht die Frage, wieviele Sklaven geschätzt aus den Americas in die USA gelangten, da sie die Betrachtung des Handels für die USA 1808 abbrechen.
     
  15. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Jetzt wird es ein wenig Off-Topic:

    Ich meine, dass im Buch "Roots" von Alex Haley auch etwas von "Zuchtfarmen" oder von geplanter Sklavenzucht (besonders kräftige Sklaven werden zur Fortpflanzung von ihren Eigentümern ausgewählt) erwähnt wird. Anscheinend hat man die Grundsätze der Viehzucht auf die Sklavenwirtschaft übertragen wollen. Es ist allerdings die Frage, wie historisch genau "Roots" diese Sachverhalte schildert (und wie gut ich diese vom Buch noch in Erinnerung habe).

    Eine kurze Google-Recherche* hat mich einen Artikel im Spiegel finden lassen, der von einem Fall aus Brasilien berichtet, in dem im 19. Jhdt. wie bei der Viehzucht vorgegangen wurde:

    DER SPIEGEL*25/2001 - Reproduktive Bäuche

    Gab es solche Zuchtbetriebe auch in den USA?

    *die Google-Recherche ist ein wenig schwierig, weil man bei der Suche nach "Sklavenzucht" sehr viele gewerbliche Seiten findet, auf denen ominöse Angebote unterbreitet werden:still:
     
  16. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Das Thema wird jedenfalls sehr uneinheitlich dargestellt und bewertet. Teilweise wird bestritten, daß es derartige Einrichtungen und Praktiken gab, in anderen Veröffentlichungen wird slave breeding als Fakt beschrieben.

    Hier eine kurze Auswahl:

    Gaspar, David Barry & Darlene Clark Hine: More than Chattel: Black Women and Slavery in the Americas. Bloomington 1996

    Nach der Vorschau wird das Thema Breeding Ja oder Nein angesprochen in Kap 1: Africa into the Americas? Slavery and Women, the Family, and the Gender Division of Labour. Claire Robertson. S. 3-42

    www.ahf-muenchen.de/Tagungsberichte/Berichte/pdf/2012/140-12.pdf
    AHF-Information Nr 140, 18.09.2012
    2nd Slaveries and the Atlantization of the Americas
    Kolloquium der Abteilung für iberische und lateinamerikanische Geschichte des Historischen Instituts der Universität zu Köln
    Köln, 12. bis 14. Juli 2012

    Auszug:
    „Flexibel“ griff man neben dem legalen auf die Möglichkeiten des illegalen sowie des internen Sklavenhandels zurück. Komplementär wurde z.B. in den USA „slave breeding“ betrieben […].

    LaRosa, Lisa M.: Systematic Slave Breeding in the Southern United States: A Hidden Aspect of the Nation's History. Amherst College, 1995

    Offenbar wurde die Praktik sozus verschämt betrieben und entsprechend gibt es also Veröffentlichungen, die anhand von Zahlenmaterial etc nachzuweisen suchen, daß slave breeding nie und nimmer stattgefunden hat. Ähnlich tabuisiert war und ist ja der Bereich der - im weitesten Sinne - sexuellen Beziehungen zwischen schwarzen Sklavinnen und weißen Herren (und in noch stärkerem Maße die umgekehrte Variante).

    (NB: wenn man nach dem Stichwort 'slave breeding' googelt, erspart man sich die erwähnten - äh: kommerziellen Seiten und bekommt auch viele Seiten in deutscher Sprache, auf denen der Begriff ebenfalls in Englisch erwähnt wird.)
     
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  17. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    In der englischen Wikipedia ist dazu ein Artikel Slave breeding in the United States - Wikipedia, the free encyclopedia

    Und hier ist noch ein neueres Buch: Eddie Donoghue: Black Breeding Machines (2008), das in Teilen bei Google Books einsehbar ist:

    Black Breeding Machines - Eddie Donoghue - Google Books


    Von speziellen "Zuchtbetrieben" (so wie oben für Brasilien beschrieben) ist nicht die Rede. Allerdings sind schon Fälle erwähnt, in denen Sklavinnen speziell für die Fortpflanzung ausgewählt worden sind und von "Zuchtsklaven" (als "Stockmen", eigtl. Züchter, umschrieben) "begattet" werden.

    Danke für den Hinweis.:winke:
     
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  18. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter


    Das Thema scheint ja hochumstritten zu sein, wenn man sich unter einigen Dissertationen umschaut. Da scheinen sich bestimmte "Schulen" zu positionieren, hinzu kommt eine Gemengelage mit der Literatur (und zeitgenössischen politischen Auseinandersetzungen, die sogar von ganzen "breeding states" wie Kentucky handeln).
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Oktober 2012
  19. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Bin beim schmökern in alten Threads auf diesen gestoßen. In seinen Autobiographien schreibt der Abolitionist und Autor Frederick Douglass über seine eigenen Erfahrungen. In seiner Jugendzeit wurde Douglass als etwa 15 Jähriger von seinem Herrn Thomas Auld an einen Mr. Covey für ein Jahr vermietet, um "gebrochen" zu werden. Dieser Eduard Covey war ein typischer Redneck und eigentlich ein ganz armer Schlucker. Er hatte aber einen guten Ruf für seine Fähigkeit, "Nigger zu brechen", und viele seiner Nachbarn überließen ihm ihre Sklaven für eine bestimmte Zeit. Covey hatte einen großen Ruf als "Niggerbrecher" und bewirtschaftete seine gepachtete Farm mit den Sklaven, die ihm seine Nachbarn überlassen hatten. Da er ein armer Schlucker war besaß er nur eine einzige Sklavin, eine junge Frau namens Caroline, alle anderen Sklaven mit denen er die Farm bewirtschaftete, die er gepachtet hatte waren gemietet. Covey benutzte diese Caroline "for breeding", also zur Zucht. Er sperrte sie jede Nacht mit einem der angemieteten Sklaven ein, der mit einer Freigelassenen verheiratet war. Das Ergebnis war, dass Caroline am Ende des Jahres Zwillinge zur Welt brachte, die Coveys Eigentum vermehrten. Covey konnte sich vor Freude kaum fassen, und es schien ihm nichts auszumachen, dass er, der Kirchenältester einer Baptistengemeinde war, sich damit der Sünde des Ehebruchs schuldig machte.

    (Frederick Douglass, Narrative of the Life of Frederick Douglass an American Slave Chapter X).
     

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