Spuren von Dschingis und Co heute

Dieses Thema im Forum "Das Mongolenreich" wurde erstellt von Zoki55, 2. Mai 2009.

  1. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied


    Mach im Juni eine Prüfung mit 10 themen eines davon sind die Mongolen.

    Da mein Prof sehr gerne über die Wirkung einer Epoche auf die Gegenwart fragt.

    Möchte ich dieses Thema eröffnen und hoffe auf eine gute Diskussion.
     
  2. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    In welchem Gebiet/Bereich suchst du nach Wirkungen von Dschingis auf die Gegenwart.
    In Mitteleuropa würden mir auf Anhieb eher psychologische Effekte einfallen. Weiter im Osten könnte es mehr kulturelle Einflüsse geben.
    Zu Waffen- und Kriegstechniken kann ich leider nichts beitragen, wenn es die gegeben haben sollte, sind die inzwischen, wie alle anderen militärischen Gepflogenheiten des 13. Jhdt, überholt.
     
  3. Liborius

    Liborius Neues Mitglied

    Zuletzt bearbeitet: 2. Mai 2009
  4. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Asien.

    Über Europa gibt es ja genug verfügbare Quellen.
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Na, wenn das mal keine Wirkung hat:
     

    Anhänge:

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  6. Ich sage nur das Taj Mahal.

    Aber auch das Reich der Timuriden, und die wunderschönen Bauten Timurs, hätte es ohne Dschinghis Khan nicht gegeben.

    Kulturell und ethnisch sollte man auch noch die Afghanischen Hazara und die Kasachen erwähnen, die viel von ihrer Kultur von den Mongolen übernommen haben.
     
  7. Wirkung der Mongolen/des Mongolenreiches auf die Gegenwart in Asien:

    Meiner Meinung nach sind folgende Wirkungen heute ausschlaggebend:

    1 Die endgültige und dauerhafte Wiedervereinigung von China

    2 Austausch von Waffentechnologie zwischen China und dem Westen, so gelangte das Schwarzpulver wahrscheinlich durch die Mongolen nach Westen (mit allen Folgen für Weltgeschichte im weiteren)

    3 Sonderrolle Japans in Asien durch durch das Scheitern der mongolischen Invasionen

    4 ein gewisser Einbruch bei der technologischen Weiterentwicklung in Asien die insbesondere China einige Zeit lang lähmte und technologisch zurückfallen ließ, zusammen mit

    5 einer Veränderung der Kulturen in Asien hin zu mehr Konservatismus und Erstarrung über längere Zeiträume hinweg

    Das gleiche gilt insbesondere auch für den Islamischen Raum.

    Durch 4 und 5 dann die noch bis heute anreichende Vorherrschaft Europas/der USA in Weiten Teilen der Welt.

    6 Aus dem Zerfall des Mongolenreiches die Verbreitung des tibetischen Lamaismus (woran heute die ganze Tibet Frage hängt, so ist selbst der Begriff Dalai Lama aus der mongolischen sprache)

    7 der Zustand Afghanistans heute resultiert immer noch aus der mongolischen Invasion

    8 das Vorhandensein muslimischer Minderheiten in Russland (Tataren)

    9 die Ausdehnung Russlands heute bis an den Pazifik

    10 der Aufstieg Europas dadurch, daß dieses von der mongolischen Eroberung verschont wurde und gleichzeitig in den Kontakt mit dem Osten kam (Handel, Technologie)
     
  8. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    @Quintus Fabius, die Wirkung von Dschingis Khans Mongolen scheint sich von Punkt zu Punkt zu steigern.
    Zerstreue bitte meinen Eindruck, sie seien "an allem schuld".
     
  9. Also zu 4, 5 und 7 kann ich sagen, dass es meiner Ansicht nach Unsinn ist. Traditionalismus entstand zwar nach den Mongolen, was aber nicht daran lag, das die Mongolen da waren. 7 sind wohl eher die unentwegten Kriege in Afghanistan schuld, besonders der Versuch der Sowjets, Afghanistan einzunehmen.

    9 Ist auch mEn Unsinn: Das Mongolenreich war da eher ein Hindernis, dass es früher geschah.

    10 Ist nur aus unserer Sicht so. Genau genommen waren bis zum 2.Weltkrieg die Europäer und US-Amerikaner schön brav in ihrem Eck, was den besonderen VIP-Bereich der Staaten angeht.
     
  10. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied


    Das Europa der Kontinent schlechthin geworden ist.

    Sag bloss du hast was dagegen.

    So wird das nichts mit der europäischen Identität. :rofl:
     
  11. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Kurze Frage. Was hat das Taj Mahal mit Dschingis Khan zu tun? Oder die Timuriden und ihre Bauten?
    Ich meine eher im konkreteren Sinne, nicht im Sinne des Schmetterlingsflügelschlages und dem Orkan.
     
  12. Das Moghulenreich ist ein Teil des Erbes des Reiches der Mongolen gewesen. Genau wie das Reich Timurs. Und auch dessen Erben, sprich der Herrscher des Moghulenreiches, waren Nachfahren Dschinghis Khans. Im Falle von Timur kann man das zwar nicht sagen, auch wenn er ständig geprahlt hat, das er ein Nachfahre Dschinghis Khans sei.

    Ergo: Ohne Die Mongolen Dschinghis Khans wäre es nie zu dieser kulturellen Blüte gekommen.
     
  13. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Sie sahen sich in der Tat in als Nachfahren des mongolischen Weltreiches, als Legitimierung ihrer Macht, als Erhöhung ihres Ansehens, als Glanzlicht ihrer Chronisten.
    Aber das taten auch andere Reiche und ihre Herrscher, bis hin nach Alexander, oder gar in die Mythologie hinein, einfach weil man sich gerne in eine Reihe von großen Herrscherpersönlichkeiten in Chroniken einreihen möchte.

    Schaut man sich z.B. die Architektur der Timuriden an, dann hilft weniger ein Blick nach Osten, nach Karakorum, nach Dschingis Khan, sondern man sollte lieber ein Blick in den Westen werfen, z.B. ins aserbaidschanische Täbriz, wo Timur die Handwerker und Künstler nach Zentralasien verschleppen ließ.
    Ebenso das Taj Mahal, welches eher von lokaler Bautradition, von iranischer, seldschukischer und osmanischer Tradition beeinflußt wurde.
    Andererseits gibt es natürlich auch mongolisches Erbe, z.B. das mongolische Recht, welche neben dem islamischen Recht noch lange fortwirkte.
    Aber solche ähnlichen islamischen Reiche wie die Timuriden, Mogulen, etc. gab es vor Dschingis, und danach ebenso. Und die direkten Nachfolger wie z.b. die Ilkhane im Iran, nahmen rasch vielfältigste Traditionenen der Regionen an, wo sie herrschten, so dass eine kulturelle Konitnuität zur vormongolischen Zeit hergestellt wurde. Z.B. die Yüan in China (Kaiser), oder eben wie gesagt die Ilkhane, die den Islam annahmen und sich als sehr große Förderer islamischer Kunst betätigten. Und eben nicht von Mandalas aus Ulan Bator... ;)
    Also ohne Dschingis wären die alle nicht so entstanden, aber konkret hätten ohne Dschingis dann eben die Ghaznawiden, oder Seldschuken weiter bestanden oder irgendwelche anderen Reiche wären gekommen.
     
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  14. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Das ist ja auch das Kennzeichnende, dass die mongolischen Herrscher oder andere erobernde Reiternomeden nach der Inbesitznahme eines Landes noch etwa 100 Jahre ihr nomadischse Erbe pflegen - mit abnehmender Tendenz - und dann von der meist überlegenen Kultur der Eroberten vereinnahmt werden. Für die Nachkommen eines Khans war es irgendwann nicht mehr schick, in Zelten zu wohnen und ein karges Leben zu führen, denn der weiche Platz im Palast und ein üppiges Essen waren ja viel verführerischer.

    Wer kann den Enkeln eines Timur oder Dschinghis Khan das schon verdenken?

    Die Konsequenz war aber in der Regel ein Abstieg der einstigen Nomadendynastie und ihr Absturz in die Bedeutungslosigkeit - oft allerdings begletet von hohen kulturellen Leistungen bzw. Initiativen!

    So wurde z.B. der "Städteverzehrer" Timur nach seinem Tod 1405 in Samarkand bestattet, wo sich noch heute sein Mausoleum befindet. Seine kunstsinnigen und am Krieg wenig interessierten Nachkommen herrschten nur noch bis zum Jahr 1507 im Iran.

    Längeren Bestand hatte hingegen das Reich der Großmoguln in Indien, das 1526 begründet wurde, und dessen Untergang erst die Kolonialmacht Großbritannien 1857 herbeiführte. Allerdings ist auich hier festzustellen, dass das Reich der Großmoguln bereits seit 1700 zerfiel und die Moguln nur noch Schattenkaiser waren, während sie die wirkliche Macht den indischen Fürsten überlassen mussten. Der letzte Großmogul, Bahadur Schah II., wurde 1858 abgesetzt.
     
  15. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wenn ich mich recht entsinne, hat Johannes de Plano Carpini Qara Qorum noch als Jurtenlager gesehen, während Wilhelm von Rubruk die Stadt keine zehn Jahre später schon als eine befestigte Stadt beschrieb.
     
  16. Schlußendlich ist jedes größere Ereignis in der Geschichte an allem schuld.

    Das die Dinge heute so sind wie sie sind, liegt immer an jedem Ereignis das stattgefunden hat. Natürlich sind manche Ereignisse bedeutsamer als andere und ein derart umwälzendes Ereignis wie die Errichtung eines Weltreiches dieser Ausdehnung sind natürlich stärker wirksam als irgendeine Lokalfehde.

    Zum Beitrag von Lynxx möchte ich noch zu bedenken geben, daß Urga (Ulaanbaatar) erst lange nach dem Weltreich entstand ebenso wie Mandalas und der Lamaismus tibetischer Form erst danach in der Mongolei beherrschend wurden.

    Von daher konnten natürlich Mandalas in Ulaanbaatar keine Auswirkungen auf andere Weltteile haben.

    Was bleibt schlußendlich:

    Die Mongolen eroberten den Grosteil von Asien, sie eroberten Europa nicht. Daher hatte diese militärische Handlung massive Folgen für die Geschichte von Asien und das Europa durch die Mongolen nicht zerstört wurde hatte auch Folgen für die Entwicklung Europas.
     
  17. Die entscheidende Wirkung auf Asien wie Europa ist meiner Ansicht nach schlußendlich die seitdem nicht mehr abgerissene umfangreiche technologische und ökonomische Verbindung zwischen beiden Teilen der Welt. Die über diese Verbindung hinaus weitreichende Folgen insbesondere für Europa hatte.

    Auch vorher gab es natürlich immer wieder Verbindungen zwischen Asien und Europa, aber nicht so direkt, nicht so umfangreich, der Austausch war nicht so erheblich. Beide Seiten blieben über viele Zwischenhändler und andere Kulturen getrennt.

    Durch die Mongolen trat Europa in einen direkten nachhaltigen Kontakt mit Asien. Italienische Kaufleute hielten sich in China auf (nein, nicht die Polos sondern definitiv nachgwiesen viele andere). Militärtechnologie wurde ausgetauscht, das Schwarzpulver gelangte nach Westen, das Trebuchet mit Gegengewicht und andere Belagerungswaffen nach Osten.

    Diese Verbindung mit Asien und der Handel mit dem Osten wurde dann zum entscheidenden Faktor des Aufstiegs der Stadtstaaten Italiens (Venedig, Genua), und zur Veränderung der Gesellschaft in Europa (Städte, Bürgertum, Schwarzpulver, Niedergang des Rittertums usw) und schlußendlich der Versuch auf anderen Seewegen nach Asien zu gelangen was das Zeitalter der Entdeckungen einleitete und die Europäische Dominanz über die Welt herbei führte.
     
  18. timurlenk

    timurlenk Neues Mitglied

    Wieso sollte es keine Bauten von Timur ohne Dschingis geben ?
    Dschingis war zwar ein Idol für Timur aber seine Bauten haben nichts mit Dschingis zutun.
    Größenwahn und Gigantonomie trieb Timur zu seinen Bauten.
     

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