sowjetische Kriegsgefangene im Gedenken der DDR

Dieses Thema im Forum "BRD | DDR" wurde erstellt von Erdbeekomplott, 24. April 2011.

  1. Erdbeekomplott

    Erdbeekomplott Neues Mitglied


    Wie wurde der sowjetischen Kriegsgefangenen (die sowjetischen Soldaten, die bis 1945 in den deutschen Konzentrationslagern inhaftiert waren) in der DDR gedacht?


    In der DDR wurden hauptsächlich die sowjetischen Soldaten geehrt, da sie Deutschland vom Hitlerfaschismus befreit hatten. Aber hätte da nicht auch das Gedenken an die sowjetischen Kriegsgefangenen dazu gehört? Ich habe nämlich den Eindruck, dass die einfach verschwiegen wurden. Zumindest habe ich dazu noch nichts gefunden. :confused:


    Gab es ein Gedenken? Und wie sah es aus? Ich wäre für Hinweise sehr dankbar, gern auch Lektüretipps!
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Auf die Schnelle zunächst der Hinweis, dass die SU / Stalin ein kompliziertes Verhältnis zu heimkommenden Kriegsgefangenen hatte.

    Im Sommer 1941 leistete die Festung von Brest-Litowsk unerwartet harten und langen Widerstand. Der Widerstand bedeutete für die SU einen wichtigen Dienst und verzögerte den Aufbau des deutschen Nachschubs, da die Eisenbahnverbindung davon betroffen war.

    Brester Festung ? Wikipedia

    Der sowetische Kommandeur ging in deutsche Gefangenschaft. Er überlebte und kam nach dem Krieg zurück in die SU. Dort wurde ihm, soweit ich mich erinnere, der Prozess gemacht.

    Dieses in Übereinstimmung mit den sehr harten Bestimmungen für "Rotarmisten", die sich ergeben haben, in Gefangenschaft gekommen sind und sich befreien konnten und zu den eigenen Linie sich durchgeschlagen haben. Nicht selten wurden sie dort durch den NKWD etc. verhört und ebenfalls nicht selten bestraft.

    Das soll einen Hinweis geben auf das komplizierte Verhältnis der SU zu seinen eigenen Kriegsgefangenen.

    Die Ursache für diese harte Haltung ist im wesentlichen im schnellen Zusammenbruch der RKKA im Sommer 1941 zu sehen. Dieses ist teilweise der miserablen Disziplin in der RKKA geschuldet. Teilweise auch als Folge des Mangels an Offizieren, aufgrund der Säuberungen, teils durch die Besetzung des neuen Gebiete im Westen und teils, weil es einen grundsätzlichen Konflikt zwischen den indoktrinierten Kadern und neuen Rekruten gab.

    In dieser Folge des Zusammenbruchs wurde die Militärgesetzgebung durch Stalin noch im Jahr 1941 drakonisch verschärft.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. April 2011
  3. Treibsand

    Treibsand Neues Mitglied


    Zunächst waren nicht alle sowjetischen Kriegsgefangenen in den KZ
    inhaftiert.
    Wesentlich mehr waren in Kriegsgefangenenlagern untergebracht -
    dort vielleicht sogar schlechter versorgt .( vor allem ärztlich )
    Teils wurden auch sowjetische Kriegsgefangene zwecks Arbeitseinsatz in Lagern unmittelbar bei Industriebetrieben etc. gefangen gehalten.

    Verstorbene Gefangene wurden auf den örtlichen Fiedhof in einem
    Gemeinschaftsgrab beigesetzt.
    Ein einfaches Holzkreuz wies auf die Verstorbenen hin.
    In der Stadt gab es ein Ehrenmal mit Blumenrabatten und einem
    Kalksteinrelief.
    Alljährlich am 8. Mai versammelte sich die örtliche Führung
    ( Kreisleitung der SED + Block ; Rat des Kreises , Rat der Stadt und alles an
    Uniformträgern ( Polizei, Armee , MfS , GST , Kampfgruppe und Zivilverteidigung ) zu einem kurzen Gedenken dort .
    Eine Handvoll Betriebs- Kampfgruppen - Gestalten mit Kalaschnikoff stand Ehrenwache von 8-18 Uhr am Ehrenmal .
    FDJ , Pioniere etc . legten Kränze und Blumen nieder.

    Das wars.
     
  4. Wahnfried

    Wahnfried Neues Mitglied


    Nach der Wende wird im Heilbad Heiligenstadt am Volkstrauertag weiter an die 70 toten, russischen Zwangsarbeitern erinnert. Das Gedenken beginnt mit einer Veranstaltung im Alten Rathaus. Es folgen Kranzniederlegungen am Ehrenmal im Heinrich-Heine-Kurpark für alle Opfer des ersten und zweiten Weltkrieges. Nach einem kurzen Fußweg zum sowjetischen Friedhof legen Bürgermeister Beck und Landrat Dr. Henning einen Kranz am sowjetischen Ehrenmal nieder.

    Volkstrauertag HIG  016.jpg
     

Diese Seite empfehlen