Slawen, Wenden, Sorben, Obodriten

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von askan, 23. März 2004.

  1. askan

    askan Neues Mitglied


    Es wurde früher mal nach der sagenumwobenen Stadt Rethra gesucht, eine heidnisch-Slawischen Tempelstadt im heutigem Mecklenburg. Weiß jemand etwas neues darüber?
     
  2. Hamilkar

    Hamilkar Neues Mitglied

    Rethra sag mir was.

    Lange Zeit eine mystische Stadt, aber ich glaube man hat sie gefunden, bzw. will sie gefunden haben.
    Zur Sicherheit habe ich nochmal nachgegoogelt und folgendes gefunden.
    Jedoch weiß ich nicht wie vertrauenswürdig die Seiten sind.

    www.sagen.at/texte/sagen/deutschland/mecklenburg_vorpommern/temme/rethra.html

    Und unter:
    www.mysteria3000.de/archiv/ps/wikinger.htm
    steht:
    "Rethra war die zentrale Kultburg des slawischen Lutizenbundes im Gebiet der Redarier, und die siedelten, seit sie zum ersten Mal erwähnt wurden, stets in Mecklenburg. Nach den historischen Unterlagen wurde Rethra 1068 von einem deutschen Heer erobert, das weiße Kultross des Redariergottes Svarozyc im Triumphzug nach Halberstadt gebracht! [5] All das macht eine Lokalisierung in Dänemark mehr als problematisch, die Ausgrabung Rethras durch den Direktor des Regionalmuseums Neubrandenburg, Volker Schmidt, am Südende des Tollensesees [6] widerlegt Hansson in diesem Punkt endgültig. "

    Ist interessant, bestehtigt meine ahnung, aber so ganz gesichert würde ich das nicht ansehen.
     
  3. Mercy

    Mercy unvergessen


    > Ist interessant, bestehtigt meine ahnung, aber so ganz gesichert würde ich das nicht ansehen. <
    Bei den Literaturangaben wäre ich auch vorsichtig.

    Fakten:
    "983: Lutizenaufstand: 29. Juni: Überfall auf Havelberg, 1. Juli: Brandenburg. Bistümer bestehen nominell in partibus infidelium fort. Teilnahme der besser gestellten christlichen Obodriten. Überschreitung der Elbe, aufgehalten am Tanger. Die Lutizen, nach den Annales Quedliburgensis identisch mit den Wilzen, waren ein Kultverband mit dem Zentrum im Heiligtum Riedegost (Thietmar) oder Rethra. Namentlich genannt werden vier Stämme: Zirzipanen, Kessiner, Tolensanen und vor Allem die Redarier an der Peene. ..."
    http://www.magister-rother.de/scriptorium/ueberblick.php4

    Mit Gruss an Thorstein.
     
  4. askan

    askan Neues Mitglied

    Ja, Titus ich weiß das es alles Slawen ist. Ich wollte hier nur mal ein Thema anstossen, das oft nicht beachtet wird. Kaum jemand weiss, das bis vor weinigen Jahrhunderten die Bundesländer Mecklenburg und Brandenburg noch heidisches "Barbarenland" waren. Bis auf Sagenbücher und ein uraltes Buch über altslawische Mythen (Anno 1926) habe ich kaum Literatur darüber gefunden.
    Von Rethra wusste ich bisher nur das vor ca. 100 Jahren ein wahres Schatzfieber herrschte um es zu finden und halt das was aus Sagenbüchern zu lesen ist.
    Ich würde mich freuen wenn wir ein wenig Informationen über das Thema Slawen zusammen tragen können.
    Hier scheint ja eine recht findige Truppe zu posten . :)
     
  5. Titus_Livius

    Titus_Livius Gesperrt

    Hab mal ein bissel gestöbert:

    Rethra
    Ein als „Akropolis des Nordens” bekannter Kultort der wendischen Retharen. Hier, nahe Feldberg in Mecklenburg, nach neueren Forschungen am Tollensesee bei Neubrandenburg, verehrten sie den Redigast als ihre Hauptgottheit.



    Ansonsten saßen die slawischen Stämme ja bis zum Erzgebirge. Noch heute sind ja viele Ortschaften auf slawischen Ursprung zurückzuführen. Leipzig, -Dresden glaub ich auch. Alle Ortschaften die ein -itz hinten dran haben.
     
  6. Harald

    Harald Gesperrt

    Hallo Askan, hallo Titus,

    fangen wir mit den Abodriten (auch Obodriten) an, die in Mecklenburg und Ostholstein lebten: Heinrich der Löwe setzte ihrem Häuptling Niklot sehr zu und eroberte sein Land.
    Aber der Löwe stürtzte über seinen Streit mit Kaiser Barbarossa und Niklots Söhne gewannen ihr Land zurück, wurden Christen (das sicherte ihnen das Überleben), besiedelten das Land mit Deutschen und wurden die deutschen Herzöge von Mecklenburg,
    nach dem Aussterben der Pommernherzöge und der schlesischen Piasten das einzige deutsche Fürstenhaus slawischer Herkunft.
    Die Familie der Niklotiden regierte Mecklenburg bis 1918 und existiert noch heute.

    Aus Mecklenburg vertrieben oder wegen seiner Volkszugehörigkeit benachteiligt wurde kein einziger Slawe,
    warum denn auch, wenn der Herzog selbst slawischer Herkunft war.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. März 2004
  7. askan

    askan Neues Mitglied

    Gibts irgendwas über die heidischen Slawen zu erfahren? Oft wird nur ihre Eroberung erwähnt.
     
  8. askan

    askan Neues Mitglied

    Sind die slawischen Völker in Deutschland eigentlich völlig spurlos aus der Geschichte verschwunden? Die Wilzen, Pommoranen, Ranen, Wenden und Sorben wurden sie nur erobert und lebten bis zur Assimilation als geschichtslose Bauern? Kann ich mir nicht wirklich vorstellen!
     
  9. Titus_Livius

    Titus_Livius Gesperrt

    In der Lausitz gibts doch noch die von Dir gesuchten...
    Ansonsten wars ziemlich schnell ein Gemenge mit den Deutschen geworden. Da zeugen nur noch Orts-, Landschafts- und Gewässernamen von der slawischen Zeit.
     
  10. Paul

    Paul Gast

    Hallo Askan,
    die Abodriten betrieben auch noch etwas Seeräuberei. Neben den Sorben gibt es heute natürlich noch die mit den Abodriten verwandten Kaschuben. Zwar hatten sie sich intensiv mit den norddeutschen Siedlern vermischt. Es haben sich aber in Pomerellen Tuchheder Heide.. einige Dörfer mit relativ slawischen Kaschuben erhalten(Die heute auch noch nicht polonisiert wurden). In der Regel wurden aber Kaschuben als typisch gemischte Slawisch-deutsche Bevölkerung verstanden.
     
  11. Lutize

    Lutize Gast

    Hallo Askan
    Es giebt Litteratur über die Lutizen: Wolfgang Brüske Untersuchungen zur Geschichte des
    Lutizenbundes vom Böhlau Verlag
    Ich war in der glücklichen Lage von1982 bis1987 an den Ausgrabungen am Südende des
    Tollensesees also der Lieps mit wirken zu dürfen.Nach Auswertung der Funde stand und steht
    für uns fest daß wir das Machtzentrum des Lutizenbundes gefunden haben. Sicher sind
    Forschungsstände immer momentan und können durch weitere Grabungen bestätigt oder ver-
    worfen werden aber darin liegt ja der Sinn einer Forschung. Die Auswertung der Grabungsergebnisse hat unser damalige Grabungsleiter Dr. Dr. Volker Schmidt( leider vor zwei
    Jahren verstorben) in zwei Büchern veröffentlicht. 1.Lieps :Eine slawisch Siedlungskammer am Südende des Tollensesees
    2.Lieps : Die slawischen Gräberfelder Und Kultbauten am Südende des Tollensesees.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 13. Mai 2004
  12. Lutize

    Lutize Gast

    Was interessiert dich besonders
     
  13. askan

    askan Neues Mitglied

    Die Religion und die Gesellschaftsstruktur. Hatten sie einen König oder was es eher eine Art Häuptlingstum. Gab es eine Priesterkaste. Auf welchen Kulturniveau standen sie? und sowas in der Art.
     
  14. Aragorn

    Aragorn Neues Mitglied

    mich würde interessieren was die Slawen als eine eigene Gruppe von völkerschaft auszeichnet, außer Sprache und religion!

    ps:Kommt das Wort"schlesien" wirklich vom germanischen Stamm Wandalen, deren Teilstamm
    die Sillingen waren und im heutigen schlesien siedelten,oder stammt es vom slawischen Stamm der Slezanen die das Gebiet im Mittelater besiedelten?
     
  15. askan

    askan Neues Mitglied

    Zu welchem "Stamm" gehören eigentlich die Vorfahren der Wendländer?
     
  16. niklot55

    niklot55 Gesperrt

    Hallo Askan,
    ich denke, Du fährst am besten einmal nach Groß Raden bei Sternberg. Dort gibt es ein Freilichtmuseum mit integrierter wiederaufgebauter Slawenburg, wo vielleicht ein großer Teil Deiner Fragen beantworten werden kann. Diese Anlage wurde in den 70-er/80-er Jahren unter Leitung von Prof. Schuldt ausgegraben und konnte anhand der Funde rekonstruiert werden.
     
  17. Paul

    Paul Gast

    Hallo Aragon,
    grundsätzlich würde ich keinen Widerspruch darin sehen, das die Bezeichnung der Slezanen von Silingern kommen könnte. Schlesier würden dann in historischer Reihenfolge von beiden u.a. abstammen.
    Bei den "Tschechen" kann man an der Aussprache einen sehr starken germanischen Akzent heraushören. Dieser unterscheidet das Tschechische sehr vom slowakischen u. polnischen. Als ich zum erstenmal Tschechich gehört habe, habe ich gemeint, das wären Dänen/Schweden, die polnisch gelernt hätten. Die Tschechen müssen sehr stark von Markomannen u. Quaden abstammen.
     
  18. Aragorn

    Aragorn Neues Mitglied

    Interessante These, klingt logisch.Könnte gut möglich sein, dass sich in "Boiuhemeum" eindringende Slawen mit Markomannen, Quaden und Hariern vermischt haben, sie assimiliert haben oder sie auch vertrieben haben könnten.
    Dagegen spricht aber,dass "Tschechien" auf Tschechisch "Czechia" lauten muss, oder so ähnlich.Auf jeden Fall mit Cz am Anfang, was ja ein typisch slawisches Element ist.
    Nun Deutsch wird auch mit "tsch" geschrieben, kommt aber aus dem althochdeutschen
    wo es " tisc" oder "tisk" am ende geschrieben wurde.In den skandinavischen Ländern heißt Deutschland noch immer "Tyskland" heißt.
     
  19. askan

    askan Neues Mitglied

    Ja, eins der wenigen Völker Europas die bei jedem Nachbarn einen exclusiven Namen haben. ;) Ob, tedecso, Tysk, Niemitz, Alman,German oder Schwab , ach ja im Urlaub hörte ich dann noch : Moffe, Pfiefke,le Bosch, aber die kommen aus einer anderen Liga.
     
  20. Lutize

    Lutize Gast

    Hallo Geschichtsfreunde
    Nach einiger Zeit der Abwesendheit habe ich nun die Möglichkeit wieder mitdiskutieren
    zu dürfen. Hier wurde die Frage gestellt ob es bei den Slawen Könige oder Fürsten gab.
    Einige Stammesoberhäupter bezeichneten sich als Rex, Dux also als König.
    Diese Bezeichnung ist meiner Ansicht nach nicht vergleichbar mit einem König in einem Staatsgefüge wie wir es bei den Franken und später bei den Deutschen kennen. Dieses war mit Sicherheit ein Grund warum der Lutizenbund zum Scheitern verurteilt war.
    Ein weiterer Grund ist daß sich der Lutizenbund im 11. JH. in einem dreifronten Krieg
    befanden. Aus dem Norden setzten die Dänen den Slawen zu und im Osten und Südwesten die Polen und Deutschen.Stellt sich die Frage ob diese Gleichzeitigkeit ein
    Zufall oder Absprache war ? Ich glaube es nicht .Möglicher weise war es so daß innere
    Zerwürfnisse im Lutizenbund er für keine Partei mehr als Bündnisspartner von Interesse
    waren und es nun darum ging, wer in diesen Raum nun das entstehende Machtvakuum ausfüllt. Für die Sorben war es wohl eine glückliche Fügung oder politisch-strategisch
    Klug sich aus diesen Auseinandersetzungen herauszuhalten.Da fast alle Feldzüge gegen die Slawen im Winter unternommen wurden , denn wie wollte mann die meist in den
    Niederungen liegenden Burgen mit schweren Reitern erobern, war es mit den Lutizen
    schon schwehr genug. Noch viel schwieriger wäre es mit den Sorben gewesen.
    Ihr Siedlungsgebiet war noch wesentlich undurchdringlicher zumal sie eine Burgendichte
    hatten wo auf rund 16-25 Km²eine Burg kam. Also fast in Sichtweite.Dieses mag ihr Überleben gesichert haben.
     

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