Terra preta - Gartenbau in Amazonien

Dieses Thema im Forum "Lateinamerika | Altamerikanische Kulturen" wurde erstellt von rena8, 22. November 2008.

  1. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied


    Das die Syphilis aus der Neuen Welt stammen soll, war mir bekannt. Die Lama-Theorie kannte ich aber noch nicht; sie wird sicher in den tiefen Abgründen meines Allgemeinwissens einen Platz finden.:devil:

    Eine dichte Besiedlung und städtische Lebensweise ist Ideal ein idealer Infektionsherd. Wen viele Menschen auf engem Raum zusammenleben, kann es leicht zur Pandemie kommen. Daher wurden die europäischen Seuchen gerade den indianischen Hochkulturen zum Verhängnis. Bei in kleinen Gruppen herumschweifenden Jäger und Sammler, können sich Krankheiten nicht so rasant ausbreiten.

    Die Warzenentenknochen als fossile Überreste der Terra-Preta-Kultur wurden mal in irgendeiner Dokumentation genannt. Sie gehören zu den wenigen Tieren, die auf amerikanischen Boden domestiziert wurden. Daneben gibt es nur noch Truthühner, Lamas, Alpakas und eben Meerschweinchen als "indigene" Haustiere. Es ist aber fraglich ob die Haltung dieser Tiere im tropischen Regenwald überhaupt so einfach möglich ist.
    Bei den Fisch- und Schildkrötenzuchten handelt es sich nun mal nicht um domestizierte Tiere. Hier wurden lediglich künstliche Gewässer für Wildformen angelegt, nicht aber Wildformen durch Zucht verändert.
     
    1 Person gefällt das.
  2. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Genau das ist der Punkt. Diese Tiere sind im Tiefland mit Regenwald, der weit von ihrer natürlichen Verbreitung entfernt ist, überhaupt nicht vernünftig zu halten oder gar zu züchten. Dein Hinweis auf die Moschusente, deren Wildform in Amazonien vorkommt, war sehr gut. Die Art ist mir in früheren Beiträgen, obwohl mir der Fakt bekannt war, glatt durchs Denkraster gerutscht.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter


    Eignet sich der Tapir als Haustier?
     
  4. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Nein, absolut nicht, @El.
    Tapire ? Wikipedia
    Alle Nutztiere sind Rudel- oder Herdentiere, sonst sind sie gar nicht vernünftig zu handhaben und züchten.
    (Katzen zählen hier nicht als Nutztier und sind im Grunde immer noch "halbwild".)
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Dezember 2008
  5. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Schade, aber abgesehen vom Verhalten stimmt alles @El Q., Tapir lebt im Regenwald, großer Pflanzenfresser und ordentlich viel Fleisch. :weinen:

    Mir fehlt der Überblick über die amerikanische Regenwaldfauna, mehr im Andenküstenstreifen hätte man doch auch Dickhornschaf ? Wikipedia halten können?
     
  6. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Geeignet wären sie für die Anden vielleicht. Aber in den Rockys oder in Kalifornien waren die Indianer einfache Wildbeuter. Und selbst wenn, wie hätte man die Art durch den Urwald Guatemala - Panama in die Anden präkolumbianisch importieren sollen?

    Dann schon eher diese Burschen für den Regenwald, zumal sie dort wild vorkommen:
    Nabelschweine ? Wikipedia
    Die sind allerdings auch wegen ihrer beeindruckenden Eckzähne (siehe Bild, damit wird erbarmungslos gebissen) und ihrer Aggressivität (das Rudel geht gemeinsam gegen Feinde vor) allgemein gefürchtet. Unsere Wildschweine sind, obwohl größer, wesentlich "umgänglicher"
     

    Anhänge:

    Zuletzt bearbeitet: 7. Dezember 2008
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Über den Seeweg. ;)
     
  8. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Eine Route, die über diese Distanz nicht nachweislich genutzt wurde. Und selbst wenn, festgetüderte Huftiere über Tausende Seemeilen auf flachen Balsaflößen? :confused:
     
  9. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Wahrscheinlich denke ich zu fantasielos, dass mir nur altweltlich bewährte Haustiere einfallen und diese "Warum haben die das nicht so gemacht - Argumentation" hatten wir ja schon bei den Rädern. Trotzdem gefällt mir dein Nabelschwein, @bb.

    Sie haben es eben anders gemacht und haben größere Städte im Regenwald gebaut und Schildkröten gegessen.
     
  10. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Dankeschön. Aber eurozentristisch oder nicht, außer Tapir und Pekari sowie dem Wasserschwein (größtes Nagetier der Welt), das vom Potential her ein gutes Haustier wäre, gibt es im Amazonasregenwald keine weiteren Pflanzenfresser über 20 kg.
    Capybara ? Wikipedia
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Dezember 2008
  11. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Und das Wasserschwein ist nun wirklich ideal, wenn die das damals nicht gezüchtet haben, was man vielleicht noch rausfinden wird, sollte man es heute versuchen.
    Auf jeden Fall habe ich einiges über südamerikanische Tiere gelernt, wenn ich jetzt noch Mockturtlesuppe probieren kann, habe ich große Lust im 3. Lebensabschnitt im Regenwald zu gärtnern. :)
     
  12. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Ich habe noch mal in meiner Geflügel-Fachliteratur nachgeschlagen.
    Demnach wurde die Warzenente wahrscheinlich in Peru und Mexiko domestiziert. Die wilde Moschusente kommt fast überall in Mittel- und Südamerika vor. Enten (ganz im Gegensatz zu Puten) haben ohnehin den Vorteil, dass sie gegen Näße und Kälte ziemlich unempfindlich sind.
    Tatsächlich "entdeckte" schon Columbus 1493 auf Haiti domestizierte weiße Warzenenten.
    Die Warzenente ist also tatsächlich neben dem Hund das einzige Haustier das die mittel- und südamerikanischen Kulturen gleichermaßen halten!

    Wasserschweine wären prinzipiell geeignet; sie leben in Gruppen und sehr fruchtbar. Es ist schon kurios, dass nur das Meerschweinchen domestiziert wurde und nicht seine großen Verwandten. Diese sind in Gefangenschaft leicht zu halten und zu züchten; ich denke da an Maras (Pampashasen), die im Tierpark Hagenbeck einfach frei herumlaufen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Dezember 2008
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Um die Bananendiskussion noch mal aufzugreifen: Wie sie auch erst in späten Texten vom Amazonas belegt sind, für Yucatán schreibt Diego de Landa:
    "Hay muchos plátanos y los han llevado los españoles, que no los había antes. - Es gibt viele Bananen, die von den Spaniern hergebracht wurden, vorher gab es sie nicht (auf Yucatán)."
     
  14. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Dabei muß es sich nicht unbedingt um eine Fischzucht handeln.
    Die indigenen Völker in Kanada und Alaska verwenden eine Art Fischfalle aus künstlichen, im Flußboden verankerten Zäunen.
    Beim corral para la pesca könnte es sich auch um eine solche Fischfalle handeln.
    x xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxX.................................................................
    x .....................................X..................................................................
    x ...........................X .....X .............Strömung........................................
    x ..............................X ...............<-----------<........................................
    x ................................X.........................................................................
    XxxxxxxxxxxxxxxxxxxxX.......................................................................
    Ich habe einfach mal das Aufbauschema oben skizziert. Das ganze wird ähnlich auch an Land für Treibjagden verwendet und garantiert immer einen Grundbestand an frischem Fisch ohne den Aufwand,den man bei einer echten Fischzucht betreiben muß.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Januar 2011
    2 Person(en) gefällt das.
  15. Liborius

    Liborius Neues Mitglied

    Wenigstens eine Teilantwort:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Karpfenproduktion#Geschichte
     
  16. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  17. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Zu der Studie nun der Aufsatz aus der PNAS:

    "Amazonian rainforests once thought to be pristine wildernesses are increasingly known to have been inhabited by large populations before European contact. How and to what extent these societies impacted their landscape through deforestation and forest management is still controversial, particularly in the vast interfluvial uplands that have been little studied. In Brazil, the groundbreaking discovery of hundreds of geometric earthworks by modern deforestation would seem to imply that this region was also deforested to a large extent in the past, challenging the apparent vulnerability of Amazonian forests to human land use. We reconstructed environmental evidence from the geoglyph region and found that earthworks were built within man-made forests that had been previously managed for millennia. In contrast, long-term, regional-scale deforestation is strictly a modern phenomenon."
    Impact of pre-Columbian ?geoglyph? builders on Amazonian forests
     
  18. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

Diese Seite empfehlen