SS-Mitgliedsnummern

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von palaiologos, 28. August 2012.

  1. palaiologos

    palaiologos Neues Mitglied


    Hallo!

    Ich wäre prinzipiell davon ausgegangen, dass man von der SS-Mitgliedsnummer auf das Eintrittsdatum des Betreffenden in die SS schließen kann. Nun habe ich mir in der Wikipedia die SS-Nummern von einigen SS-lern angesehen und bin zu verwirrenden Ergebnissen gekommen, bspw:

    Johann Paul Kremer: Beitritt 1934 (Nr. 262 703)
    Fritz Reinhardt: Beitritt 1935 (Nr. 166.846)
    Walther Rauff: Beitritt Januar 1938 (Nr. 290.947)
    Günther Braschwitz: Beitritt am 28. November 1938 (Nr. 242.020)
    Heinrich Lankenau: Beitritt Januar 1939 (Nr. 310 496)
    Otto Skorzeny: Beitritt 1940 (Nr. 295.979)

    Wie ist das zu verstehen? Stimmen die bei der Wikipedia angegebenen Daten nicht? Oder nach welchem Prinzip wurden Mitgliedsnummern sonst vergeben?
     
  2. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @ palaiologos

    Das ist nicht ganz so einfach. Mitgliedsnummern (niedrige) konnten auch "verliehen" werden. Darüber hinaus hat der "SS-Sanitätsdienst", das SS-Personal-Hauptamt, bestimmt auch Abstimmungsprobleme bei der Vergabe von niedrigen Mitgliedsnummern. Insbesondere nach 1939, in welchen ff. Ordnungspolizei und "Waffen-SS" immer mehr "verschmolzen" und andererseits militärische Aufgaben der sog."Waffen-SS" andererseits, sowie der "SS" als Parteiorganisation immer größere Schnittmengen aufwiesen.

    Darüber Auskunft können nur die Archive im einzelnenn geben, z.B. als Start das Findbuch, Bundesarchiv, NS 34, SS-Personalhauptamt oder NS 19 "Persönlicher Stab Reichsführer SS". Dort wurden Personalien, auch Mitgliedsnummern, entschieden.

    Vergl.:

    http://startext.net-build.de:8080/b...ndex.htm?kid=AACDAAE522A248568D6C5D311F3C71BA

    M.

    Ob das hilfreich ist, das solltest Du selbst entscheiden.

    Dienstalterslisten der SS ? Wikipedia
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. August 2012
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  3. palaiologos

    palaiologos Neues Mitglied


    Vielen Dank für die Antwort!

    Das heißt es wurden niedrigere Mitgliedsnummern freigehalten? Brachte eine niedrigere Nummer bei späterem Eintritt denn einen Vorteil?

    Und gab es auch Angehörige der Waffen-SS, die nicht bei der Allgemeinen SS waren und doch eine SS-Mitgliedsnummer bekamen?
     
  4. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    Zur ersten Frage, ob Nummern freigehalten wurden weiß ich nicht, allerdings würde ich es vermuten. Eine niedrige Nummer war z.B. für den "Ehrenwinkel" wichtig. Ich vermute, bei gleicher Eignung, wurde der Inhaber einer niedrigeren Nummer bevorzugt. Niedrige Nummern schützten auch die sog."Alten Kämpfer" bei der Strafverfolgung z.B. Korruption. Im ns Organisationen gab es einen "Kult um die niedrigen Nummern" z.B. "Goldenes Parteiabzeichen" der NSDAP.

    Vergl.:
    Goldenes Parteiabzeichen der NSDAP ? Wikipedia

    Zur zweiten Frage.

    Ja, es gab Angehörige der Waffen-SS, die nicht in der Allgemeinen SS waren und es gab Angehörige der Allgemeinen SS, die nicht ihren Wehrdienst in der Waffen-SS ableisteten.

    Offiziersdienstgrade der Allgemeinen SS konnten allerdings die Uniformen der Waffen-SS tragen, allerdings kenntlich gemacht (Schulterstücke der Allgemeinen SS).

    Wenn Du Fragen zu einzelnen Namen hast, dann ist der exBDC Archivbestand im Bundesarchiv der richtige Ort, dort liegen die Personalakten aller NSDAP Gliederungen, so erhalten. Die Benutzung ist einfach, da das Archivgut verfilmt ist.

    Vergl.:
    Bundesarchiv - Unterlagen des ehemaligen BDC

    M.
     
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  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    In der Literatur habe ich darüber nirgends etwas gefunden.

    Die in Archiven vorhandenen Mitgliedslisten lassen jedoch den Schluß zu, das sämtliche "Tausenderblöcke" nicht lückenlos gefüllt wurden.

    Daraus konnte man ableiten, dass die "Tausenderblöcke" anderen Kriterien als dem der zeitlichen Reihung folgten, zB nach Bezirken, Regionen, sachlichen Gruppierungen bzw. Bereichen der HSSPF.
     
  6. palaiologos

    palaiologos Neues Mitglied

    Aber Mitgliedsnummern gab es nur für Angehörige der Allgemeinen SS und nicht für reine Angehörige der Waffen-SS, oder?

    Sehr interessant, danke!
     
  7. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    Die Allgemeine SS als Gliederung der NSDAP hatte Mitgliedsnummern, die Wehrmacht und die Waffen-SS, Wehrstammkarten und Wehrstammrollen.

    Vergl.: dort S. 306

    http://www.google.de/search?tbm=bks&hl=de&q=Waffen+SS%2C+Wehrstammrolle&btnG==

    M.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. August 2012
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Dabei dürfte dann die Nummerierung der Allgemeinen SS 1932/33 erheblich durch das Chaos durcheinander geraten sein, das durch den Anstieg von 70.000 auf 210.000 verursacht wurde. Selbst in den Prüfungsverfahren, Wartefristen etc. geriet das Aufnahmeverfahren außer Kontrolle.

    Dazu auch:
    Bastian Hein, Himmlers Orden - Das Auslese- und Beitrittverfahren zur Allgemeinen SS, in: VfZ 2011, S. 263-280
    Mit der Passaushändigung dürfte auch die Mitgliedsnummer vergeben worden sein. Dazu schreibt Hein leider nichts.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. September 2012
  9. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @silesia

    Richtig. Zumal die sog. Allgemeine SS bis 1934 eine Unterorganisation der SA war, also in der Aufbauorganisation folgendem Schema folgte:

    NSDAP
    => SA
    => Allgemeine SS

    Mir wäre, müßte ich darüber arbeiten unklar, ob nicht z.B. Mitgliedsnummern der SA gleichsam mitgenommen wurden z.B. bei einem systeminternen Übertritt von der SA zur SS bis 1934. Überhaupt wäre zu fragen, waren die Abschnitte und Oberabschnitte der Allgemeinen SS personell und organisatorisch überhaupt in der Lage (bis zur organisatorischen Trennung von der SA in 1934) eine einheitliche und zentral gesteuerte "Aufnahmepraxis" (auch Mitgliedsnummernvergabe) realiter umzusetzen?

    Mit Sicherheit gab es hierzu Dienstanweisungen und Richtlinien, nur wurden die auch in der Praxis umgesetzt? Hierzu müßte man Fallbeispiele eruieren (individuelle Mitgliedsnummernhistorien), den Schriftwechsel des "SS-Personalamt", ab 1939 "SS-Personalhauptamt" mit anderen Personalämtern der NSDAP, Vergabepraxis der sog. "Ehrenwinkel" etc. Ich würde aus ferner Sicht vermuten wollen, daß es in der Zeit von 1932 bis 1934 eventuell bis 1935 ein organisatorisches Chaos gab, so wie Du schon w.o. schriebst. Hinzu kamen vermutlich, dem "Führerprinzip" folgend, willkürliche Eingriffe der obersten Führungsorgane.

    M.
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Anscheinend gibt es keinen brauchbaren Literaturhinweis auf die Systematik der Nummerierung, bzw. Nummernkreise, Dienstanweisungen, Praxis.
     
  11. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Wahrscheinlich wurde die Numerierung nicht so konzequent durchgeführt, wie bei den KZ-Häftlingen!

    Hätten die SS Männer sich doch auch ihre Mitgliedsnummer tätowiert, wie bei den Häftlingen, wär bei der Verfolgung nach dem Krieg so manch einer der nierdrächtigen der nierderdrächten SS-Männer einfacher aufzufinden gewesen!


    Komischerweise waren unsere braven Buchhalter nur bei der Verwaltung derer gründlich, die nach der Verwaltung zu den Akten gelegt werden konnten!
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. September 2012
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  13. palaiologos

    palaiologos Neues Mitglied

    Ich habe - wenn auch zufällig - noch etwas zum Thema „Mitgliedsnummern“ gefunden (wenn auch nicht über die der SS, sondern der NSDAP):

    Und zwar ging 1934 ein Teil des Steirischen Heimatschutzes mehr oder weniger in der steirischen NSDAP auf. Dazu gab es mehrere Abkommen, in denen z.B. festgehalten wurde, dass das Eintrittsdatum in den Heimatschutz als Eintrittsdatum in die NSDAP gewertet wird, usw. Darunter findet sich auch folgender Passus:

    Aus: "Sommerfest mit Preisschießen" - Die unbekannte Geschichte des NS-Putsches im Juli 1934 von Hans Schafranek, S.21
     
  14. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    Ein schönes Beispiel für die in den w.o. Postings vermuteten Chaos und willkürlichen Entscheidungen hinsichtlich von Mitgliedsnummernvergabe innerhalb der NSDAP und wahrscheinlich auch der "Allgemeinen SS" und er bestätigt prima facie diesen eigenwilligen "Kult um niedrige Mitgliedsnummern".

    M. :winke:
     
  15. Kronos

    Kronos Neues Mitglied

    Eine sechsstellige SS-Mitgliedsnummer würde ich nicht als niedrig bezeichnen.

    Die Frage die sich hier eigentlich stellt ist: Steht das Eintrittsdatum überhaupt in einem Zusammenhang mit der Mitgliedsnummer?

    Der Freiwillige stellt einen Aufnahmeantrag und wird zum SS-Bewerber. Als solcher bekommt er einen Ausweis, trägt Uniform und versieht Dienst in der SS aber hat noch eine zweijährige Bewährungszeit vor sich.
    Danach wird er zum SS-Anwärter. Nun beginnt nochmals eine mindestens zweijährige Bewährungszeit in der er unter anderem auch Dienst im Reichsarbeitsdienst und seinen Wehrdienst ableisten muß.
    Erst wenn diese Bedingungen erfüllt sind wird er als Vollmitglied aufgenommen und dieses Datum ist dann das eigentliche Beitrittsdatum. Seine Mitgliedsnummer hingegen wird er schon mit seinem Ausweis als SS-Bewerber bekommen haben.


    Was den steirischen Heimatschutz anbelangt, ist die Problematik eine andere.
    Als Österreicher konnten sie erst in die NSDAP eintreten als diese in Österreich zugelassen war. Bis dahin diente ihnen der Heimatschutz als eine Art Ersatzvereinigung. Was sie nun anstrebten war eine Gleichstellung mit deutschen Parteimitgliedern denen der Parteieintritt, mit der Wiederzulassung der NSDAP in Deutschland, wesentlich eher möglich war.
     
  16. palaiologos

    palaiologos Neues Mitglied

    Das ist eine sehr interessante Frage! Aber worauf fußt deine Vermutung?

    Der Steirische Heimatschutz wurde gemeinsam mit der österreichischen NSDAP am 19. Juni 1933 verboten (siehe "Hitler and the forgotten Nazis" von Bruce F. Pauley, S.107), kann also keine Tarnorganisation für die NSDAP gewesen sein.
     
  17. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

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