Thomas Cromwell - 1. Earl of Essex

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten in der Neuzeit" wurde erstellt von Naphae, 28. Juli 2009.



  1. Naphae

    Naphae Neues Mitglied

    Jeder kennt Oliver Cromwell, den einzigen nicht-königlichen Herrscher Englands, der das erste Commonwealth of England ausrief. Doch kaum jemand kennt dagegen seinen Vorfahren, dem Oliver seinen Familiennamen zu verdanken hat - Thomas Cromwell. Denn Olivers Urgroßvater und Thomas' Neffe Richard Williams änderte bereits 1531 seinen Namen in Cromwell, um die Verwandtschaft mit dem Lordsiegelbewahrer Heinrich VIII. zu dokumentieren.

    Häufig unterschätzt die Geschichtsschreibung Thomas Cromwells Einfluss auf die englische Geschichte und stellt ihn als den Bösewicht des 16. Jahrhunderts hin. Diese Darstellung ist jedoch zu einfach und zu einseitig. Denn allzu oft wird die Geschichte von Siegern geschrieben. Da stellt sich die Frage: Wer und wo sind die Sieger heute?

    Heute vor 469 Jahren, am 28. Juli 1540, wurde Thomas Cromwell, Earl of Essex, wegen Hochverrats und Ketzerei auf dem Tower Hill enthauptet. Und viele der damaligen angebrachten Vorwürfe gegen ihn, haber bis heute überlebt.

    Mit diesem Thread (den ich auf Grund der Menge in mehrere Teile gliedern werde) möchte ich versuchen, etwas mehr Licht auf diesen Staatsmann zu werfen und ihn als Menschen seiner Zeit und Reformer (in vielerlei Hinsicht) darzustellen.

    :winke:
     

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  2. Naphae

    Naphae Neues Mitglied

    1485 - 1532

    Thomas Cromwell wurde um 1485 in Putney, London, als einziger Sohn von Walter Cromwell, ein Wirt und Schmied (bekannt für seine Trinksucht und seiner Gewalttätigkeit), geboren. Vermutlich gehörte sein Großvater John Cromwell zur Familie von Nottinghamshire, dessen bekanntester Vertreter Ralph Cromwell war, der in der Schlacht von Agincourt kämpfte und bei dem Prozess von Jean d’Arc zugegen war. Er war einer der reichsten und angesehensten Männer seiner Zeit und von 1433-44 Lord Treasurer.

    1502 musste Thomas Cromwell England verlassen, entweder, weil er wegen einer Gefängnisstrafe vorbestraft war oder wegen einer Auseinandersetzung mit seinem Vater. Über die Jahre seines Exils ist nichts Genaues bekannt. Bekannt ist, dass er 1503 als Söldner/Soldat in der französischen Armee bei der Schlacht von Garigliano (Italien) gegen die Spanier kämpfte. Um 1512 arbeitete Th. Cromwell in Antwerpen als Sekretär für den englischen Handel. Während seiner Zeit in Florenz (er arbeitete für einen Bänker) vertiefte er seine Sprachkenntnisse in Italienisch und Französisch und er lernte ebenfalls die Lateinische Sprache.

    1516 kehrte er nach London zurück und arbeitete als Rechtsgelehrter, wodurch sein Name auch Kardinal Wolsey, dem Lordkanzler von Heinrich VIII. das erste Mal erreichte. Der Kardinal nahm Cromwell 1522 in seine Dienste und im darauf folgenden Jahr wurde er ins Unterhaus gewählt. Zwei Jahre später half er Wolsey bei der Auflösung der kleineren Klöster. Als Wolsey 1529 beim König in Ungnade fiel, stieg Cromwell – durch seine weitreichenden Kontakte – rasch zum Abgeordneten für Taunton auf und konnte so im Staatsdienst bleiben. Cromwell war einer der Wenigen, der vor dem Parlament für Wolsey sprach.

    Zwischen beiden Männern, Cromwell und Wolsey, gab es viele Ähnlichkeiten:

    • beide blieben für lange Zeit in der Gunst des wankelmütigen Königs

    • beide wurden vom Hohen Adel verachtet, da beide als Emporkömmlinge großen Einfluss auf den König nahmen

    • beide strebten danach, die kränkelnde mittelalterliche Bürokratie des Tudor-Staates zu reformieren

    • beide waren hoch intelligent und wohl bewandert in internationalen Angelegenheiten (Cromwells Lehrer war das Leben)

    • und beide fielen unabwendbar und endgültig bei Heinrich VIII. in Ungnade

    Am Ende zog Heinrich es vor, auf den Alten Adel zu hören.

    In einem Punkt unterschieden sich Cromwell und Wolsey jedoch:
    Während Cromwell, ein Opportunist, der „Architekt der Henri’schen Reformation“ war, fiel Wolsey in Ungnade, weil er zwei Herrn diente: dem König von England und dem Papst.

    Auf dem Zenit seiner Laufbahn, besaß Thomas Cromwell mehr Macht, als Wolsey je hatte.


    Fortsetzung folgt...
     

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    Zuletzt bearbeitet: 28. Juli 2009
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  3. Naphae

    Naphae Neues Mitglied

    1533 - 1535

    Als Heinrich VIII. sich von Katharina von Aragon scheiden lassen wollte, um Anne Boleyn zu heiraten, war Cromwell einer aus der führenden Faktion (er war im Bunde mit der Boleyn-Familie), die alles in die Wege leitete. Auf Grund seines Wirkens löste Heinrich sich von der Römischen Kirche und durch die Verabschiedung der Suprematsakte 1534 war Heinrich nun das Oberhaupt der Kirche in England und England selbst das erste protestantische Königreich Europas.

    Die wohl bekanntesten Opfer dieses Gesetzes waren Kardinal John Fisher und Sir Thomas More (Morus), die beide des Hochverrats angeklagt wurden, da sie dem König den Eid verweigerten und ihn somit als Oberhaupt der Kirche nicht anerkennen wollten.

    Im Jahre 1533 legte Thomas Cromwell mit dem „Act for Restraint of Appeals“ das Fundament für die Englische Reformation.

    Nachdem Cromwell zum Generalvikar ernannt wurde, begannen 1535 die ersten Visitationen der Klöster durch Kommissare des Königs. Diese Visitationen hatten das Ziel, die Missstände in den Klöstern aufzuklären und somit einen Grund zu liefern, die Klöster endgültig aufzulösen.

    Mit der Auflösung der Klöster wollte Cromwell zwei Ziele erreichen:

    • die Macht der Römisch-Katholischen Kirche endgültig brechen und
    • die ungeheuren Geldmengen der Klöster in des Königs Kasse fließen zu lassen.
    Werdegang:

    • 1533
      • Finanzminister
      • Stadtrichter von Bristol
      • Steward of Westminster Abbey
    • 1534
      • Constable of Herford Castle und Hertingfordbury
      • königlicher Sekretär
      • Constable of Berkely Castle; Master of the Game; Keeper of Hynton Wood und Red Wood
      • Master of the Rolls (bis 10. Juli 1536)
    • 1535
      • Generalvikar
      • Steward der Landgüter von Savoy und Gerichtsvollzieher von Enfield, Middelesex
      • Kanzler der Universität Cambridge
      • Steward und Gerichtsvollzieher der Landgüter von Edmonton und Sayesbury, Middlesex
      • High Steward und Aufseher der Universität Cambridge


    Fortsetzung folgt...
     

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  4. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

  5. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Schöne Serie, ich bin auf die weiteren Beiträge gespannt.
    Und wer über Cromwell und seine Zeit auf vergnügliche Weise noch etwas Hintergrund haben möchte, kann den Roman "Der Brautmaler" lesen, der ist ganz ordentlich recherchiert.
     
  6. Naphae

    Naphae Neues Mitglied

    1536 - ...

    Nun kommen die turbulentesten (/verzwicktesten) Jahre, weshalb die Beiträge auch ausführlicher werden. :S

    Habt bitte etwas Geduld/Verständnis mit mir, da ich versuchen möchte, alles so gut wie möglich darzustellen. :schau:



    In den letzten Jahren seines Lebens erhielt Cromwell weitere Ehrungen von Henry. Der König ernannte ihn zum Baron Cromwell von Oakham, zum Ritter des Hosenbandordens, zum Lord Great Chancellor und schließlich wurde er geadelt und zum Earl of Essex erhoben. Letzteres war Cromwells größter Ehrgeiz gewesen und schon lange durch seinen Dienst an der Krone gerechtfertigt. Während dieser Ansammlungen von Ehrungen jedoch, fing Cromwell an, die Schwachstelle in seinem Erfolg zu erkennen.

    Im Jahre 1536 wurde Henry der Ehe mit Anne Boleyn überdrüssig und wollte die Scheidung. Doch Scheidung in dem Sinne wurde nur kurz in Erwägung gezogen, eh sie ganz beiseite geschoben wurde. Wie auch bei seiner ersten Frau, Katharina von Aragon, war Henry der Überzeugung, dass die Ehe unzulässig war, nur diesmal aus Gründen des Ehebruchs. Um sich von Anne trennen zu können, wendete er sich an Thomas Cromwell.
    Bald darauf wurde Anne Boleyn des Ehebruchs, Inzest mit ihrem Bruder und Hochverrats vor Gericht gestellt und am 19. Mai 1536 enthauptet.


    Wieso verriet Cromwell seine vormalige Gönnerin? Ganz einfach:
    In der rauen Welt der Tudor-Politik, waren Freundschaften im Kampf um Prestige und um das eigene Überleben nichts wert.


    In den darauf folgenden Jahren war Cromwell damit beschäftigt, die alternde Maschinerie der Tudor-Regierung zu verbessern. Er schuf neue Regierungsabteilungen in den Bereichen Staatseinnahmen und etablierte die Pflicht der Priester, Geburten, Taufen, Hochzeiten und Todesfälle zu dokumentieren. Des Weiteren veräußerte er die Kirchengüter an den Landadel, der das Rückrat der Regierung über Jahrhunderte werden sollte. Indem er das tat, ignorierte er den Kronrat. Doch für Cromwell spricht, dass er erkannte, dass der Alte Adel von den Veränderungen in der Regierung überholt worden war. Der Adel beharrte auf seinem unveräußerlichen Recht als Grundbesitzer und wurde dementsprechend wütend, wenn diese Rechte angefochten wurden (dieser Konflikt zwischen Adel und Monarchie ist uralt; man erinnere sich nur an die Magna Carta, als der Adel König John I zwangen, ihre „natürlichen“ Rechte anzuerkennen).

    Anders gesagt: Der Adel nahm Cromwells Einfluss auf den König und seine Pro-Monarchie-, Anti-Adel-Politik übel. Den Angriff des Königs auf die Kirche, empfanden viele Adlige als falsch. Doch da sie den König nicht angreifen konnten, machten sie Cromwell für die unpopuläre Politik verantwortlich. Henry, der an seiner Popularität Gefallen fand, ließ es zu, dass sein zuverlässiger Minister angegriffen wird. So ging Henry mit dem Adel, zu dem auch seine liebsten Freunde gehörten, keinen Konflikt ein.
    -> Während der König beliebt blieb, wurde sein Erster Minister isoliert und im zunehmenden Maße verachtet.

    Als Heinrichs dritte Frau, Jane Seymour, 1537 im Kindsbett starb, verschlechterte sich der Geisteszustand Heinrichs zusehends: Seine Zornesausbrüche und willkürlichen Entscheidungen waren bei Hof berüchtigt. Durch zahlreiche Intrigen beschränkte sich sein Vertrauen nur noch auf wenige Menschen in seinem direkten Umfeld. Aufgrund seiner großen Loyalität dem König gegenüber, avancierte Thomas Cromwell zu Heinrichs engsten Vertrauten.

    Dennoch ist zu bemerken, dass der Anti-Cromwell-Klatsch am Hofe auch Henry beeinflusste. Selbst der König existiert nicht in einer Vakuumblase und da sein Temperament immer unberechenbarer wurde, konnte er leichter durch Meinungen manipuliert werden.

    Cromwells größte Feinde am Hofe waren die höchsten Adligen im Land: Herzog von Norfolk und Herzog von Suffolk. Beide Herzöge hatten bereits Kardinal Wolsey zu Fall gebracht und versuchten dasselbe nun auch bei Wolseys früheren Protegé. Der perfekte Zeitpunkt kam mit der Suche nach einer neuen Ehefrau für den König.


    Fortsetzung folgt ...
     
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  7. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Vielen Dank für diese Darstellungen.
    Mir ist aber nicht ganz klar, wer nun eigentlich genau die Verbündeten/Gegner der Krone waren.

    vs.
    Meine Frage: Welcher Adel ist jeweils gemeint?
    Und welche Rechte als Grundbesitzer waren denn gefährdet, wenn die Krone Klosterbesitz an Adlige verkauft?
     
  8. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Kann mich R.A. nur anschließen. Die Fortsetzung finde ich grundsätzlich ganz gut, aber man müsste da genauer diferenzieren, welchen Adel Du meinst.

    Profitierte vielleicht eine Art Noblesse de Robe von dem Verkauf der kirchlichen Besitzungen, während der alte Adel nichts davon hatte?
     
  9. Naphae

    Naphae Neues Mitglied

    Danke, dass ihr darauf hingewiesen habt. Um dies zu beantworten, müsstet ihr mir etwas Zeit geben. :winke:
     
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  10. Naphae

    Naphae Neues Mitglied

    Ok, ich hab' meine gesamten Quelltexte mal durchgesehen und so, wie ich das verstanden habe, ist es wie folgt gemeint:

    Die meisten Kirchengüter bekamen die einfachen Landadligen, die im Unterhaus des Parlamentes (House of Commons) vertreten waren. Das störte natürlich den Hochadel im Oberhaus (House of Lords), weil sie dadurch ihren Einfluss im Parlament bedroht sahen.

    Das würde ja zu Cromwells zu seiner Anti-(Hoch)Adel-Politik passen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Juli 2009
  11. Josephine

    Josephine Neues Mitglied

    Hallo Naphae,

    ein wirklich interessanter Beitrag.

    Aber bisher war ich der Meinung, dass sich der König nur durch die Familie seiner jeweiligen Favoritin beeinflussen ließ, aber nicht vom allgemeinen Hofklatsch. Diese Familie hatte ja dann auch sämtlichen wichtigen Ämter inne und durch diese wurde der König auch tatsächlich manipuliert, aber gerade durch sein unberechenbares Temprament und sein Mißtrauen war es sehr schwierig für Fremde, ihn zu beeinflußen.

    Gruß.....
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Juli 2009
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  12. Naphae

    Naphae Neues Mitglied

    Hallo Josi,

    natürlich hast du Recht, Josi.Der König ließ sich meist nur von der jeweiligen Familie seiner Ehefrau beeinflussen. Da lag ja auch das Problem für Cromwell. Die Seymour-Familie wurde nie richtig "warm" mit Cromwell (auch wenn die älteste Tochter Elizabeth mit Cromwells Sohn Gregory ab 1538 verheiratet war), dazu kam noch Henrys bester Freund Charles Brandon (Herzog von Suffolk) und Thomas Howard (Herzog von Norfolk), Onkel von Catherine Howard. Dazu kamen dann noch Vertreter des Klerus, wie z.B. Stephen Gardiner.

    Aber wir wissen alle, wie Menschen durch Klatsch und Tratsch beeinflusst werden ;)

    LG :winke:
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Juli 2009
  13. Naphae

    Naphae Neues Mitglied

    1536 ...

    Der perfekte Zeitpunkt kam mit der Suche nach einer neuen Ehefrau für den König. ...


    ... F
    ür Cromwell war das eine weitere Gelegenheit, den Einfluss des Adels weiter zurückzudrängen. Denn die zwei letzten Ehefrauen Heinrichs kamen beide aus dem englischen Adel und brachten ihre Familien somit in die Nähe des Machtgefüges. Dieser Einfluss störte und beschäftigte Cromwell natürlich. Denn wenn deren Einfluss wuchs, würde seiner leiden. Das war der Grund für Thomas Cromwell, die nächste Ehefrau nicht aus dem eigenen Land zu wählen.

    Als hoch intelligenter Staatsmann erkannte er die diplomatische/politische Macht königlicher Vermählungen. Wenn Heinrich eine ausländische (vorzugsweise aus einer großen europäischen Familie) Prinzessin oder Herzogin heiraten würde, würde sich die turbulente englische Außenpolitik beruhigen lassen. So schickte Thomas Cromwell Botschafter auf das europäische Festland, um eine geeignete Kandidatin zu finden. Dabei richtete er sein Augenmerk auf protestantische Herrscherfamilien, vor allem in Deutschland. Denn sein Aufstieg ist unmittelbar mit dem Niedergang des Katholizismus verbunden. Er wollte England auf dem protestantischen (nicht lutherischen) Weg halten.


    Die Suche nach einer passenden Frau erwies sich mehr und mehr als schwierig. Denn Heinrichs Ruf war ihm bereits vorausgeeilt.
    Schließlich fand Cromwell einen protestantischen Verbündeten mit zwei Schwestern – den Herzog von Jülich-Kleve-Berg, dessen Länder nicht nur strategisch, sondern auch wohlhabend waren. Als älteste Schwester des Herzogs wurde Anna zur Braut bestimmt und Holbein wurde nach Kleve geschickt, um ein Portrait von ihr anzufertigen.


    Holbeins Bild von Anna zeigte eine attraktive tadellose junge Frau und auf dieser Basis konnte Cromwell das protestantische Bündnis sichern. Am 6. Oktober 1539 wurde der Heiratsvertrag mit Kleve geschlossen. Die Erfüllung von Cromwells Innen- und Außenpolitik. [...]

    ~ Auf die Verbindung von Heinrich mit Anna von Kleve komme ich später wieder zurück. ~

    Die Suche nach einer passenden Frau für den König wurde mehrmals durch Aufstände unterbrochen. 1536 trat die Pilgrimage of Grace auf den Plan, die die größte Krise während Heinrichs Regierungszeit war. Denn die Aufständischen hatten verschiedene Forderungen, die man in drei Schlüsselthemen untergliedern kann:

    • Ökonomische Beschwerden
      • der einfache Landadel (Gentry) im Norden Englands, sorgte sich über ein neues Gesetz, Statute of Uses
      • neue Gerüchte über eine erneute Schafsteuer
      • durch die Ernte von 1535 stiegen die Lebensmittelpreise, die zur Unzufriedenheit beigetragen haben könnten
    • Politische Beschwerden
      • die Menschen im Norden hatten die Art und Weise abgelehnt, die Heinrich gebrauchte, um sich von Katharina von Aragon scheiden lassen zu können
      • Zorn über den Aufstieg Thomas Cromwells, da er von einfacher Geburt war

    • Religiöse Beschwerden
      • die Römisch-Katholische Kirche war Zentrum des Gemeinschaftslebens der Menschen im Norden
      • viele gewöhnliche Landarbeiter waren besorgt, dass ihre Kirchengüter konfisziert werde würden
      • auch gab es Gerüchte, dass die Taufe besteuert werden sollte
      • die kürzlich freigegebenen 10 Artikel (Thirty-Nine Articles) gingen gegen den konservativen Glauben der Menschen
    Fortsetzung folgt...
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Juli 2009
  14. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    @ Naphae

    Danke für die Aufhellung.:winke:




    Müsste es da nicht "Missernte" heißen? Das würde zumindest den Anstieg der Lebensmittelpreise erklären.


    Ansonsten finde ich das auch viel zu selten erwähnt, Du nennst es ja, dass es für Henry immer schwieriger geworden sein muss, eine Familie zu finden, die bereit war, seine Tochter an einen untreuen und wortbrechenden Gatten wie Henry zu vergeben. Ich bin mal gespannt, wie es weiter geht und ob Du berichtest, wie denn die Verwandschaft von Anna von Kleve auf die Lösung der Verbindung und erneute Vermählung von Henry reagierte.

    Zumindest was die außenpolitische Lage anbetrifft, würde ich nicht gern in der Rolle von Thomas Cromwell stecken. Er musste ja jeden Faux pas seines Herren und Meisters irgendwie ausgleichen, dass sich überhaupt noch Alliierte fanden. England war damals ja noch nicht die Supermacht wie im 18.Jh., als manche Fehler einfach durch die wichtige Rolle im Mächtekonzert kompensiert werden konnten.
    Andererseits war England im protestantischen Lager, wenn man davon in den 1530ern überhaupt sprechen kann, wohl die größte Macht. Apropos, gab es enge Beziehungen zum Schmalkaldischen Bund(1531 gegründet)? Oder konnte sich dergleichen Cromwell/Henry VIII nicht erlauben, wenn er nicht den letzten Kredit beim Kaiser verspielen wollte?

    Eben bei Wikipedia gelesen:
    Landgraf Philipp I. musste im Regensburger Vertrag von 1541, zu dem er wegen seiner Bigamie gezwungen war, einräumen, dass weder Kleve, noch England und Frankreich dem Schmalkaldischen Bund beitraten. Ja, der hessische Landgraf versprach sogar Unterstützung gegen Osmanen, Engländer und Franzosen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Juli 2009
  15. Naphae

    Naphae Neues Mitglied

    Du merkst aber auch alles! :D

    Lieber Brissotin, ich habe die Geschichte der Suche nach einer Ehefrau für Heinrich nur erst einmal angeschnitten... Etwas Geduld bitte ;)

    Nur Geduld Brisso, darauf wäre ich garantiert eingegangen. Nur brauche ich für den nächsten Beitrag etwas mehr Zeit. Das Jahr 1540 ist sehr verzwickt in seinem Verlauf und die Zusammenhänge sind ebenfalls ziemlich kompliziert. Natürlich möchte und werde ich versuchen, alle Punkte so deutlich wie möglich zu beleuchten. :lupe:

    Der Schmalkaldische Bund hat nichts mit der Verbindung England-Kleve zu tun, wie du ja selbst bei Wiki nachgelesen hast. Auch habe ich in meinen gesamten Texten zu diesem Thema nichts davon gelesen.

    Neben den Gründen in meinem vorherigen Beitrag, gab es einen weiteren Punkt: Da Wilhelm der Reiche seit 1538 gegen den Willen des Kaisers das Herzogtum von Geldern regierte und somit das größte Territorium im Norden Deutschlands kontrollierte, war er ein guter Verbündeter gegen Kaiser Karl V. und Franz I. von Frankreich.


    Ich bitte also noch einmal um ein wenig Geduld...

    LG :winke:
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Juli 2009
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  16. Naphae

    Naphae Neues Mitglied

    1539

    Hallo Brisso!

    Zu deiner Frage:
    In einem Dokument über die 39 Artikel fand ich doch etwas, was mich allerdings etwas verwirrt, weil ich davon - wie gesagt - noch nie etwas gelesen hatte.

    ... und der König war nicht willig, völlig mit den katholischen Praktiken zu brechen und löste die Konferenz auf. Denn die Glaubenslehre der katholischen Kirche behielt Heinrich trotz der Suprematsakte und anderen reformatorischen Neuerungen bei.


    ~***~


    Im Mai 1539 verfasste Bischof Stephen Gardiner von Winchester, im Auftrag des Königs, die Sechs Artikel, welche an der Transsubstantiation, an Ohrenbeichte und Zölibat, an Seelenmessen und Verbot des Laienkelchs festhielten.


    Cromwell setzte im Parlament diese Sechs Artikel durch, welche der Henri’schen Reformationen einen konservativen Anstrich geben und dem konservativen europäischen Adel zeigen sollte, dass Henry doch kein so großer Häretiker war.
    Auch wenn diese Artikel Cromwells reformatorischen Plänen einen Dämpfer verpassten, ist es dennoch ein gutes Beispiel für sein Talent, inländische Spannungen zu zerstreuen.

    -> Die Artikel konnten die Englische Reformation nicht mehr aufhalten.


    Dennoch wurden nun Protestanten, die die Sechs Artikel nicht beachteten, sowie Katholiken, die die Suprematsakte nicht anerkannten, verfolgt und zum Tode verurteilt.

    :winke:

    Fortsetzung folgt mit dem Jahre 1540...
     
  17. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Darf man immer mal was einwerfen?

    Dass Henry zum Schmalkaldischen Bund wollte, hatte ich ja schon in Wiki irgendwo gelesen. Der Grund ist leicht: mit den anderen Machtblöcken hatte er es sich durch seine Religions- und Heiratspolitik bereits verdorben. Den deutschen, lutherischen Fürsten konnte das egal sein.

    Im Grunde gab es diese Konstellation, zu der es fast gekommen wäre:
    Frankreich - England - Schmalkaldischer Bund (v.a. Landgrafschaft Hessen u. Kurfürstentum Sachsen)
    Im Grunde wollte sich Frankreich somit schon 100 Jahre bevor es diese Karte wirklich ausspielte als Gegengewicht zum Kaisertum und Bewahrer reichsständischer Libertät gegen die Vormachtpläne des Kaisers aufspielen. England hätte wohl von diesem starken Bündnis profitiert. Offenbar war es auch gleich, dass François Ier in seinem eigenen Land die "Lutheraner" genannten, eigentlich Reformierten, verfolgen ließ.
    Jedenfalls kam es zu alledem nicht, weil sich der Landgraf von Hessen Philipp von einem solchen Bündnis des Schmalkaldischen Bundes wie gesagt distanzieren musste.

    Insgesamt verdeutlicht das Ganze aber schon recht gut den Zusammenhang der reformatorischen Handlungen in Europa, wenngleich man die angelikanische Richtung garnicht mit der lutherischen oder gar reformierten gleichsetzen oder vermengen darf. Wir können aber später noch auf die Hoffnungen der deutschen Lutheraner im Bezug auf England kommen.:winke:
     
  18. Naphae

    Naphae Neues Mitglied

    Klar darf man hier Einwürfe bringen...

    Vielen Dank Brisso, für die Darstellung. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich in diesem Punkt nicht so richtig durchgesehen habe! :red:
     
  19. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich habe jetzt mal eine Biographie zu Königin Elizabeth I. gelesen. Wenn ich es daraus recht verstand, versuchte es Spanien ungeachtet aller Kränkungen, Stichwort Königin Katharina, mit England unbedingt in einem Einvernehmen zu bleiben, auch wenn die religiösen Unterschiede zu Diskrepanzen führten. Das heißt, das englisch-spanische Bündnis war eine Grundkonstante in den Verhältnissen der beiden Länder über viele Jahre und scheinbar noch bis zum großen Krach in den 1580ern.

    @ Naphae

    Im kurzen Artikel in Wikipedia steht ja:
    (aus: Thomas Cromwell, 1. Earl of Essex ? Wikipedia )

    Was heißt dabei "aufgedrungen"? Ich hatte an anderer Stelle einmal gelesen, dass sich Henry doch in Anna von Kleve aufgrund des Gemäldes von Hans Holbein d. Jüngeren vernarrte. War es so, kann von einem Aufdrängen wohl kaum die Rede gewesen sein. Obwohl es natürlich möglich ist, dass der König das später um- also missgedeutet hat, aus einer eigenen Verfälschung der Retrospektive, wie er ja gern die Schuld anderen zuschob.

    Kann man heute ungefähr ermitteln wie groß die Partei am Hofe von Henry VIII. 1539 war, welche für eine Allianz mit Spanien und gegen dieses Abenteuer im protestantischen Lager war? Kann man ungefähr sagen wie groß die Anhängerschaft der Feinde Cromwells, also des Duke of Norfolk und des Bischofs Gardiner war?
    Ich weiß sowas ist schon für das 17. und 18.Jh. schwer, eben weil die Leute auch alle paar Tage überliefen.
     
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  20. pitbull

    pitbull Gesperrt

    Danke, sehr interessant, zumal die " Tudors "-Serie mir auch gefallen hat .:winke:
     

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