Sprachaustausch im MA

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von Constantinus, 3. April 2008.

  1. Constantinus

    Constantinus Neues Mitglied


    Hey zusammen!

    Kennt ihr vielleicht Bücher, Aufsätze etc. , die sich mit dem Thema "Sprache im MA" bzw. "Sprachbarrieren" und "Sprachaustausch" beschäftigen.

    Wäre super, wenn ihr was hättet!
    Bräuchte es für ein Referat und mein Lehrer will unbedingt eine Literaturliste....

    Vielen Dank schonmal!!
     
  2. Tekker

    Tekker Gast

    Er will sicher auch, daß du in den guten Stücken liest. :D

    Was hast du denn schon? :)
     
  3. Constantinus

    Constantinus Neues Mitglied


    ...damit dürftest du nicht unrecht haben ;)

    das blöde ist, dass ich speziell zum thema sprache noch nichts gefunden habe. ich habe schon bücher über kulturaustausch (von feldbauer/liedl und morrissey) aber wie gesagt fehlt mir noch ein buch über den sprachaustausch.
     
  4. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    hier gibt es vier Artikel, die über Sprachaustausch sind:
    MuslimHeritage.com - Topics
    Sehr interessant mit weiterführenden Links und Literaturtipps. Syrisch, Latein, Arabisch, usw.
     
  5. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    EIn bisschen OT: Ich hasse es eigentlich, wenn man vom MA redet, ohne es weiter einzugrenzen. Es meint kaum j aselten jemand die Zeit von 600 bis 1400 auf der ganzen Welt! Dann hätten wir nämlich einiges spannende: Tang, Sung, und Ming; arabische Kalifen und türkische Sultane; schwarz-afrikanische Königreiche von Superreichen;die Mayas? die Moguln, das "klassische" Persien; Mongolen an allen Ecken und Enden; Wikinger in Frankreich, England, Sizilien (beide :) ).

    Lautverschiebungen von Niederdeutsch zu den Oberdeutschen Dialekten, Sächsisch (Wessex) zu den Mittelenglischen Dialekten. Verdrängung der Langue d'oc durchs Altfranzösische

    Ein Faß ohne Boden!
     
  6. timotheus

    timotheus Neues Mitglied

    ... nicht zu vergessen auch: die westeuropäische Kirchen-, Gelehrten-, Regierungs- und Diplomatensprache Mittellatein, die (seit etwa 600) byzantinische Amts-, Kirchen-, Literatur- und Handelssprache Mittelgriechisch, die Lingua Franca als Handels- und Verkehrssprache v.a. im Ost- und Südmediterran...

    Eine Eingrenzung bzw. Spezifizierung diesbezüglich würde es sicherlich etwas vereinfachen, nach entsprechender Literatur zu suchen.
     
  7. Constantinus

    Constantinus Neues Mitglied

    ja, da habt ihr recht.
    also statt MA ist wohl besser 14/15 Jhd. und als örtliche Eingrenzung das HRR, Frankreich und Spanien zu nennen.

    Aber vielen dank schonmal für die antworten!
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Schade, für das 11. Jahrhundert hätte ich die arabische Unterschrift eines katholischen Königs auf ein christliches Dokument vorzuweisen:

    rašama Bīṭrah ibn Šānǧah - es machte das Kreuz: Pedro Sánchez (Peter, Sohn von Sancho)
     

    Anhänge:

    Zuletzt bearbeitet: 4. April 2008
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Mir ist da noch was eingefallen. Natürlich zu allererst die Übersetzerschule von Toledo.
    Exemplarisch könnte man auch das Schachspiel und seinen Weg von Indien über Persien und den arabischen Raum bis nach Europa, mit seiner heutigen Ausformung, die in Spanien geschah nachvollziehen.
    Bis in den deutschen epischen Roman, nämlich den Parzival von Wolfram von Eschenbach, finden sich Spuren arabischer Astronomie: Wolfram spricht von einem Flegetanis. Dies ist eine Person.

    ein heiden Flegetânîs
    bejagte an künste hôhen prîs.


    Wahrscheinlicher aber ist, dass er das Buch Falak Tani - 'Die zweite Himmelsphäre' in einer Übersetzung gekannt hat und Titels des Buches und Verfasser miteinander verwechselte. Jedenfalls kommen im Parzival auch die arabischen Namen einiger Gestirne vor (Buch XV):

    Siben sterne si dô nante
    heidensch. die namen bekante
    der rîche werde Feirafîz,
    der vor ir saz swarz unde wîz.
    si sprach «nu prüeve, Parzivâl.
    der hôhste plânête Zvâl,
    und der snelle Almustrî,
    Almaret, [und] der liehte Samsî,
    erzeigent sælekeit an dir.
    der fünfte heizt Alligafir,
    unde der sehste Alkitêr,
    und uns der næhste Alkamêr.
    ich ensprichez niht ûz eime troum:
    die sint des firmamentes zoum,
    die enthalden sîne snelheit:
    ir kriec gein sîme loufte ie streit.



    Der liechte Samsî, das ist die 'helle Sonne' (arabisch šams), Alkamêr ist 'der Mond', hier mit Artikel: al-qamar. Auch die anderen Planeten kann man gut als arabische Planetennamen durch die Verwendung des Artikels identifizieren. Mehr noch: es ist wg. der Verwendung des arabischen Artikels als Wortteil wahrscheinlich, dass die Übersetzung, die Wolfram kannte, aus Spanien stammte. Die italienischen Übersetzungen ließen den Artikel nämlich weg.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. April 2008
  10. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Vielleicht auch erwähnenswert, das Rechnen mit arabischen (indischen) Ziffern, die die bis dahin üblichen römischen Zahlen ablösten.
    Indische Ziffern – Wikipedia
     
  11. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Arabische (bzw. indische) Ziffern als solche sind natürlich ein "sprachliches" Element. Das ganze Spätmittelalter "kämpfte" aber wohl damit. Seit dieses Ausdrucksmittel durch Leonardo Fibonacci ab 1290 in Europa bekannt wurde, gab es auch Widerstand dagegen. So banal es klingt wurde wohl wirklich erst im 16. (!) Jahrhundert durch den sprichwörtlichen Adam Ries der Durchbruch erzielt.

    Man muss immer daran denken, dass man vorher NATÜRLICH mit einem Stellenwertsystem rechnete (auf dem ABAKUS), und niemals mit so etwas Verrücktem wie mit römischen Ziffern (das taten nicht mal die Römer!). Aber NOTIERT wurde das Ergebnis im ganzen Mittelalter (und auch noch später) in römischen Ziffern. M.W. gab es sogar Buchhaltungsregeln, die eine Notation in arabisch-indischen Ziffern verboten, da sie zu leicht zu fälschen wären!

    Wenn man aber aus Bequemlichkeit keinen Abakus verwenden will, sondern Papier, dann ist man auf eine kompakte Notation angewiesen, wie wir sie heute immer noch in der Schule (hoffe ich jedenfalls) in unseren schriftlichen Multiplikations- und Divisionsverfahren lernen!

    Wissenschaftshistorisch könnte man überspitzt folgenden direkten Zusammenhang herstellen:
    Buchdruck u. Papier (15. Jh.) -> Schriftliche Multiplikation/Division (mit arabischen Ziffern) (16. Jh.) -> Astronomische und physikalische Berechnungen d. 17. Jh.
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wir sind schlechte Helfer: Statt Dir Literaturtipps zu geben, haben wir rumgeschwafelt... Daher ein Literaturtipp, aber unter starken Einschränkungen, da in dem entsprechenden Buche eine ganze Menge historischer Fehler drin sind: Maria Rosa Menocal: Die Palme im Westen.
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich habe letzte Woche die folgende PN erhalten, die sich auf den außerdem zitierten Beitrag bezog:

    Ich habe mir heute, um die Frage zu beantworten die Sammlung der bis 1951 bekannten Dokumente Peters I. von Aragón angeschaut (Ubieto Arteta, Antonio: Colección diplomática de Pedro I de Aragón y Navarra (1951)).

    Ubieto Arteta schreibt darin im Kapitel Arabización de Don Pedro folgendes: Die große Anzahl der arabischen Unterschriften Peters unter seinen Schenkungen und Konzessionen habe in der Forschung zu der Annahme geführt, dass Pedro I. nur Arabisch schreiben konnte. Dies lehnt er aber mit dem Verweis ab, dass es auch Dokumente Peters gebe, die Lateinisch unterschrieben seien oder in der Kombination Lateinisch-Arabisch. Die Frage nach dem "Warum?" beantwortete Ubieto Arteta mit der These, dass Pedro mit der arabisch gehaltenen Unterschrift nicht autorisierten Dokumneten in seinem Namen entgegenwirken wollte.
     
  14. Grado

    Grado Neues Mitglied

    Eventuell wäre dieses Buch interessant: Großbongardt/Saltzwedel, Leben im Mittelalter: Der Alltag von Rittern, Mönchen, Bauern und Kaufleuten

    Aus kargen Resten ist es Historikern gelungen, den Alltag von Adeligen, Mönchen und einfachen Leuten zu erschließen.

    Ich hab es gelesen und man bekommt wirklich tiefe Einblicke in das Leben im Mittelalter. Auch was Sprachaustausch und Sprachbarrieren betrifft.

    Viel Spaß!:)
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 11. August 2018
  15. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Was vielleicht zum Sprachaustausch im Mittelalter ganz interessant ist: Wenn Juden im Mittelalter persisch schrieben, benutzten sie die hebräische Quadratschrift (ebenso wie beim Jiddischen, was ja eigentlich ein deutscher Dialekt ist), schrieben sie arabisch, benutzten sie die arabische Schrift. Das wird tw. so interpretiert, dass sie das (Judäo)Persische als jüdische Sprache wahrnahmen, das Arabische hingegen nicht.
     

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