Stalin in Fabriken usw.

Dieses Thema im Forum "Blockbildung und Kalter Krieg" wurde erstellt von Nergal, 10. Februar 2017.



  1. Nergal

    Nergal Neues Mitglied

    Habe mich gerade gefragt ob Stalin eigentlich wie spätere Sovietführer oder andere soz. und andere Staatschefs eigentlich auch Fabriken besucht hat, sich auf den Baustellen wichtiger Gebäude einfand um den Arbeitern die Hand zu schütteln, oder wie Ulbricht Ratschläge gab?

    Ich kenne kein Bild dass ihn irgendwo anders zeigt als bei Parteiveranstaltungen, Parden oder ähnlichem, gibt es da was, oder ist das Fehlen solcher Bilder der Angst vor Anschlägen geschuldet?
     
  2. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    [FONT=&quot]Bilder von J.W. Stalin in Fabriken, Großbaustellen oder Klochosen...[/FONT]

    [FONT=&quot]Im Netz, wenn man zeitaufwendig sucht, findet man Aussagen zu Stalins Erscheinen/Auftreten in Fabriken usw.[/FONT]
    [FONT=&quot]M.W. gibt es da aber sehr wenige Bilder die er für die Öffentlichkeit freigab. In Netz kaum zu finden, wahrscheinlich nur in den damaligen jeweiligen sowjetischen Zeitungen, jetz Archiv.[/FONT]

    [FONT=&quot]Hängt letztendlich wohl auch mit seiner körperlichen Erscheinung zusammen (Gesicht, Körpergröße usw.). [/FONT]
    [FONT=&quot]Hier ein recht interessanter Artikel zu Deiner Fragestellung[FONT=&quot]:[/FONT][/FONT]
    Gesichter eines Despoten | Zeithistorische Forschungen
    [FONT=&quot]
    [/FONT][FONT=&quot]Ich bin mir nicht ganz sicher, aber meines Wissens war wohl seine letzte Auslandsreise nach Potsdam 1945. Er kam mit dem Zug, er hatte Flugangst. [/FONT]
    [FONT=&quot]Hier ein Artikel dazu u.a. auch das Problem Schienenverlegung:[/FONT]
    Schloss Cecilienhof: Stalin kommt mit dem Zug zur Potsdamer Konferenz ? MAZ - Märkische Allgemeine
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Februar 2017
  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Eine durchaus interessante Fragestellung. Da Stalin relativ lange und in deutlich unterschiedlichen Perioden politische Verantwortung trug, kann man keine pauschale Antwort geben. Dennoch war er wohl kein Populist und suchte auch nicht das „Bad in der Menge“. Die Erklärung ist wohl vielschichtiger.

    Es gibt wohl in der Tat erstaunlich wenige Bilder, die Stalin mit „normalen“ Sowjetbürgern, also den „Arbeitern“ und den „Bauern“ zeigt.

    Stalin war kein Populist, sondern er war „Parteisoldat“, der strategisch den Parteiapparat so verändert hatte, dass die nachwachsenden mittleren Kader von ihm abhängig waren und darauf baute die stalinistische Revolution(vgl. z.B. Harris in Davies & Harris, S. 63ff)

    Und neben dem „Parteiadministrator“ war er auch im klassischen Sinne ein „Premierminister“, der operativ die Politik seines Kabinetts geleitet hatte wie man es auch an der - publizierten - Korrespondenz mit Molotov oder Kaganovich erkennen kann bzw. auch an den veröffentlichten "Politburo Transcripts" (vgl. Arch Getty in Davies & Harris, S. 83ff)

    Die repräsentiven Aufgaben fielen dabei primär anderen zu und vermutlich war Stalin auch nicht besonders interessiert an dem „Bad in der Menge“. Anders liegt der Fall bei besonders symbolträchtigen Auftritten in der Öffentlichkeit zu wichtigen Terminen wie Paraden etc.

    Zunächst verweist die Gefährdung durch Attentate auf Stalin auch auf die Problematik einer mangelnden Legitimation der Herrschaft nach dem Bürgerkrieg. Seine Herrschaft – als Stalinismus – basierte zu einem Teil auf die Androhung von Gewalt und einer entsprechenden willfährigen Jurisdiktion gegen diejenigen, die nicht für den Stalinismus sich einsetzten. Und zum anderen Teil – zumindest bei den Gewinnern des Systems – traf der Stalinismus auf einer bereitwilligen Unterstützung und bot Aufstiegschancen, die unter dem Zarismus so nicht vorhanden waren.

    In der Phase des Bürgerkriegs und danach bestand wohl jederzeit die Gefahr für Stalin durch direkte Gewalt in Form eines Anschlags expliziter politischer Gegner ums Leben zu kommen.

    Über die Jahre veränderte sich das Bedrohungspotential, teils objektiv und teils als subjektiv antizipierte Bedrohung, und konzentrierte sich auf „Verschwörungen“ und Machtkämpfe im Umfeld der KP, der Geheimpolizei bzw. dem Militär.

    Unter dieser Perspektive sind, so beispielsweise die Arbeiten von Arch Getty, die Säuberungen und Schauprozesse in den späten dreißiger Jahren in ihrem „rationalen Kern“ der Ausdruck eines Machtkampf zwischen dem Zentrum, als Stalin`s Team wie Fitzpatrick das Netzwerk kennzeichnet, und den unterschiedlichen regionalen Parteiführern und ihren Clans bzw. politischen Netzwerken.

    Dennoch kann man die objektive Veränderung der innenpolitischen Situation an einer Episode verdeutlichen, die Kuromiya (Stalin, Kap. Victory, Pos. 4838) schildert. Am Ende des WW2 hatte die RKKA und damit auch Zhukow deutlich an Prestige gewonnen und waren im Gegensatz zu 1937 zu einem veritablen Machtfaktor geworden. In dieser Situation befürchtete Stalin eine erneute „Decembristen“ –Revolte. Und an diesem Punkt wird deutlich, dass sich ein Revolutionär nie von der Vorstellung trennen kann – auch als Projektion auf potentielle Gegner – dass ein Coupe d`Etat jederzeit seine persönliche Herrschaft beenden kann.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Dekabristen

    Die Revolte blieb aus, aber Zhukov wurde im März 1946 von Stalin nach Moskau zurückbeordert. In Moskau wurde er beschuldigt, ein Bonapartist zu sein, der nach der Macht streben würde. Im Juni wurde sein Fall vor dem Obersten Militärrat verhandelt und Molotov und andere Mitglieder des Politbüros griffen ihn an. Die Marschälle der RKKA verteidigten Zhukov, allen voran wurde er von Konev verteidigt. „The commanders now confronted Stalin. It was a remarkable change from 1937 and Stalin had to accept the change“ (Kuromiya,Pos. 4838)

    Damit soll gezeigt werden, dass die innenpolitische Situation und die Gefährdung der Herrschaft von Stalin nach dem WW2 sich anders darstellte. Nicht unbedingt objektiv gefährdeter, aber subjektiv war Stalin verdeutlicht worden, dass seine Fähigkeit der universeller Repression nicht mehr gegeben war.

    Vor dem Hintergrund dieser Veränderung ist es sicherlich interessant, dass Stalin wohl lediglich einmal während des Krieges direkt an der Front war. Und zum Teil dürfte es auch der vielfältigen Bedrohung geschuldet gewesen sein. Allerdings inszenierte er diese einmalige Episode in einem Brief an Churchill und stellte sich als „liebevoller“ Landesvater dar, dem das Schicksal seiner Soldaten sehr am Herzen lag.

    Sofern daraus eine Lehre zu ziehen wäre, würde es bedeuten, dass Populismus durchaus für Stalin einen Stellenwert hatte, um seine Position als Führer eines Landes zu untermauern. Dass er die populistische Inszenierung seiner Macht nicht häufiger genutzt hatte würde allerdings auf die Möglichkeit verweisen, dass sie vor allem in der Innenpolitik nicht relevant war.

    Fitzpatrick, Sheila (2015): On Stalin's team. The years of living dangerously in Soviet politics. Princeton: Princeton University Press.
    Getty, J. Arch (2013): Practicing Stalinism. Bolsheviks, boyars, and the persistence of tradition. New Haven: Yale University Press.
    Gill, Graeme J. (1998): Stalinism. 2nd ed. Houndmills, Basingstoke, Hampshire, New York: Macmillan Press; St. Martin's Press
    Kuromiya, Hiroaki (2005): Stalin. Harlow, England, New York: Pearson/Longman
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Februar 2017
  4. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Nebenbei, die Gleichstellung mit z.B. Marx und Lenin gelingt besser wenn es bei Bildern und der Froschperspektive vom Roten Platz aus bleibt. Der Personenkult stellte Stalin ja mit diesen in eine Reihe, wenn ich das richtig mitbekommen habe.

    War Stalin eigentlich tatsächlich ein veritabler Paranoiker ? Ich habe da das Buch "Aurora" im Kopf, in welchem Robert Harris ein solches Bild des Diktators skizziert. Eure Meinung zu dem Buch würde mich übrigens sehr interessieren.
     
  5. Nergal

    Nergal Neues Mitglied

    Ja wo ich da smit den pockennarben wieder lese fällt mir ein Text ein in welchem ein einstiger Fruend Stalins (kA wer genau das war) Ihn als Pockennarbig, klein und wenig beeindruckend beschrieb.
    Vermutlich war es wirklich so dass Stalin sich lieber nicht sehen ließ wenn er es vermeiden konnte. Auch heute wird ja viel überspielt. Kim yong Il hat ja Platteuaschuhe getragen, war aber sehr oft im Fernsehen. Ich frage mich wieso keiner von den drei Kims zumindest einen Fitnesstrainer angestellt hat um Muskeln aufzubauen, vermutlich wäre das mit den täglichen Ausschweifungen kollidiert.
     
  6. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Echt? Hatte Stalin Freunde? Bin mir da nicht so sicher. Vermutlich erklärt es aber, dass Du nicht weist, wer dieser - angebliche - Freund gewesen sein könnte.

    Es sei denn, man ist unter "Freunden" hart und wenig herzlich, wie beispielsweise im Fall der Frau von Molotow, Polina.

    Aber vielleicht ist das auch so zu verstehen wie für die CDU, bei der man die Steigerungsformel - natürlich nur im Spass so definierte - "Gegner, Feind, CDU-Parteifreund" Und dann verstehe ich den Begriff des "Freundes" in Bezug auf Stalin auch wieder.

    Ansonsten verwechseln offensichtlich zwei Forianer den Begriff des "politischen Laufstegs oder des "politischen Parkets" mit dem Laufsteg bei "Germany`s next Top Modell". Wenn es also nach Schönheit gehen würde, dann wäre Frau Schiffer oder Frau Klumm Bundeskanzlerin.

    Und wenn das arische Schönheitsideal - groß, blond, blauäugig und hart wir Kruppstahl, der Kritik an Stalins Äußerem zugrunde lag, dann wäre der "schlanke" Göring nicht RM geworden, der "harte" Himmler nicht Führer SS und der "Modellathlet" Goebbels sicherlich nicht das Gesicht und die Stimme der NS-Ideologie. Ganz zu schweigen von dem "übermenschlichen" Aussehen des Übermenschen Hitler.

    Und wenn man meint, man müsse sich zudem über die Körperlänge eines Politikers lustig machen, um auf seine politische Bedeutung anzuspielen, dann sollte man sich wenigstens vorher ein wenig über die Körpermaße anderer Politiker informieren.

    Wie diese Beispiele einer Wiki-Liste zeigen und da fällt Stalin nicht besonders auf, aber die "Froschperspektive" hätte dann natürlich an "Witz" verloren.

    Winston Churchill (1,70 m) aus England,
    Nicolas Sarkozy (1,65 m)
    François Hollande (1,70 m) aus Frankreich
    Gregor Gysi (1,66 m),
    Oskar Lafontaine (1,76 m
    Helmut Schmidt (1,70 m) aus Deutschland
    Engelbert Dollfuß (1,49 m) aus Österreich

    Silvio Berlusconi (1,64 m) aus Italien
    José Maria Aznar (1,70 m) aus Spanien
    Claude Frey (1,63 m) aus der Schweiz
    Lech und Jaroslaw Kaczynski (jeweils 1,57 m)Polen
    Jassir Arafat (1,63 m) aus Palästina
    Ariel Sharon (1,60 m) aus Israel
    Indira Gandhi (1,57 m), Indien
    Mahmud Ahmadinedschad (1,67 m) Iran
    Deng Xiaoping (1,52 m)

    Napoleon (1,67 m)
    Äthiopiens Kaiser Haile Selassie 1,62 m
    Japans Kaiser Hirohito 1,65 m
    Dschingis Khan, der Kaiser der Mongolei nur 1,60 m

    Ägypten (König Tutanchamun - 1,67 m)
    Makedonien (Alexander der Große - 1,50 m)
    Jordanien (König Hussein - 1,60 m)
    England (König Charles - 1,62 m)
    Italien (Viktor Emmanuel III - 1,55 m)

    Benito Mussolini (1,52 m)
    Josef Stalin (1,65 m)
    General Franco (1,65 m)
    Nicolae Ceauşescu (1,65 m)
    Adolf Hitler (1,72 m)
    Joseph Goebbels (1,65 m)

    Äußerlichkeiten sind wohl die unbrauchbarste Kategorie für eine halbwegs ernstzunehmende Geschichtsschreibung. Aber sie haben den Vorteil, sofort evident zu sein und mit jedem beliebigen Vorurteil verknüpfbar zu sein, wie ja vorgeführt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Februar 2017
  7. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Es ging mir in keiner Weise um Stalins Äußerlichkeiten und ich habe auch nichts dergleichen geschrieben.
    Ich meinte lediglich, dass die ikonenhafte Darstellung ebenso wie die Froschperspektive besser geeignet scheinen, Stalin in eine Reihe mit z.B. Marx und Lenin zu stellen als Bäder in der Menge.
    Froschperspektive findet sich auch in der Fotografie unter der Kategorie "Untersicht" und hat natürlich Effekte. Daraus einen Zusammenhang zur Körpergröße konstruieren zu wollen ist schräg.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Februar 2017

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