steinerne Zeugnisse franz-span. Reibereien

Dieses Thema im Forum "Südeuropa | Mittelmeerraum" wurde erstellt von dekumatland, 30. Dezember 2014.

  1. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied


    Die Pyrenäen sind ein Gebirge, welches sich abgesehen von seiner fantastischen Landschaft, Geschichtsträchtigkeit, Sehenswürdigkeiten auch durch ein recht hohes Festungsaufkommen auszeichnet. :D Beispielsweise das Erzgebirge ist gegenüber den Pyrenäen geradezu festungsarm. Wer schon mal per Auto von Frankreich nach Spanien gereist ist, der wird unterwegs zahllose Bastionen, Hornwerke, Ravelins, Sperrforts etc. gesehen haben.

    Dankenswerterweise in mehrerer Hinsicht ist da eine nagelneue Publikation:
    Valdenebro Garcia, José Vicente (Koord.):
    El patrimonio fortificado pirenaico [s. XVI-XIX] (=das befestigte Kulturerbe der Pyrenäen 16.-19.Jh.), hrsg. vom Stadtrat der Stadt Pamplona;
    Pamplona, 2014
    320 Seiten, 214 Farb- und 15 SW-Abbildungen
    ISBN 978-84-95930-71-2
    einerseits hat man mit diesem Buch einen fortifikatorisch-historischen Reiseführer für die Pyrenäen, andererseits können Spanischkenntnisse um das spanische "Festungsvokabular" (was heißt span. Kontereskarpe, Grabenstreiche usw.) erweitert werden.

    S.10-165 Aufsätze zur Festungsgeschichte beiderseits der Pyrenäen (spanisch)
    S. 166-237 Katalog (44 Pyrenäenfestungen) (spanisch)
    S. 238-318 Beschreibung des Katalogteils (engl., franz., bask.)
     
  2. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    In Pamplona war ich vor vielen Jahren (wirklich seeehr viele. Es lebte noch Franco). Es hat eine beeindruckende Zitadelle und teile der sonstigen Stadtbefestigung. Daneben fällt mir in den westlichen Pyrenäen nur San Marcial ein. Im Vorland noch der Monte Urgull über San Sebastian und eine kleinere Festung aber ältere Festung in Pasajes (Pasaia).

    In den östlichen Übergängen gibt es dafür die sehr sehenswerte Festung von Bellegarde: Ursprünglich eine spanische (bzw. aragonesische) Befestigungsanlage, nach der Einnahme dann von Vauban überarbeitet. Im Umland gibt es die (ebenfalls ehemals aragonesische) Zitadelle von Perpignan, die Übergangsfestung von Salses, das kleine aber feine Sternfort von Collioure, und auf spanischer Seite die enorme Festung von Figueres, einst die größte Bastionärsfestung Europas. Daneben sind noch Cardona und das Fort von Montjuic bei Barcelona sehr interessant.

    Cardona war übrigens der letzte Stützpunkt der Parteigänger der Austrias der 1714 nach dem Fall Barcelonas kapitulierte und damit den spanischen Erbfolgekrieg auf der Halbinsel zum Ende brachte.

    Die anliegenden Fotos sind vom Montjuic, erst kürzlich besucht.
     

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    Zuletzt bearbeitet: 31. Dezember 2014
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  3. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied


    jepp, Castell de San Ferran: Castell de Sant Ferran ? Wikipedia
     
  4. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Ich kenne es bisher nur von aussen, ein Besuch soll aber sehr lohnenswert sein. Vor allem die enormen Zisternen, die per Schlauchboot besichtigt werden.

    Von Bellegarde muss ich auch noch irgendwo Fotos haben. Die finde ich jedoch gerade nicht. Bei dieser Festung ist die Lage umwerfend.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Dezember 2014
  5. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Also die französische Pyrenäenseite kenne ich ja ganz gut
    Das Fot de Salses bei Perpignan ist für Festungsfreaks aiuf jeden fall empfehlenswert ebenfalls übrigens die Festung von Mont-Louis und das Fort Lagarde tief in den Pyrenäen
    Die mittelalterliche französisch-spanische Grenzlinie verläuft übrigens vom Fort de Salses direkt nachWesten und weist eine ganze Reihe sehr spektakulärer und absolut sehenswerter Grenzfestungen und -burgen auf die teilweise aus alten Katharerburgen hervorgegangen sind: Perillos,Aguilar,Padern, Queribus, Peyrepertuse,Fenouillet,Puilauens,Querigut,Quillan,Puivert,Montsegur, Roquefixiade, Foix,
     
  6. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Ein Festungshistorisch interessantes Stück, ist die Burg von Salses. Diese ist eine Übergangsfestung, errichtet zu einer Zeit (1497-1503) in der die Feuerwaffe anfing zu dominieren und Italien bereits Bastionärfestungen gebaut wurden.

    Der Vorgängerbau wurde 1496 von den Franzosen belagert und praktisch alle Bauten, die oberhalb des Grabens hervorstanden, durch die Artillerie der Angreifer zerstört. Die Einnahme misslang, da eine Entsatztruppe aus Aragon die Belagerer im letzten Augenblick vertrieb.

    Der Nachfolgerbau wurde auf Anweisung von Ferdinand von Aragon mit den neuesten Erkentnissen wiedererrichtet. Bei der Eroberung der Festungen des Königreichs von Granada hatte man festgestellt, dass diese relativ leicht einzunehmen seien, da sie weder "Barrera, ni foso ni baluartes" hätten, also keine Vormauer (Fausebraie), Graben oder Bollwerke. Salses hatte drei halbrunde vorgelagerte Bollwerke, einen bekleideten Graben der später um einen gedeckten Weg, Glacis und zwei Ravelins ergänzt wurde.

    Im Juli 1639 wurde die Festung von den Franzosen erobert, nach einer Belagerung von 40 Tagen. Von September 1639 bis januar 1640 wurde es von den Spaniern belagert die es am Ende durch Hunger bezwangen. Mit dem Frieden der Pyrenäen 1659 ging der Rousillon an Frankreich über und damit auch die Festung von Salses.

    Der Anliegende Plan ist von 1692 und zeigt noch den frühneuzeitlichen Grundriss mit den späteren Ergänzungen.

    Es gibt eine Zeichnung von Leonardo für die Befestigung von Piombino, die der Disposition von Salses sehr ähnlich sieht.
     

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    Zuletzt bearbeitet: 7. Januar 2015
  7. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Das Interessante und Neue an Salses war daß die Festung quasi in den Boden hineingebaut war -da ragen maxmal 1,5Stockwerke über das umgebende Bodenniveau und dass die Oberteile der Bauten fast alle abgerundet sind.
    Damit war das Furt absolut artilleriebeschußresistent
    Himzu kpmmt, dass der raum zwischen äußerer und innerer Mauer in kleine Höfe unterteilt war, die ein Isolieren angreifender Sturminfanteriegruppen erlaubte------Wer mal Richtung Perpignan kommt möge das Fort besichtigen- unmittel bar daneben ist übrigens die Cooperative Rivesaltes wo man leckeren Wein kaufen kann:D
     
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  8. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Hier ist eine Seite die von der Regierung der baskischen Provinz Gipuzkoa betrieben wird. Die Kulturabteilung hat eine heruntarladbare Broschüre über die Befestigungen an der Grenze zu Frankreich von der frühen Neuzeit bis zur Moderne. Es ist zwar auf baskisch, hat jedoch am Ende eine ausführliche Übersetzung ins spanische, französische und englische und dazu sehr viele Bilder.

    Bertan 18 - Gotorlekuak Gipuzkoan: XVI-XIX. mendeak - Fortificaciones en Gipuzkoa: siglos XVI-XIX - Fortifications in Gipuzkoa: 16th -19th centures - Fortifications en Gipuzkoa: XVI-XIXe sièces
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Januar 2015

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