Unsere Freunde, die Russen

Dieses Thema im Forum "Blockbildung und Kalter Krieg" wurde erstellt von balticbirdy, 7. Oktober 2008.

  1. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Die Gräfin Stauffenberg (Mutter der Attentäter) hatte eine Freundin, russische Gräfin, die hat es in den 50ern nach Thüringen verschlagen.
    In den 70ern durfte sie dann in den Westen.
    Die Gespräche mit ihr waren immer hochinteressant.
    (Ist mit fast 90 noch mit dem Motorrad nach Innsbruck gefahren)

    Zitat aus dem Gedächtnis:
    "Ich hätte nie gedacht, dass die Deutschen so schlau sein können, die machen sich über die ganzen Sowjet-Offiziere permanent lustig, ohne dass die es merken"
     
  2. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Im real existierenden Sozialismus gibt es keine menschliche Logik. Da ist alles auf Aufrechterhaltung einer Ideologie aufgebaut.
     
  3. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied


    Hab ich es doch gewußt: Einen ganz ähnlichen Pfad hatten wir schon mal. (Bin mir beim nochmaligen durchlesen schon vorgekommen, wie bei "Und täglich grüßt das Murmeltier" :D) Hier kannst du über das Thema noch mehr erfahren: http://www.geschichtsforum.de/f46/deutsch-sowjetische-freundschaft-der-ddr-15510/
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Oktober 2008
  4. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Ja stimmt, das könnte zusammengehängt werden.
    Das Geheimnis der DSF ist mir zwar etwas klarer geworden, mit dieser extremen Abschottung hätte ich überhaupt nicht gerechnet. Ich weiß gar nicht, wo ich dazu Parallelen suchen sollte.
    Wie waren denn die DDR-Bürger-Beziehungen zu den anderen Nachbarn? Gab es Urlaubsflirts in Ungarn oder deutsch - russische Saufabende am schwarzen Meer?

    Ich bin jetzt richtig neugierig geworden wie meine Kollegin ihren Dresdner überhaupt kennengelernt hat.

    Wir haben in den 80ern immer ein Messezimmer bei uns in der Wohnung vermietet, damals gab es zu Messezeiten zu wenig Hotelzimmer.
    Einmal hatten wir auch Russen, die waren nett aber etwas anstrengend. Gewöhnlich kamen die Messegäste nur zum Duschen und Schlafen, mit den Russen gab es ein paar alkoholische Abende, an mehr kann ich mich aber nicht erinnern.
     
  5. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Also der (Schul-)Freund meines Vaters ist schon seit der DDR-Zeit mit einer Polin verheiratet. Ich weiß noch, daß die Gesetze auch da recht streng waren, denn Anfangs mußte sie ab und zu für eine gewisse Zeit nach Polen zurück und das, obwohl die beiden schon gemeinsame Kinder hatten und mußte also Mann und Kinder zurück lassen. Das Geheule der Kinder kann man sich wohl vorstellen, aber es half nichts. Ich weiß aber nicht, ob sie da schon verheiratet waren, oder ob sie erst später geheiratet haben.
     
  6. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Warum nicht? Wer konnte reiste nach Ungarn an den Balaton oder nach Bulgarien, die Tschecheslowakei war auch sehr beliebt. Möglichkeiten gab es schon.
    Es gab mal einen Film, in dem eine Frau aus der DDR in Bulgarien? mit Hilfe eines Botschaftsangehörigen den Vater ihres Kindes suchte. Sie wußte nur das er Mitglied einer Mannschaft war die in der DDR an einem Turnier teilgenommen hatte.
     
  7. Bartek

    Bartek Aktives Mitglied

    Als ich 12-13 J. war habe ich die russ. Soldaten kennengelehrnt. Sie waren nett und herzlich. Und das ist meine einzige Erinnerung, aber ich habe einen Freund (er ist uber 50) der in Białogard wohnt, wo eine starke Einheit der russ. Armee gab. Er sagte, dass unter Polen und einfache rus. Soldaten fast keine Kontakte moglich waren, weil sie einfach total isoliert waren. Nicht nur in Białogard aber auch in anderen pol. Stadte.
    Mein Freund hat mir erzahlt, dass eines Tages ein russ. Soldat ein Lkw durch Białogard gefahren hat und hat einen alten Priester gestossen und umgebracht. Dieser Russe hat so grosse Panik bekommt, dass der Burgermeister Białogard und der andere Priester sofort nach rus. Kaserne gekommen sind und haben erzahlt, dass der alte Mann Rad gefahren ist, er hat einfach kein Auto in der Kreuzung bemerkt und die Tragodie ist passiert. Mit kein Schuld dieses Soldaten.
    Mein Freund hat aber zwei Offiziere kennengelehrnt. Sie haben sich von Zeit zu Zeit getroffen. Der erste war ein Russe und der zweite hat aus Moldawien gestammt. Er hat Geschichte Polens perfekt gekonnt. Das war komisch, weil sich beide immer auf dem Grund der Politik gestritten haben. Mein Freund hat immer ein starken Ausdruck, dass diese Diskussionen der einzige Ziel jedes Treffens bei ihm waren :) Da bei ihm konnen beide ohne Skrupeln diskutieren. Er hat aber auch eine junge russische Ehepaar getroffen. Beide waren Arzte und haben in Kaserne gearbeitet. Sie waren sehr kulturell und ehrlich. Und sie haben keine Tauschung was fur eine Rolle die russische Armee im Polen spielt.
    Unter Polen und Russen gab es kein Hass, aber die Freundschafte waren auch nicht alltaglich.
     
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  8. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    ... und der war, das ist die Pointe, ein Deutscher NACH dem Trikottausch.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Oktober 2008
  9. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Hallo Bartek,

    also im großen und ganzen auch wie in der DDR. Aber gab es denn bei euch eine offizielle Organisation für die Freundschaft zwischen Polen und der SU,
    so wie in der DDR oder war das jedem selbst überlassen?
     
  10. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Ich konnte mich nur noch erinnern, das der Mann von der Botschaft ziemlich genervt war.
     
  11. florian17160

    florian17160 unvergessen

    In der DDR stand die DSF nur auf dem Papier.
    Das muss ich mal klarstellen.
    Was jeder einzelne daraus gemacht hat, kann kein Gesetz beeinflussen.
     
  12. Bartek

    Bartek Aktives Mitglied


    Naturlich. Towarzystwo Przyjaźni Polsko-Radzieckiej (Gesellschaft fur pol. - sowjetische Freundschaft), in 1944 gegrundet. Bis 1980 gab es 3 000 000 Mitglieder - vor allem so gen. "Gruppenmitgleder" : zB Direktor eines Betriebs hat entschieden, dass jeder Arbeiter zur Gesellschaft gehoren muss... und hat alle seine Leute, keinen fragend, en gros eingetragen. Aber auch niemand hat Probleme damit gemacht, weil alle "Mitglieder" wussten, dass diese Gesellschaft eine Fikzion ist und haben das total ignoriert.
     
  13. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Wie meinst du das Flo?
    Ich weiß noch, daß wir als Lehlinge da eintreten mußten (per freiwilligem Zwang). Ich wollte mich sogar weigern, darum weiß ich das noch so genau, und dann haben alle recht heftig auf mich eingeredet und ich wurde sogar gefragt, ob ich etwas gegen das Volk der SU hätte. Nach drei Tagen gab ich dann nach und trat dann auch dort ein - wie alle anderen. Nach der Lehre blieb ich dann sogar drin, weil es 10 M bei der Jahresendprämie mehr gab und die Beiträge für die DSF aus der Brigadekasse bezahlt wurden.
     
  14. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Das Regime innerhalb der sowjetischen Armee war an Brutalität nicht zu überbieten. Dass der sowjetische Fahrer Panik bekam war verständlich. Eigentlich drehten die betroffenen Sowjets bei solchen Ereignissen wie Unfall in der Öffentlichkeit oder Panzer flog von der Brücke in einen Wasserkanal durch und liefen Amok. Nach dem Motto: Amok und sterben ist besser als sich der sowjetischen Militärgerichtsbarkeit und dem internen Terror zu unterstellen.
     
  15. Bartek

    Bartek Aktives Mitglied

    Genau. In Białogard war die Skale der Selbstmorde unter den sowj. Soldaten einfach grausig. Ausserdem hatten diese Jungen ewig Hunger. Eine Nachbarin meines Freundes hat am Rand von Białogard kleines Feld mit Kohl. Jeden Morgen fruh sind die russischen Kompanien dort gelaufen. Nach zwei Wochen gab es kein Kohl. Sie haben alles gegessen. Roh und laufend. Auch bei anderen Nachbarn, die dort Felder oder Gartenen gehabt haben sind die Gemuse und Obste verschwunden. Aber Niemand hat Vorwurfe dawegen gemacht, weil alle Leute gesehen haben, wie diese Jungen hungrig waren.
     
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  16. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Es ist nicht so sehr die Frage, ob "die Russen" unsere Freunde sind, sondern gestern hatte "ttt" - m.E. zu Recht - die Frage nach einer angemessenen Erinnerungskultur an die sowjetischen Opfer im WW2 aufgeworfen.

    Es gibt wenige Erinnerungsstätten in Deutschland an die - mehr als 25 Mio - sowjetischen Opfer, die im Verlauf der "Operation Barbarossa" getötet wurden. Die bekannteste ist wohl die am Brandenburger Tor, die die Rote Armee selber gebaut hatte. Mir ist keine - deutsche - Gedenkstätte bekannt, die zentral dieser Opfer gedenken würde.

    Es stellt sich dabei auch nicht die Frage nach einem verspäteten kollektiven Schuldeingeständnis, sondern die Frage der lebendigen Verantwortung der jetzigen Generationen aus diesen Ereignissen für die Zukunft zu lernen.

    Und ohne eine entsprechende Erinnerungskultur, die wir mittlerweile mit Frankreich praktizieren, wird der Angriff von Hitler-Deutschland auf die Sowjetunion im kollektiven Gedächtnis verblassen.

    Unternehmen Barbarossa - ttt ? titel, thesen, temperamente - ARD | Das Erste
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Juni 2016
  17. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Mir ist das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park eingefallen. Allerdings ist dieses nicht generell den sowjetischen Opfern der "Operation Babrbarossa" gewidmet, sondern speziell im 2.WK gefallenen Rotarmisten.
     
  18. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Ich habe den Eindruck, diese Aussage trifft in Deutschland nicht nur für die gefallenen Soldaten der damaligen Sowjetunion zu, sondern auch für die anderen Alliierten und Verbündeten.
    Irre ich mich da, oder?
    Sollte eigentlich Bestandteil des Geschichtsunterrichtes sein. Ich meine Besuch von Schulklassen solcher Friedhöfe/Gedenkstätten. Habe den Eindruck, man hat dafür keinen Nerv oder was auch immer.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Juni 2016
  19. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Es ist am Volkstrauertag weithin üblich alle Opfer von Krieg und Gewalt in das Gedenken einzubeziehen. Einmal abgesehen von persönlichen Verbindungen, haben wir da eine ungewöhnlich offeneErinnerungskultur. Jedenfalls kenne ich es so. Aus Münster und Paderborn kenne ich es, das Vertreter der Britischen Streitkräfte offiziell teilnehmen.

    Die Beziehungen zur Sowjetunion sind im Westen natürlich immer noch durch den kalten Krieg belastet. Aber ausgeschlossen wird das Gedenken auch nicht.

    Den Osten mag ich nicht beurteilen, aber zumindest für die alten Bundesländer dürften hier historische Gründe zu suchen sein.
     
  20. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Wieso eigentlich "natürlich", angesichts der Tatsache, dass beispielsweise Gorbatschow einer der populärsten nicht-deutschen Staatsmänner in Deutschland war und vermutlich noch ist und das Feinbild Sowjetunion zerbröselt ist.

    Es ist wohl eher der "neue Kalte Krieg", der rivitalisiert wurde und man Putin und Co keine politische Bühne bieten wollte.

    Das mag politisch verständlich sein, dennoch wird es den sowjetischen Opfern und ihren Angehörigen nicht gerecht.

    Das sind zwei Aspekte, die man getrennt behandeln könnte.


    Es ist ein Unterschied, ob man etwas nicht "ausschließt" oder ob man es aktiv lebt. Und es gibt keine nennenswerte Erinnerungskultur an die sowjetischen Opfer in Deutschland, gemessen an der kaum vorstellbaren Größe der Opfer.

    Ansonsten ist der Kalte Krieg vorbei und man sollte eigentlich offensiv diese Thema angehen und angemessene Zeichen setzen. Von sich aus und aus innerer Überzeugung und Einsicht und nicht aufgrund außenpolitischer Überlegungen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Juni 2016
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