Spartacus

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Altertum" wurde erstellt von Caesarion, 2. Mai 2004.

  1. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied


    Die Vorlage zu dem Film war ein Roman des Schriftstellers Howard Fast (1914-2003), der zwar vorwiegend historische Romane schrieb, aber auch politisch tätig war und vorübergehend mit dem Kommunismus sympathisierte. Nach seiner Biographie würde ich nicht ausschließen, dass es Fast als Schriftsteller weniger darum ging, "authentische" Geschichte zu schreiben, sondern Zeitgenössisches in historische Romane zu verpacken.

    Der Film nimmt sich gegenüber der Vorlage einige Freiheiten, dürfte aber ebenfalls keineswegs mit der Absicht gedreht worden sein, die "wahre" Geschichte des Spartakus-Aufstandes zu zeigen, sondern vor allem einige Themen zu zeigen wie eben einen Kampf um Freiheit und Menschenwürde. (Bis ins die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war es durchaus üblich, historische Stoffe als Vehikel zu nehmen, um bestimmte, meist aktuelle Zeitthemen an ihnen zu zeigen, nehmen wir z. B. einen Franz Grillparzer, der statt einem Drama über Napoleon I. eben seinen Ottokar geschrieben hat.)

    Was die historischen Fakten betrifft, gibt es offensichtlich kaum gesicherte Fakten. (Zumindest, als der Film gedreht wurde.) Über das Ende des Spartakus ist zum Beispiel nichts bekannt, ebenso über sein Privatleben. Da hatten sie natürlich sehr viel Freiraum.

    Einiges dürfte sicher dramaturgische Gründe haben, wenn Crassus zum Beispiel Varinia als Geliebte haben will, also es sich zwischen "Held" und "Schurken" auch so etwas wie eine "persönliche" Beziehung gibt. Was z. B. die Figur von Caesars Mentor Gracchus (Charles Laughton) betrifft, so ist dieser erfunden, er dürfte ein Koglomerat von verschiedenen historischen Figuren sein, um offensichtlich die heruntergekommene Republik zu zeigen.

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    Zum Alter des Threads: als ich hier zu posten begonnen habe, habe ich sogar die Mods gefragt, ob es in Ordnung ist, wenn ich in solchen Threads etwas poste. Sie meinten damals, dass nichts dagegen spricht, einen älteren Thread etwas wieder zu beleben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. September 2015
  2. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Schon allein die Herkunft des Spatacus ist nicht zweifelsfrei zu klären, denn die Bezeichnung Thraker gilt auch für eine Kampfgattung bei den Gladiatoren.
     
  3. romanus00I

    romanus00I Aktives Mitglied


    Wenn ich mal meinen Senf dazu geben dürfte: der Film ist echt super. Nicht aus einem historischen Blickfeld, sondern man muss mal seine Entstehungsgeschichte betrachten.

    Das Drehbuch wurde von einem Kommunisten in den USA im Gefängnis geschrieben, dann aber von Hollywood verfilmt (Fast begann den Roman tatsächlich im Gefängnis, in dem er einsaß, weil er sich weigerte, bestimmte Details über seine Taten während des Spanischen Bürgerkriegs preiszugeben).
    Eine homoerotische Szene aus dem Film wurde von der damaligen Zensur entfernt und erst kürzlich für die DVD-Version wieder eingefügt.

    Der Film ist also einerseits typisch amerikanisch geprägt, enthält aber auch Elemente, die man damals als vollkommen "unamerikanisch" ansah. So ist der Freiheitskampf nicht individualistisch (wie in den meisten US-amerikanischen Filmen, die einen Helden kennen), sondern kollektivistisch dargestellt, eben ganz im Geiste des Autors Fast.

    Dabei musste die historische Korrektheit natürlich leiden. Aber immerhin gewährt der Film den Fakten mehr Raum als ein Streifen wie Gladiator, indem gleich mal ein römischer Kaiser in der Arena stirbt.
     
  4. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Wobei ja Commodus immerhin in einer Gladiatorenschule starb, so weit weg ist das also gar nicht.
     
  5. Monika

    Monika Gesperrt

    Ich habe mal bissel im Netz gestöbert. Da bin ich auf einen bemerkenswerten Hinweis gestoßen.
    Angeblich soll Spartacus verheiratet gewesen sein. Seine Frau war eine "Seherin".
    Wißt ihr etwas darüber? Ich hatte hierüber noch nie was gelesen bzw. gehört und würde mich brennend interessieren, ob überhaupt daran wahr ist...

    (wobei ich jetzt aber stark annehme, das nicht Varinia seine Ehefrau war, oder?)
     
  6. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Aber er wurde nicht vor Publikum und im Zweikampf getötet.
    Der Tod von Spartacus am Kreuz ist doch nicht vollkommen ausgeschlossen, da er letztmalig mit einem Pilum im Schenkel, kniend fechtend gesehen wurde. Ob er im Kampf fiel oder am Kreuz, wird nicht mehr feststellbar sein. Wenn ich mich recht an den Film erinnere, wusste Crassus nicht, dass es Spartacus war, der am Kreuz hing. Dramaturgisch gar nicht schlecht gemacht ,denn wenn die Römer nicht wussten, welcher der Sklaven Spartacus war, dann konnte die Art seines Todes auch nicht überliefert werden.
     
  7. romanus00I

    romanus00I Aktives Mitglied

    Der Film spielt ja ab einer bestimmten Szenen ("Ich bin Spartacus") nur noch mit dem Fakt, dass die Römer nicht wissen, ob Spartacus nun tot ist oder nicht, da letztendlich alle Überlebenden für sich in Anspruch nehmen, Teil des Mythos Spartacus zu sein.
    Im Film selbst erkennt Crassus dann aber tatsächlich Spartacus und seinen ehemaligen Leibsklaven Antoninus - er lässt beide um Leben und Tod kämpfen, Spartacus "gewinnt" und wird dafür gekreuzigt. Am Kreuz bekommt er dann noch seinen neugeborenen Sohn präsentiert.
     
  8. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Das berichtet Plutarch in seiner Crassus-Biographie: Als Spartacus zuerst nach Rom gebracht wurde, um verkauft zu werden, soll sich ihm im Schlaf eine Schlange um sein Gesicht gewunden haben, und seine Frau, die demselben Stamm entstammte und Seherin und durch die dionysischen Mysterien begeistert war, soll es als Zeichen einer großen und furchtbaren Macht, die ihn zu einem glücklichen Ende führen würde, gedeutet haben.
    Auch an seiner Flucht aus der Gladiatorenschule soll seine Frau teilgenommen haben.

    Mehr ist darüber meines Wissens nicht bekannt, auch nicht ihr Name. Eine "Varinia" taucht in den Quellen zu Spartacus nicht auf. Allerdings möchte ich noch bemerken, dass die Überlieferungssituation zu Spartacus sehr schlecht ist. Die drei Hauptquellen Plutarch, Appian und Florus sind allesamt eher dürftig und widersprechen sich öfters. Gerade Informationen über Spartacus' Zeit vor seinem Dasein als Gladiator und über sein Privatleben sollte man mit Vorsicht genießen, denn ich bezweifle, dass die Römer darüber wirklich fundierte Informationen gewinnen konnten, als Spartacus "prominent" wurde.
     
  9. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Stimmt, jetzt erinnere ich mich wieder daran, dass er mit seinem Freund kämpfen musste. Ist schon viele Jahre her ,dass ich den Film gesehen habe.
     
  10. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Wenn, dann müsste diese Verwechslung bereits in der Antike unterlaufen sein. Plutarch (Crassus 8) schrieb, Spartacus sei von der Persönlichkeit her mehr Grieche als Thraker gewesen. Da es sinnlos wäre, einen Gladiatorentyp in einem Vergleich einem Volk gegenüberzustellen, ging er also eindeutig davon aus, dass Spartacus ethnischer Thraker war.
    Nach einer (allerdings unsicheren) Lesart bezeichnete Plutarch Spartacus sogar ausdrücklich als Angehörigen des Stammes der Maider.

    Das übliche lateinische Wort für "Spartaner" war "Spartanus", daneben auch "Spartiacus", aber nicht "Spartacus". "Spartakos" hingegen war ein üblicher Königsname im Bosporanischen Reich.

    Das wäre möglich.

    Derartige Quellen sind mir nicht bekannt. Das scheint mir eher eine Vermutung neueren Datums zu sein, die auf seinem Namen basiert.
    Über seine frühen Jahre wird (von Florus und Appian) nur berichtet, dass er als Söldner begann, Soldat in römischen Diensten wurde, desertierte, gefangengenommen wurde und schließlich wegen seiner Stärke als Gladiator verkauft.

    Einen Triumph im formalen Sinn hielt er allerdings nicht.
    Pompeius feierte einen glänzenden Triumph über Sertorius und Spanien. Crassus hingegen traute sich nicht einmal, einen Triumph zu fordern. Es galt schon als unangebracht, dass er in einem Sklavenkrieg eine Ovation (eine Art Mini-Triumph) hielt. Bei dieser Ovation trug er allerdings einen Lorbeerkranz, obwohl sonst nur ein Myrthenkranz üblich war.
     

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